Wahltag in Thüringen

Heute ist Wahltag und danach hat der Spuk hoffentlich ein Ende.

Den Spuk um die NPD habe ich euch ja schon beschrieben. Ich hoffe ja, dass keiner diesen Kinderf** die Nationalen Gehirnbefreiten wählt. Aber das wäre zu viel gewünscht.

Eine Chance besteht aber, dass es weder NPD noch AFD in den Landtag schaffen, da sie sich ja gegenseitig die Wähler wegzunehmen scheinen. Beide keine Option.

Die Plakate der NPD waren ziemlich eklig. Man hing etwa absichtlich ein Plakat mit dem Spruch “Gas geben!” vor dem KZ Buchenwald auf. Und dann waren Plakate wie das, bei dem ein ausländischer Mitbürger mit vielen Geldscheinen in der Hand gezeigt werden soll und darüber steht: “Die bekommen alles. Und was kriegt ihr?” Ekelhaft, plump und wahnsinnig hohl. Leider damit genau richtig für die Standard-NPD-Wählermasse.

Die AFD hat sich indes wohl von den BLÖD-Schlagzeilen inspirieren lassen. Immmer schön kurz! Immer schön Ausrufezeichen! Vergesst bloß die blöden Ausrufezeichen nicht!!!11!EINSELF!

Und bei der NPD schon im Mai *hust*

So rein vom Wahlkampf her fand ich die FDP nicht schlecht. Zuerst hingen gelbe Plakate mit den Spitzenkandidaten und dem Spruch “Wir sind dann mal weg” … was ich herrlich selbstironisch fand. Ob es auch selbstironisch sein sollte? :D

In den letzten Tagen wurden über die Sprüche noch rosa Zettel geklebt mit dem Spruch “Landesstimme FDP und wir bleiben”. Klar, für jemanden mit meiner Einstellung ist das ja eher eine Drohung. ;) Aber die Idee an sich fand ich kuhl.

Die besten Wahlplakate hatte meiner Meinung nach die Grüne. Darauf standen viele wichtige Themen, es waren keine Gesichter darauf (ich hasse Wahlplakate mit Riesengesichtern) und das Layout war einfach, frisch und formschön. (Leider fand ich jetzt nur das eine, vielleicht erweitere ich das noch.)

CDU und SPD waren meiner Meinung nach kaum zu unterscheiden. Hohle Phrasen und Heile-Welt-Bilder. Laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig!

Schon etwas ältere Plakate, aber die sind jetzt auch nicht viel anders.

 

Leider scheint die Linke in diesem Jahr auch einen solchen Plakatdesigner gehabt zu haben. Ich fand die Plakate misslungen. Kandidat in groß und in viel zu kleiner Schrift (für ein Plakat) ODER Kandidat in groß mit genauso ausdruckslosen Sätzen wie CDU und SPD. Sorry Linke, aber das habt ihr doch schon viel besser gekonnt! Schmeißt euren Designer bitte raus. Danke.

Von DIE PARTEI hab ich in Jena leider keine Plakate gesehen, aber in Schulstadt. Und ich musste sehr lachen. Das macht die Satirepartei für mich sehr sympathisch. Ich lache nämlich gern.

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Natürlich sollte man sich nicht nur an den Wahlplakaten orientieren und allein von ihnen abhängig machen, wen oder was man wählt. Aber sie zeigen doch interessante Einblicke in die Parteien an sich, die Wähler derselben und in die Gesellschaft im Ganzen.

Wir sind eine heterogene Gesellschaft und das ist gut so. Damit das so bleibt, sollten auch alle brav wählen gehen. Denn nicht allen Parteien ist daran gelegen, dass es so bleibt. Und die will man doch mit Nichtwählen nicht indirekt unterstützen, gell? ;)

Random Facts #59

1. Taxifahrer in London zu werden ist nicht leicht. Man muss ein Examen ablegen, für das man 25.000 Straßen und 50.000 wichtige Orte kennen muss. Die Vorbereitungszeit hierfür beträgt knapp 34 Monate.

2. Der Fahneneid an amerikanischen Schulen ist eine Erfindung eines Vertreters, der Fahnen verkaufte.

3. Verizon ist ein US-amerikanischer Telekommunikationskonzern, der den Auftrag erhielt, bis 2015 alle Häuser in Pennsylvania mit Highspeed-Internet via Glasfaserkabeln zu versorgen. Dafür erhielt der Konzern 2,1 Milliarden Dollar aus Steuergeldern. Bis 2014 sollte bereits die Hölfte der Häuser angeschlossen sein. Verizon hielt die Deadline aber nicht ein, behielt das Geld und lieferte nicht. Das gleiche (!) passierte zuvor in New York.

4. Hitler plante für den Falle des Sieges im 2. Weltkrieg, alle Einwohner Moskaus zu töten, die Stadt abzureißen und durch einen See zu ersetzen.

5. Jeanne de Clisson war eine Französin im 13. Jahrhundert, die zur Piratin wurde, um den Tod ihres Mannes zu rächen, der wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Sie verkaufte das Land ihrer Familie für 3 Schiffe und kaperte in den nächsten 13 Jahren viele Schiffe des Königs. Gefangen genommene französische Adlige köpfte sie persönlich mit einer Axt.

6. 1956 fand die US-Regierung heraus, dass Bier auch nach der Detonation einer Atombombe noch genießbar ist. Dazu wurden zwei Bomben nahe mehrerer Container Bier gezündet.

7. Während ihrer Metamorphose zum Schmetterling sind Raupen zeitweise vollständig flüssig.

Nachtrag zum Ost-West-Gedöns

So, bevor ihr mir hier alle an die Gurgel geht, möchte ich etwas klarstellen.

Ich weiß, dass der Artikel keine Glanzleistung war. Könnte an der furchtbar stressigen Woche liegen. Oder daran, dass ich ganz schön einen sitzen ein wenig beschwipst war. :D Punkt eins.

Punkt zwei ist, dass ich einfach mal auf die Kacke hauen wollte, um zu sehen, was für Antworten kommen. Ich habe mit allem gerechnet. Insofern ist auch Wut und Unverständnis völlig im Rahmen des Erwarteten.

Im Prinzip ist es mir scheißegal, Ossi zu sein. Woohoo, ich wurde in der DDR geboren und nicht in Lampukistan. So what?

Es gibt aber Situationen, die nerven gewaltig. Dazu zählt die Schönträumerei der Elterngeneration, die meint, dass alles spitze war.

Auch die andere Seite, die behauptet, dass alle Menschen ungefähr so dran waren wie die Nordkoreaner heute. (Kommt von den Medien ganz gern.)

Beides Schwachsinn.

Es ist aber nunmal so, dass man sich irgendwann im Laufe der Selbstfindung natürlich fragt, woher man kommt. Und dazu gehört auch die Geschichte der Eltern und Großeltern. Die kriegen wir in schwarz oder weiß, je nachdem, wer es erzählt. Das nervt. Und ist anstrengend.

Fast so sehr wie die doofen Sprüche, die ich im gestrigen Artikel erwähnt hatte.

Und ja, es gibt Situationen, in denen wird man wegen seiner Herkunft diskriminiert und benachteiligt. Im eigenen Land. Das wollen wir mal nicht vergessen, okay? Danke.

So. Das wars eigentlich auch schon.

Schaut doch trotzdem mal in den Artikel, der ist ganz interessant.

See ya!

Ost-West und alles dazwischen

Ich stieß über einen Artikel über das Thema Ostdeutsche/r zu sein, wie es sich anfühlt, was das ist etc.

Da schreiben Leute, die so alt sind wie ich und mit denen ich zu 100% mitfühlen kann.

Der Artikel hat mich doch sehr nachdenken lassen.

Wie ist das für mich, ostdeutsch zu sein? Was bedeutet das? Was macht es mit mir? Mit meiner Umwelt?

 

Zuerst einmal muss ich sagen, dass irgendwie keiner von den “Nicht-Ostdeutschen” eine Ahnung hat, wie ermüdend es ist gefragt zu werden “Echt?! Du bist ein Ossi?!” No shit, Sherlock. Und das schließt du NUR aus der Info, dass ich dir sage, dass ich aus Thüringen komme. Wow. Meisterleistung.
Genauso wie es sehr!!! nervt Sprüche zu hören wie “Habt ihr überhaupt fließend Wasser und Strom?” Haha, witzig, witzig. Den Spruch hab ich ja noch nieee gehört, wie originell der ist! (Das war übrigens Sarkasmus. Glaubt mir, jeder “Ossi” hat den Spruch schon tausendmal gehört und findet ihn nur noch panne.)

Aber was zeichnet mich als Ossi denn aus? In einem Land geboren zu sein, das es nicht mehr gibt? Hey, ernsthaft, ich war zum Mauerfall noch nicht mal drei! Das kann es doch nicht sein?! Für die meisten ist es das aber.

Einmal sagte jemand zu mir, ich hätte gar keinen richtigen ostdeutschen Dialekt… Da bleibt einem glatt die Spucke weg. (Für die, die es noch immer nicht kapiert haben: es gibt keinen ostdeutschen Dialekt. So wie es auch kein einheitliches Westdeutsch gibt. Oder sprechen im Westen alle Köllsch?)

Ist es vielleicht, wenn ich von Dingen spreche, die ein Westdeutscher nicht kennt? Wird ja gerne abgetan als “Ossikram”. Aber auch das ist Humbug, möchte ich meinen. Denn es ist egal woher man kommt, man kennt immer etwas, das ein anderer nicht kennt. Jemand aus Hamburg kennt genauso etwas anderes als ein Stuttgarter wie ein 50jähriger etwas anderes kennt als ein 20jähriger. Isso.

Dass ich Ossi bin, das merke ich eigentlich am ehesten dann, wenn ich mal wieder darauf reduziert werde. Man muss sich das mal vorstellen. Über 20 Jahre nach der “Wiedervereinigung” werde ich, die keine eigenen Bezüge zur DDR hat, auf die Geburt in der DDR reduziert. Wie gaga ist das denn?
Es gibt etwa das Phänomen des “Besserwessis”, das einen Westdeutschen bezeichnet, der sich für klüger, besser, toller hält als alle Ostdeutschen zusammen.

Selbst Kids, die zum Mauerfall noch Quark im Schaufenster waren, führen sich manchmal so auf. Da habt ihr ihnen was Tolles beigebracht, liebe Besserwessieltern!

Es ist schwierig für Ostdeutsche in meinem Alter, ostdeutsch zu sein.

Die Erinnerungen sind nicht unsere. Die Meinungen sind nicht unsere.

Die Menschen reagieren merkwürdig auf etwas, worauf man keinen Einfluss hatte und eigentlich auch keine/kaum Bezugspunkte. Die Eltern erzählen von der guten alten Zeit und wie toll alles war und dass man eigentlich die Arschkarte hat, wenn man das nicht miterlebte. Oder sie schweigen es tot. Die Medien verteufeln alles Ostdeutsche. Oh wie schlecht und schlimm es war! Ohhh, eine ostdeutsche Kanzlerin, na ob das was wird? (Ich sehe es schon kommen: sobald Frau Merkel den Kanzlerposten räumt, werden all ihre Verfehlungen aufs Ostdeutsch-Sein geschoben. Kotz.)

Selbst fühle ich mich nicht anders; ich werde aber anders gemacht. Anders angesehen. Für mich gibt es kein Ossi/Wessi. Es wird mir aber aufgezwungen. Und immer wird betont, dass Wessi besser sei als Ossi.

Es gilt: Alles Ostdeutsche abschaffen! Alles aus der DDR verbieten!

Ich meine: Hallo? Mit der FDJ etwa verbietet man die Erinnerungen meiner Elterngeneration; ihre Identität, ihren Stolz, ihre Kindheit und Jugend. Stellt euch mal vor, in 20 Jahren verbietet jemand eure Tennis-, Fußball- oder Wanderervereine. Wie scheiße ist das?

Aber auch dies betrifft mich ja eigentlich nicht direkt. Es wird -wie so vieles- über die Köpfe meiner Schnittmenge (ostdeutsch, zwischen 25 und 35 Jahre alt) hinweg geredet, gedacht, empfunden.

Für meine Schnittmenge gibt es keine Geschichte. Sie wird entweder erzählt von denen, die die DDR-Zeit vermissen, oder von denen, die darauf hinab schauen. Unsere Geschichte ist erfunden. Schwarz und weiß.

Wenn im Fernsehen oder in den Zeitungen über etwas debattiert wird, dann immer und ausnahmslos aus westdeutscher Sicht. Es ist, als gäbe es gar nichts anderes. Oh, immer mehr Frauen gehen arbeiten? Aber das ist in meiner Weltsicht doch normal!? Aha, KiTas sollen bitte kostenlos sein? Aber das gab es doch schon vor langer Zeit!?

Immer wird das, was es in der DDR gab, unter den Tisch fallen gelassen. Und dazu zählen auch meine Erinnerungen. Erinnerungen, die von Westdeutschen (nicht allen, zum Glück!) für absurd gehalten, herabgestuft oder sogar ignoriert werden. Die als Schwachsinn deklariert und nie wieder angerührt werden.

Wie etwa einmal, als ein Mädchen aus “dem Westen” meinte, meine Mutter sei eine Rabenmutter gewesen, wenn sie mich in den Kindergarten gesteckt hat, damit sie arbeiten und uns ernähren konnte (als Alleinerziehende!) Bei sowas hört es mit meiner Toleranz echt auf. Aber wie kommen Menschen denn dazu, sowas zu sagen? Das tut weh, verdammt. Ich sag doch auch nicht, dass ihre Mutter eine faule Sau war, die nur keinen Bock auf Arbeiten hatte. Manche Dinge regelte man eben anders. So what? Warum begreifen das noch immer nur die wenigsten?

 

Bundesarchiv Bild 183-J0814-0008-001, Leipzig, "Altes Rathaus", Parkplatz.jpg
Bundesarchiv Bild 183-J0814-0008-001, Leipzig, “Altes Rathaus”, Parkplatz“ von Raphael (verehel. Grubitzsch), Waltraud
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Wenn jemand sagt, er finde das Konzept von damals (also der DDR) gut (etwa mit den kostenlosen KiTas), dann wird er verlacht und man möchte ihn am liebsten einweisen. Sowas sagt man doch nicht! Die DDR war schlecht und böse und ungerecht, PUNKT.

Lange dachte ich aber selbst, Wessis seien böse. Das gebe ich zu. Man erzählte es mir hinter vorgehaltener Hand.

Und auch wenn ich diese Meinung nicht teile, so kann ich es ja doch irgendwo nachvollziehen, dass es diese Meinung gibt. Nüchtern betrachtet entstand das so: Zum einen wurden die Menschen der DDR so sozialisiert, dass der Wessi der Feind sei, der am liebsten in den Osten einmarschieren und alles mitnehmen wolle. Dann kam die Wende und plötzlich geschah es so. Naja, man ist nicht einmarschiert. Aber die unzähligen Fabriken, die für die symbolische Mark aufgekauft und dann geschlossen wurden, die waren ja schon so etwas wie Diebesgut. Da standen tausende Menschen plötzlich in der Arbeitslosigkeit, ohne Absicherung und Perspektive, gezwungen sich anzupassen.

Ostdeutschland durfte nur einen winzigen Teil zu Gesamtdeutschland beitragen; “der Westen” behielt die Macht über Kultur, Politik, über eigentlich alles.

Trotzdem trägt man als ostdeutsches Kind in den Augen “der anderen” immer eine Art Schuld mit sich.

Vor den Älteren, die die DDR miterlebten und in ihr aufwuchsen, ist es die Schuld, sich nicht zu 100% damit zu identifizieren, sich zu erinnern oder etwas zu kennen, das es damals gab.

Vor den Westdeutschen (ich wiederhole: nicht allen!) ist es … ja was? Einfach ostdeutsch zu sein. Einen geringeren Solibeitrag zu bezahlen. Manchmal sogar, nicht im Bankenkapitalismus mitzuspielen. Komisch, wenn sowas selbst von Bankenkritikern kommt. (Keine Erfindung meinerseits, sondern erlebt.)

Man wird beschissener bezahlt, nur weil man in Ostdeutschland wohnt.

Man findet kaum Ansatzpunkte in der Öffentlichkeit und wenn doch, dann kann man sich oft auch nicht offen zu ihnen bekennen.

Man gilt als Opfer dummer Sprüche und schlechter Scherze und da man ja über Türken, Juden oder Schwarze nicht scherzt, muss eben der Ossi herhalten.

Die Politik wird von und für Westdeutschland gemacht. Das sieht man ja schon an den Bauten der Städte, den Arbeitslosenzahlen vergleichbarer Gegenden und am Lohnverhältnis.

Die Tophits der 80er sind immer die Tophits der BRD. Die Spieleklassiker der 70er sind immer die Spieleklassiker der BRD.

Es ist, als hätte es die DDR nie gegeben.

Und doch wird bei jedem, der aus dem Osten stammt, ein riesen Hehl drum gemacht. Ob es nun Frau Merkel, Nena, Jeanette Biedermann, Matthias Schweighöfer oder Henry Maske ist: zuallererst sind sie Ostdeutsche, dann Mann oder Frau und dann erst Individuen. Macht man so einen Aufstand bei Westdeutschen?

Nein, denn Westdeutsch ist normal.

Ostdeutsch, das ist anders, das ist komisch, merkwürdig und weniger wert. So lässt man uns zumindest fühlen. Über 20 Jahre nach dem Mauerfall.

Netzjuwel

Roberto Blanco bei Sixt.

Schaut es euch an und sagt mir, was ihr dazu denkt.

 

 

Ich muss ja sagen, dass mein erster Gedanke war: “Ach du scheiße, was soll DAS denn?!”

Aber als ich das Video gesehen hatte, war ich total begeistert von so viel Selbstironie. Das täte einigen anderen Menschen doch auch mal ganz gut, nech.