Random Facts #94

1. Wenn eine Gruppe Menschen lacht, schaut jeder instinktiv die Person an, der er sich am vertrautesten fühlt.

2. Die Hände und Handflächen während einer Verhandlung in einer für das Gegenüber sichtbaren Position zu behalten strahlt Vertrauenswürdigkeit aus.

3. Zu nicken, während man mit jemandem spricht oder etwas fragt, steigert die Wahrscheinlichkeit, dass die Person zustimmt.

4. Jemanden um einen Gefallen zu bitten steigert das Gemochtwerden.

5. Ein lächelnder Verkäufer erhöht die Verkaufschancen um etwa 60% im Gegensatz zu einem nicht lächelnden Verkäufer.

6. Wenn man einer Lüge ein peinliches Detail hinzufügt, wird sie glaubwürdiger.

7. Antwortet das Gegenüber auf eine Frage nur teilweise, kann man es durch Schweigen und Augenkontakt zum Weiterreden animieren.

Aufsatz einer Nachtschülerin

Sie haben es versäumt, rechtzeitig die Nachtschulhausaufgaben zu bearbeiten.
Versuchen Sie, sich gegenüber dem Professor mit einem Gedicht zu rechtfertigen!

Oh Herr Professor mit Eurem Antlitz lieblich zart,
Das Schicksal traf mich ach so hart!
So musste ich doch arg verzagen.
Verlor gar meine Hausaufgaben!

Lasst mich erklären, wie es geschah,
Dass es mir schier unmöglich war,
Die Aufgaben pünktlich abzugeben,
Wo doch die Nachtschul’ ist mein ganzes Leben!


Eines Abends, ich sag’ es war
Die Nacht vor Abgabe sogar,
Da vernahm ich eine leise Stimm’
Die mich quälte oh so furchtbar schlimm!


Die Uhr schlug neun, ich wollte schlafen gehen,
Hatte meine Lösungen im Heftlein stehen,
Doch eine Stimm’ lies mich nicht ruhen,
Kein Auge konnte ich zu tuhen!


Drum wollt’ ich schauen, woher sie kam,
Weswegen ich ein Lichtlein nahm
Und suchte -schon im Schlafgewand-
Bis ich vor einer Türe stand.


Dahinter -– ich konnt’s genau vernehmen!
Musste jemand rufend stehen,
Denn die Stimme, nun laut und klar,
Hallte im Echo: „„Wunderbar!“”


Es klang gar freudig, drum wollt’ ich sehen,
Ob ich nicht könnte dort hin gehen,
Um zu fragen, nett und fein,
Ob sie wohl könnte leiser schrei’n.


Ich war entschlossen, wollt’ es tun,
Drum legte ich den Mantel um
Und schritt mit mutigem Gefühle
Energisch durch die große Türe.


Da stand ich nun im Labyrinthe,
An dessen Geschicht’ ich mich entsinnte:
Von einem Buntbärn- er war blau,
Daran entsinnt’ ich mich genau!


Doch außer an sein blaues Haar
Sind meine Erinnerungen rar,
Drum schritt ich nunmehr ahnungslos
In meine eigene Geschichte bloß.


Ich lief schon eine ganze Zeit,
Verflogen war die Müdigkeit.
Da entdeckte ich eine Gestalt,
Sie war vom Aussehen her recht alt.


Und auch gar hässlich, mit Pickeln im Gesichte,
Die Falten massig, das Haar doch lichte,
Auf der krummen Nase eine große Warze,
Die Zähne gelb, auch ein paar schwarze.


„„Wunderbar!”“ rief sie erneut
Und hat sich großartig gefreut.
Da wusste ich, das muss sie sein,
Dieses Ziel war also mein.


„„Entschuldigung”“, begann ich nun,
„„Kannst du das bitte leiser tun?“”
Doch leider keine Reaktion,
Das Wesen zeigte kein Pardon.


Stattdessen rief es immer wieder.
Vor Erschöpfung schmerzten mir die Glieder.
Ich flehte nun „„so sei doch still,
Weil ich nun endlich schlafen will!“”


Da drehte sich das Ungetüm
Endlich in meine Richtung hin,
Beäugte mich wie Zuckerlinsen
Und begann gar breit zu grinsen.


„„Wunderbar“!”, schallte es nochmal,
Ich fühlte mich wie Zitteraal.
Es griff nach meinem rechten Arm.
Sein Griff war fest und viel zu warm.


Ich stieß es von mir, angeekelt,
Als es sich in meine Richtung rekelt.
In meinem Kopf Alarm ganz helle,
Ich musste raus,– das auf der Stelle!


Drum rannt’ ich los, woher ich kam,
Meine Beine fühlten sich so lahm.
Doch sollte mich das Ding nicht kriegen,
Drum musste ich die Angst besiegen!


Ich dachte dran, wenn’s näher kam,
War das Abendbrot mein letztes Mahl
Und da gab es doch nur Grubenbarsch;
Der schmeckte ziemlich sehr nach Turnschuh!


Mäuseblasen hätten es sein müssen,
So wie sie meinen Gaumen küssen,
Das wär’ vernünft’ges Henkersessen,
Doch meine Wünsche war’n vermessen.


Nun lief ich also vor mich hinnen,
Versuchte mich dem Weg zu sinnen.
Hinter mir das Ungetier,
Da erreichte ich die Tür.


Ich schritt hindurch und schmiss sie zu,
Und dacht’, dass ich das Richt’ge tu,
Doch drehte ich mich um und sah:
Das Getüm auch bei mir war!


Es war wohl durch den Spalt gekrochen,
Der aus der Tür ward raus gebrochen,
Als ich neulich versucht’ zu kochen
Einen Riesennebelrochen.


Eine neue Tür sollt’ ich Euch schenken,
Doch d’ran war grade nicht zu denken,
Da das Wesen vor mir stand
Und meine Chance zu überleben schwand.


Ich fragte mich „„wasmachichbloß?”“
Rannte erneut schnell einfach los,
Zurück in mein eig’nes Kämmerlein,
Hoffte, dort würde jemand sein.


Alleine war ich leider doch,
Das Ding mir hinter dannen kroch.
Nun musst’ ich handeln, ziemlich schnell!
Doch meine Idee war unoriginell.


Ich hielt ihm ohne Hoffnungsschimmer,
Nun mitten in meinem kleinen Zimmer,
Meine Hausaufgaben vor die Nas’
Und „oh wunderbar!” es sie tatsächlich las!


Es war von meiner Schrift gebannt,
Weshalb es langsam nun entschwand
Und mich alleine lies in meinem Raum,
Ich staunte gar und glaubt’ es kaum.


Schließlich ist dies die Geschicht’
Warum ich es leider schaffte nicht
Meine Hausaufgaben abzugeben.
Sie retteten mein junges Leben!


Ich wünsche nun, Ihr habet Gnade,
Wenn nicht, dann wär’ es wirklich schade,
Weil ich doch ganz in meiner Macht
Uns rettete in dieser Nacht!


Die Nachtschule ist eine Institution zu Ehren der Zamonienromane von Walter Moers. Der angesprochene Buntbär ist Käpt’n Blaubär.

Wie es geht

“Gut” antworte ich.

“Scheiße” denke ich.

Beides ist nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch. Eigentlich fühle ich aktuell einen Mischmasch aus sich teils entgegengesetzten Gefühlen. Unlust und Widerwille vor der Arbeit, Resignation bis Gleichgültigkeit währenddessen und danach … ja danach? Das ist die Frage, die ich mir selbst noch stelle. Wie geht es mir sonst?

Urlaubsbedingt (der Urlaub der KollegInnen natürlich) habe ich zur Zeit nur jeden 3. Samstag frei statt wie üblich jeden 2. Das ist normal, da muss ich durch, es kommt auch wieder besser. Hoffe ich doch? Dennoch zehrt dieses Dauerarbeiten -und das ist es, denn an einem einzigen freien Tag in der Woche kann man NICHT ausreichend entspannen- sowohl an den Kräften als auch am Wohlbefinden. Die Sprünge zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht tun ihr übriges, muss ich nunmal einspringen wo Not ist, als Kinderlose.

Ich fühle mich matt, müde und ausgelaugt. Gleichzeitig werfe ich mir ebendies vor, denn mal ehrlich: ich arbeite nicht Vollzeit und die Vollzeitarbeitenden bekommen es doch auch hin? Teilzeit kann man es aber auch nicht nennen, denn für die Zuordnung zu Teilzeit sind es doch zu viele Wochenstunden. Ich dümple also in meiner Nicht-Vollzeit-Nicht-Teilzeit-Beschäftigung, die nicht einmal eine besonders schwere oder schlimme ist, vor mich hin, schlafe beschissen und fühle mich matt. Nach nicht einmal 3 Monaten. Großes Kino, Nickel. Ganz großes Kino.

Doch stelle ich fest, dass besonders in Phasen mit “normallangen” Arbeitstagen meine Stimmung so heftig abfallen kann, dass ich die Zeit bis zum nächsten Therapietermin als quälend lang empfinde. (Die Therapiekostenübernahme wurde indes bewilligt.) Montag der nächste Termin und ich freue mich und ängstige mich gleichermaßen davor. Wobei Angst auch nicht ganz zutrifft, denn der Grund für das unangenehme Gefühl ohne Namen geht von mir selbst aus. Sage ich diesmal, wie es mir wirklich geht, auch wenn ich es gar nicht in Worte fassen kann, oder geht es mir in dem Moment wieder “okay” genug, um zu sagen, dass es mir “ganz gut” geht? Das ist ja nicht einmal gelogen (ich habe mir geschworen, der Therapeutin IMMER die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie unangenehm, peinlich oder schmerzhaft ist), aber eben anders als ich jetzt gerade in diesem Augenblick, da ich diese Zeilen schreibe, fühle.

Und diese Beobachtung mit den “normallangen” Arbeitstagen stellt in mir die Frage: Bin ich wohlmöglich jetzt, nach fast 6 Jahren, noch immer nicht ausreichend rehabilitiert, um einem “normalen” Arbeitsverhältnis nachzugehen? Bin ich nicht voll erwerbsfähig? Hab ich eigentlich völlig einen an der Waffel, dass ich mir wegen der paar Arbeitsstunden am Tag so das Hemd vollmache?

Wenn mich also jemand fragt, wie es mir geht, dann ist die einzig ehrliche Antwort: ich weiß es nicht. Ich bin zerrüttet. Ich stehe im Zerwürfnis mit mir selbst. Großteils ist es mir auch egal, denke ich nicht darüber nach. Manchmal fühle ich mich leer, oft erschöpft, gelegentlich grummelig, häufig genervt, meistens gleichgültig, aber eigentlich lache ich auch viel und das nicht gespielt. Und ich liebe, denn ich fühle mich dem Liebsten so nah wie nie.

Und ich bin dankbar dafür Freunde zu haben, die meine emotionale Verwirrtheit akzeptieren und notfalls einfach nochmal fragen.

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Kundenkunde Kapitel 2: Kinder

Bei der Gruppe der Kinder handelt es sich um Menschen bis zu einem Alter von 13 Jahren. Körperliche Merkmale sind nicht beendetes Größenwachstum, hohe Stimmen mit großem, teils unkontrolliertem Stimmvolumen und proportional großen Augen, mit denen sie Erwachsene in ihrer Umgebung zu Impulskäufen animieren können.

Häufig treten Kinder zusammen mit ihren Eltern oder Großeltern auf, gelegentlich in Gruppen von zwei oder mehr Vertretern ihrer Kategorie und selten allein. Das Maximum ihres Erscheinens ist bis 16 Uhr erreicht, danach nimmt die Anzahl von Kindern im Untersuchungsgebiet stetig ab.

Kunden, die mit Kindern einkaufen, geben statistisch gesehen einen signifikant höheren Betrag aus als vergleichbare Kundengruppen ohne Kinder, weshalb der Satz „Eigentlich wollte ich nur Brot/Milch/Klopapier/etc. kaufen” hier am häufigsten Verwendung findet. Großeltern mit Enkelkindern kaufen außerdem auffällig häufiger für den Alltag unnötige Produkte ein; besonders betroffen sind hier Märchenomis. Bei Nichterhalt eines gewünschten Gegenstandes wird der Unmut des Kindes durch lautes Schreien oder Weinen geäußert. Dieses Verhalten zeigen Kinder nur in Begleitung von Erwachsenen.

Kinder in Gruppen zeichnen sich vorrangig durch einen erhöhten Geräuschpegel aus. Zudem sind ihre gekauften Waren oft bunt, extrem süß oder fettig und manchmal teurer als berechnet. Ein besonderes Problem ergibt sich an dieser Stelle bei Getränken in Pfandbehältern.

Einzeln einkaufende Kinder sind überwiegend still und schüchtern, jedoch gibt es mitunter aufgeweckte Kinder, die den Kassierer zu ausgedehnten Gesprächen zu ermutigen versuchen, was von nachfolgenden Kunden entweder durch Lachen oder aber durch Laute der Ungeduld bemerkt wird; die Reaktion hängt dabei von der Kundengruppe der jeweiligen Person ab.

Zusammenfassend sind Kinder in der Regel angenehme Kunden, können jedoch aufgrund ihrer Lautstärke in bestimmten Situationen sehr die Konzentrationsfähigkeit des Kassierers sowie die Reißfestigkeit dessen Geduldsfaden beeinträchtigen.

Warnung: Kinder sind Hauptüberträger ansteckender Krankheiten. Not kidding.

Random Facts #93

1. Astronomen haben ein schwarzes Loch entdeckt, das aufgrund seiner Größe aktuellen Theorien über die Entstehung von Galaxien entgegensteht. Galaxien haben in ihrem Zentrum ein supermassereiches schwarzes Loch mit einer Größe von etwa 0,5% der Masse der dazugehörigen Galaxie. Das Schwarze Loch der Galaxie CID-947 weist aber eine Größe von rund 10% der Galaxie auf; das entspricht etwa sieben Milliarden Mal unserer Sonne. CID-947 ist 11,7 Milliarden Jahre alt, formte sich also zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Warum es aktuell gültigen Theorien widerspricht: das schwarze Loch muss sich zuerst gebildet haben und danach erst die Galaxie, um so viel größer zu sein als übliche Entdeckungen. Das heißt aber auch, dass sich trotz der Strahlung des schwarzen Loches Sterne gebildet haben, was bisher für nicht möglich gehalten wurde. Woher es in so einem frühen Stadium des Universums so viel Masse genommen hat ist unklar- was wiederum Theorien über Galaxieentstehung und Urknall infrage stellt.

Durch einen Klick aufs Bild gelangt man zur Quelle dieses Facts. Quelle ist auf Englisch.

2. Es gibt einen Regenbogengummibaum. Der auf Inseln um Australien heimische Baum mit der lateinischen Bezeichnung Eucalyptus deglupta schillert in vielen Farben.

3. 1961, zur Zeit des Vietnamkriegs, nutzten die USA eine Lücke im Genfer Protokoll aus, das chemische Kriegsführung gegen Menschen verbot, nicht aber gegen Pflanzen. Man hatte zuvor mit Herbiziden experimentiert, die im Zweiten Weltkrieg als Chemiewaffen konzipiert und später kommerziell genutzt wurden. Aufgrund ihres Erfolges ordnete J.F.Kennedy persönlich deren Einsatz in Vietnam an. Agent Orange, Agent Blue, Agent Purple und Agent White wurden ab Januar 1962 in der Operation Ranch Hand eingesetzt und in Vietnam und den Grenzgebieten von Laos und Kambodscha gesprüht. Der Dschungel wurde dadurch großflächig entlaubt und Ernten vernichtet, sodass es zu Hungersnöten kam. Die Folgen für den Regenwald sind noch heute verheerend, auch werden noch immer Kinder mit schweren Fehlbildungen und Gendefekten geboren. Erst 1971 wurde der Einsatz gestoppt.

„UC-123B Ranch Hand spraying 1962“ von USAF – Scan aus Dana Bell, Air War over Vietnam, Band IV., gibt U.S. Air Force als Quelle an.

4. Schmetterlinge urinieren nicht. Sie nehmen nur so viel Wasser zu sich, wie sie für ihren Stoffwechsel benötigen. Eventueller Überschuss wird als reines Wasser durch den Körper transpiriert.

 “Gulf Fritillary” by Gualberto107 | freedigitalphotos.net
“Gulf Fritillary” by Gualberto107 | freedigitalphotos.net

5. Kraken pflanzen sich fort, indem ein Männchen einen Tentakel in eine Öffnung am Kopf des Weibchens einführt. Dieser spezielle Tentakel hat einen Samenkanal. Kraken sind aber auch kannibalisch veranlagt. Da die Weibchen zudem meistens erheblich größer als die Männchen sind, werden die Männchen nach dem Akt nicht selten gefressen, ähnlich wie bei Gottesanbetern oder Schwarzen Witwen. Daher haben die Männchen im Laufe der Evolution die Fähigkeit entwickelt, einen Teil des entsprechenden Tentakels abzubrechen, um noch vor Ende des Aktes verschwinden zu können.
Nur der Pazifische gestreifte Kraken, Octopus chierchiae, bildet eine Ausnahme. Männchen und Weibchen vereinigen sich Maul-zu-Maul.

pacific striped octopus6. Donald Ducks zweiter Vorname ist Fauntleroy.

7. Der längste bezeugte Flug eines Huhns dauerte 13 Sekunden.

Krisenmanagement

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Kundenkunde Kapitel 1: Die Omis

An der Kasse begegnet man so allerlei Kunden, die man grob in Gruppen einteilen kann. Diese möchte ich euch gerne vorstellen.

Teil 1 also: Die Omis. Warum Omis und keine Opis? Ganz einfach: ältere Herren sind noch einmal ganz anders und verdienen daher eine eigene Kategorie.

Omis sind für mich Frauen ab etwa 60. Sie bilden eigentlich die Hauptgruppe der Kunden, so kommt es mir zumindest vor. Vielleicht liegt das aber auch nur an dem Viertel, in dem ich arbeite, who knows?

Man könnte sie noch einmal einteilen in die, die als “rüstige Rentnerinnen” durchgehen könnten, dann solche, die wie liebevolle Omis aus den Märchen wirken (♥!) und wieder andere, die eher zur Sorte der Hausdrachen gehören.

Die “rüstigen Rentnerinnen“, die ich nur wegen dieser bescheuerten Alliteration so nenne, sind immer gut gekleidet -und zwar nicht aus den Klamottendiscountern, sondern schon aus höherpreisigen Läden. Ja, das sieht man. Auch schminken sie sich eher auffällig und gerne bunt und tragen Parfum, riechen außerdem nach Cremes. Ich weiß, das sind alles Äußerlichkeiten, aber damit sind die Damen tatsächlich auffallend genug, um sie so einzuordnen.
Und klar, diese Unterschiede gibt es in jeder Altersgruppe, doch offen gesagt sind die Unterschiede bei Älteren doch gravierender. Die Kluft zwischen gut situiert und arm wie ein Kirchenmäuschen scheint sich bei den Rentnern wesentlich krasser bemerkbar zu machen als bei Jüngeren. Es gibt auch -leider nicht wenige- Alte, denen man ansieht, dass ihre Rente gerade so zum Überleben reicht. Ihre Kleider sind abgetragen und für Schnickschnack wie Makeup ist kein Platz im Budget. Diese -meine- Vermutung stützt sich darin, dass die einen Markenprodukte kaufen und die anderen ausschließlich Angebote und Hausmarken. Außerdem zahlen die einen überwiegend mit großen Scheinen, während die anderen ihr Kleingeld zusammenkratzen. Neulich musste eine Omi aus der zweiten Gruppe sogar ihre Milch da lassen, weil das Geld doch nicht mehr reichte. Das hat mir fast das Herz gebrochen und am liebsten hätte ich sie ihr geschenkt, aber das darf ich natürlich nicht. Genauso wenig wie andere Kunden zu fragen, ob sie nicht… Hach. In diesem Beruf muss man manchmal wirklich eisern bleiben und eigene Empfindungen abstellen.

Genug von den Äußerlichkeiten und von Altersarmut.

Märchenomis, so nenne ich sie jetzt einfach, sind wahnsinnig liebreizend, immer freundlich, lächeln und sagen mir als Kassiererin auch einmal etwas Nettes. Eine Märchenomi freut sich immer, dass ich so nett lächle und dadurch lächle ich natürlich noch mehr. :D Andere halten ein kurzes Schwätzchen, ohne über irgendwen oder irgendetwas zu meckern. Sie lachen auch mal, wenn ich etwas witziges sage -das mache ich bei den Märchenomis manchmal- und scheinen dann vollkommen zufrieden zu sein. Manchmal haben sie ihre Enkel dabei und kaufen ihnen allerhand Dinge: Zeitschriften, Süßkram, Spielzeug, Süßkram… ach ja: und Süßkram. Märchenomis sind meine Lieblingskundinnen, das sage ich ganz offen, denn durch sie fühle ich mich gut und bestätigt und habe wieder mehr Reserven für die dritte Gruppe.

Die Hausdrachen. Oh ja, die Hausdrachen. Sie speien Feuer und zertrümmern die Stadt. Im übertragenen Sinne, natürlich. Hoffe ich. Zugegeben, Hausdrachen sind selten. Aber wenn die an deiner Kasse waren, bleiben sie dir für den Rest der Woche in Erinnerung. ‘Schwör, ey!
Sie haben immer irgend etwas auszusetzen. Und zwar immer etwas, das ich an der Kasse nicht beeinflussen kann, aber volle Breitseite abbekomme. Statt die Kollegen im Laden ganz einfach zu fragen (und es wuseln immer Kollegen im Laden!), stellen sie sich nämlich lieber an die Kasse und schimpfen. Laut. Anhaltend. So, dass es jeder Mensch im Umkreis von 20 Metern mitbekommt. Es gibt sogar einige spezielle, die andere Kunden mit anstacheln wollen: “Stimmt’s? Habe ich Recht? Sie sehen das doch auch so?!” Egal was ich sage, egal wie gut der Grund ist, weshalb ich ihr leider in diesem Augenblick nicht weiter helfen kann, zum Beispiel weil es das gesuchte Produkt nicht gibt, etwas eben am Samstagabend einfach ausverkauft ist oder die Rabattaktion o.ä. nunmal zeitlich begrenzt war: ich habe Schuld. Überhaupt sind Kassierer, so scheint es, für einen Hausdrachen die Wurzel allen Übels und müssen daher den Frust, der sich in den letzten Tagen, Wochen, JAHREN angestaut hat, aushalten und gefälligst ausbaden. Nun bin ich grundsätzlich immer höflich, bleibe trotz allem freundlich, entschuldige mich auch stellvertretend für alle Übeltäter ihres bisherigen Lebens. Doch als es neulich schwül und drückend war und ich ohnehin Probleme hatte, mich zu konzentrieren und ehrlich gesagt auch die Schnauze voll hatte, schaffte es ein Hausdrache doch, meinen Geduldsfaden reißen zu lassen. Nein, ich habe nicht zurück geschnauzt. Meinen Arbeitsplatz will ich ja noch behalten. Ich zog mich entschuldigend kurz zurück, ich wolle im Büro nachsehen und atmete dort -nach einem kurzen Frustgrummeln- erst einmal tief durch. Leute gibt’s, die gibt’s gar nicht!
Ja, es gehört zu meinem Beruf, mir Sorgen und Probleme von Kunden anzuhören und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen. Aber ehrlich: man kann es auch übertreiben. Und ich bin auch nur ein Mensch, habe auch einen manchmal sehr anstrengenden Job und verfüge über begrenzte Energien und Handlungsspielräume. Und ganz ehrlich liebe Hausdrachen: manchmal sollte man auf der Suche nach Missständen lieber bei sich anfangen.

P.S.: Liebe Märchenomis: Bleibt ganz genau so, wie ihr seid. Ihr seid Zucker! ♥