Freitagsfragen

1.) Wie viele Jahre schon dauert Deine längste Freundschaft?

2.) Gilt für Dich die Redensart „Eine Hand wäscht die andere“?

3.) Könntest Du ein Jahr ohne andere Menschen aushalten?

4.) Die Wahl der Qual: Die Zahnpasta fällt ständig von der Zahnbürste oder komplexe, unmerkbare neue Passwörter ausdenken müssen?

 

Ich wünsche euch ein entspanntes Wahlwochenende!

flower-13-620x465

Advertisements

Freitagsfragen

1.) Ein Meteorit fällt vom Himmel und löscht in einer Stunde alles Leben auf der Erde aus. Was tust Du?

2.) Ein Nachbar, mit dem du außer „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ nie Worte gewechselt hast, bittet Dich um Hilfe: Er hat sich das Bein gebrochen und kann für die nächsten Wochen weder einkaufen noch den Haushalt schmeißen und hat sonst niemanden, der ihm helfen kann. Wie reagierst Du?

3.) Ein Komitee tritt an Dich heran: Du sollst den tollsten Menschen des Jahres bestimmen, der mit 100.000€ und ein bisschen Medienrummel mit 3 Interviews und einer Sondersendung inklusive Danksagung des Bundespräsidenten geehrt wird. Wer ist Dein Mensch des Jahres?

4.) Die Wahl der Qual: Ständig im Satz unterbrochen werden oder nach einer Umsortierung der Wohnung durch einen Fremden nichts mehr wiederfinden?

Habt ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Mitmachen, Teilen und Verlinken! 🙂

ID-100183727
“Gulf Fritillary” by Gualberto107 | freedigitalphotos.net

Ich bin genervt

Ich bin genervt, dass jeder Tag der gleiche zu sein scheint. Wickeln, Füttern, Kochen, Putzen, Wäsche. Eat, sleep, rave, repeat.

Ich bin genervt, dass die Wohnung trotzdem scheiße aussieht.

Ich bin genervt, dass ich so viel Papierkram machen muss.

Ich bin genervt, dass ich mich nicht einfach einmal hinsetzen und ein Buch lesen kann und wenn ich es doch tue, das Kind garantiert anfängt zu weinen.

Ich bin genervt, dass ich weder weiß, ob diese Tristesse jemals wieder aufhört, noch wie ich neben all dem nach dem Urlaubssemester auch noch studieren soll, ohne meinen Notendurchschnitt in den Sand zu setzen.

Ich bin genervt, weil ich keine Ahnung habe, ob ich eigentlich okay bin oder das Kind zu einem depressiven, sadistischen Serienkiller erziehe, der seine Mutter später beim Therapeuten als worst case schildert.

Ich bin genervt, weil ich einfach mal einen Tag nichts tun möchte aber weiß, dass selbst wenn sich die Chance wundersamerweise auftäte, ich vor schlechtem Gewissen eh nicht entspannen könnte.

Ich bin eigentlich den ganzen Tag genervt über Banalitäten.

Doch dann lächelt mich dieses kleine, wunderschöne Mädchen mit seinem zahnlosen Lächeln an, ich schmelze dahin und plötzlich ist meine Welt, die eben noch grau war, bunt und schön und voller Liebe und ich will sie für immer im Arm halten und nie wieder ohne sie leben.

 

Mein Leben als größte Kleinwüchsige der Welt

Als besonderer Mensch habe ich eine besondere Verantwortung. Ich bin 1,73m groß und gelte damit als größte Kleinwüchsige der Welt. Wie mein Leben mit diesem Titel aussieht, davon möchte ich Ihnen heute einmal berichten.

Als ich geboren wurde, war ich schon fast so groß wie meine Mutter. Bereits während der Schwangerschaft lieh sie alle Organe, die sie nicht brauchte, ihrer Nachbarin, um Platz zu schaffen. Das waren vorrangig solche, die sowieso doppelt waren – etwa Lungenflügel oder Nieren – aber auch diejenigen, die sie ohnehin nicht benötigte, Leber und Milz etwa, da sie eh keinen Alkohol trinken durfte. Diese Nachbarin wiederum hat mir später an besonderen Tagen den besten Tomatenkuchen gebacken, den ich jemals gegessen habe. Ihr Geheimnis lag darin, die kleinen tiefroten Tomaten zu verwenden, die in der Mitte nur einen einzigen Kern haben und eher süßlich schmecken. Die Kerne hätte die liebe Alte aber entfernen können, dann wäre der Kuchen noch besser gewesen.

Als ich mit 6 Jahren in die Schule kam, war ich bereits 1,20m und damit größer als die Hälfte meiner Familie. Meine Besonderheit führte bald dazu, dass ich gehänselt und ausgeschlossen wurde. Meine Noten wurden vor allem ab der 5. Klasse, als ich ins Gymnasium kam, immer schlechter. Das veranlasste meine Eltern dazu, mich auf eine Schule speziell für Kleinwüchsige zu schicken. Schon dort hinein zu kommen gestaltete sich aber schwierig, doch nach einer erfolgreichen Klage wegen Diskriminierung von Minderheiten bekam ich grünes Licht.

401px-paula_khan
Das bin ich nicht.

Nun muss ich sicher nicht erwähnen, dass ich von Anfang an die Größte in meiner Klasse war und sogar einige Lehrer mühelos überragte. Die Hoffnung, endlich dazu zu gehören, wurde mir auch hier, in der Schule, die mir eigentlich ein sicherer Hafen sein sollte, nicht erfüllt. Ich quälte mich durch die Schuljahre mit der Zuversicht, dass nach meinem Abschluss endlich alles besser werden würde, denn dann wäre ich ja erwachsen und Erwachsene mobben nicht.

Doch besser wurde es nicht. Schon einen Job zu finden war nicht einfach. Viele Arbeitgeber waren mehr oder weniger deutlich, dass sie „jemanden wie mich“ in der Firma nicht gebrauchen können. Einer machte sich sogar über mich lustig indem er behauptete, dass ich gar nicht kleinwüchsig sei, was natürlich Schwachsinn war, immerhin besuchte ich eine Schule für Kleinwüchsige! Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geprägt und nachdem ich es erst einmal verarbeitet hatte, entschloss ich mich, für große Kleinwüchsige einzustehen und eine Stimme zu sein. Schließlich handelt es sich um eine besondere Personengruppe, die viel mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft braucht.

Seit einigen Jahren bin ich nun Pressesprecherin der UNESCO (Union of Not Extremely Short Cut Ones) und setze mich für unsere Rechte ein. Seitdem ich sage, dass ich für die UNESCO arbeite, sind die Menschen viel freundlicher zu mir und hören mir zu. So mache ich etwa darauf aufmerksam, dass es für unsere Gruppe kaum Kleidung in Kleinwüchsigenläden gibt, da die meisten Angebote einfach zu klein sind. Dass wir aber nicht in einen „normalen“ Laden gehen können, versteht sich ja von selbst.

Auch Autofahren stellt eine besondere Schwierigkeit dar. So ist es Vorschrift für Kleinwüchsige, eine Pedalverlängerung am Auto anzubringen. Da diese Pedalverlängerung für unsere abnorm langen Beine aber zu lang ist, ist der Umbau einer maßgeschneiderten Variante extrem kostspielig. Leider gibt es kein Entrinnen aus dieser Bestimmung, ich habe sogar bei der Zulassungsbehörde nachgefragt. Ich habe angerufen und gefragt „Brauchen Kleinwüchsige eine Pedalverlängerung?“ und der Beamte antwortete „ja“ und damit war alles klar.

Meine Hoffnung für unsere Gruppe der größeren Kleinwüchsigen ist, dass wir Gehör finden und in der Gesellschaft endlich akzeptiert werden. Für mich persönlich hoffe ich, einen verständnisvollen Partner zu finden, der mich so nimmt wie ich bin, auch wenn ich die größte Kleinwüchsige der Welt bin.

Smiling woman eating a sweet dessert
Das bin ich auch nicht, aber Pancakes mag ich auch.

Der Glaubenskrieg unter Eltern

Ich bin Mutter und ich stille nicht.

Das scheint ein Satz zu sein, der eine Mutter ins soziale Aus unter Müttern und sogar bei einigen Hebammen treiben kann. Aber von vorn:

Nach der Geburt des Mäuschens wurden wir für zwei Tage getrennt, weil es ihr nicht gut ging und sie überwacht werden sollte. Was das für den Stillprozess bedeutet, versteht man wahrscheinlich nur, wenn man drin steckt. So viel kann ich aber verraten: es ist nicht gut. Was dann für mich und uns folgte, war eine Odyssee aus regelrechten Kämpfen zwischen dem Kind und mir und mit mir selbst. Es flossen viele Tränen und brauchte sehr viel gutes Zureden seitens meiner Hebamme, um meine Selbstzweifel und die Enttäuschung, dass es einfach nicht klappte, zu lindern. Man macht sich selbst Druck und Vorwürfe, obwohl man sein Menschenmögliches versucht und keine Schuld an der Misere hat.

Ich habe ganze Tage damit verbracht, das Kind anzulegen, es dann noch zuzufüttern und zu guter Letzt außerdem abzupumpen. Das verschlang an Spitzentagen schon einmal 15 (!) Stunden. In einer Zeit, in der ich ohnehin empfindlich und verletzlich war, hat mich das zusätzlich nervlich wie körperlich stark belastet. Es hat lange gedauert, bis ich mich mit diesem „Schicksal“ und der Gewissheit, dass diese Arbeit keine dauerhafte Lösung war, abfinden konnte und kein schlechtes Gewissen meiner Tochter gegenüber mehr hatte, weil mein Körper trotz aller Versuche und Selbstschindung nicht ausreichend Milch produzierte, um sie satt zu bekommen.

Bei Müttern, denen es wie mir ging und geht, findet ein langer Prozess der (Selbst-)Akzeptanz statt, der so zerbrechlich ist, wie man sich in dieser besonderen Zeit fühlt. Das macht es um so unerträglicher, was sich zunehmend unter Müttern und auch Hebammen abspielt.

Schon im Geburtsvorbereitungskurs wird man darauf getrimmt, dass nur Stillen gut und Flaschennahrung Teufelswerk ist. Das wird auch über Homöopathie und Schulmedizin gepredigt. So wurde ich etwa abschätzig angeschaut, als ich sagte, gegenüber einer PDA offen zu sein und in der Situation entscheiden würde. Das ist doch böse Chemie, die das Band zwischen Mutter und Kind stört! Die Vorfreude, bald das Kind im Arm zu halten müsse ausreichen, um selbst diese enormen Schmerzen auszuhalten. Nun, das hat es bei mir leider nicht und ich wäre vermutlich aus dem Fenster des Kreissaals gesprungen, gäbe es diese medizinische Unterstützung nicht. Definitiv hat es sich aber negativ auf den Geburtsprozess ausgewirkt, als ich vor Schmerzen nicht mehr mit den Wehen arbeiten konnte.

Globuli sind unter Müttern und Hebammen weit verbreitet. Grundsätzlich scheint der Trend in Richtung Esoterik immer stärker zuzunehmen. Gleichzeitig wird der Ton untereinander immer schärfer. Du stillst nicht? Rabenmutter! Du gibst dem Baby bei Fieber lieber Zäpfchen, als es im Mondlicht dreimal um den Brunnen zu tragen? Kindeswohlgefährderin! Mir wurden sogar während der letzten Geburtsphase Globuli in den Mund gesteckt, obwohl ich vorher deutlich gesagt hatte, dass ich daran nicht glaube. Mich zu wehren hatte ich in dem Moment weder Zeit noch Kraft und Muße. Als ich später anmerkte, dass ich das nicht in Ordnung fand, wurde das lapidar abgetan mit „Naja, schaden kann’s ja auch nicht!“

Mütter untereinander, aber auch Hebammen, die Frauen in ihrer neuen Rolle unterstützen sollen, mobben regelrecht alle, die anders leben. Doch was bringt es? Würde dieses Verhalten im Zweifelsfall eine Mutter umstimmen? Geht es ihr oder ihrem Kind damit besser?

Sollten wir uns nicht lieber gegenseitig unterstützen und Mut zusprechen, wenn nicht alles so klappt, wie man es gerne hätte, statt noch nachzutreten?

Ich beobachte einen alarmierenden Trend von Mütterkämpfen einerseits und blinder Hörigkeit gegenüber alternativmedizinischer Praxis andererseits. Die Zahl der Impfgegner nimmt zu. Eltern geben selbst bei ernsten Krankheiten lieber Zuckerkugeln als zum Arzt zu gehen – teils aus eigener Überzeugung, oft aber aus der Angst vor sozialer Ächtung oder nach erfolgreicher Hirnwäsche. Es wird weniger reflektiert und informiert, was fatale Folgen haben kann. Gerade die Homöopathie bietet aber viele Denkfehler.

Die Liste der Gründe für Glaubenskriege unter Eltern ist lang und endet nicht bei Globuli, Stillen und Erziehungsmethoden. Dabei sollten wir aufhören, uns gegenseitig der Kindeswohlgefährdung zu beschuldigen und endlich anfangen, wirklich miteinander zu diskutieren. Denn es gibt da Probleme, die wir nur gemeinsam angehen können. Hebammenangel und Kinderbetreuung etwa. Fangen wir also an, uns miteinander auseinanderzusetzen. Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.