Random Facts #116

1. Der Bau der Autobahn war gar nicht die Idee Hitlers und eigentlich war es auch keine wirklich erfolgreiche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Das Projekt wurde lange vor der Machtergreifung der Nazis in Frankfurt am Main entwickelt.

2. Der Erfinder von Jim Beam kam aus Deutschland und hieß eigentlich Johannes Jakob Böhm. Böhm wanderte im 18. Jahrhundert nach Amerika aus, wo sein Name anglikanisiert wurde. Unterlagen zufolge verkaufte er 1795 auf seiner Farm sein allererstes Fass Whiskey.

3. Auch Krankenwagen sind in Deutschland durch die Straßenverkehrsordnung dazu verpflichtet, einen Verbandskasten an Bord zu haben.

4. Im 17. Jahrhundert erfand ein deutscher Gelehrter “aus medizinischen Gründen” das Katzenklavier. Bei diesem sollten darin eingesperrten Katzen auf Tastendruck der Schwanz eingeklemmt werden, damit sie einen Ton von sich geben. Der eigentliche Gedanke dahinter war, Menschen mit Konzentrationsschwächen damit zu helfen. Die Idee: Wer einem solchen Instrument zuschauen muss, wird zwangsläufig über nichts anderes mehr nachdenken können und wäre somit schlagartig geheilt.

5. Günther Jauchs Ur-Ur-Ur-Urgroßvater, zweiter Bürgermeister von Trier, unterschrieb die Geburtsurkunde von Karl Marx.

6. Konrad Adenauer war nicht nur der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch der Erfinder der vegetarischen Wurst. Außerdem erfand er die sich selbst heizende Teekanne, Hosen aus Papier und einen elektrischen Insektentöter, der sich später als größere Gefahr für seine Benutzer herausstellte.

7. Es gibt keine Fotos vom ersten Tor der Bundesliga, weil die Fotografen alle auf der falschen Seite des Spielfelds standen. Im Spiel Bremen gegen Dortmund rechnete niemand mit einem Tor des BVB, deshalb bauten alle Fotografen ihre Ausrüstung hinter dem anderen Netz auf.

Mohnblüte


Das Leben ist laut geworden. Mancher Tage möchte ich mir die Ohren zuhalten ob des Krachs aus Social Media, Nachrichten und Straßenlärm. All der Hass, die Missgunst und der Neid kratzen an meiner zarten Hülle. Wenn ich die sich über meinen prallen Bauch spannende Haut streichle, frage ich mich, wie die nachfolgende Generation unsere Zeit beurteilen wird und was unsere Kinder erwartet. Manchmal habe ich ein wenig Angst, eine zarte Seele in ein Haifischbecken zu stoßen. Doch ich weiß auch, dass ich mein Bestes geben und viel Liebe schenken werde. Bis an mein Ende. Ob das reicht kann ich nicht sagen. Doch ich glaube ganz fest daran, dass Liebe die vernünftige Unvernunft ist, die Zukunft bringt.

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Mr. English und ich haben eine Wohnung gefunden, in der wir die nächsten Jahre gemeinsam verbringen wollen. Nicht, dass damit alles geklärt wäre, was zu klären ist, doch nimmt es eine große Last von unserer beider Schultern, ab kommenden Monat nicht wohnungslos zu sein. Studium und Ämterstress sind auch weiterhin große, klaffende Baustellen.

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Das Leben ist laut geworden. Doch meistens liebe ich es. Niemals ertrinke ich in Langeweile und auch nicht mehr in meinen eigenen Gedanken. Schon, es gibt Momente, in denen ich aufgeben möchte. Dann ist alles zu viel. Doch weiß ich jemanden an meiner Seite, der mich versteht, der mich auffängt und in jenen Momenten Ruhe spendet. Der mich auf ein Feld mit rotem Mohn entführt und zeigt, dass alles halb so schlimm ist, so lange es Blumenwiesen gibt. Weil wir das schaffen können. Gemeinsam. Und weil meine Empfindsamkeit kein Problem ist, sondern sie einfach zu mir gehört und ich gut bin, wie ich bin.

Random Facts #115

  1. Nachdem die WHO Transsexualität im Oktober 2016 von der Liste psychischer Störungen gestrichen hatte, bestimmte die schwedische Regierung Ende Januar, dass Transsexuelle nicht mehr als geisteskrank eingestuft werden und sich daher bei geschlechtsangleichenden Operationen fortan nicht mehr zwangssterilisieren lassen müssen.

2. Die Gundel, ein Meeresfisch, lebt mit dem Knallkrebs zusammen, der eine Höhle im Meeresboden gräbt. Der Knallkrebs selbst ist nahezu blind. Droht Gefahr, stubst die Gundel ihn mit ihrem Schwanz an, sodass er in die Höhle flüchten kann.

Bevor er wieder hinaus geht, tippt er sie kurz an und sie signalisiert ihm dann, dass es sicher ist – oder eben nicht. Im Gegenzug ernährt sich die Grundel von kleinen Wirbellosen, die der Knallkrebs beim ständigen Heraustragen von Sand aus seiner Höhle so ausgräbt.
3. Im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gab es in der griechischen Polis Theben eine Eliteeinheit von 300 Soldaten, die aus 150 homosexuellen Liebespaaren bestand. Im Deutschen nennt man diese Einheit meist „Die Heilige Schar“. In der Schlacht von Leuktra, 371 v. u. Z. war diese Einheit maßgeblich daran beteiligt, die als unschlagbar geltende spartanische Phalanx vernichtend zu besiegen.
4. Das Zünden einer Atombombe wird in Deutschland mit 5 Jahren Gefängnis bestraft.
5. Zu den unzähligen deutschen Wörtern, die Martin Luther erfand, gehören zum Beispiel “Machtwort”, “Feuertaufe”, “Lockvogel” und “Lückenbüßer“. Außerdem kommen von ihm auch “Perlen vor die Säue werfen”, “Zähne zusammenbeißen”, “etwas ausposaunen”, “im Dunkeln tappen”, “ein Herz und eine Seele”, “Wolf im Schafspelz” und “der große Unbekannte”.
6. Für den Sieg bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen im Jahr 1989 bekamen die deutschen Nationalspielerinnen vom DFB ein 41-teiliges Kaffee-Service. Als die deutschen Herren 6 Jahre zuvor Europameister in Italien wurden, bekamen sie 25.000 Mark pro Spieler und obendrauf noch einen Gutschein für Juwelen im Wert von 2.500 Mark für ihre Frauen.
7. Gefängnisausbruch ist nach deutschem Recht nicht verboten. Dies wird damit begründet, dass eine Flucht dem natürlichen Freiheitsbestreben des Menschen entspreche.

Projekt #Yolocaust

Gedanken zum Projekt Yolocaust von Shahak Shapira

Vorige Woche stolperte ich über ein Projekt namens Yolocaust von Shahak Shapira. Dieses Projekt schlug im Internet einige Wellen und polarisierte – die Besucher seiner Seite, die Shapira mittlerweile von den Bildern befreite und mit einer persönlichen Zusammenfassung sowie (teils sehr sehr dummen bis widerlichen, aber auch berührenden und schönen) Reaktionen bestückte, zeigten sich entweder empört oder begeistert.

Bei mir lösten die Bilder nicht nur Unbehagen aus, nein ich ekelte mich. Ich ekelte mich weniger, dass Menschen auf den Steinen der Gedenkstätte tanzten, Yoga machten oder aßen – das war manchmal unangebracht, aber noch an der Grenze des Vertretbaren. Ich ekelte mich vielmehr darüber, dass jene (zugegeben öffentlichen) Bilder von jungen Leuten genommen und über Originalbilder aus den Konzentrationslagern gelegt wurden.

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Quelle: http://www.ufunk.net/en/photos/yolocaust-shahak-shapira/ – Dort finden sich mehr Bilder des Projekts.

Klar kann man sich aufregen, dass sich in jenen Bildern jemand respektlos verhalten hat. Dass sie das dann auch noch öffentlich posteten und es nicht nur ihren Freunden, sondern der ganzen Internetwelt zeigten. Und ja, manche Bilder waren geschmacklos, andere einfach nur kindisch und albern – und eines davon, beziehungsweise die Bildunterschrift „Jumping on dead jews“ („Ich springe auf toten Juden“) – hat auch mich empört. Der Poster jenes Bildes hat sich inzwischen aber bei Shapira mit einer Email gemeldet und bereut seine unbedachte Handlung.

Ich wusste lange nicht, was ich von dem Projekt halten sollte. Meine erste Reaktion – Ekel und Abstoßung – wandelten sich bald in Nachdenken. Schon allein deshalb finde ich es doch wieder gut.

Ich dachte darüber nach, was Gedenkstätten eigentlich sind und welche Funktion sie erfüllen, wie man sich dort „zu benehmen hat“ und wie eine Gesellschaft damit umgeht.

Genau darüber hatte ich passenderweise in der Vergangenheit eine Vorlesung, die meinen Blick auf das Denkmal verändert hat. Auch das hier behandelte Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin wurde angesprochen. Ich erinnere mich, dass der Architekt, der das Denkmal entworfen hat, sagte, man solle dort Essen und Tanzen und Leben herein bringen. Ein Denkmal sei schließlich ein Raum für die Lebenden, nicht für die Toten. Auf Wikipedia ist das Zitat zu lesen

„This is a place of no meaning“ (‚Es ist ein Ort ohne bestimmte Bedeutung‘).

Das Denkmal ist abstrakt, es gibt keine Gedenktafel an den Steinen selbst, keine Führung durch die Gänge oder einen Wegweiser, wie man hindurch zu laufen hat. Es sind eben einfache Steinquader. Und doch assoziieren die meisten damit den Holocaust und die getöteten Juden – vielleicht weil es eben gesagt wird, wofür das Denkmal stehen soll, vielleicht aufgrund des Informationszentrums unweit der Fläche, vielleicht auch einfach, weil Deutschland seine Geschichte des II. Weltkrieges sehr oft im öffentlichen Raum thematisiert. Ginge man jedoch unbedarft hinein, ich bezweifle, dass jeder die gleiche Assoziation hätte. Es könnte sich auch um eine Ehrung deutscher Physiker handeln oder um einen besonders hässlichen Stadtpark. Dies war einer meiner Kritikpunkte am Projekt: wenn ein Denkmal offen für Deutungen bleibt und den Besuchern Handlungsfreiheit gegeben wird, dann soll man ihnen diese auch gewähren.

Ein anderer Punkt, der mich an diesem Projekt störte, war die Zurschaustellung jener, die auf den Bildern abgelichtet waren. Ja, sie posteten öffentlich und damit war es „ihre eigene Schuld“ – doch ich fand es übergriffig, die Bilder aus einem vielleicht bestehenden Kontext zu nehmen und zu zeigen „schaut mal, die benehmen sich respektlos.“ Ich glaube nicht, dass Shapira das so gemeint hat, jedoch erweckte es bei vielen – so auch bei mir – jenen Eindruck. Das Internet ist ein Haifischbecken, das Fehler niemals vergisst. Wir alle machen Fehler, nur sieht das nicht immer jeder. Keines dieser Bilder wäre jemals derart aufgefallen.

Aber hier versteckt sich für mich ein Zwiespalt. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es leicht ist, ein Bild unbedacht hochzuladen. Das ist nicht neu und keine Erfindung des Rads. Doch es kann auch diejenigen treffen, die sonst immer Datenschutz predigen, das mehrmalige Bedenken, bevor etwas veröffentlicht wird – und dann, zack, ist es in einer geistig umnebelten Sekunde doch geschehen, dass man auf Senden oder Hochladen geklickt hat.
Zudem sagt das Projekt eindeutig: denkt nach, welche Konsequenzen eure Handlungen haben. Ein Scherz ist immer nur dann ein Scherz, wenn er den richtigen Empfänger hat. Sarkasmus, Ironie und schwarzer Humor sind nicht immer willkommen, sie können verletzen. Wie der Schreiber des Briefes an Shapira geschrieben hat:

Das Foto war als Witz für meine Freunde gedacht. Ich bin dafür bekannt, dass ich Witze unterhalb der Gürtellinie mache, dumme Witze, sarkastische Witze. Sie verstehen meinen Humor. Wenn Du mich kennen würdest, würdest Du das auch… Aber wenn es öffentlich geteilt wird und es Fremde erreicht, die keine Ahnung haben wer ich bin, dann sehen sie jemanden, der etwas, was anderen Menschen wichtig ist, respektlos behandelt.
Quelle: yolocaust.de

Was mir aber nicht gefällt ist eben, dass diese Menschen eindeutig erkennbar waren auf ihren Bildern. Sie wurden nicht unkenntlich gemacht. Das Projekt löste viele Gefühle aus – und sehr viel Hass. Hass, der sich (auch) auf die Abgelichteten richtet, die öffentlich gezeigt wurden. Man kann sie wiedererkennen. Und wer genug Hass in sich trägt, der kann ihn vielleicht an einer der Personen entladen. Hier spricht mein Berufsethos: Wenn du ein Projekt mit Personen durchführst, dann bestimme IMMER deren Sicherheit als deine erste Priorität. Das sehe ich hier leider nicht gegeben.

Hier sieht man vielleicht, dass ich noch immer keine feste Meinung zum Projekt habe, aber das ist auch gar nicht immer nötig. Man muss schließlich nicht alles entweder-oder sehen, sondern kann auch eine ambivalente Meinung haben, sich unsicher sein. Diesen Punkt mag ich am Projekt Yolocaust, ich bin mir unsicher, ich beschäftige mich damit und im Gegenzug beschäftigt es mich.

Und es hat mich dazu gebracht, mir einmal anzusehen, wer dieser Shahak Shapira eigentlich ist. Er ist selbst, wie er sich selber beschreibt, ein eher unjüdischer Jude, der mit 14 Jahren mit seiner Familie von Israel nach Deutschland kam und schon einmal mediales Aufsehen erregte, als er antisemitische Gesänge in der U-Bahn Berlins filmte und dafür verprügelt wurde. Darüber wurde 2015 in der FAZ berichtet.

Ob das Detail, dass er Jude ist, Bedeutung in seinem Projekt trägt, kann ich nicht sagen. Zwar habe ich gelernt, dass autobiographischer Kontext für das Verständnis eines Werkes immer eine Wichtigkeit besitzt, doch manchmal, da ist es egal, finde ich zumindest.

Was meint ihr zu Yolocaust? Hat es euch empört, erfreut, ist es an euch vorbei gegangen? Was war euer erster Eindruck und was euer zweiter?


Indirekt zum Thema übrigens ein kleines „Quiz“. Nachdem Höcke in seiner letzten Rede zurecht viel Empörung auf sich zog, indem er im Melania-Style Teile seiner Rede abkupferte, jedoch bei gewissen Politikern der 30er und 40er Jahre, wurde das Quiz „Wer hat’s gesagt, Höcke oder Hitler“ online gestellt. Ich habe ganze 7 von 12 Punkten erhalten – gar nicht so leicht, Höckes Aussagen von denen Goebbels oder Hitlers zu unterscheiden. Teils musste ich raten, teils haben mir lediglich Wortwahl oder aktueller Bezug geholfen. Probiert’s aus und lasst mich wissen, was ihr denkt

HIER geht’s zum Quiz.

And a happy new year

Neujahrswunsch und ein erster Jahresausblick

Ich freue mich, dass ihr auch im neuen Jahr hereinschaut und hoffe, dass ihr gut in 2017 gerutscht seid. Auβerdem wünsche ich euch neben Freude, Erfolg und tollen Momenten vor allem Gesundheit, denn das ist das wichtigste.

Im neuen Jahr kommen viele Veränderungen auf mich zu und das macht mich ein bisschen ängstlich; gleichzeitig freue ich mich aber auch auf ein paar groβe Ereignisse und bin sehr gespannt.

Die erste Herausforderung wird der Umzug in eine eigene Wohnung. Das ist meine erste Wohnung, in der ich allein leben werde – wenn auch auf Zeit, „nur” für ein halbes Jahr. Bisher wohnte ich immer in WGs oder eben mit dem Brüllmann; nun kommt das eigene Nest und die Frage, wie ich mich machen werde. Allein kann ich nämlich nicht gut und musste ich ja auch nie. Abgesehen von meiner allerersten WG, eine 2er-WG, in der meine Mitbewohnerin in den ersten Monaten nur zu ein paar Wochenenden anwesend war, weil sie auswärtig arbeitete. Und diese Zeit war keine glückliche – jedoch hatte ich zu jener Zeit noch keinerlei Freunde und Bekanntschaften in Jena, sodass ich neben der Uni höchstens im Geschäft menschlichen Kontakt hatte (wobei ich damals noch jedes Wochenende zu meinen Eltern fuhr. Ach, wie sich die Dinge wandeln.)

Über meine Freunde in und um Jena bin ich unheimlich froh, gerade jetzt in dieser Zeit des Wandels, die eben nicht nur Gespanntsein mit sich bringt, sondern auch Angst, Unsicherheit und psychischen Stress. Was ich nun jedoch lernen muss, ist um Hilfe zu bitten. Das fällt mir schwer; ich möchte niemandem zur Last fallen. Dennoch werde ich Hilfe brauchen und daher über meinen Schatten springen. Vielleicht ist das ja dieses Erwachsenwerden.