Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit I: Vom Zufall

Wie ihr mitbekommen habt, habe ich länger keinen Artikel geschrieben. Das lag nicht nur an meinen unzähligen Prüfungen, sondern auch daran, dass ich etwas anderes schrieb: meine Hausarbeit. Eigentlich hätte ich fast 2 Monate dafür Zeit gehabt, doch dank der Prüfungen und Nachprüfungen (die ich alle über- und bestanden habe) verkürzte sich diese Dauer auf ganze 2 Wochen. Das ist wirklich kurz. Also so richtig und wirklich wirklich kurz. Ihr seht, es war mir einfach unmöglich, noch einen Artikel zu schreiben. Doch jetzt habe ich das Semester endlich hinter mir und was liegt näher, als euch ein paar Einblicke in das zu geben, womit ich mich so intensiv, wenn auch kurz, befasst habe? Ich versuche es auch für Nichtsoziologen verständlich zu machen. 😉

Also. Der Titel meiner Hausarbeit lautete „Der Zufall im Alltag. Bedeutung und Bewältigung an den Beispielen Unfall und Lotterie.“ Ist lang, aber ganz einfach: Zufall, Unfall, Lotto. Bevor ich euch was zu den Beispielen sage, hier ein kurzer Einblick in den Zufall.

Der Zufall ist ein Sonderfall der Kontingenz und die ist all das, was auch anders sein kann. Also etwa wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann kann sie entweder grün werden und ich gehe gediegen über die Straße, oder sie ist kaputt und ich stehe ewig sinnlos herum, bis ich das mal mitbekomme. Oder aber sie springt auf grün, ich gehe los und werde von einem betrunkenen Autofahrer überfahren. Verstanden? Kann anders sein, also ist kontingent. Beim Zufall kommt dann dazu, dass er so gekommen ist, aber für mich ganz plötzlich und unerwartet und ohne, dass ich das so gewollt hätte.

Die meisten Zufälle bekommen wir gar nicht mit oder nennen sie nicht Zufall, sondern sagen das war Schicksal oder wir haben Glück oder Pech gehabt. Der Zufall kann aber auch voll einschlagen, unser ganzes Leben verändern, sowohl positiv als auch negativ. Genau dann haben wir ein Problem mit ihm. Denn der Zufall kennt keinen Grund. Wir aber suchen in allem einen Grund. Wir können es nicht akzeptieren, dass etwas einfach so geschieht, sondern wir wollen einen Schuldigen oder einen Helden oder uns zumindest damit trösten, dass es uns so vorherbestimmt war durch eine höhere Macht.

Unser nächstes Problem ist, dass wir in einer Kontingenzgesellschaft leben. Das heißt, wir haben viele Möglichkeiten zu handeln und sind relativ frei in unseren Entscheidungen. Und überall da, wo wir einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum haben, sitzt die Kontingenz ganz häufig- und mit ihr der Zufall. Aber wir wollen planen und die Kontrolle über alles haben, deshalb ist der Zufall etwas Unerwünschtes- also versuchen wir ihn zu eliminieren. Eine Möglichkeit ist, unsere Handlungsspielräume wieder einzugrenzen, vor allem durch Gebote und Verbote, Ordnungen, soziale Rollenmuster, Verhaltensvorschriften und dergleichen.

Eine andere Möglichkeit ist die Kontrolle des Zufalls. Wir wollen ihn berechnen und analysieren, aber das lässt er nicht einfach mit sich machen. Wir können zwar Statistiken erstellen und Wahrscheinlichkeiten voraussagen, aber wir wissen nie, wann und wo er tatsächlich zuschlägt und wen er trifft.

Der Zufall ist in unserer Gesellschaft also eher etwas Negatives. Wir wollen ihn nicht haben. Dabei ist er bei genauerer Betrachtung gar nicht böse, sondern er zeigt uns, wie frei wir sind. Denn was bedeutet denn Freiheit? Frei handeln zu können, eigene Entscheidungen zu treffen! Da wo uns der Zufall getroffen hat, hatten wir meist eine Wahl.

Zudem macht der Zufall uns überhaupt erst zu dem, was wir sind. Er bestimmt, welche Chromosomen wir abbekommen, welche Erfahrungen wir machen, wie wir werden. Durch ihn ist die Evolution erst möglich, durch ihn macht man großartige Entdeckungen, er bietet uns immer Neues.

Ihn kontrollieren oder gar eliminieren zu wollen ist sinnlos. Stattdessen sollten wir ihn als das ansehen, was er ist: als mögliche Realität, eine Realität von vielen.

HIER gehts weiter zu Teil 2.

7 Kommentare zu „Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit I: Vom Zufall

  1. Sehr interessanter Eintrag und angenehmer Schreibstil. Ich beschäftige mich im Rahmen meiner Examensarbeit u.A. mit Zufall und möchte auch die Sicht der Philosophie auf den Zufall darstellen. Ich würde deine Hausarbeit deshalb gerne lesen. Wenn es für dich okay ist: [aus Datenschutzgründen zensiert, nickel] Würde mich sehr freuen!

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    1. Dankeschön, ich freue mich immer, wenn man mich lobt 😀
      Ich habe dich schon versucht, über deine Emailadresse zu erreichen, aber leider klappte das nicht. Keine Ahnung wieso.
      Deswegen nochmal hier: Im Prinzip schreibe ich das Gröbste an Erkenntnissen ja hier auf. Zudem weiß ich noch nicht, was mein Prof dazu sagt, denn ich hatte meinen Termin noch nicht bei ihm zur Nachbesprechung. Allerdings kann ich dir gerne noch ein paar Literaturempfehlungen geben, denn davon habe ich ja genug 😉

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