Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit II: Der Unfall

HIER gehts zum ersten Teil.

Mittlerweile habe ich übrigens die Note für diese Hausarbeit bekommen: eine 1,3. Ja, ich bin stolz drauf und ja, ich nehme auch gerne Lobpreisungen und Huldigungen entgegen.

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich tatsächlich etwas über das eine meiner zwei Unterthemen schreibe oder nicht: den Unfall. Meine Befürchtung war, dass das Thema zu langweilig sein könnte. Jedoch möchte ich euch nicht vorenthalten, was ich über den Unfall weiß, deswegen entscheidet selbst, ob ihr interessiert seid oder nicht. Ich würde mich natürlich freuen, wenn der eine oder andere mitliest 😉

Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2010 und stammen vom Statistischen Bundesamt:

Unfälle passieren, die meisten im Haushalt (2,7 Millionen) und in der Freizeit (2,6 Millionen). Man darf sich aber nicht durch die hohen Zahlen abschrecken lassen, denn da zählen schon kleinste Verletzungen mit rein oder ganz schlicht und einfach Sachschäden, die der Versicherung gemeldet wurden. Tode durch Herz- und Lungenkrankheiten sind häufiger als durch Unfälle (Rauchen etwa ist also tödlicher als Autofahren. Nun stellt euch mal nen rauchenden Autofahrer vor. Tatsächlich ist sogar jeder Vierte im Jahre 2010 an Krebs gestorben. Unfalltote sind also viel seltener als man es sich vorstellt. Liegt wohl an der medialen Berichterstattung, dass das Bild so verzerrt ist.) 2010 wurden 2,4 Millionen Verkehrsunfälle polizeilich erfasst. Insgesamt gab es 8,25 Millionen Verletzte, also etwa jeder Zehnte in der Bevölkerung hatte 2010 nen Unfall mit Verletzung. 20.200 Menschen starben durch Unfälle.

Wichtig für den Unfall ist das Risiko, denn es bildet die Schnittstelle zwischen Zufall  und Verlust. Dieser Verlust kann gesundheitlicher Natur sein, sich materiell ausdrücken oder sogar im Verlust des Lebens. Risiko besteht immer dann, wenn das Eintreten eines Ereignisses wahrscheinlich ist. Das heißt, dass das Risiko berechenbar ist. Diese Eigenschaft machen sich Versicherungen zunutze.

Die erste Versicherung gab es schon im 14. Jahrhundert in Form der Seeversicherung. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich dann das Versicherungswesen und schon ab dem 18./19. Jahrhundert weiteten sich Versicherungen auf alle Lebensbereiche aus. Diese Entwicklung änderte die Sichtweise der Menschen. Was vorher als unausweichliches Schicksal galt, war nun der Unfall, den man berechnen und für den man vorsorgen konnte.

Heute kann man sich gegen eigentlich alles versichern lassen. Dabei muss man aber immer bedenken, dass eine Versicherung nur nachwirkend greift. Eine Versicherung schützt natürlich nicht vor einem Unfall, kann aber für die Zeit danach sehr hilfreich sein. Sie ist ein soziales Konstrukt, denn eine Masse an Versicherten zahlt hinein, aber nur vergleichsweise wenige kriegen etwas raus. Das ist auch gut so, denn in vielen Fällen wäre es unmöglich, die Kosten für eine Nachversorgung allein zu tragen.

Wenn wir uns einmal die Mühe machten, einen Versicherungsvertreter ins Haus zu holen, dann wird er uns Unmengen an möglichen Risiken aufzeigen, uns vielleicht sogar richtig Angst machen.

Er wird die Lust und das Bedürfnis in uns wecken, Vorkehrungen zu treffen, alle Eventualitäten einzukalkulieren und sogar zukünftige Risikowahrscheinlichkeiten zu bedenken. Es kommt vor, dass aus dem Wunsch nach Sicherheit heraus Menschen horrende Summen investieren, nur um gegen einen eventuellen Fall gerüstet zu sein. Es gibt sogar jene, die sich für denselben Sachverhalt mehrfach versichern. Die psychologisch wirksamen Schlagworte sind dabei immer ähnlich: Sicherheit, Risiko, Vorsorge, Zukunft. Nur schwer kann man sich dem entziehen, denn wir sollen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Nächsten vorsorgen. In einem Schadensfall sollen unseren Angehörigen keine Mühen zulasten werden, im Falle unseres Todes sollen die Hinterbliebenen für unser Ableben entschädigt werden. Das ist der eine Teil dessen, was Francois Ewald als „Vorsorgestaat“ bezeichnete: wir sorgen für alles vor.

Der andere Teil sind die schon angesprochenen Sozialversicherungen. Neben der Unfallversicherung gehören auch noch Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung dazu. Ob die Arbeitslosenversicherung auch reinzählt ist kontrovers, Fakt ist aber, dass jeder in alle dieser 5 Versicherungen einzahlen muss. Somit sozialisiert die Versicherung das Risiko. Wir alle tragen das Risiko. Man könnte also durchaus diskutieren, ob es unter diesem Gesichtspunkt nicht unsozial ist, sich gewollt einem erhöhten Risiko auszusetzen, etwa durch Extremsport. Doch das würde den Rahmen hierfür eindeutig sprengen.

Für Unfälle kann man natürlich auch vorsorgen. Eine Möglichkeit sind Vorschriften und Gesetze, regelmäßige Kontrollen (etwa technischer Geräte), Gefahrenschulungen und Regelungen für den Umgang miteinander und mit Gegenständen. Ich habe das Beispiel der Straßenverkehrsordnung gewählt, denn es ist ja sogar geschrieben worden, um Unfälle zu verringern, indem man das Verkehrsgeschehen ordnet. Der Einzelne trägt hier schließlich ein kollektives Risiko, denn baut er aus Unachtsamkeit oder Dummheit einen Unfall, kann es leicht passieren, dass auch andere mit einbezogen werden. Die Strafen sind dann aber individuell, etwa durch Bußgelder, Fahrverbote oder sogar Gefängnisstrafen.

Man kann es übrigens auch übertreiben mit seiner Unglücksvorsorge, wie uns die US-Amerikaner mit ihren persönlichen Luftschutzbunkern und Panic Rooms beeindruckend zeigen. Letztens habe ich sogar einen Bericht gesehen, nach dem sich die Reichsten der Reichen individuelle Designer- Bunker kaufen konnten. Schließlich will man ja auch nicht im Extremfall auf Kingsize-Betten, Sekt und Hummer verzichten.

Der Unfall als ein unfreiwilliger Zufall ist nie gänzlich auszuschließen, denn er ist prinzipiell immer möglich. So bedrohlich das auch klingen mag, dürfen wir aber nicht in Panik geraten und wir müssen auch nicht ständig Angst haben. Der Unfall kann eben, muss aber nicht passieren. Und wenn er geschieht, sind wir in der Regel bestens auf ihn vorbereitet. Er ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens, zeigt uns, dass wir aktiv sind und zu einem Miteinander gehören. Auch wenn er nicht immer einen Grund hat, können wir uns doch damit trösten, im Nachhinein einen Grund zu suchen. Wir können ihn einer höheren Macht zuschreiben, ihn mit dem Schicksal erklären. Oder wir können ihn als das auffassen, was er ist: als mögliche Realität; als eine Realität von vielen.

Weiter zu Teil 3.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

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