Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit III: Die Lotterie

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TEIL 1- Vom Zufall

TEIL 2- Der Unfall

Kommen wir nun endlich zu Teil 3! Dieser Teil befasst sich mit der vielgeliebten Lotterie. Nachdem Unfall ja nun ein ungewollter und unfreiwilliger Zufall ist, haben wir hier einen gewollten oder freiwilligen Zufall. Frage ich Gleichaltrige danach, ob sie Lotto spielen, schütteln sie den Kopf, schauen erstaunt, dass ich diese Frage stelle und sagen „Da gewinnt man doch eh nicht!“

Ganz anders sieht es bei der Eltern- und Großelterngeneration aus. Da ist eigentlich niemand dabei, der es nicht wenigstens schonmal versuch hat. „Man weiß ja nie“ oder „probieren kann man’s ja mal“ heißt es da öfter. Manche glauben daran, dass sie irgendwann mal  definitiv gewinnen müssen, wenn sie nur lange genug spielen und sich „anstrengen.“ Aber anstrengen bringt natürlich rein gar nichts- immerhin entscheidet der Zufall, welche Zahlen gezogen werden. Zumindest, wenn die Lotterie nicht manipuliert wurde….

Aber fangen wir einmal am Anfang an. Lotterien gibt es schon etwa seit dem
15. Jahrhundert. Die Genuesen waren die ersten, die eine Lotterie einführten. Ganze 3 Jahrhunderte später hat dann auch mal Deutschland davon Wind gekriegt. Damals war der Buschfunk wohl noch nicht so ausgereift. Man kann sich das allerdings nicht so vorstellen wie das Lotto heute. Es wurde betrogen und gezinkt, Lotto war mehr Gaunerei als ein Glücksspiel. 1810 wurde es dann eingestellt, nachdem die Betreiber bankrott gingen. Dann hat es nochmal ne ganze Weile gedauert, bis 1955, bis man doch wieder damit anfing. Diesmal stellte man es aber in staatliche Obhut. Seither dürfen es nur stellen mit besonderer Genehmigung durchführen. Dadurch will man den natürlichen Spieltrieb des Menschen kontrollieren und illegales, ausschweifendes Glücksspiel unterbinden.

Nach besonderen Ereignissen, etwa dem Beginn der Übertragung der Ziehung im Fernsehen 1965, der Aufhebung der Gewinnobergrenze 1981 und 1985, oder gar der Wiedervereinigung Deutschlands 1990, stieg die Beliebtheit des Lottospiels steil an.

In Deutschland spielt man 6 aus 49, es gibt aber auch andere Varianten wie 6 aus 45 in der Schweiz und Österreich oder 6 aus 90 in Italien. Beim deutschen 6 aus 49 ergeben sich circa 14 Millionen möglicher Kombinationen. Die Wahrscheinlichkeit, hierbei 6 Richtige zu tippen, also genau die „richtige“ Kombi, steht bei
1:15,5 Millionen. Will man aber den Jackpot knacken, braucht man dazu ja noch die Superzahl und die Wahrscheinlichkeit sinkt auf stolze 1:139,8 Millionen. Wenn euch das immernoch nicht genügend Zahlen sind: die Chance auf eine Niete erschlägt mit faszinierenden 98,1%.

Quelle: http://lottotipps.blogspot.de/

Wer spielt eigentlich Lotto?

Die Lottolust zieht sich durch alle sozialen Schichten. Ob reicher Banker oder armer Hartz-IV-Empfänger ist relativ egal. Allerdings fand man in einer Studie heraus, dass vor allem Menschen in Notlagen spielen, weil sie sich eine „schnelle Rettung“ erhoffen. Am ehesten zu erwarten ist der Griff zum Lottolos bei der unteren Mittelschicht, da ein sozialer Aufstieg hier ziemlich schwierig ist. Es gibt wohl auch Zusammenhänge bei niedriger Bildung, geringem Berufsstatus und oft bei Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit. Die ganz Armen spielen eher nicht, einfach weil man da sein Geld für was anderes braucht. Je mehr man verdient, desto mehr setzt man ein, allerdings sinkt die Spielbeteiligung mit steigendem Einkommen. Wichtig ist auch das Alter: je älter, desto wahrscheinlicher. Der Durchschnittsspieler lebt außerdem in Partnerschaft und in kleineren Gemeinden.

Was mich ein bisschen überrascht hat, waren die Motive. Der Geldgewinn rückt hier bei einer großen Befragung noch hinter den sozialen Aspekt, also dass viele einfach gerne mit Freunden oder Familie spielen. Lottospieler sind also keine heimlichen Einzelgänger. Übrigens gibt es auch den bloßen „Lottosüchtigen“ nicht, denn wenn schon spielsüchtig, dann bezieht sich das auf mehrere Glücksspiele, sogar auf bis zu 5 parallel. Wie viel Organisation dahinter stecken muss…

Kommen wir zum gesellschaftlichen und eigentlich interessanteren Teil. Ich muss sagen, dass ich mir nie groß nen Kopf darum gemacht habe, was überhaupt mit dem vielen Geld passiert, das so eingesetzt wird. Immerhin handelt es sich um enorme Summen. 2005 gingen etwa 5 Milliarden Euro ein! Aber wo gehts denn hin, das liebe Geld? Immerhin betragen die Jackpots immer nur „ein paar“ Milliönchen.

Lotto ist mit ca. 39% versteuert, etwa 13% der Einsätze decken die Verwaltungskosten und 48% werden an die Gewinner ausgeschüttet. Nicht ausgeschüttete Gewinne gehen teilweise unmittelbar in die Länderhaushalte über. Ein anderer Teil fließt zweckgebunden in öffentliche Einrichtungen, z.B. in den Breitensport, in Kunst und Kultur oder in die soziale Wohlfahrt.

Klingt ja soweit nicht schlimm. Aber erinnern wir uns noch einmal daran, dass eigentlich eher Mittelständler einzahlen, ist das doch ganz schön strange. Sie zahlen quasi für etwas, das ihnen nix bringt und das Geld geht dann an Vereine und Organisationen, die sie nicht nutzen. Und die Steuern, die sie da erwirtschaften, sind ja schon ganz schön viel. Bei 5 Milliarden Euro Einzahlung sind das schlappe 1,95 Milliarden Euro Steuern!

Es gibt da Gütekriterien für Steuern. Uns interessieren in diesem Zusammenhang zwei bestimmte: Zum einen das Leistungsfähigkeitsprinzip, zum anderen das Äquivalenzprinzip. Das Leistungsfähigkeitsprinzip besagt grob gesagt, dass eben nicht Leistungsschwache alles buckeln, sondern dass sozusagen jeder gibt, was ihm möglich ist. Das ist beim Lotto ja dadurch verletzt, dass der Großteil der Spieler eben aus der unteren Mittelschicht kommt, die die Lotterie trotz ihrer chronischen Geldknappheit finanziert. Auch das Äquivalenzprinzip wird verletzt, da diejenigen, die durch ihre Lottoausgaben bestimmte Projekte finanzieren, diese selbst unterdurchschnittlich häufig nutzen.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

Aber wie kann man diese Ungleichverteilung und damit Unfairness (ist das ein Wort? Unfairness?) beheben?
Nun, eine Möglichkeit wäre, dass sich wesentlich mehr einkommensstarke Haushalte am Lotto beteiligen. Da man aber natürlich niemanden zwingen kann, zu spielen, ist das wohl von vornherein obsolet. Was ich für sinnvoller halte: Aufklärung!

Klar, jeder weiß selbst, dass die Chancen gering sind. Aber ich denke, kaum jemand weiß, was das wirklich heißt. Der Mensch ist ja gar nicht in der Lage, sich vorzustellen WIE gering die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn ist. Leider wird der begeisterte Lottospieler nur wenig durch Statistiken und Wahrscheinlichkeiten beeinflusst werden können. Man könnte ihm also ebenso erklären, was überhaupt mit diesem Geld geschieht, wohin es fließt und dass der Durchschnittsspieler paradoxerweise indirekt zu seiner eigenen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheit beiträgt.

Die Menschen vom Lottospiel gänzlich abzuhalten oder es gar zu verbieten halte ich dafür für den falschen Weg. Immerhin spielen auch jede Menge psychischer Faktoren hinein. Es ist schön, sich vorzustellen, was man mit einem Megagewinn machen würde. Ein Haus am See? Ein schicker Sportflitzer? Eine Weltreise? Sämtliche Schulden auf einmal loswerden? Klasse! Sowas lenkt halt auch kurzzeitig vom eigenen Elend ab. Man kann mal abschalten, schauen, wohin man möchte. Vor allem führt man sich vor Augen, dass es auch anders geht und das kann im Umkehrschluss wiederrum dazu führen, dass man sich im wahren Leben, abseits vom Lotto, Mühe gibt und Hoffnung schöpft, um seine Lage zu verbessern. Ich weiß, das ist nicht so einfach und vielleicht auch nicht häufig. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der eine oder andere Geblendete auf seiner Phantasie hängen bleibt und sich nur auf den eigentlich unmöglichen Lottogewinn versteift.

Indes darf auch nicht ignoriert werden, dass die Lotterie freiwillig ist und der Spieler selbst über die Höhe des Einsatzes und die Häufigkeit des Spiels entscheiden kann. Sofern sich der Spielende also nicht verausgabt, sollten ihm die Freude und die Spannung am Spiel gegönnt werden. Ein Lottoverbot wäre zudem insofern sinnlos, als das Verbotene einen besonderen Reiz ausübt und man daher davon ausgehen müsste, dass weiterhin Lotterien stattfinden würden, wenn auch illegal.

Abschließend betrachtet ist die Lotterie ein tückisches Vergnügen. Während sie dem Einzelnen Lust und Freude bietet, ist sie doch ein Problem für die Gesellschaft. Ihr Reiz verblendet den Spieler, der seine Chance zu gewinnen deutlich überschätzt und das nahezu Unmögliche erhofft. Doch selbst wenn er scheinbar übermäßiges Glück durch einen großen Lottogewinn erfährt, kann ihn das ins Unheil stürzen. Man berichtet von ehemaligen Lottomillionären, die mit ihrem plötzlichen Reichtum nicht umzugehen wussten, sich hoch verschuldeten, das zu spät bemerkten und mitunter schlechter als zuvor gestellt sind. Gesellschaftliche Isolation ist neben potenzieller Armut ein bedeutender Faktor. So kann der unerwartete Reichtum zur Folge haben, dass sich einstige Freunde und Bekannte abwenden, während sich solche finden, die aus niederen Beweggründen, nämlich denen der Gewinnbeteiligung, eine scheinbare Freundschaft zu führen versuchen. Sobald jedoch der Reichtum verschwunden ist, sind sie es auch. So verliert der einst glückliche Lottogewinner nicht nur seinen sozialen Status, sondern auch seinen gesellschaftlichen Halt.

Das Lottospiel ist also mit Vorsicht zu genießen. Man muss sich darüber bewusst sein, welche Konsequenzen sowohl ein Gewinn als auch ein Nichtgewinn haben können und welche Bedeutung der Lotterie in der Gesellschaft zuteil wird. Ein gewollter Zufall bringt nicht immer auch ein gewolltes Ergebnis.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

3 Kommentare zu „Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit III: Die Lotterie“

  1. „Aber erinnern wir uns noch einmal daran, dass eigentlich eher Mittelständler einzahlen, ist das doch ganz schön strange. Sie zahlen quasi für etwas, das ihnen nix bringt und das Geld geht dann an Vereine und Organisationen, die sie nicht nutzen“

    „Nicht ausgeschüttete Gewinne gehen teilweise unmittelbar in die Länderhaushalte über. Ein anderer Teil fließt zweckgebunden in öffentliche Einrichtungen, z.B. in den Breitensport, in Kunst und Kultur oder in die soziale Wohlfahrt.“

    -> Also warum haben Mittelständler denn nichts vom Breitensport, von Kunst und Kultur? Wenn Geld an gemeinnützige Organisationen und Vereine geht, ist das niemals schlecht für die Gesellschaft und damit einhergehend auch nicht für ihre Mitglieder. Zudem finde ich die These ein bisschen gewagt, dass Mittelständler diese Angebote angeblich nicht nutzen.. als ob es keine Mittelständler bei Kulturveranstaltungen oder in Vereinen gäbe.. neee. Sehe ich anders!

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    1. Diese These stammt nicht von mir, sondern das wurde in einer Studie untersucht. Auffallend wenige Menschen aus dem Mittelstand nutzen diese Angebote, sondern viel mehr alle anderen.

      Natürlich finde ich das auch gut, wenn das Geld da einfließt. Gerade soziale Vereine und Einrichtungen können nie genug Geld haben. Aber in der Studie wurde auch ganz klar gesagt: wenn es diejenigen finanzieren, die es unterdurchschnittlich häufig nutzen, ist das für diese Gruppe nicht gerecht. Für alle anderen ist das natürlich gut, dagegen kann man nix einwenden.

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