Nachbarschaft

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Oft hört man von nervigen Nachbarn, die noch mitten in der Nacht Lärm machen, obwohl man doch am nächsten Morgen früh aufstehen muss und wenigstens noch ein bisschen schlafen möchte. Oder sie haben ihre laut lärmenden Kinder nicht im Griff. Oder sie sehen einfach viel zu laut fern, unterhalten sich zu laut oder werfen den Staubsauger an, wenn es im Film gerade spannend wird.

Ja, auch ich habe schon über meine Nachbarn geflucht und sie vielleicht über mich. Aber heute, da möchte ich euch mal erzählen, warum einige meiner Nachbarn toll sind und weshalb unser Eingang etwas ganz Besonderes ist.

Der Großteil meiner Nachbarn ist schon alt und pflegebedrüftig, denn ich wohne in einem Block mit Wohnungen für altersgerechtes Wohnen. Voriges Jahr hat dieser Block auch endlich einmal eine Rollstuhlrampe bekommen, sodass die Rollifahrer nicht mehr umständlich über den Nachbareingang hereinfahren müssen. (Zeit wurde es, aber ich will ja nicht meckern 😉 ) Mieter in meinem Alter gibt es kaum, vielleicht noch 2 oder 3 andere- was angesichts von 11 Geschossen á 4 Wohnungen doch verschwindend gering ist.

Dieser Altersdurchschnitt ist wohl der Grund dafür, dass es noch „alte Werte“ der Nachbarschaftlichkeit gibt. So scheinen einige eine Art wohnungsübergreifende WG zu haben, in der zwar jeder für sich, doch niemand allein ist. Man hilft sich eben gegenseitig und hat jemanden zum Reden. Manche treffen sich auch zu festen Zeiten zu Kaffeekränzchen. Hach, ob dieser Geselligkeit wäre ich manchmal auch gerne alt 😉
Übrigens kennt nicht jeder jeden, was sicher anstrengend wäre, aber jeder kennt wenigstens ein oder zwei andere Mietparteien.

Aber jeder kennt unsere Frau Müller (Name geändert), die nicht nur Nachbarin, sondern auch ehrenamtliche Mietersprecherin ist und sich auch schonmal für die Bedürfnisse der Bewohner einsetzt. Sie ist stets freundlich und ausgesprochen nett, man mag sie einfach. Außerdem bepflanzt sie hier und da die kahlen Flächen hinter dem Block, was das Wohnen einfach schöner macht.

Ich selbst habe es mir seit etwa einem Jahr zur Angewohnheit gemacht, gelesene Zeitungen (ich abonniere die Zeit) und Zeitschriften zu den Briefkästen zu legen, denn zum Wegwerfen sind die zu schade nach nur einmal lesen; außerdem kann ich jemandem damit eine Freude machen und überhaupt versuche ich, so nachhaltig wie möglich zu leben.
Das hat wohl einen Trend hervorgebracht. Im Sommer etwa lagen auch schon selbstgezogene Zucchini zum verschenken aus, ab und an liegt auch ein Buch da oder etwas anderes Ausrangiertes. Sogar kleine Möbel standen schon mit einem kleinen Zettelchen versehen im Flur.

Das Spannende an der ganzen Sache finde ich, dass alles völlig anonym passiert. Niemand weiß, wer das da hingelegt hat und logischerweise bin ich ja auch nicht die Einzige, die das macht. Man weiß auch nie, wer etwas mitnimmt. Aber man weiß, dass derjenige sich freut- und das ist doch ein schönes Gefühl.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

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