#Aufschrei – die ganz düsteren Seiten

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Am Montag habe ich ja schon einmal meinen Senf zur Aufschrei-Debatte abgegeben. Seitdem habe ich mich noch ein bisschen tiefer in die Problematik eingelesen… und bin entsetzt! Wer da so etwas von sich gibt und vor allem was, das geht auf keine Kuhhaut!

Bild aus der Süddeutschen- Quelle öffnet sich beim Draufklicken

Allen voran war wohl Günter Jauch, der in seiner grottenschlechten Sendung einen unterirdischen Witz nach dem anderen machte- und das zu einem Thema, das nicht nur ernst ist, sondern das alle was angeht. Schließlich gibt es neben Opfern und Tätern auch Menschen, die wegschauen oder -hören, lieber lachen statt was zu sagen oder sich gar nicht erst damit auskennen, was zu weit geht. Und dass man dann solche niederträchtigen Spitzfindigkeiten in den Medien mitbekommen muss von einem Mann, der mit einer Wissenssendung bekannt wurde und mit Gästen, die es besser wissen müssten: das enttäuscht mich und offenbar viele andere zutiefst. Und was dabei mindestens genauso wehtut: der Mist war zwangsabgabenfinanziert, aber keineswegs gesellschaftsfähig. Großes Kino, Herr Jauch!

Kritiker des Aufschreis betonen gerne, wie unnötig und sinnlos diese Debatte ist. Da frage ich mich: woher kommen dann die zehntausenden Tweets auf der Twitter-Seite? Wieso gibt es so viele Frauen und auch Männer, die damit täglich konfrontiert sind? Und überhaupt: ist es nicht eher unnötig, da jetzt dagegen zu halten statt einfach und klar zu sagen: „Ja, Sexismus ist scheiße und wir sollten etwas dagegen tun“ ? Jeder, der behauptet, Sexismus gäbe es nicht, muss sich doch dabei selbst die Zunge abbeißen.

Enttäuscht war ich auch von einem Artikel in der WELT, einer Zeitung, die ich bisher immer für intelligent und reflexiert gehalten habe. Geschrieben wurde der Artikel übrigens von einer Frau. Es wird gefragt, ob man Frauen nun nicht mehr alleine in eine Kneipe gehen lassen könne. Wie niveauvoll das doch ist! Fragen wir mal so: Warum sollte ich mich als Frau in meinen Aktivitäten begrenzen lassen, weil dort Männer sitzen, die mich anfassen könnten? Warum setzt man da nicht bei den grabschenden Männern an, sondern bei mir? Klar kann ich mich dagegen wehren, wenn so etwas passiert. Doch der Knackpunkt ist doch nicht, dass ich es kann, sondern, dass ich es muss! Dass es überhaupt so weit kommen kann, dass ich mich zu wehren habe!

Überhaupt gab es ein paar Wortmeldungen von Frauen aus gehobenen Kreisen, die mich traurig machten. Sie behaupteten, die ganze Diskussion sei völlig übertrieben und überhaupt, man solle sich ja nicht so haben. Die rosa Wattewelt habe ich ja schon erwähnt. Aber dass man sowas wirklich ernst meinen kann…

Und dann gibt es wieder die ganz Klugen, die die alte Leier drehen: Frauen sind selbst Schuld, was ziehen sie sich auch so an, warum haben die sich denn so? War doch nur Spaß… Oder die Kommentare á la: Wenn Frauen sich schon in die Männerwelt wagen, sollen sie gefälligst froh sein, dass sie mitspielen dürfen und sich nicht über ein paar Sprüche und Gegrabbel aufregen. Ich meine: wo sind wir? Sind wir noch im Mittelalter? Wollen wir uns wirklich so unaufgeklärt verhalten?

Rösi musste sich selbstverständlich auch zu Wort melden. Die Attacke gegen Brüderle sei nur eine Hetzkampagne gegen die FDP, jetzt zur Wahlzeit. Ja nee is klar Rösi, die Welt dreht sich natürlich nur um die FDP!

Ein nettes „Modern Sexual- Assault Tale“, also ein modernes Märchen über sexuelle Übergriffe, habe ich HIER gefunden. Es führt sehr schön diese dumme Argumentation ad absurdum und zeigt, dass es eben nicht heißt: was heute okay ist, ist morgen wieder okay.

Abschließend kann ich gar nicht oft genug betonen, wie bedeutsam dieses Thema ist, auch wenn es einige scheinbar nicht wahrhaben wollen. Aber viele Frauen laufen jeden einzelnen Tag aufs neue wieder Gefahr, durch Worte, Blicke oder gar Handgreiflichkeiten belästigt zu werden. Und das gilt nicht nur im Sommer in knappen Outfits, sondern auch dick eingepackt im Winter. Nein, das Thema ist leider nicht künstlich aufgebauscht. Es ist Realität!

Übrigens: Vom 7. bis 13. April findet eine International Anti Street Harassment Week statt, an der sich jeder weltweit beteiligen kann. Und: die Sammlung sexueller Übergriffe gibt es nicht nur bei uns. Auf Everydaysexism werden Erlebnisse ähnlich wie auf Twitter gesammelt. Auf Deutsch gibt es die Seite Alltagssexismus, aber ich warne euch: manche Texte können triggern! Also bitte nicht lesen, wenn ihr damit nicht klar kommt.

Nachtrag

Es gibt aber auch noch Grund zur Hoffnung: Auf diesem Blog hat ein junger Schüler was dazu zu sagen- und was er sagt, ist toll! Danke, Sebi!

Zweiter Nachtrag: Die Nachrichten über die deutsche Sexismus- Debatte haben auch das Ausland erreicht.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

2 Kommentare zu „#Aufschrei – die ganz düsteren Seiten“

  1. Ich finde übrigens dieses ganze „Frauen dürfen sich nicht so anziehen, da sonst die Männer übergriffig werden“-Geblubber extrem männerfeindlich. Auch Wiebke Bruhns, die Männer mit Stieren/Ochsen vergleicht geht meiner Meinung nach gar nicht. Ich möchte als Frau auch nicht mit einem Tier verglichen werden und finde das bei Männern ebenso unfair. Wie kann man einer solchen Argumentation beipflichten?

    Ich finde es klasse wenn Leute sich von diesem „Männer sind eben so“ und „Frauen sind eben anders“ lösen. Dafür habe ich jetzt schon so viele Beispiele gefunden! Das ist ermutigend. 🙂

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    1. Oh ja, das stimmt! Wie kommt man nur darauf, einen Menschen auf seine Triebe zu reduzieren? Ja, es gibt Leute, die sich danach verhalten, aber das betrifft sowohl Männer als auch Frauen und bildet doch eher die Ausnahme.
      Zumal ich mich frage: welcher Mann kann stolzen Hauptes diesen Satz sagen, ohne sich dabei selbst herabzustufen? Das würde ja bedeuten, dass Männer gesellschaftlich und evolutorisch total unterentwickelt sind. Schlimm!

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