Vom Wiehern und Frieren

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Ein Hauch Frühling in der Wohnung. Wenn er sich schon nicht draußen blicken lässt, muss ich ihn eben rein holen.

Da ist er wieder, der Winter. Ja ich weiß, es ist nichts besonderes im Februar, wenn Schnee fällt und es kalt ist. Und wie vierachtel auf ihrem Blog ja schon sagte: eigentlich ist es unsinnig, sich darüber aufzuregen. So ist das nunmal mit dem Winter.

Aber trotzdem: Ich hatte schon Hoffnung, dass es langsam mal wärmer wird. Diese Kälte macht mich fertig. Nicht nur wegen meines Asthmas, das mir bei Kälte wirklich zu schaffen macht, sondern auch wegen der schlechten Laune, die ich automatisch bekomme, wenn ich friere. Und ich friere gar schnell. Ich friere sogar jetzt gerade, dabei ist die Heizung aufgedreht. Und überhaupt: ständig ist es dunkel. Wer soll denn da was leisten können? Ich kann das nicht. Ich brauche Sonne! Das Winterdunkel verlangt immer eine extra Portion Selbstmotivation von mir ab – und ich muss mich oft schon genug motivieren, um umliebsame Aufgaben anzufangen. (Na wenigstens kann ich den Block (siehe neues RSS-Symbol) und die Wohnung schmücken, dann ist es schon ein bisschen besser.)

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Das Lernen zum Beispiel lief irgendwie nicht so gut. Am Dienstag habe ich meine Methoden – II – Klausur geschrieben und obwohl ich wirklich intensiv gelernt habe und auch schon während des Semesters gut dabei war, gab es doch wieder Fragen, die in mir nur noch mehr Fragen auslösten, aber keine Antworten. Im Großen und Ganzen habe ich aber trotzdem ein gutes Gefühl.
Gar kein so gutes Gefühl hatte ich heute Morgen, als ich mich auf dem Weg zum Schlachter zur Nachklausur machte. Ich hatte mein Testat in Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie verhauen, keine Ahnung wie. Jedenfalls war ich eine von 4 Leuten aus ca. 100, die doch tatsächlich zur Nachklausur antreten mussten. Und da wir nur so wenige waren, fand die Wiederholung in Form eines Gespräches statt. Statt der 4 geplanten Leute waren wir übrigens nur 2 – und meine Mitkandidatin kannte ich schon und ich habe mich sehr gefreut, jemanden an meiner Seite zu haben, der genauso nervös war wie ich. Nachdem wir beide bestanden hatten (jippie!) schnatterten wir noch ein wenig und liefen dann unserer Wege. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie merkwürdig ich Studien-Bekanntschaften finde. Da ist da jemand, den ich gerne mag und mit dem ich mir eine schöne Freundschaft vorstellen könnte, mit dem ich mich gut unterhalten kann und auf einer Wellenlänge bin. Und doch bin ich nicht in der Lage, näheren Kontakt herzustellen. Man sieht sich mal in den Vorlesungen, vielleicht hat man sogar ein Seminar gemeinsam, aber sonst? Nada! Niente! Nix! Daran sollte ich arbeiten…

Da heute Donnerstag ist, befand sich wieder eine neue Ausgabe der ZEIT in meinem Briefkasten. Titelthema: „Erzählt uns nichts vom Pferd!“ Dass eine renommierte Wochenzeitung jetzt mit auf den Sattel springen und auf dem Thema herumreiten muss… 😉

Klick für Quelle

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Man hat Pferdefleisch gefunden. In Tiefkühlprodukten wie Lasagne, Bolognese und Co. Ohne Hinweis darauf. Auch in Deutschland.
Ich finde das absolut nicht okay! Immerhin gab es keine Hinweise darauf; die Verbraucher wurden nicht informiert darüber, was sie da eigentlich essen. Ich bin der Meinung, dass ausnahmslos alles, was so in ein Produkt kommt, verbrauchergerecht aufgelistet werden soll. Die Kennzeichnungspflicht ist mir noch immer zu lasch. Vor allem gibt es viel zu viele Ausweichbegriffe für Inhaltsstoffe, vor allem, wenn diese eher nicht gern gesehen sind.
Ich frage mich auch, wie sowas passieren kann. Da fällt keinem auf, dass da Pferd drin ist? Wie war das doch gleich mit den strengen Lebensmittelkontrollen in Europa? Und immerhin wurde schon vor 2 Monaten davor gewarnt, dass viel Pferdefleisch importiert, aber nur wenig direkt gekauft wird.
Auf der anderen Seite kann ich die Empörung, dass es AUSGERECHNET Pferdefleisch ist, nicht ganz nachvollziehen. Ich meine, sein wir doch mal ehrlich: Wenn man sich die meisten TK-Produkte mal anschaut, kann man ohnehin nicht von „richtigem“ Fleisch sprechen. Ich will gar nicht wissen, was da so reingepanscht wird. Also abgesehen von Pferd. Und was ist denn so anders an Pferdefleisch als etwa an Rindfleisch? Der Geschmack könnte man sagen. Scheint vielen ja genauso geschmeckt zu haben wie immer. Unter den ganzen Geschmacksverstärkern kriegt doch niemand mit, ob er grad Rind, Pferd oder Känguru isst. Die prekäre Haltung von Mastpferden? Die finden wir auch bei Rindern. Ich vermute, dass es einzig und allein die Gewohnheit ist. Pferdefleisch ist in den jüngeren Generationen einfach nicht mehr üblich.
In einer Umfrage -und das fand ich ganz witzig- gaben viele an, dass sie das Zeug genauso essen würden, wenn es offiziell mit Pferdefleisch hergestellt würde. Eine große Anzahl an Befragten (immerhin 41%) macht also noch nicht mal einen Unterschied. Für 45% kommt Pferdefleisch allerdings gar nicht erst in Frage. Wie sich diese 45% zusammen setzen, weiß ich leider nicht, das würde mich aber interessieren. Befinden sich darunter auch Vegetarier und Veganer, die gar kein Fleisch, also AUCH kein Pferdefleisch essen? Gibt es in dieser Gruppe solche, die nur essen, was sie kennen – und Pferdefleisch kennen sie nunmal nicht? Befinden sich Pferdeliebhaber darunter, die NUR kein Pferdefleisch essen, aber sonst eigentlich alles? Oder vielleicht Foodies, die bloß den Geschmack von Pferdefleisch nicht mögen?
Repräsentativ ist die Umfrage jedenfalls nicht, denn es wurden gerade einmal 1021 Leute befragt. Das ist natürlich eindeutig zu wenig – und daran ändert auch der Satz „Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der Forschungsinstituts YouGov für die Kommunikationsberatung Ketchum Pleon“ auf Focus.de nichts. (Selbst nicht mit dem Grammatikfehler.)

Sonne
Ist dieser Tage rar. Ist schön. Nennt sich Sonne.

Ich bin in diesen Tagen definitiv wieder einmal froh, die Welt der Tiefkühl- und Fertiggerichte hinter mir gelassen zu haben und Fleisch, das es hier ohnehin sehr selten gibt, nur beim örtlichen Biobauern zu kaufen.

Und was meint ihr zu dem ganzen Huddelmuddel mit dem Pferdefleisch?

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

6 Kommentare zu „Vom Wiehern und Frieren“

  1. Immer wieder was neues…diesmal ist das Thema: Pferdefleischskandal.

    Ich persönlich mach mir da jetzt keinen Kopf, ob ich betroffen bin. Ich achte schon genauer drauf, wo ich was kaufe. In dem besagten Supermarkt kaufe ich eh nicht ein.

    Aber ärgerlich ist es natürlich schon. Und immer wieder eine Erinnerung an den Verbraucher, dass er wirklich bewusster einkaufen sollte und nicht vorsichtig genug dabei sein kann.

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      1. Hm… wenn ich mir so überlege, was der Mensch nicht so alles an Fleisch isst…besonders in Asien, da ist ja Pferdefleisch noch völlig harmlos. Aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, es essen zu wollen. Nein, ich würde es ablehnen, denn ich finde es gibt genug Alternativen für den Menschen an Fleisch. Da sollten wir wenigstens die armen Pferde doch bitte in Ruhe lassen…

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  2. insgesamt sehe ich die lebensmittelproblematik in dem sinne positiv, dass sich in den letzten jahren doch eine veränderung abzeichnet. der verbraucher kann also doch mit seinem verhalten den markt steuern – langsam zwar und oft ist es dann geschummelt (s. pferdefleischskandal), aber immerhin. ein hinweis ist die bioschiene in den discountern. und die eltern, die ich kenne, die kaufen für ihre kinder dann doch lieber bio. es gibt also eine veränderung. und je mehr skandale, desto mehr bio wird verkauft. vermute ich.
    mir selbst ist dieser pferdeskandal mal wieder eine lehre, vegetarischer zu werden. ganz ohne fleisch geht es nicht, aber es gibt hier einen biobauernhof, den werde ich mal testen. ist leider etwas umständlich, dort hin zu kommen. und ich plane, unseren tiefkühlschrank in betrieb zu nehmen. dann kann ich biofleisch einfrieren. yep, das wäre was. ich persönlich würde pferdefleisch nicht essen wollen, das sind einfach emotionale gründe, ich kenne ein paar pferde persönlich.
    vielen dank für die kritischen gedanken zu verbraucherumfragen, herzlichst, mara.

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    1. Ja, das stimmt! Seit immer wieder diese ganzen Skandale auftauchen, leben einige Menschen doch bewusster. Ich muss -ganz subjektiv- auch sagen, dass mir auffällt, wie gerade Vegetarismus oder Veganismus zunehmen. Und das nicht nur in der Hinsicht auf Ernährung, sondern auch auf Tierhaltung allgemein. Leder und Pelz werden in der Mode immer öfter als Unding angesehen. ich erinnere mich an einen Aufschrei vor ein paar Monaten, als ein Modehaus seine neue Kollektion heraus brachte und dabei Pelz verarbeitete. Die Facebookseite wurde von vielen Menschen überschwemmt, die das unter aller Sau fanden und daraufhin haben die wirklich die Produktion eingestellt und angekündigt, von nun an auf Pelz zu verzichten. Das hat mich stolz gemacht. Ich hatte übrigens auch Freunde und Bekannte aufgerufen, ihre Meinung Kund zu tun.
      Wenn du eine persönliche Beziehung zu Pferden hast, kann ich es absolut nachvollziehen, dass du sie nicht essen willst. Das ist genauso, als würde man mir sagen, ich solle Meerschwein, Katze oder Hund essen. Möglich ist sowas, würde ich aber nie tun. Aber manche Menschen haben eben überhaupt keine Beziehung zu einem Tier und entscheiden welche sie essen danach, ob sie sie hübsch oder niedlich finden oder eben nicht. Finde ich persönlich eine merkwürdige Einstufung.

      Mein nächstes Essay, das ich in den kommenden Tagen schreibe, beschäftigt sich eben mit dem aktuellen Mensch-Tier-Verhältnis. Genug Stoff dafür gibt es ja. Ein Buch könnte ich darüber schreiben, aber es sollen nur ungefähr 6-8 Seiten werden 😀

      Und zu den Umfragen: dass ich kritisch sein kann, verdanke ich meiner Methodenausbildung. Uns wurde wirklich viel beigebracht- und vor allem eben, wie eine gute Umfrage auszusehen hat und welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine Umfrage auch wirklich repräsentativ ist. Wenn ich mir heute einige Umfragen oder Auswertungen ansehe, kann ich nur den Kopf schütteln.

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