Was ist denn hier los?

Die letzte Zeit ist für mich wirklich sehr anstrengend gewesen. Ich hatte viele Prüfungen und Schreibarbeiten, ich hatte Stress, hier und da sind auch mal unerfreuliche Dinge geschehen. Das hat mich psychisch ein bisschen angeschlagen. Meine Motivation versteckt sich derzeit irgendwo im Keller, besonders kreativ bin ich auch nicht, ich bin oft genervt (zum Beispiel vom Wetter!) und das eine oder andere Mal musste ich einfach mal laut losheulen, weil mir alles ein bisschen zu viel ist. Denn wie meine Mutter immer sagt: wenn was ist, dann immer alles auf einmal. Recht hat sie!

Da ich aber nicht in ein Loch rutschen möchte, aus dem zu entrinnen allein nicht möglich ist, lenke ich mich ab. Am besten geht das bei und mit Freunden. Klar, ständig kann ich auch nicht Zeit mit ihnen verbringen, denn sonst komme ich in einen Engpass mit den noch abzugebenden Arbeiten. Am liebsten würde ich bei allem mitmachen, aber ich muss doch mal nein sagen, um den Faden nicht zu verlieren. Das tut mir dann auch immer leid. Aber hier und da mal weggehen ist okay. Eigentlich müsste man meinen, dass es dann noch mehr Stress macht, da einem Zeit fehlt. Aber es fühlt sich nicht so an. Die Zeit ist auch nicht verloren, denn positive Aktivitäten gehören zur Psychohygiene einfach dazu. Also, wenn ihr euch fragt, ob ihr in einer chaotischen Zeit wirklich mit ins Kino gehen solltet: macht es einfach, sowas braucht man zwischendurch und danach ist man oft wieder produktiver.

Produktiv sein wollten wir auch, als wir die Kommode aufhängen wollten, die uns eine Freundin geschenkt hat. Aber das ging jetzt schon 2 mal daneben. Beim ersten Mal benutzten wir den falschen Bohraufsatz. Der war fälschlicherweise nicht für Beton, sondern für GASbeton. Großer Unterschied! Der Bohrkopf ist jetzt rundgelutscht wie eine Eiscremekugel an einem heißen Sommertag.

Beim zweiten Mal benutzten wir dann zwar den richtigen Bohraufsatz, aber irgendwie hatte der keine Lust. Was er gemacht hat, kann man am besten zeigen:

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Was hat er sich dabei nur gedacht? Wieso macht der sowas?
Naja, ich bin ja schonmal froh, dass er uns nicht um die Ohren geflogen ist. Aber jetzt muss die Kommode noch länger warten, bis wir sie aufhängen können, weil wir erst einmal einen neuen Bohraufsatz brauchen. Oder extrastarkes Viagra…

Aber nicht nur ich habe eine chaotische Phase. Jena ist derzeit ein Pool merkwürdiger Begebenheiten, die das Prädikat „WAS ZUR HÖLLE?!?“ verdient haben.

Sonntagmorgen etwa kam ein Betrunkener offensichtlich vom Feiern wieder und schnappte sich Schwuppdiwupp! einfach den Müllwagen. Die Müllmänner Reinigungskräfte befanden sich gerade an der Hinterseite des LKWs, als der 27Jährige Täter einfach einstieg und kurzerhand losfuhr. Er kam ein paar Straßen weiter, stieg aus und ging nach Hause, um sich schlafen zu legen. Man hat natürlich rausgefunden, wer es war und jetzt hat er seinen Führerschein los, eine Anzeige wegen Trunkenheit am Steuer mit 1,34 Promille, eine weitere für „unbefugten Gebrauch eines Fahrzeugs“ – und seine eigene Zeitungsanzeige.

Ein weiterer Betrunkener wurde ebenfalls am Sonntag, aber in seinem eigenen Auto, auffällig, weil er nicht nur die üblichen Schlängellinien fuhr, sondern das Auto auch vollkommen beschädigt war und zudem gleich 2 platte Reifen hatte. Der Kerl hatte aber auch stolze 2,44 Promille im Atemtest vorzuweisen. Meinereins wäre da schon komatös…

Auch am Sonntag (was für ein ereignisreicher Tag!) spielte sich eine sehr traurige Szene ab, die mich nachdenklich macht. Ein todkranker 30 Jahre alter Mann hat in der Uniklinik 2 Ärzte als Geiseln genommen und verlangt, auf eine Palliativstation verlegt zu werden. Es wurde bewilligt, dennoch hat er sich selbst erschossen, was sicher die angenehmste Lösung für ihn war; schließlich war er unheilbar krank und hätte sicherlich nur noch gelitten.
Schockiert bin ich hier zweierlei. Zum einen: wie kann es möglich sein, dass eine Privatperson eine Waffe hat? Der Mann war Sportschütze und besaß die Waffe völlig legal. Er hatte einen Waffenschein und alles, was nötig war, eine Schusswaffe besitzen zu dürfen. Das zeigt uns doch, dass wir immernoch eine fehlerhafte Gesetzgebung zu diesem Thema haben. Wenn es um Waffen geht, heißt es immer „niemand soll eine Waffe haben, außer Sportschützen. Bei denen ist das okay, denn die würden NIEMALS….“ Bullshit! Wann wird das endlich vernünftig geregelt? Warum wird da immernoch herumgeschnarcht, statt etwas zu verändern? Ist es denn wirklich so schlimm, wenn Sportschützen ihre Waffen in einem Safe an ihrer Sportstätte aufbewahren, statt sie mit nach Hause nehmen zu dürfen? Direkt gefragt: wofür sollten sie sie denn zu Hause brauchen, wenn sie „nur“ Sportschützen sind? Dürfen die damit noch auf andere Dinge schießen als auf Zielscheiben, oder warum ist es so wichtig, dass die Waffen immer griffbereit sind?

Ich habe damals bei dem Amoklauf in der Schule in Erfurt eine Klassenkameradin verloren; das ist jetzt schon 11 Jahre her! Ich habe es satt, von so etwas zu hören. Dass der Mann am Wochenende sich selbst und niemanden sonst erschossen hat, ist pures Glück. Er hätte auch durchdrehen und ein Blutbad anrichten können.

Die zweite Sache, die mich beschäftigt: Warum musste er diese Forderung mit Waffengewalt stellen? Wurde ihm eine palliative Station nicht gegönnt? Wollte man nochmal experimentieren, ob doch noch irgend etwas helfen könnte? Warum war er -abgesehen von seiner Krankheit- so dermaßen verzweifelt, dass er zu solch drastischen Maßnahmen griff? Warum hatte er überhaupt eine Waffe dabei? Wäre es nicht sinnvoll, die Informationen über solche endgültigen Erkrankungen an die Stellen weiterzuleiten, die dafür verantwortlich sind, Waffen zu erlauben bzw. abzunehmen? Immerhin werden viele Todkranke zu einer Risikoperson. Ich würde mir ganz hypothetisch sicher auch lieber ne Kugel geben, als die Qualen einer nicht (mehr) heilbaren Krankheit durchzustehen. Klar, damit betrifft man nur sich selbst. Aber manche haben vielleicht ja noch eine Rechnung offen oder sowas…

Einfügung (oder Nachtrag) : Jetzt habe ich ganz die Bombendrohung an EON vergessen. Die gab es am Mittwochmorgen, als ich gerade meine Klausur schrieb. Ich wollte danach einfach nur heim fahren, aber die Straßenbahnen fuhren anders als gewohnt und in längeren Abständen. Danke du blöder Vollpfosten für den Zeitaufwand, eine zu mir fahrende Straßenbahn zu finden! Echt super, wenn man angepisst ist von einer fiesen Klausur!

Gedankenbruch

Bevor ich hier all zu philosophisch / melancholisch werde, möchte ich euch einmal fragen, über welche Wörter ihr so stolpert? Welche findet ihr besonders lustig oder besonders blöd? Habt ihr eigene Wortkreationen oder benutzt ihr bestimmte Wörter, die andere gar nicht kennen?

Mir fiel heute das Wort knetschen ein. Gesprochen am liebsten mit einem Ä, also knätschen. Ich kenne es wie die meisten als etwas zerquetschen, zerdrücken. Ich kenne es aber auch als tratschen, erzählen, schwätzen. So à la „Hast du schon gehört? Der Kurt, der fährt ohne Helm und ohne Gurt!“ – „Was du nicht sagst?!“
Ich habe es aber auch schon in der Bedeutung von heulen gehört. „Knetsch nicht rum!“

Now it’s up to you!

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

11 Kommentare zu „Was ist denn hier los?“

    1. Danke für den Hinweis! Da fällt mir gerade auf: juhu, schon 100 genehmigte Kommentare! Ich weiß nicht, welcher Kommentar genau der 100. war, aber es freut mich doch 😀 Da ist das Entfernen des Hintergrunds schon nicht mehr so schlimm.

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      1. Danke, dass Du mir den Kommentar nicht übel genommen hast. 😉 Aber ich war ja nicht die einzige Nörglerin. *puuhhhh* 😉

        Und jetzt zum Posting!

        Ein wirklich nachdenkliches Posting, das ich nicht unkommentiert lassen will.

        Es tut mir leid, dass Du in Erfurt eine Schulkameradin verloren hast. Aber, wer Waffen besitzen will, der besitzt sie. Zur Not illegal. Gott sei Dank kommen solche tragische Ereignisse eher selten bei uns vor. Natürlich ist jeder Tote, der durch einen Amoklauf gestorben ist, ein Toter zuviel.

        Ein Teil der Verwandtschaft lebt in den USA und die würden sich nie ihre Waffen wegnehmen lassen. ( O-Ton ) Krank, einfach nur krank!!

        LG

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      2. Ach was, ich bin froh, dass ihr mir das gesagt habt, sonst wäre mir das nie aufgefallen!

        Ich kannte Susann nicht sehr gut, aber ich kann mich erinnern, dass ich sie als liebenswürdig und sehr gescheit wahrgenommen habe. Sie war immer freundlich zu allen und hilfsbereit. Sie wäre heute sicher ein toller Mensch mit einer guten Zukunft.
        Du hast Recht, wenn du sagst, dass man auch illegal an Waffen kommt; das geschieht ja bereits. Das gleiche sieht man auch bei Drogen: verboten ja, Hindernis nein. Beim zweiten Nachdenken über Waffenverbote würde ich auch sagen, dass ein Verbot zwar eine Handhabe wäre, aber nicht die optimalste. Schärfere Kontrollen wären gut und regelmäßige Psychotests oder sowas. Und eben das Entfernen der Waffe aus dem Wohnbereich. Ich denke da auch an die Sicherheit der Kinder…

        Die Waffenliebe in den USA lässt mich auch oft mit dem Kopf schütteln. ich kann es verstehen, dass sie Siedler ihr Recht damals mit Waffengewalt verteidigten und der Staat irgendwie darauf gründet. Aber wenn man mal tiefgründiger nachfragt und das der einzige Rechtfertigungsgrund ist, dann ist mir das zu mau. Es wird auch viel zu lapidar damit umgegangen, nehmen wir etwa die Möglichkeit als Beispiel, Munition in Supermärkten zu kaufen. Das ist doch pervers!
        Was mich fasziniert ist die hohe Waffenkriminalität im Vergleich mit Kanada, die wesentlich mehr Waffen, aber weniger Morde, Überfälle und sowas haben. Und wenn ich an ein paar Interviews von Amokschützen zurückdenke, die ich sah, habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich viele Täter gar nicht darüber bewusst sind, dass sie nicht spielen, sondern so richtig, konsequent, mit Gewalt und für immer ein Leben beenden…

        Hach, was für ein tolles Forschungsthema das alles wäre!

        Man darf nie vergessen, dass Waffen zwar töten, der Auslöser aber immer ein Mensch ist.

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  1. liebe brüllmaus, äh, liegt es an meiner bildschirmauflösung oder wachsen die blumen wirklich in die posts hinein? hilfe, ich kann das so schlecht lesen! deiner kleinen melancholie drücke ich hier und jetzt ein buntes frühlingssträußchen in die hand, manchmal hilft sowas ja …
    wörter, die ich benutze und keiner kennt ist zb schneeknurpsen. das geräusch, das frisch gefallener schnee unter winterschuhen von sich gibt. ich liebe es! (aber jetzt nicht, ick will sonne!) lieben gruß, mara

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    1. Herrje! Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe es entfernt. Auf einem breiten Bildschirm war es am Rand neben der Schrift zu sehen. Beim Verkleinern des Fensterns ragte es aber auch bei mir in den Text. Ich probiere nochmal herum, aber wenns nix wird, lass ich es eben raus.
      Liebe Grüße 🙂

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    1. Oh stimmt, in Zusammenhang mit Kaugummi kenn ich das auch. Allerdings als übertriebenes Kauen und dann noch mit offenem Mund. „Der knätscht seinen Kaugummi aber furchtbar!“

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  2. Das mit deiner Freundin/Schulkameradin tut mir leid. Auch wenn es schon 11 Jahre her ist.
    Ich habe vor nun 17 Jahren eine Schulfreundin durch ein Gewaltverbrechen verloren und mir wird immernoch schwer ums Herz wenn ich an sie denke –

    Zum Thema Wörter…
    Ich nutze immer das Wort:
    Spreißel und :
    umbücken
    Und dauernd ernte ich verständnislose Blicke 😉

    Beides sind Wörter aus dem Süddeutschen die ich unbewusst von meiner Oma übernommen habe.
    Ein Spreißel ist ein Holzspahn (so einen der sich so gern in Fingern versteckt)
    Und umbücken kommt aus dem Schneiderhandwerk und heist so viel wie: Umschlagen (bei der Stoffverarbeitung).

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    1. Den Spreißel kenne ich auch „Oh Mist, ich hab nen Spreißel im Finger!“
      Aber umbücken kannte ich noch nicht.

      Das mit dem Bohrer beruhigt mich. Dann hat es wenigstens nicht an uns gelegen 😀

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