Meins, Meins und niemals Deins!

Bevor ich loslege, möchte ich euch einen wirklich sehr gelungenen Artikel über den demographischen Wandel und vor allem seine aktuellen Folgen für die jetzigen U50- Generationen empfehlen: KLICK

Und nun zu meinem eigentlichen Anliegen.
Ich bin Facebooker und ich bin Blogger. Ich sehe mir gerne Videos auf Youtube oder Dailymotion an und wenn ich sie gut finde, dann möchte ich sie gerne meinen Freunden und Bekannten zeigen. Das tue ich via Facebook. Im Blog lasse ich das bis auf wenige Ausnahmen bleiben, aber eher weil das Teilen nicht so gut funktioniert, wie ich das gern hätte.

Wenn man etwas über Facebook, im Blog, auf der Webseite etc. teilt aber so, dass man es direkt dort ansehen kann und nicht zur Quellseite gelangt, nennt man das Einbetten. Hätte ich hier jetzt ein Video, das ihr direkt auf meinem Blog anschauen könntet, obwohl es etwa von Youtube stammt, wäre das eingebettet.

Nun hat der Bundesgerichtshof aber gewarnt, dass dadurch eventuell eine Urheberrechtsverletzung stattfinden könnte. Grund: wer ein fremdes Video zeigt, ohne dass derjenige, der es sich ansieht, auf die Quellseite gelangt, der macht dieses Video wohlmöglich selber öffentlich zugänglich – und dafür bräuchte er eine Genehmigung des Urhebers.

Der BGH hat nun noch keinen letzten Satz dazu gesprochen, weitere Entwicklungen muss man erst abwarten. Aber sollte er die obigen Sätze in einem Urteil anwenden, dann wars das nicht nur mit dem Video der Woche, sondern auch mit dem Facebook- Teilen. Klar, man könnte sich die Erlaubnis des Urhebers einholen, aber wer tut das schon, nur um etwas auf Facebook zu zeigen? Im Blog könnte ich mir das schon eher vorstellen, weil man da in der Regel nicht ganz so viel zeigt.

Frühlingsblüten

Ich selbst bin in diesem Thema gespalten. Einerseits respektiere ich das Urheberrecht und finde es gut, denn ich selbst weiß, wie mühsam es ist, etwas zu schaffen und wie stolz man dann darauf ist. Man möchte natürlich auch Anerkennung dafür haben und die auch sehen. Wenn man dann so ein Video auf Youtube stehen hat, das in einer berühmten Internetseite eingebettet ist, sieht man nur seine 300 Besuche auf Youtube, aber es könnte schon millionenfach auf anderen Webseiten angeschaut und diskutiert worden sein. Außerdem versuchen viele Youtube-Nutzer ein bisschen Geld durch Werbung einzunehmen, das sie erst bekommen, wenn der Nutzer auf Youtube davon genervt wird.

Andererseits werden Videos nicht dadurch bekannt, dass es sie auf Youtube gibt – denn dort gibt es so viele, dass man schon 100 Leben bräuchte, um sich alle anzusehen, die in einer Woche so hochgeladen werden. Nein, Videos werden bekannt, weil sie geteilt und weitergezeigt werden, in Internetforen diskutiert oder oder oder. Sprich: sie werden irgendwo eingebettet und erst dadurch bekannt.

Man könnte widersprechen, sagen „Hey, der Link reicht doch aus!“ Aber dann kennt man einen wichtigen Fakt nicht: Links werden selten angeklickt, wenn sie nur kryptische Adressen haben, aus denen man nicht ersehen kann, ob sie einen interessieren könnten oder eben nicht. Sind sie eingebettet, kann ich den Titel sehen, es ist meist schon etwas dazu geschrieben und ein Bild ist ebenfalls sichtbar. Daraufhin wägt man ab: ansehen oder nicht ansehen. Links erregen eine solche Aufmerksamkeit einfach nicht. Oder findet ihr Buchstaben- und Zahlenwirrwarr wie http://www.youtube.com/watch?v=VwdW989_NGM ansehnlich und würdet freudestürmend draufklicken? Eben!

Zum Thema Urheberrecht gibt es aber auch in meiner Uni so einen Fall, über den ich den Kopf schütteln muss. Vorab: DT Workspace ist eine Seite, auf der zu einer Univeranstaltung eine Unterseite erstellt werden kann, zu der man Materialen hochladen, diskutieren und sich austauschen kann. Der Dozent legt fest, ob der Inhalt für alle Internetnutzer ersichtlich ist, ob man nur als angemeldeter Nutzer von DT Workspace Zugriff hat oder ob jeder, der Einsicht haben möchte, sich einzeln freischalten lassen muss. Letzteres ist sehr sicher, denn als Nutzer muss man viel über sich angeben, z.B. den vollständigen Namen, die Uni-Mailadresse (die aus dem  Namen besteht, also z.B. Heike.Müller@uni-jena.de) usw.

Auf diese Option hat auch der Dozent zurückgegriffen, um den es geht. Es kann also eigentlich niemand einsehen, der nicht durch ihn selber freigeschaltet wurde. Und er hat auch kein Problem, Texte von anderen Autoren hochzuladen und uns zur Verfügung zu stellen. Nun aber der Kopfschüttel-Moment: einen von ihm selber geschriebenen Text will er aus Urheberrechts-Gründen nicht hochladen.

Wie toll, ernsthaft! Bei anderen ist das kein Problem, aber wenns an den eigenen Text geht, wird man zickig?! Ob es wohl was damit zu tun hat, dass das Buch, in dem der Ausschnitt steht, erst erschienen ist? Will er einfach nur seine Bücher verkaufen? Was soll das? Er will uns etwas beibringen und möchte dazu einen von ihm erstellten Text verwenden, den wir lesen müssen, um mitreden zu können, aber ihn wie alle anderen Texte auch zugänglich zu machen ist nicht?

Wenn ihr mich fragt, ist das ganz schön kindisch und sehr egozentrisch. Es ist aber auch interessant, wie gut man hier erkennen kann, dass das eigene Werk stets höherwertig eingestuft wird, als anderer Leute Arbeit. Denn „deins“ ist wohl nicht so schützenswert wie „meins.“

Ihr seht, das Urheberrecht ist ein schwieriges, kontroverses und manchmal auch polarisierendes Thema. Wie steht ihr denn dazu? Findet ihr das Urheberrecht überflüssig oder sinnvoll? Müssten noch Regeln geändert werden und wenn ja, wie? Und was wäre für euch das ideale Urheberrecht oder generell die beste Umgehensweise mit fremden und eigenen Arbeiten?

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

2 Kommentare zu „Meins, Meins und niemals Deins!“

  1. Sehr interessanter Artikel, danke.

    Für mich persönlich würde es reichen, wenn man einfach eine Quellenangabe macht.

    Wenn z.B. jemand ein Rezept und Fotos dazu (die ICH gemacht habe) in seinen Blog postet, würde es mir völlig ausreichen, wenn derjenige einfach dazu schreibt: „dieses Rezept und die Fotos sind von http://www.aysenputtel.blabla... “

    Genau das habe ich letztens irgendwo zufällig entdeckt und fand’s völlig ok.

    Ich schaue auf den Seiten auch genau nach, wenn ich irgendwelche Bilder bei mir veröffentliche, ob sie es deutlich angegeben haben mit dem Urheberrecht und gebe dann auch immer die Quelleangabe mit dazu.
    Ich versuche es wirklich immer zu respektieren, das sollte jeder so handhaben, finde ich.
    Wenn ich mal versehentlich gegen das Urheberrecht verstoßen würde, wäre es mir wirklich sehr sehr unangenehm, weil es einfach niemals meine Absicht ist. Aber das kannste im Nachhinein natürlich schlecht erklären…:)
    Ich kann nur hoffen, dass es niemals dazu kommen wird.

    Meine Videos der Woche sind auch solche Geschichten. Ich zeige meinen Lesern natürlich auch ganz gerne direkt das ganze Video, statt nur einen verweisenden Link. Aber zur Not würde ich es auch machen, wenn es unbedingt sein müsste.

    Ich schreibe ja vorher immer was zu dem Video und ob man nun auf das Video klickt oder auf den Link, ist ja wurscht.

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    1. Danke für deinen Beitrag 🙂
      Ich finde du hast völlig Recht mit der Forderung, dass jeder die Quelle zu verwendetem Material angeben soll. Genau das finde ich auch so und handhabe das genauso. Nur habe ich es so verstanden, dass selbst das dann nicht ausreichen würde. Bei einem Video mag das ja auch noch gehen, auch wenn es sicher komisch aussieht, wenn bei dir statt des Videos plötzlich nur noch ein Link vorhanden wäre. (Zumal du vermutlich alle jemals geposteten Videos entfernen und durch den Link ersetzen müsstest, was für ein Geraffel!) Das wäre dann nur noch der Link der Woche 😀

      Aber bei einem Bild ist das ja schon hässlich…

      Ich bin übrigens auch damit einverstanden, dass man meine Bilder nochmal irgendwo benutzt, nur eben mit Quellenangabe und eventuell einem Kommentar unter dem jeweiligen Artikel.

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