Bob der Baumeister

Wie vermutlich jede Stadt, so hat auch Jena stadtbekannte Menschen, die auffallen, da sie aus dem Rahmen fallen.

Und einer dieser Menschen ist Bob der Baumeister. Ich habe keine Ahnung, wie er wirklich heißt, aber es liegt nahe, ihn so zu nennen.
Er ist ein älterer Mann, vermutlich Mitte 60. Bei jedem Wetter trägt er einen blauen Overall. Auf seinem Kopf prangte vor einigen Jahren noch dazu ein blauer Bauarbeiterhelm. Nachdem dieser aber kaputt gegangen war, benutzte Bob mehrere Jahre lang eine blaue Salatschüssel aus Plastik. Neulich, als ich ihn wiedersah, zeigte er jedoch recht stolz einen neuen weißen Helm. Vielleicht hatte ihm den jemand geschenkt, wer weiß?

Immer mit dabei hat er auch etliche Tüten Müll. Naja, für uns ist das Müll. Für ihn nicht. Er ist Messi. Und wenn ich so in seine Taschen luge, muss ich sagen, dass vieles davon wirklich eigentlich kein Müll ist. Damit ist Bob so ein bisschen wie ein Mahnmal: Wir schmeißen zu viel weg!

Bob ist eine gute Seele, das merke ich, obwohl ich mich noch nie richtig mit ihm unterhalten habe. Mir jedenfalls erscheint er sympathisch, ich weiß jedoch nicht, warum. Vielleicht ja schon wegen des Lächelns, das er stets zu seinem Overall trägt. Ich weiß nur, dass man aufpassen sollte, wenn man ihn anspricht, denn seine Stimmung kann ganz schnell umschlagen, wenn man etwas Falsches sagt. Und das kann laut Aussagen erfahrener Jenenser wohl schon ein normales „Guten Tag!“ sein.

Letztes Jahr, es war Sommer und sehr heiß, musste ich leider unfreiwillig feststellen, dass er unter seinem Overall offensichtlich keine Unterwäsche trägt. Er stand mit dem Rücken zu mir und ich sah, dass sein Reißverschluss nicht ganz geschlossen war. So erblickte ich also seinen blanken Hintern. Haariger alter Arsch- ich sag euch, ein Bild davon im Süßigkeitenregal ist besser als jede Diät!

Bahnfahrten mit ihm sind aber immer lustig. Einmal, als er einstieg, tuschelte ein junges Mädchen hinter mir abfällig mit ihren Freundinnen über ihn und sagte wirklich ekelhafte Sachen. Bob stand im Gang vor mir und machte es sich auf einem der Kästen gemütlich und trank in Ruhe ein Bier. Da wurde das Mädchen lauter und sagte irgendwann „Boh der stinkt!“

Ich dachte nur „was für ne blöde Ziege!“ (er stinkt auch gar nicht!), als Bob anfing, sie mit quäksiger Stimme nachzuäffen. Und als er dann „hädädädä!“ machte, konnte ich nicht mehr an mich halten und musste lachen. Das Mädchen stieg mit hochroten Kopf an der nächsten Station aus und ich hatte einen geretteten Tag.

Hoffentlich bleibt uns Bob noch lange erhalten und versüßt die eine oder andere Bahnfahrt. Aber mit geschlossenem Reißverschluss, bitte! 😉

P.S.: Aus Respekt vor seiner Person werde ich hier kein Photo von ihm posten. Das eine oder andere Bild wird es im Internet aber schon geben.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

8 Kommentare zu „Bob der Baumeister“

  1. Hihi leute gibt’s 🙂 Wir hatten damals eine ältere Frau durch die Straße laufen´, immer mit alten Zeitungen in der Hand und fragte jeden im ostdeutschen Dialekt: Hat dat wat uff sisch? Und wir Kinder dann immer: Nein, das ist nur Werbung. Und so lief sie dann weiter und quatschte den Nächsten an. Meine erste Begegnung mit einer an Demenz erkrankten Frau.

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    1. Auch gut. ^^
      Als Kind hat mir sowas irgendwie Angst gemacht, aber heute denke ich mir, solang diese Menschen in ihrem Kosmos zufrieden sind und man sie in Ruhe lässt, ist doch alles in Ordnung. Und wenn man dann noch so liebes Personal wie das vom Altenheimblog hat, ist das Leben doch tutti 🙂

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  2. eben eben, sie müssen nur glücklich mit sich sein 🙂 Und liebes Personal gehört dazu. Legen wir auf unserer Station auch ebenfalls sehr viel Wert drauf.

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    1. Ja, Halb 8 kenne ich (siehe nächster Artikel), von einem Kapitän habe ich shconmal was gehört, aber der haste-mal-ne-Mark-Mann sagt mir grad nichts.

      Und Bob ist wirklich ein Strahlemann. Ich möchte zu gern wissen, was in ihm so vorgeht. Er muss ja wirklich im EInklang mit sich sein. 🙂

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      1. Der haste-mal-ne-mark Mann ist ein kleines, dürres Männchen, das mit einem Dederonbeutel, gefüllt mit Pfandflaschen, mit der Linie 1 fährt und die Leute nach ’ner Mark fragt. Sicher Alkoholiker, aber nie aufdringlich.

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  3. Solange die Typen nicht mit einer Motorsäge auf der Schulter herumlaufen… (im Dorf meiner Schwester 🙄 ))
    Hier traf ich mal einen Mann, der die Welt hochbomben wollte, weil er nicht na*ckt herumlaufen durfte. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Der Mas*senmö*rder von nebenan, den hinterher alle als höflich und zurückhaltend beschreiben, sollte uns mehr Angst machen. Das ist ja das Fatale: Es sind die Normalos, die andere im Keller einsperren oder irgendwann Am*ok laufen.
    Entschuldige, das war vielleicht ein bisschen zu sehr Küchenpsychologie, aber musste mal grad raus.
    Liebe Grüße,
    Mara.

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