Fußball in Jena

Wenn es um Fußball geht, bin ich ja ohnehin schon genervt, denn ständig wird man damit beschallt und belästigt. (Siehe dazu auch Lady Crooks heutigen Beitrag.)

Wenn es aber um Fußball in Jena geht, da platzt mir derzeit regelmäßig die Hutschnur.

Zur Vorgeschichte: Durch das Hochwasser dieses Jahr wurde das aktuelle Stadion, das sich direkt am Paradiespark befindet, in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem mussten die Flutlichtmasten demontiert werden, da sie einsturzgefährdet waren. Mittlerweile gibt es neue Flutlichtmasten, lustigerweise in den Farben Rot-Weiß. Das sind die Farben von Erfurt, dem Erzfeind des Jenaer Fußballs (und eingebildetermaßen auch Feind der Jenenser* und lange hier lebenden Jenaer*.)

Jedenfalls soll das Stadion nun umgebaut werden. Statt es aber hochwassersicher zu machen (Hochwasser in solchem Ausmaß kommen extrem selten vor und sind vor allem der Firmenpolitik von Vattenfall geschuldet, die statt notwendige Leerkapazitäten bereitzuhalten lieber Geld schinden wollen) soll es nun komplett verlegt werden.

Das kostet nicht nur unglaublich viel mehr, es ist auch eine beschissene Gegend für ein Stadion. Nämlich eine Wohngegend! Und zwar nicht irgendeine. Es handelt sich um Lobeda, der bevölkerungsreichsten Gegend Jenas. Genauer gesagt um Lobeda-Ost, das ohnehin schon durch den ständigen Lärm des überdimensionierten Krankenhauses gebeutelt ist. Wenn es laut unseres -Verzeihung- von allen guten Geistern verlassenen OB geht, ist weder das ein Problem, noch der Preis, noch die Sicherheitsfrage.

Zur Sicherheitsfrage muss man wissen, dass gerade bei Derby-Spielen gegen Erfurt ein enormes Polizeiaufgebot vonnöten ist, weil sich die Leute einfach nicht benehemen können, sondern es immer Vollidioten gibt, die randalieren oder sich unbedingt gegenseitig aufs Maul hauen müssen. Dieser Pöbel wurde bisher immer vom Bahnhof bis zum Stadion eskortiert, damit nichts weiter passiert. Das wäre bei dem geplanten Stadionstandort nicht mehr möglich, da diese Strecke ca. 7 Kilometer betrüge. Das bedeutet, dass der randalierende Pöbel (ich möchte echt nicht gerne verallgemeinern, aber die Erfahrungen zeigen, dass immer genügend randalierender Pöbel dabei ist) mit den Straßenbahnen fahren müssten, die dann (erfahrungsgemäß) beschmiert und zerstört werden, was dann wieder Fahrpreiserhöhungen nach sich zöge, die es ohnehin schon gibt, weil sich der Jenaer Nahverkehr neue Straßenbahnen gegönnt hat. Ich finde aber jetzt schon eine Einzelfahrt für 1,90€ nen stolzen Preis, zumal der gilt, egal ob man nun 2 Stationen fährt oder 10. Aber das ist ein anderes Thema.

Wegen des Verbundgebietes müssten die Erfurter, die mit dem Zug kommen, ja nicht einmal was für die Straßenbahn bezahlen, was für Touris super ist, aber für Fußballrandalierer…naja lassen wir das. Ergo müssten allein die Jenaer dieses Problem mit der Straßenbahn ausbaden.

Zum Lärm: Schaut euch einfach mal die Karte an. Das rot umrandete ist das geplante Stadion (heute ist da ein kleiner Bolzplatz, den man den Jugendlichen dafür wegnehmen würde.)

Stadion Lobeda Ost

Eigentlich müsste man dazu auch nix weiter sagen, aber: schaut euch mal an, wie viele Wohngebäude da drumherum stehen. Und auf der anderen Seite der Autobahn stehen noch mehr. Noch besser: um da ein zweitligataugliches Stadion hinzubauen (für einen Viertligaverein!) müsste man das Otto-Schott-Gymnasium dort wegreißen.

Um es auf den Punkt zu bringen: statt das alte Stadion in idealer Lage zu sanieren, will man ein komplett neues Stadion mitten in eine Wohnsiedlung stellen, dafür eine Schule wegreißen und sowohl Anwohner als auch die Straßenbahn den ewig bekannten Rangeleien der Fußballclubs aussetzen.

Ist ja nicht genug, dass man den Stress um diese überbewertete Sportart schon jetzt ständig mitkriegt, nein, jetzt will man auch noch den einwohnerreichsten Ortsteil mit reinziehen. Das und der Fakt, dass dafür so unglaublich viel Geld ausgegeben wird, während man Jugendzentren schließt, weil das Geld dafür fehlt, kotzt mich so unendlich an. Ich hoffe inständig, dass diese Schnapsidee wieder verworfen wird, ansonsten hab ich die Schnauze voll von dieser eigentlich schönen aber leider mittlerweile verhunzten Stadt.

Und um mal den Bogen zu meinen Uniforschungen zu spannen: wenn man Jugendlichen ihre Möglichkeiten raubt, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen und stattdessen gewalttätige Auseinandersetzungen in die Wohngebiete eindringen lässt, dann braucht man sich nicht wundern, wenn man hinterher ein Rechtsextremismusproblem bekommt. Mag übertrieben sein, sind aber genau diese Nährböden, die aus den Forschungen so bekannt sind…

Nachtrag: Wie ich gerade lese, sollen auch Sanierungen der Schulen für den Stadionneubau auf 2017 verschoben werden. Zudem müsste man einen 20 Millionen-Kredit aufnehmen. Jena wollte eigentlich schuldenfrei werden. Wer mehr lesen möchte, der schaut HIER.

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*Jenaer sind Zugezogene, Jenenser sind ausschließlich in Jena geborene. Die sind da furchtbar penibel!

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

5 Kommentare zu „Fußball in Jena“

  1. ach herrjeh, da wird auf Biegen und Brechen das Geld rausgeschleudert…….. aber so kennen wir das ja. Evtl. hat die Stadt gerade das neue Budget begutachtet und nix machen geht nicht dann wäre das gute Geld verloren. Die einfachste und günstigste Methode? Ja wo kommen wir da hin? Da könnten wir ja gleich nach Limburg ziehen *lach* In meiner Stadt wird auch viel verbrochen, ich hasse die Stadtbaurätin und bin da nicht allein. Vielleicht hilft ein Volksaufstand und/oder ne Unterschriftenaktion

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    1. Naja nen kleinen Aufstand gab es schon, als ein paar Leute die Stadtratsitzung stürmten. Allerdings ging es da nicht ums Stadion. Wie ich shcon erwartet hatte, stellten die NICHT unabhängigen Medien das dann wieder als Randale und Revolte dar.
      Ich find die Unterschiede in den Berichten so klasse, kannst ja mal schauen:

      http://www.jenapolis.de/2013/11/jenaer-stadtrat-wird-besetzt-und-versinkt-im-chaos/

      Und dagegen:
      http://www.otz.de/startseite/detail/-/specific/Grossaufgebot-an-Sicherheitskraeften-zur-Stadtratssitzung-in-Jena-1114363072

      oder
      http://www.jenaer-nachrichten.de/stadtleben/3638-friedliche-demonstration-mit-eigendynamik

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  2. Grmpf.. wieso das denn? Ich hab in Jena Berufs- und Meisterschule gemacht, bin also irgendwie damit verbandelt. Wieso kann man ein bestehendes, an sich optimales Stadion nicht einfach sanieren und gut? Das überschüssige Geld kann gerne in andere Projekte fließen. Schul- und Kigasanierung beispielsweise.. Lobeda ist ja ohnehin nicht unbedingt ein Ort, der ohne Probleme ist (war zumindest zu meiner Zeit so) und da brauchts nicht noch die Fußballrandale. Oh Mann.. Eigentlich wollte ich ja mal wieder auf Besuch nach J fahren.. Tu ich das? *grübel*

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