Überschrift

Hier steht eine Einleitung. Einleitungen sind da, um -wie der Name schon sagt- den Text einzuleiten. Meist hat es was mit dem eigentlichen Thema zu tun, ist aber viel allgemeiner. Oder es erklärt den kommenden Sachverhalt. Manche mögen persönliche Geschichten als Aufhänger. Ich persönlich bevorzuge knackige, ganz kurze Einleitungen. Sie sind am schwersten zu schreiben, finde ich, denn wenn man erstmal die Einleitung gefunden hat, flutscht der Rest von selbst. Am allerallerschwersten ist aber der erste Satz. Er sollte kurz und prägnant sein. Meine ersten Sätze in Hausarbeiten sind immer sehr ernst und oft allgemeingesellschaftlich. Sowas wie „Rechtsextremismus ist eines der schwierigsten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit.“ Oder „Der Zufall ist ein Zeit überdauerndes Thema.“ Kurz, prägnant. Nagut, der erste Satz vom Rechtsextremismusthema ist blöd, aber die Hausarbeit hab ich ja auch noch gar nicht ganz fertig. Der letzte Satz war eine Abschweifung. Diese sollte man in Einleitungen dringend vermeiden. Sowas gehört wenn überhaupt in den Hauptteil.

An dieser Stelle kommt der zweite Absatz und der erste nach der Einleitung. Dieser erste richtige Absatz soll dem Leser klarmachen, um was es konkret geht. Während die Einleitung meist drumrum redet, geht es hier zur Sache. Feststellungen werden gemacht, Hypothesen aufgestellt, große Fragen in den Raum geworfen. Das, was später erörtert werden soll, wird hier angeschnitten, damit der Leser Blut leckt und es kaum erwarten kann, weiterzulesen. Er soll sich vor Spannung in seinem Stuhl verkrampfen, seine Stirnader soll ihm hervortreten, seine Fingernägel sollen sich in die Armlehne bohren, weil er vor lauter Neugier -der Gier, dem Verlangen nach Wissen, nach Information, nach Energie- es kaum noch aushält. Der erste zweite Absatz kann das in ihm hervorrufen. Er dürstet nach der Befriedigung seines verlangenden Intellekts; das Lesen soll ihm wie die innige Vereinigung von Geist und Wort sein, aus der das Kind des Wissens hervorgeht.

Schließlich kommt man zum dritten Absatz. Man ist mittendrin im Hauptteil, geradewegs im Gefecht. Pro und Contra liefern sich heftige, erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft der Meinung. Die Meinung, sie ist ein brüchiges Konstrukt. Mit nur einem richtigen oder falschen Argument kann sie zum Wanken oder gar zum Niederfall gebracht werden. Und diese Argumente, sie dürfen in keinem Falle missverstanden werden, denn sonst wendet sich der Leser ab oder ergreift gar die Partei, die dem Schreiberling entgegensteht. Der Hauptteil, er ist ein Kampf um die Gunst des Lesers. Während Einleitung und zweiter Absatz in Ästhetik glänzen, muss der Hauptteil durch Logik, durch symmetrische Spielereien für das einstehen, was der Leser denken, wissen, fühlen soll. Es geht um ihn und einzig um ihn, den Leser. Diese breite, ausladende Mitte soll nur für ihn existieren und ihm zeigen, was die Welt des Wortes zu bieten hat. Sie soll ihn entführen in Denksphären, die ihm bislang verborgen gewesen sein mögen, ihn umschmeicheln mit der Wonne verschmolzener Buchstaben, die einander liebkosende, umhüllende und stützende Worte ergeben, welche die Stufen ins Bewusstsein formen. Diese Stufen müssen sorgsam gebaut werden, soll der Leser schließlich nicht entgleiten und in ewige Fragen und unbeantwortete Probleme stürzen.

Man kommt langsam zum Schluss, aber noch nicht ganz, denn noch eine Weile soll sich der Lesende im Text verlieren und seinen Kopf in die Seiten betten. Es könnte nun eine Partei ergriffen werden, eine Meinung dargeboten. Was noch gesagt werden soll, wird nun gesagt, doch nicht alles Pulver wird verschossen. Man hat ja noch den Schluss zu füllen.

Und dieser kommt schließlich geordnet und solide daher. Alles wichtige wurde gesagt. Was hier noch nicht klar ist, das wird es auch nicht mehr. Trotzdem sollte auch das Ende nicht unterschätzt werden. Der Eindruck, der hier gewonnen wird, der bleibt. Es ist das letzte, was aus dem Text gelesen wird. Was hier nun steht hängt vom Thema ab. Gut sind immer Zukunftsprognosen. Wie würde eine mögliche Lösung aussehen? Was denkt man in zehn Jahren darüber? Gibt es eine gute Frage, die den Leser noch über den Text hinaus mit dem Thema beschäftigen lässt? Gerne verwende ich zum Schluss auch Hoffnungen. Eine Hoffnung gibt es zu allem. Schließlich stirbt die Hoffnung immer zuletzt, warum nicht auch Hand in Hand mit dem Text? Hoffnungen halten uns am Leben und bringen uns zum Handeln. Schließlich sind es Hoffnungen, um die sich die Welt im Grunde dreht. Denn die Hoffnung ist das, was wir von der Zukunft schon heute haben.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

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