Ede

Ede, du warst ein Weltklasseschweinchen!

Eigentlich hatte ich dich ja Edgar genannt, nach Poe, weil ich den so toll finde, und aufgrund deiner Fell- und Augenfarbe wurde schon sehr bald ein „van Halen“ angehängt. Aber wir nannten dich immer Ede und darauf hast du gehört wie ein kleines Hündchen. Man musste nur rufen „Ede!“ und schon kammst du muckernd angelaufen, hast dir mal das Köpfchen kraulen lassen und mir mit deinem ganzen Charme ein Stück Gemüse oder eine Blüte aus dem Kreuz geleiert.

Du warst immer zutraulich und gut drauf, obwohl du so schlechte Erfahrungen gemacht hast.

Ede an seinem ersten Tag im Brüllschen Hause
Ede an seinem ersten Tag im Brüllschen Hause

Als ich dich vor 2 Jahren aus dem Tierheim geholt hatte, warst du übergewichtig, hattest einen großen langen Kratzer auf dem Rücken, konntest dich kaum bewegen und kanntest außer Paprika kein Gemüse. Die hast du allerdings geliebt und damit konnte ich schnell dein Zutrauen gewinnen.Mein erster Gedanke, als ich dich zum ersten Mal sah, war: Wow, ist der ein Riese! Du warst doppelt so groß wie Mücke. Zugegeben, sie ist ein Zwerg, aber selbst den anderen beiden warst du längenmäßig total überlegen.

Als ich dich in der Kastrationsquarantäne hielt -du konntest frisch kastriert ja nicht einfach zu den Mädels; Wahnsinn wie lange ihr Meerschweinchen noch zeugungsfähig seid nach ner Kastra!- bist du richtig aufgeblüht. Dabei hattest du auch nicht so viel Platz. Aber ein eigenes, ganz großes Haus und leckeres Futter. Und ganz viel Zuwendung!

Außerdem muss deine Vorbesitzerin wohl sehr viel fern gesehen haben, vor allem den Sender mit der großen 7, denn die Melodie des Senders hast du öfter einmal nachgepfiffen. Kein Wunder, denn sonst hast du niemanden zu reden gehabt, früher. Da hat man dich mit einer Ratte zusammen gesperrt. Mit einer Ratte! Von der hattest du auch den Kratzer. Die Frau im Tierheim hatte mir erzählt, dass die Ratte aber noch viel schlimmer aussah. Du hast dich also gewährt. Kann ich mir heute gar nicht vorstellen, so ein liebenswertes, gutmütiges Kerlchen wie du warst.

Die Vergesellschaftung mit den Mädchen hat dich völlig aus den Socken gehauen. Andere Schweinchen! Und dann gleich 3 Mädchen! Wow! Da du ja keine Erfahrung mit anderen Schweinchen hattest, warst du sehr tapsig und ungestüm. Mücke, Mine und Liese hatten wirklich sehr viel Geduld mit dir. Hat aber auch ne Weile gebraucht, bis du nicht mehr ganz so forsch warst. Du brachtest ihnen das Zähneknirscheln bei und sie dir dafür, wie man sich als Schweinemann verhält.

The girls
The girls

Und dann? Ja dann war das Liebe auf den ersten Quiek. Liese (vorne links) bist du nicht mehr von der Seite gewichen. Wo sie war, warst auch du. Deine Angebetete, deine holde Maid. Sie war damals die Chefin in der Gruppe. Und sie hat sogar ihr Haus mit dir geteilt. Dich kann man eben nur lieben!

Wie schrecklich es war, als sie starb. Du warst so traurig und still, eine ganze Woche lang. Selbst mit Paprika konnte ich dich kaum trösten. Aber irgendwann hast du dich wieder gefangen und nach vorn geblickt. Und du hattest ja auch zu tun, denn nun kämpften Minchen und Mücke um die Vorherrschaft in der Gruppe. Da hast du sehr kompetent ganz bald Ordnung geschaffen. Das hast du richtig gut hinbekommen! Jedes Mal, wenn sie wieder angefangen haben, sich gegenseitig anzumotzen, bist du hin gegangen und hast geschlichtet. Ja du hast sogar beim Brüllmann und mir geschlichtet, wenn wir vor dem Gehege sitzend diskutiert haben. Du hattest ein gutes Gespür, wann es zum Streit wurde. Dann kamst du zu uns angelaufen, hast gemuckert und uns abgelenkt und wir waren entzückt von dir und haben jeden Disput vergessen.

Mit der Zeit wurden deine Hinterbeinchen unbeweglicher, du hattest oftmals große Mühen. Deswegen habe ich für dich das Gehege „behindertenfreundlich“ eingerichtet, alle hohen Kanten entfernt oder kleine Stufen eingebaut, damit du auch überall hin kamst. Das hat dir zugesagt. Du bist wieder mobiler geworden, hast den Mädchen gerne mal die Gürkchen geklaut; überhaupt warst du so lebensfroh, dass es eine Freude war, dich zu beobachten und dir zuzuhören.

Als du dann vor ein paar Wochen krank wurdest, warst du so geduldig. Du hast still gehalten, als sie dir den Bauch rasiert haben und sogar, als der Arzt mit dem Ultraschallkopf auf deinem Bauch herumgefahren ist, während Mücke, die wir als Pfötchendrückschweinchen mitgenommen haben, die Transportbox zerwühlt und herumgelärmt hat. Nichtmal geschimpft hast du. Aber in Angststarre warst du auch nicht, sondern einfach nur geduldig.

Sie haben mir da schon gesagt, dass du wohl einfach älter bist, als das Tierheim mir sagte. Dein Fell war ja auch schon stellenweise heller geworden, was dir einen unverwechselbaren Charme der Reife verpasst hat.

CAM00077
Sunschwein Ede – ein wahrer Sonnenanbeter!

Sie haben mir auch gesagt, dass es sein kann, dass du uns bald verlässt. Ich war vorbereitet. Ich hab dir extra die Sachen besorgt, die du so gerne gefressen hast, damit du sie nochmal genießen kannst. Ich habe es dennoch verdrängt. Schließlich bist du doch mein Ede gewesen, ohne den alles doof wäre.

In deinen letzten Tagen warst du noch verträumter als sonst. Du warst schon immer ein Träumer, der sich gern in den Teddystoff gekuschelt hat, den ich euch im Gehege ausgelegt habe.

Letzten Sonntag, am 2. Advent, war es dann jedoch soweit. Du lagst im Gehege, auf der Seite, hast gekrampft und warst nicht mehr bei Sinnen. Wir konnten nichts weiter tun, als dich zum Tierarzt zu bringen, damit der dich erlöst. Zum Glück hast du von all dem nichts mehr mitbekommen, da du schon weggetreten warst.

Jetzt ist da im Gehege und in uns ein riesiges Loch, weil du nicht mehr da bist. Wir trauern um dich. Mücke, die sonst zu allem sofort ganz laut etwas zu sagen hat und keine Möglichkeit zum Quietschen auslässt, war drei Tage lang völlig still. Minchen lag immer bei ihr, wo sie den Kontakt doch gar nicht so mag und sich im vorderen Teil des Geheges sonst nie so wohl gefühlt hat. Es hat sie aus der Bahn geworfen. Sie sind ganz anders. Wir sind ganz anders. Ich bin so traurig.

Ede, du warst ein Weltklasseschweinchen. Ein großer Entertainer. Ein wahnsinns Schlichter. Ein sanftmütiger Riese. Du fehlst!

Mach’s gut, mein lieber Ede und grüß Lieschen von uns. Danke für alles! Wir werden dich nie vergessen.

P1040070

Advertisements

Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

5 Kommentare zu „Ede“

  1. Mit Pippi in den Augen sage ich einfach nur „danke“ für diesen schönen Beitrag. Ich musste wieder an die vielen Schweinchen denken, die ich im Laufe der Jahre habe gehen lassen müssen. So klein sie auch sind, so groß ist der Platz, den sie in unserem Herzen einnehmen!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s