Macht Schule krank?!?

Dieser Artikel ist eine Antwort auf die Frage, die der kinderdoc gestellt hat: Macht Schule krank?!? Wie sind Eure Erfahrungen?

Ich muss sagen, dass ich da bis zur 8. oder 9. Klasse etwa kaum Probleme hatte. Bis auf die üblichen Infektionskrankheiten, die sich in Menschenmassen nunmal rasant ausbreiten, gab es nicht viel, was mir gesundheitstechnisch besonders im Gedächtnis geblieben wäre.

Kritisch wurde es erst, als von uns in höheren Klassen bei steigender Stundenzahl immer mehr verlangt wurde. Länger in der Schule sein, länger sitzen und konzentrieren, dabei aber immer mehr und mehr Hausaufgaben machen. In der 10. Klasse kam zu dem regulären Unterrichtsstress noch die Seminarfacharbeit dazu; eine Art Hausarbeit, die man in Kleingruppen schreiben sollte zu einem wissenschaftlichen Thema. Besonders in den Abiturjahren (in Thüringen sind das ja „nur“ die 11. und 12. Klasse) wurde es dann sehr stressig. Man blieb bis zur 10. Unterrichtsstunde oder länger und wurde in dieser Zeit mit Informationen vollgestopft, die man bitteschön direkt abzuspeichern hatte; da man schon früh am Morgen anfangen musste und vielleicht auch nicht in unmittelbarer Nähe der Schule wohnte, war man außerdem unausgeschlafen. Der Leistungsdruck stieg rasant an; in allen 10 Fächern musste man gute Noten schreiben, weil man sonst seinen Durchschnitt versaute, der einem als Nabel der Welt verkauft wurde. Oh deine Abiturnote, sie würde über dein ganzes Leben entscheiden! Dass sie irgendwann keinen mehr interessiert, daran denkt man als Schüler nicht einmal annähernd.

Ich war in den Abiturjahren oft krank; einerseits hatte ich häufig Migräne (Stress, Bewegungsmangel etc.), andererseits fing ich mir schnell Erkältungen etc. ein – und wenn das Immunsystem einmal schwächelt, dann gerät man in eine Spirale: man wird häufiger krank und gerne auch stärker. Zudem konnte ich es fast nie auskurieren, denn man durfte ja um Himmels Willen bloß nicht so viel verpassen! Das führt aber leider nur dazu, dass man umso mehr verpasst, da man seine Freund gewordenen Bazillen verschleppt und länger daran zu knabbern hat.

Abschließend kann ich also schon sagen: ja, Schule macht irgendwie schon krank, zumindest in den Abschlussjahren. Wobei das gerade bei den G8/G9 -gebeutelten Schülern um ein Vielfaches schlimmer sein muss, gerade in Sachen Burnout und Co. Aber das sind nicht meine Erfahrungen. Für mich aber muss ich die Frage leider bejahen.

Und bei euch so? Wenn ihr an eure Schulzeit zurück denkt: hat es euch krank gemacht oder ist so eine Überschrift bloß Panikmache?

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

7 Kommentare zu „Macht Schule krank?!?“

  1. Ja, Schule macht krank. Denke ich. Der Leistungsdruck ist jetzt schon enorm hoch und das beginnt in der 5.Klasse, in der die Weichen für die nachfolgende Schulempfehlung gestellt werden. Und da das Abitur auf dem Gymn. hier nun in nur noch 12 Jahren gemacht wird,wird die Druckschraube danach weiter angezogen und das macht mich wütend. Weil ich so einen unter Druck gesetzten Heranwachsenden hier habe. 😉

    Es ist nicht so, dass wir ihn zum Lernen anhalten müssten und der Notendurchschnitt ist besser, als ich es je erwartet hätte. Und manchmal, wenn ich ihn frage, ob die Schule zu stressig ist oder er sich unter Druck gesetzt fühlt, verneint er es – allerdings gibt er zu, dass er selbst recht hohe Ansprüche an sich hat, beim Vereinssport und in der Schule. Aber wenn ich mir seine immer wieder auftauchenden nervösen Ticks anschaue, dann sehe ich, dass da unterschwellig doch was läuft. Ich weiß nicht, wohin das führt. Aber ich befürchte, dass die nächsten Jahre nicht entspannter werden und auch das macht mich wütend.

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    1. Ich kann deine Wut auf jeden Fall nachvollziehen!
      Wie gesagt: ich bin in diese Umstellung nicht hinein geraten, weil es bei uns sowieso 12 Jahre bis zum Abitur waren, aber was ich so gehört habe, ist einfach nur sch**. Die Umsetzung ist total schlecht und völlig verrissen. Ich hatte mich mit Freunden unterhalten, die in diese Mühle hineingeraten sind und das ließ mir bloß die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich kann es gar nicht fassen, wie sehr man das vermurkst hat – und dass das ernsthaft durchgewunken wurde. Blinder Aktionismus.

      Ich wünsche deinem Sohn alles Gute! Hoffentlich geht alles gut!

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      1. Danke dir. 😉 Das wird alles klappen, weil’s bisher immer gut lief. Er hat ja das „Glück“, immer in die Umstellungen zu geraten, so auch in die, mit 5 1/2 eingeschult zu werden, ohne dass die Eltern ihr Veto einlegen können. Schon da hast du gemerkt, dass das in der Theorie ja gut und schön klingt, in der Praxis aber einfach nur schlecht umgesetzt worden ist. Es wäre ein Wunder, wenn sie das mit dem Abi gescheiter umsetzen würden. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. 😉

        Blinder Aktionismus, ja. Genau das ist es. Und das, was die Schule nicht verbockt, schaffen hinterher die Eltern. Habe neulich auf 3Sat eine interessante Doku gesehen: Generation Weichei. Macht mich traurig, wenn Kinder nicht mehr Kind sein dürfen und schon ab der Vorschule ins Hamsterrad geworfen werden, auf dass sie dann bis zum Rentenalter zu funktionieren haben. Kranke Welt.

        So. Genug gelabert. 😉

        Lieben Gruß!

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      2. Oh, darüber kann man nie genug labern! 😉

        Generation Weichei. Wenn ich das schon höre. (Ich vermute aber, dass es darum eben nicht geht. Ich schaue mir das nachher mal an, danke für den Tip!)
        Das mit dem Funktionieren, da sagst du was! Genau das ist es ja leider nur noch. Man soll bitte nicht leben, sondern bloß funktionieren. Und wehe man tut es nicht, dann ist man raus. Sieht man ja an sämtlichen Diskussionen über Hartz 4, psychische Krankheiten, physische Krankheiten etc. pp.

        Und solche Umstellungen habe ich selber sehr viele mitgemacht. Uns haben sie damals ja auch schon so verarscht. Erst der Stress mit der zusätzlichen Prüfung in der 10. Klasse (nach Erfurt) und dann der Quatsch mit Bachelor/Master. Zwischendurch gab es auch noch einige andere Sachen, die ich aber schon wieder vergessen habe, weil es so viel war.
        Ich will damit sagen: ich kann dir bzw. deinem Sohn da wirklich mitfühlen. Ist schon nicht so einfach.

        Mit 5 1/2 eingeschult werden, weia! Bei wenigen geht es gut, aber ich vermute, dass es für die meisten nix ist…

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  2. Also, mich hat immer das mobbing der Mitschüler (damals nannte man das noch „hänseln“) krank gemacht…aber laaang ist’s her.
    Und wenn ich höre, was heutzutage in den Schulen manchmal abgeht, da war es bei uns noch völlig harmlos…. schlimm find ich das und mir tun diese Schüler unendlich leid, denen es sehr schlecht damit geht.

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