Auf dem Arbeitsamt (1)

Der Gang zum Arbeitsamt gehört zu denen, die man ungern antreten mag. Und weil es mir da nicht anders geht, habe ich ihn immer weiter hinaus geschoben. Bis vergangenen Donnerstag.

Da packte ich all meinen Mut und meine Unterlagen zusammen, um tapfer dem großen roten A entgegen zu reiten. Ich war voll motiviert, diesen Schritt endlich hinter mich zu bringen. So motiviert, wie ein Schwein auf dem Weg zum Schlachter sein muss.

Dort angekommen ließ ich mich im Angesicht dieses wundervoll hässlichen Gebäudes zu einem verwackelten Photo hinreißen. Man beachte die rote Ampel, die im Nachhinein auf komisch-tragische Weise ein gutes Sinnbild abgibt.

Arbeitsagentur Jena

Ich ging hinein und bahnte meinen Weg zur Anmeldung. Dort wurde ich freundlich empfangen. Ich krächzte meinen Wunsch -meine Stimme war nach der Erkältung doch noch nicht ganz wiederhergestellt- und man nahm meine Daten auf.

„Ach, Sie haben zu Weihnachten Geburtstag? Ist das nicht doof?!“

Ich dachte: Fängt das schon wieder an? Ich hatte so lange Ruhe davor!

Ich sagte: „War die ersten Jahre etwas komisch, aber dann hab ich mich dran gewöhnt…“

Kurzes Lachen. Ich kläre sie darüber auf, dass ich durchgefallen bin mein Studium vorzeitig beenden werde, jedoch noch nicht exmatrikuliert bin. Und dann sagt sie den einen Satz, der mich für die nächsten Stunden ankotzen wird:

„Tut mir leid, aber Sie können sich nicht arbeitslos melden!“

Hintergrund: Man braucht unbedingt die Exmatrikulation dafür. Diese wird mir irgendwann in den nächsten Wochen zugeschickt, doch die Exmatrikulation findet rückwirkend zum 31.3. statt. Nun ist es aber so, dass man spätestens zum ersten Tag der Arbeitslosigkeit dort vorstellig werden muss (also am 1.4.) – mitsamt sämtlicher Unterlagen. Tut man das nicht, kriegt man Ärger.

Deutschland, deine Bürokratie.

Da ich weder Bock auf Ärger habe, noch darauf, monatelang ohne Geld dazustehen, weil die Bürokratie wieder voll zuschlägt, werde ich mich quasi eigenständig exmatrikulieren müssen und dafür wieder bei 4 verschiedenen Stellen vorstellig werden.

Ich hab so Lust. Nicht.

Aber was soll’s, da muss ich jetzt durch. Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung. Ein bisschen Leiden wegen des verkackten Studiums, das meinen Lebensmittelpunkt darstellte, reicht schließlich nicht aus. Da muss noch mehr kommen.

Etwas demotiviert ging ich dann noch zur Abteilung für Berufsberatung. Kann ja nicht schaden.

Die Frau dort war auch nett, aber etwas… wie soll ich sagen? Ich habe mich nicht ganz ernst genommen gefühlt.

Es fing schon damit an, wie sie meinen Nachnamen aussprach. Leicht belustigt. Und mein Nachname ist nicht wirklich lustig. Höchstens niedlich. Aber nix zum Lachen…

Und dann ging es wieder los:

„Ach, Sie haben zu Weihnachten Geburtstag?!“

Ich dachte: Herrgott nochmal, hört das denn nie auf?!

Ich sagte: „Jaaaaaaaa…..“

„Oh, dann sind Sie ja ein kleiner Weihnachtsmann.“

Ich dachte: Ich spring dir ins Gesicht!!!

Ich sagte: „Weihnachtsfrau, wenn ich bitten darf!“

„Hahahahaha, ja, das wohl. Ist das nicht blöd?!“

Ich dachte: OMFG HALT DEN RAND!!!!

Ich sagte: nix. Nee, irgendwann reichts.

Ernsthaft Leute. Jeder Spruch, jeder Witz, jede noch so gescheit erscheinende Bemerkung: ich habe sie alle gehört. Verkneifts euch! Der 24.12. ist ein Tag wie jeder andere auch. Es ist nichts besonderes dabei. Zufall, verdammt.

Nachdem ich ihr meinen gesamten Werdegang seit dem Abitur erzählt habe, für den ich selbst nochmal in meinen Lebenslauf schauen musste (ups!), ein entsetztes „NOCH EIN STUDIUM?!“ herunterschlucken musste, nachdem ich sagte, dass ich mir auch ein Duales Studium vorstellen könnte, entließ sie mich mit einem kleinen Zettelchen in der Hand, auf dem mein Termin mit dem extra auf Studienabbrecher spezialisierten Berufsberater steht. Schön, dass es so etwas gibt. Ich bin gespannt auf den Termin.

Er ist Donnerstag. Montag und Freitag habe ich jeweils ein Vorstellungsgespräch. Mal sehen, wie mein Wochenrückblick nächste Woche aussehen wird.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

16 Kommentare zu „Auf dem Arbeitsamt (1)“

  1. Da muß ich doch bei Gelegenheit mal meinen Cousin fragen, ob er sich auch so blödsinnige Fragen/Witze anhören muß…

    Hast Du einen Nachweis, daß Du beim Amt warst und Dich rechtzeitig gemeldet hast, wenn auch ohne alle Unterlagen?

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      1. Ein paar Stichpunkte, die das Leben erleichtern können, bis Du was gefunden hast:

        * Laß Dir Deine Unterlagen quittieren, wenn Du sie abgibst. Stempel auf einer Kopie ist am besten. Wenn was verloren geht, kannst Du dann nachweisen, daß Du es abgegeben hast.
        * Alles schriftlich klären / abmachen. Gesprochenes, ob am Telefon oder persönlich, ist im Zweifel nicht nachweisbar.
        * Du darfst Unterlagen, die Du unterschreiben sollst, zur Prüfung ein paar Tage mitnehmen.
        * Du darfst bei Terminen einen Beistand mitnehmen, der das Gespräch protokolliert. Das ist in vielen Fällen leider ratsam.

        Wenn Du Glück hast, brauchst Du diese Nachweise nie. Aber für den Fall der Fälle ist es gut, sie zu haben

        Und viel Erfolg für Deine Vorstellungsgespräche!

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      2. Okay, dankesehr für die Ratschläge!
        Lieber haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben.

        Morgen ist das erste Gespräch. Das erste seit 8 Jahren. Ich bin so aufgeregt!

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  2. Oh mann…was für ’ne verdammte Kacke wieder.
    Ich glaube, ich bin einer der glücklichen Menschen, die einen Arbeitsamt noch nie von innen gesehen hat. Bin ich froh darüber…

    Ich drücke Dir ganz ganz fest die Daumen, dass alles gut geht!

    PS: Ach…Du hast Weihnachten Geburtstag? Ist das nicht….-ok ok…ich höre schon auf 😉

    Ganz liebe Grüße
    Ayse

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    1. Danke meine Liebe!
      Ich bin ja eigentlich auch nur da, um nicht später mal eins ausgewischt zu kriegen, weil ich mich nicht gemeldet habe. Im Prinzip könnte ich auf die auch verzichten, würde mir was zur Überbrückung bis zum Herbst suchen, wo Geld reinkommt und dann die Ausbildung anfangen.
      Aber nee, die wollen ja unbedingt, dass man sich meldet. Schließlich ist auch jemand, der sich selbst um alles kümmert, ein Positiv in der Vermittlungsstatistik.

      P.S.: Du etwa nicht? 😉

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  3. Gott, ich hab’s endlich geschafft mich hier anzumelden. Wusste gar nicht, dass ich hier noch ein Konto hatte. Naja!

    Das tut mir wirklich leid mit deinem Studium. Mordskacke. Aber was soll’s, wir sind jung. 😉
    Mit dem Arbeitsamt schlage ich mich seit knapp 10 Jahren immer mal wieder ‚rum. Wenn du da irgendwelche Fragen hast, kannst du sie ruhig stellen. Lass‘ dich auf jeden Fall nicht entmutigen, habe dir auch beim Vorstellungsgespräch die Daumen gedrückt. 🙂

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    1. Dankeschön meine Liebe!
      Ja mit dem Studium hast du Recht: Mordskacke. Aber da muss ich jetzt durch. Auch wenns weh tut. Wer weiß, wofür es gut war. In 10 Jahren weiß ich mehr. 😀

      Das Vorstellungsgespräch lief gut. Aber dazu schreibe ich jetzt direkt mal nen Artikel. 😉

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