Bewerbertypen II: Im Gespräch

Durch meine Arbeit im Praktikumsbetrieb habe ich täglichen Kontakt zu Bewerbern. Dabei sind mir mal ein paar Typen besonders aufgefallen, die ich gerne präsentieren möchte.

1. Die Labertaschen

Labertaschen kauen nicht nur mir als Bewerberbetreuerin, sondern auch dem Personaler, der das Bewerbungsgespräch durchführt, ein Ohr ab. Gerade im eigentlichen Gespräch erzählen sie dabei sehr viel Nebensächliches, was gar nicht interessiert und bloß ablenkt. Und es raubt Zeit. Es raubt sehr viel Zeit.

Klar ist es gut, wenn man viel über sich zu erzählen hat, weil man schon viel gemacht und gelernt hat. Aber doch nicht die ganze verdammte Lebensgeschichte! Das will keiner hören! Zumindest kein Personaler.

Für den Arbeitsablauf ist es besonders doof, denn solche Bewerbergespräche sind in der Regel zeitlich getaktet. Ein überlanges Gespräch verschiebt den ganzen Ablauf. Und ein Personaler unterbricht nur ungern sein Gespräch, wenn der Kandidat eigentlich geeignet ist, doch zu viel redet.

Vielleicht sollte man einfach vorher nachdenken, was für die beworbene Stelle wichtig ist und sich darauf konzentrieren.

 

2. Der Maulfaule

Der Maulfaule ist das komplette Gegenteil der Labertasche. Der Personaler muss jede einzelne Information extra erfragen und erhält dafür meist nur sehr knappe Antworten. Das Gespräch ist also genauso einseitig wie bei #1, nur eben von der anderen Seite.

Leider katapultiert sich der Maulfaule dadurch genauso ins Abseits wie die Labertasche, denn wer keine Informationen liefert, der kann sich nunmal schlecht verkaufen und von sich überzeugen. Mancher Maulfaule wirkt gar gelangweilt oder genervt. Er muss es nicht einmal sein, es kommt dabei nur auf den äußeren Eindruck an. Und ein solcher Eindruck ist kein guter.

Also: gleicher Rat wie bei 1.: Nachdenken, was wichtig ist und darüber auch was sagen können.

 

3. Der Unsichere

Der Unsichere ist meist jung und unerfahren, hat vielleicht erst sein erstes oder zweites Bewerbungsgespräch und scheint furchtbar verängstigt. Ist auch total okay, denn wir haben ja alle mal angefangen und waren alle mal nervös.

Trotzdem ist es schon nicht einfach mit dem Unsicheren: er spricht oft viel zu schnell und verhaspelt sich dabei. Oder er erstickt fast, weil er vergisst zu atmen.

Auch entschuldigt er sich für jede Lapalie, die vielleicht gar nicht aufgefallen wäre.

Und er spielt sich gerne an den Haaren, der Kleidung oder sonstigem in seiner Reichweite. Dadurch erscheint er zusätzlich hibbelig und aufgedreht.

Für den Unsicheren gibt es vor allem eins: üben, üben, üben. Wird besser mit der Zeit, versprochen. Und so ein Gespräch ist auch halb so schlimm. Personaler sind ja auch nur Menschen und wenn man ihnen sagt, dass man nervös ist, können sie das verstehen. Hoffentlich. Wenn nicht, will man dort vielleicht sowieso nicht arbeiten…

 

4. Der Selbstverliebte

Der Selbstverliebte ist das Gegenteil vom Unsicheren. (Logisch, nicht?) Er hat ein übersteigertes Bild von sich und seinen Fähigkeiten und wirkt dadurch arrogant oder überheblich. Manchmal ist er es auch.

Selbstverliebte sind nochmal unterteilbar in diejenigen, die wirklich Qualifikationen aufweisen, sich aber durch ihr Verhalten disqualifizieren (niemand möchte mit einem Arsch zusammenarbeiten)

und in diejenigen, die nix vorweisen können, aber enorme Ansprüche stellen. Diese haben außerdem unrealisitische Vorstellungen vom Arbeitsleben und von ihrem Können. (Neulich kam tatsächlich jemand ohne Schulabschluss, frisch abgebrochen aus Unlust rein und meinte, Schule sei nix für ihn, Hilfsarbeiten auch nicht, aber „krass geile Klamotten verticken und so.“ Ja nee is klar, Digger.)

 

5. Der Nullbocker

Nullbocker kommen schon mit einer negativen Einstellung ins Gespräch und haben ganz offensichtlich eigentlich gar keine Lust, irgend etwas zu machen. Das sind ebensolche Kandidaten, die vom Arbeitsamt gezwungen wurden, sich IRGENDWO vorzustellen. Ein Stück weit kann ich die Leute verstehen. Das AA kann schon echt nerven. (Die Abkürzung spricht ja gelegentlich für sich.)

Trotzdem: auch die Personaler machen da bloß ihren Job; man muss sie nicht durch Teilnahmslosigkeit und Sturheit noch nerven. Und überhaupt kann man das auch als Chance ansehen, oder? Nagut, wenn man natürlich lieber daheim sitzen und 24/7 RTL gucken will, dann wohl nicht. Aber sind ja nicht alle so. (Zum Glück!)

Leider merkt man manchen auch an, dass sie sich generell aufgegeben haben und nur noch tun, was sie als ihre Pflicht halten oder gesagt bekommen. Das ist schade, denn der eine oder andere davon könnte gut was aus sich machen, erkennt bloß seine Potentiale nicht.

Die meisten Nullbocker zeigen ihr Desinteresse auch durch ihr Aussehen: Freizeitkleidung, ungewaschenes Haar, dreckige Fingernägel, dreckige Schuhe…

 

 

Neben diesen fünf Typen gibt es natürlich noch unzählige andere. Die Bockigen etwa, die sich auch nicht davor scheuen, Sätze zu sagen wie „Wie soll ich denn Erfahrung sammeln, wenn ich jedes Mal abgelehnt werde wegen fehlender Erfahrung?“ Jaha, das stimmt schon, ich teile diese Ansicht. Aber das SAGT man doch nicht in einem Vorstellungsgespräch!

Genauso wie den letzten Arbeitgeber runterzumachen. Sowas geht nicht! Man will sich doch niemanden ans Bein nageln, der die Schuld bei anderen, aber sich selbst nicht sucht und wohlmöglich später auch noch schlecht über einen redet!

Was mich traurig macht sind die Alten. Sie können nix dafür, dass der Arbeitsmarkt so ist wie er ist. Es gibt wirklich viele Unternehmen da draußen, die gar nicht verstehen, was die Alten ihnen mitbringen, was ein junger Arbeiter naturgemäß noch nicht hat: Erfahrung. Wissen.

Und „im Osten“ haben es die jetzt Alten besonders schwer, denn nicht wenige haben ihre Abschlüsse in der DDR gemacht. Etliche davon werden nicht anerkannt. Besonders solche, die sich in der DDR bemüht haben und bei FDJ, in der SED oder sonstigen ähnlichen Einrichtungen hocharbeiteten, sind wirklich schlecht dran. Ich musste erleben, wie Personaler sich gar genierten, die DDR-Bezeichnungen der Ränge in die Lebensläufe des Computers einzugeben. Das ist doch blöd. Das hieß nunmal so und das war nunmal so. Und nur weil diese Leute zu einer anderen Zeit und unter anderen Umständen Ausbildungen abgeschlossen haben, ist das doch nicht wertlos!

Aber gut, ich schweife ab. Das waren so grob die Bewerbertypen, die mir aufgefallen sind. Fallen euch noch andere ein? Dann schreibt mir doch, was noch fehlt! 🙂

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

5 Kommentare zu „Bewerbertypen II: Im Gespräch“

  1. zu

    „Wie soll ich denn Erfahrung sammeln, wenn ich jedes Mal abgelehnt werde wegen fehlender Erfahrung?”

    ich finde schon dass man das sagen kann und sollte.

    „Wenn Sie mich jetzt einstellen, haben sie in einem Jahr einen erfahenen Mann“

    sagt das gleiche klingt aber besser 😉

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    1. Hallo Ralf und Willkommen auf dem Blog!

      Ersteres sollte man nicht so sagen, weil es eher nach einem bockigen Kind klingt als nach jemandem, den man einstellen will.
      Der zweite Satz aber ist klasse, da stimme ich dir zu. Kommt eben immer auch darauf an, wie man es sagt. 😉

      Liebe Grüße

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  2. Eigentlich finde ich es gar nicht so verkehrt, einfach mal knallhart zu fragen, wie man denn Erfahrung sammeln soll, wenn einem niemand die Chance gibt, selbige zu sammeln. Eigentlich doch völlig legitim, das mal zu fragen.
    Nach der x’ten Ablehnung ist es doch eh wurscht, ob man sich jetzt noch einen Arbeitgeber durch eine solche Frage vergrätzt oder nicht. Aber vllt. gibt es ja doch mal einen Personaler, den das zum Nachdenken und Umschwenken bringt. (Ja, ich stelle mir vor bzw. hoffe, dass es sowas geben kann.)
    Kommt natürlich auch drauf an, wie man es rüber bringt bzw. sich selbst vorher verkauft hat.

    Ist aber auch ein Drama mit der Bewerberei. Ich habe inzwischen nur noch einen Hals auf die Arbeitgeberfraktion. Immer am Jammern, dass es kein geeignetes Personal mehr gibt und sich die Suche ja soooo schwierig gestaltet. Aber dann wird bei jedem Bewerber akribisch nach irgendwas gesucht, was man negativ auslegen kann:
    -> Zu alt, zu jung.
    -> Frau ohne Kind (die wirft ja dann ganz sicher bald), Frau mit Kind (wird eh öfter abwesend, als anwesend sein);
    -> unterqualifiziert (ja dann qualifiziert ihn halt, Herrgott!!), überqualifiziert,…
    -> Fähigkeiten, Können und Wissen werden aus abstrusesten Gründen nicht anerkannt (Stichwort DDR-Ausbildung), etc. pp.

    Echt, ich hab da inzwischen SO ’nen Hals. (Und nein, ich selbst bin aktuell gar nicht betroffen.)

    (Diese Vorwürfe beziehen sich jetzt übrigens nicht Dich oder Deinen Artikel, also nicht falsch verstehen. 😉 Die von Dir benannten Typen gibt es natürlich und viele der Verhaltensweisen sind ganz sicher ein No-Go.)

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    1. Habe das auch gar nicht auf mich bezogen, denn ich habe gar keinen Einfluss darauf, wer angenommen wird und wer nicht. 😉

      Ja, der Ton macht die Musik, das stimmt auf jeden Fall. In dem Fall mit dem Satz „Wie soll ich denn Erfahrung sammeln…“ war es jedenfalls der falsche Ton; bockig und unreif.

      Und ja, dass es die beklopptesten Gründe gibt, jemanden nicht nehmen zu wollen, kann ich leider nur bestätigen und habe ich auch selbst schon erfahren müssen. Ich weiß auch nicht, was in solchen Arbeitgebern vorgeht. Manche haben einfach ein total abgehobenes, falsches Bild.

      Es gibt ja so viele Sachen, die so oder so ausgelegt werden können. Ist es positiv oder negativ zu werten, wenn jemand schon viele Dinge gemacht hat? Wenn jemand 56 Jahre alt ist? Wenn sich jemand auf eine ganz andere Stelle bewirbt, als er die letzten Jahre gemacht hat?

      Die Antwort ist: Man weiß es nicht. Es kommt eben doch immer auf das Drumherum an. Das Problem ist ja wie schon geschrieben: Wenn man viele Bewerber hat, muss man eben aussortieren. Und ja, manchmal kommen total bekloppte Gründe dabei heraus. Das macht für den Abgelehnten den Eindruck, dass die Personaler nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Aber wenn man es von der anderen Seite sieht, dann mögen die Gründe gar nicht mehr so abstrus sein.
      (Bis auf die Frau mit/ohne Kind – Sache. Aber selbst das ist wieder eine persönliche Meinung.)

      Wenn’s nach mir ginge, würde ja jeder mal eine Chance bekommen. Aber auf mich hört ja keiner. 😉

      (Um meinen Arbeitgeber nicht völlig schlecht darzustellen: Es gibt schon echt viele Bewerber, die trotz wirklicher Gründe trotzdem wenigstens mal bestellt und angeschaut, nicht selten sogar eingestellt werden. Viele „Sozialfälle“, Alte, Unerfahrene, Unqualifizierte etc.)

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