Der Captain auf dem Festland

Einst gab es einen jungen, forschen Kapitän, der auf seinen Reisen über die sieben Weltenmeere schon so manches Abenteuer erlebte. Sein Charme und seine Abenteuerlust waren in allen Ländern bekannt und ein Jeder wandte sich an ihn, wenn es gar manche Sturmflut im Leben zu überwinden galt.

So begab es sich, dass der forsche Kapitän den Hilferuf einer holden Maid vernahm, die sich in ihrer Not ihm zuwandte. „Hilf mir, oh forscher Kapitän! Die gähnende Langeweile hat mich gepackt und hält mich in ihrer Tristesse gefangen!“

Dies konnte der forsche Kapitän nicht unbeachtet lassen, weshalb er sich unverzüglich zur Rettung der holden Maid entschloss. Jedoch gab es ein Problem: Die holde Maid stammte vom Festland in den sieben Bergen, sodass es dem Kapitän nicht möglich war, ihr in seinem gewohnten Element der See zu Hilfe zu kommen.

Dies sollte den forschen Kapitän jedoch nicht an der Rettung der holden Maid hindern und so schmiedete er einen Plan, wie er das Festland bereisen könne.

Nach nur fünf Monden sattelte er sein schnellstes Pferd und eilte der holden Maid entgegen. Bei ihr angekommen nahm er sie zu sich auf sein Ross und entschwand mit ihr gen Osten, weiter in das Land und seine düsteren Wälder hinein, bis hin zum freigeistigen Orte Leipzig.

So viel zur Vorgeschichte. 😉

Ich weiß, ich bin spät dran mit diesem Post. Ziemlich spät. Später als der Captain selbst, der ja auch schon spät dran war. Aber so ist das eben manchmal.

Das macht die Erinnerung an das Captain-nickelsche Wochenende nicht minder super. Im Gegenteil. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich schmunzeln. Was waren wir für irre Leute. Aber von vorn.

Da eine mögliche Strecke von seiner Heimatkajüte zum Zielort geradewegs über meine Heimatbasis führt, dachte ich mir, dass es doch recht praktikabel sei, wenn Captain mich einfach aufgabelt und das letzte Stück mitnimmt. So konnte ich vor Antreffen beim besten Freund (Yang) doch erst einmal ein wenig warm und meine manchmal ganz dezent (!!!) durchschimmernde Schüchternheit los werden. Dass es dazu führen würde, dass der Gute knapp drei Stunden (in Worten: drei!) im Stau stehen würde -und das mitten im Funkloch- konnte ja keiner ahnen. Auch nicht, dass es tatsächlich noch von der Zivilisation dem Funk- und Internetz abgeschnittene Orte in diesem Land gibt. Wer hätte das gedacht?

Glücklicherweise entpuppte er sich nicht als Meuchelmörder, sodass ich lebend mit meinem Lieblingsblogger in meiner Lieblingsstadt ankam.

In der Zielstadt stellte sich zunächst heraus, dass die via Internet ausgesuchte Unterkunft eines Kapitäns völlig unwürdig war. (Im Ernst: auch wenn es günstig ist – über der Dönerbude in einem Ladencontainer aus tiefster DDR-Zeit will man dann doch nicht unbedingt übernachten.) Aber wir wären ja nicht wir, wenn wir nicht jung und dynamisch wären und eine um Längen bessere Unterkunft gefunden hätten. Schräg gegenüber, quasi. Mit großem Schild. Aber Entdecker sind wir trotzdem. So!

Nach einem Gesundheits- weil salzarmen Essen (sorry Onkel, da warst du geizig ;P ) ging es direktemang in la cité – oder eher in eine autonome Gegend der cité, die uns Yang mit den Worten beschrieb „da sind öfter mal Ausschreitungen und Polizeieinsätze, aber feiern kann man da gut!“ (Seine Beschreibungen sind ohnehin verwunderlich. So stellte er Captain auch nicht als „Und das ist Hans Uwe“ vor, sondern „Der ist hetero!“ Gut, sagt wohl mehr über die Zusammenstellung unserer Gruppe als über Captain aus, aber äh…nech.)

Hinwärts fuhren wir mit dem Taxi, denn man gönnt sich ja sonst nix. Dass das Taxi eigentlich schon besetzt war und die Frau darin sich unbedingt auf Captains Schoß setzen wollte, sollte uns nicht stoppen. Am Zielort angekommen stellte Captain sicher, dass auch jeder seine lustigen bunten Scheine im Portemonnaie sah. Auf mein Zischeln hin, er solle in einer Gegend wie dieser bitte seinen verdienten Wohlstand nicht offen zeigen, zuckte er die Schultern und gab mir zu verstehen, dass er gar nix versteht. Is‘ halt nicht von der Straße, der Jung‘, gell?

Später am Abend stellte sich heraus, dass ich tatsächlich nicht die Einzige war, die dies bemerkte, denn sagen wir so: der Mann hatte an der Bar viele Bewunderer….innen. Dings. (Soll nicht heißen, dass das Beste an ihm sein Portemmonaie sei. Er ist schon ein geiler Schinken. Bisschen abgehangen, aber lecker.)

Derweil war ich mit Bier und vor allem mit GIIIIIIIIIIISELAAAAAAAAAAAAAA beschäftigt. Krasses Zeuch. Unbedingt mal bestellen.

Irgendwann, es muss gegen 4 Uhr gewesen sein, befand Yang den Abend für beendet und Captain für ausreichend befüllt, sodass er ein weiteres Mal ein Taxi bestellte und unseren Ehrengast hineinverfrachtete. Frage mich bis heute noch, wie der Mann es geschafft hat, zurück ins Hotel -gesichert mit einem Türcode- zu kommen und sein eigenes Zimmer zu finden. Wir werden es nie erfahren.

Auch nicht, was mich geritten haben muss, um im Halbsuff allein durch die Straßen der Stadt zu ziehen, in der Hoffnung, mich auf dem Weg zu Yangs Wohnung nicht zu verlaufen und dem Taxi (wir ham’s ja!) nach dem Doch-Verlaufen. Sollte ich mir abgewöhnen. Kommt öfter vor.

Der nächste Morgen brachte die Erinnerungen des Abends wieder. 4 Mal.

Aber auch frische Brötchen, vom Captain eigenhändig erlegt. Was für ein Teufelskerl!


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Vielen, vielen und noch viel mehr Dank für dieses einzigartige, phantastische, wundervolle Wochenende! Danke!
Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen und Wiederholungstaten.

Und: vergiss nicht die ROSE! ;D

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

14 Kommentare zu „Der Captain auf dem Festland“

      1. Habt Ihr in Connewitz gefeiert? Dort bzw. ein Stückchen weiter stadteinwärts, Südvorstadt, da würde ich wohnen wollen, hätte ich kein schulpflichtiges Kind gehabt und würde ich jetzt noch dort wohnen. Paradoxerweise fühlte ich mich dort relativ sicher, wenn ich abends/ nachts unterwegs war, auch wenn da und in der Eisenbahnstr. (da würde ich aber echt nicht wohnen wollen) das meiste los ist an Einsätzen und so. Auch meinem Auto ist da nie was passiert, wenn ichs übers WE dort abgestellt hatte. Zählt ja auch… was 😉

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  1. Witzig, ich meinte zu ihm auch so „Bist du noch Street?“ als ich erfahren hab, in was für ein Bonsenhotel er in HH gedenkt einzuchecken 😀
    Und du hast tatsächlich Brötchen bekommen? Ich krieg von den meisten Dates nur Kaffee und den auch nur, wenn ich den selber koche 😀
    Vielleicht sollte ichs mal ohne Sex probieren…

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    1. Total verballert am Sonntagmorgen in ner fremden Stadt rumzufahren und ne geöffnete Bäckerei zu suchen, ist kein Spaß, sag ich Dir. Das mit dem Brötchen für Nickel hat sich aber gelohnt. Sie hatte ungefähr vier Stunden lang mit einem einzigen Brötchen ihren Spaß.

      Apropos „Bonze“: Möchte nur am Rande erwähnen, dass es mich jetzt nicht gerade zu Robert Geissen macht, nur weil ich der einzige Anwesende mit Banknoten statt Münzgeld war! xD

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      1. Ja, auf deinem Teil hab ich ewig rumgelutscht.
        Äh, dem Brötchen natürlich.

        Konnte aber uch nix anderes als ein trockenes Brötchen zu mir nehmen. Dachte dabei ja auch an dein Auto. Und deine Nerven. Gell.

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  2. Habe ja gleich im Anschluss auf der Rückfahrt eine imaginäre Pro- und Contra-Liste zum „Leipzig-Nickel-Wochenende“ gemacht. Einziger Punkt auf der Contra-Seite: Zu kurz!
    Danke, meine Liebe, für eine großartige Nacht 😉 Und danke, dass Du um ein paar Details den Mantel des Schweigens hülltest. (Zum Beispiel, dass ich etwas Schwierigkeiten bei Zuordnung des richtigen Geschlechts hatte oder, dass Du das mit dem Captain’s Dance nicht breitgetreten hast, oder, dass das „Erlegen der Brötchen“ eine Ewigkeit dauerte. Komme ja noch halbwegs gut weg xD)

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    1. Na aber sicher doch, Hasi. 😉
      Und zu kurz war es definitiv!
      Eine unvergleichliche Nacht mit dir; da zählt jede Sekunde und zieht in meine Haut ein und manifestiert sich in meiner Existenz. Oder so.

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    2. (Übrigens habe ich dafür auch weggelassen, wie ich eine neue Getränkebestellung für drei Personen umgeworfen habe, Yang auf der Tanzfläche malträtierte, den Barhocker flutete, Sirup wie auch Parfum in meiner Handtasche ausliefen oder ich mich tatsächlich in meiner Assihose auf deinen Beifahrersitz setzte, während ich mein Katerbrötchen in nur wenigen Stunden (!) aufaß. Das mit der Hose ist mir noch immer irgendwie peinlich. Sorry!)

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