18. Türchen

pyramiden

Vergangene Woche Montag war ich auf dem Weihnachtsmarkt in unserer Stadt. Es gibt für mich nichts Schöneres als über den Weihnachtsmarkt zu bummeln und die vielen entzückenden Dinge zu bestaunen. Nach knappen 2 Stunden hatte ich jeden Stand begutachtet. Von der großen Pyramide war ich komplett fasziniert. Gerne hätte ich sie abends gesehen, voll beleuchtet, also beschloß ich am Abend erneut zum Weihnachtsmarkt zu gehen.

Den Weihnachtsmarkt am Abend zu besuchen ist noch wundervoller und verzückender. Da fühle ich mich immer wie ein kleines Kind das vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zukriegt.

Von der Pyramide machte ich wie von den ganzen anderen Ständen und dem erleuchteten Treiben viele Fotos.

Zurück zu Hause beim betrachten der Fotos auf dem Computer fiel mir ein, das ich doch selbst mal eine Pyramide hatte.

Anno dazumal, als ich 8 Jahre alt war und es die DDR noch gab, las meine Mutter in der Zeitung einen Artikel, daß es doch fein wäre wenn man einige Spielsachen in die DDR schicken würde. Weil es dort ja nicht wirklich Westspielzeug für die Kinder gab. Auch eine Adresse war angegeben. Das war im Oktober. Also sprach die Hasenmutter, such mal ein paar Sachen zusammen die du den Kindern in der DDR schicken möchtest.

Brav wie’s Häschen nun mal ist, suchte ich ein paar Spiele heraus, aber das war doch eher unfreiwillig. Ich erinnere mich daran daß ich das „Fische angeln“ Spiel nahm. An die anderen Spielsachen erinnere ich mich nicht. Und es schien mir fast wie ein Krimi dort ein Paket hin zu schicken. Wir wohnen ja nicht so weit weg von der Grenze, und sonntags wenn wir in die Rhön fuhren und am Schwarzen Moor Richtung Grenze spazierten, das war immer ein Abenteuer. Man konnte die Grenzsoldaten sehen, das Dorf auf der anderen Seite, aber wehe man winkte! Bloß nicht winken! Streng verboten!

Dahin sollen also meine Spielsachen. In ein Land in dem Winken verboten war.

Meine Mutter schickte es ab und schnell vergaß ich die ganze Sache.

Anfang Dezember klingelte unser Briefträger. Er hatte ein Paket für das kleine Häschen. Das war das Erste Paket das ich überhaupt bekam. Kein Absender! Die Briefmarken sahen auch nicht bekannt aus. Sehr komisch, wer sollte denn mir, dem kleinen braven Häschen etwas schicken?

Stolz wie ich war durfte mir auch keiner beim öffnen helfen. Im Paket fand sich ein Zettel, auf dem man sich förmlich für die Spielsachen bedankte. Darunter, gut verpackt, befand sich eine handgeschnitzte Pyramide. Ich war begeistert! Meine eigene Pyramide! Mit Kerzen! Diese Pyramide stand natürlich Weihnachten auf dem Tisch und ich konnte mich einfach nicht von ihr abwenden. Das war tatsächlich spannender als meine Geschenke oder singen unterm Baum.

All das fiel mir ein als ich die Fotos von der Pyramide betrachtete, und ich fragte mich wo meine Pyramide eigentlich abgeblieben war. Die Hasenmama lebt nicht mehr, also konnte ich die nicht fragen. Der Hasenvater hatte keine Ahnung. Oft hat meine Mutter Sachen verschenkt, an die liebe Verwandtschaft. Eventuell hatte ich sie aber auch abgefackelt? Aber daran würde ich mich sicherlich erinnern.

Dann am Wochenende habe ich den künstlichen Weihnachtsbaum vom Dachboden geholt. Den hatte die Hasenmama damals noch gekauft. Und alleine das aufstellen bring viele Erinnerungen zurück. Die Weihnachtskugeln waren irgendwo im Keller, also runter in den Keller und einmal alles durchwühlen.

Es fällt mir nicht leicht Weihnachten zu genießen. Den Baum hat immer die Hasenmama geschmückt und ich habe ihn auch erst am Heilig Abend zu Gesicht bekommen. Naja. Jetzt bin ich halt der Chef und alles schmückt nach meinem Kommando!

Ich fand XXXL Kugeln, die man wohl einzeln ins Fenster hängt? Ich bin mir da nicht sicher. Ich fand 1358,5 bunte Kugeln in allen Farben, viel Lametta und noch mehr Kugeln, 2 Lichterketten und einen dubiosen Karton. Auch die 2 Lichterketten waren gefunden es konnte also losgehen. Auf’s Lametta, fertig, los!

Kurz vor dem Finale, der Spitze, öffnete ich den dubiosen Karton und konnte kaum glauben was ich da sah. Meine Pyramide!. Ich kann kaum in Worte fassen wie sehr ich mich gefreut habe. 2 der Flügel waren nicht mehr an Ort und Stelle und auch 2 Kerzenhalter hatten sich gelöst. Das habe ich natürlich ganz leicht selbst repariert und mir nagelneue Kerzen gekauft.

Und so steht sie dieses Jahr wieder auf meinem Tisch. Und ich bin hocherfreut und kann nach wie vor meinen Blick nicht abwenden. Und diese Pyramide hat etwas geschafft, was kaum jemand zur Weihnachtszeit schafft, sie hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!

 

iTanni

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

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