Susann

Der Freitag im April begann wie jeder gewöhnliche Schultag: Susann erfüllte ihre Morgenroutine, verabschiedete sich von ihren Eltern und machte sich auf den Weg zur Schule. Ihre kleine Familie war vor fast einem Jahr hierher gezogen. Von einer kleinen, verschlafenen Stadt zur Landeshauptstadt; wie aufregend!

Ihre Klassenkameraden mochten sie. Wie konnte man auch das nicht, wo sie immer ein Lächeln und ein freundliches Wort für jeden übrig hatte? Ihre Schüchternheit hatte sie ein wenig ablegen und gegen Selbstbewusstsein eintauschen können. Was so ein Stadtwechsel doch mit sich bringt!

Sogar ihren ersten Freund fand sie im Klassenverband. Erste Liebe, ganz frisch. Wenn sie an ihn dachte, dann kribbelte es im Bauch, sie strahlte hell wie die Sonne und sie glaubte fest daran, dass sie für immer mit ihm zusammen sein würde. Wie das bei der ersten Jugendliebe eben ist.

Der Morgen verging wie jeder andere auch, nur dass die letzten schriftlichen Abiturprüfungen stattfanden und man auch in den Pausen ganz leise sein musste, wenn man an den Prüfungsräumen vorbei lief. In vier Jahren würde auch sie dort sitzen. Und wenn sie das erst geschafft hätte, Abitur, stünde ihr die Welt offen. Wer weiß, wo es dann hin gehen würde? Das Leben hatte noch so viel zu bieten. Doch jetzt, in der achten Klasse, waren erst einmal die nächste Klassenarbeit, die nächsten Ferien und die Lieblingsbands wichtig. Und Ronny. Oh Ronny, die große erste Liebe!

Gegen elf Uhr an diesem frühlingshaften Tag lauschte sie der blutjungen Lehrerin, als plötzlich ein maskierter junger Mann in der Tür stand. Er hielt eine Pistole in der Hand. Vermutlich konnte Susann gar nicht realisieren, was gerade geschah. Der Maskierte verließ den Raum und zog weiter, ohne seine Waffe zu gebrauchen.

Die Lehrerin schloss hinter ihm die Tür ab. Susann konnte die Schüsse von verschiedenen Stellen in der Schule hören. Sie hatte Angst.

Ihr Herz schlug bis zu ihrem Hals, als wenig später jemand versuchte, in den Raum einzudringen. ER war es, ER kam zurück! Es gelang ihm nicht die Tür aufzubrechen, sodass er durch die geschlossene Tür schoss.

Eine der ersten Kugeln traf Ronny. Oh Ronny! Susann stürzte zu ihrem am Boden liegenden Freund, während weitere Schüsse fielen. Als die achte und letzte Kugel durch die Tür drang, lag auch Susann am Boden. Neben Ronny.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

9 Kommentare zu „Susann“

  1. lies doch weg. das ist keine freundliche Kritik was du hier übst.

    Ich bin auch nicht ganz die Zielgruppe dieser geschichte, aber so etwas unfreundliches geht garnicht.

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  2. Man hört eine Meldung über einen Amoklauf in den Nachrichten, liest darüber vielleicht in der Zeitung oder im Netz und ist betroffen… Nach ein paar Tagen oder Wochen hat man (die „Öffentlichkeit“) den Vorfall dann wieder vergessen… Es war ja SOOO weit weg… Es ging um eine Anonyme Anzahl von Opfern… Diesen Opfern hast Du mit dieser Geschichte ein Gesicht gegeben, liebe Nickel. Es sind eben nicht nur anonyme Opfer! Es handelt sich um Menschen… Mit Gefühlen, Träumen und einer Zukunft, die ihnen plötzlich und brutal genommen wurde. Vielleicht würde von Seiten der Regierungen mehr zur Prävention gegen solche Katastrophen getan, wenn das den Verantwortlichen auch bewusst gemacht würde.
    Liebe Grüße von Felina, die die unverschämten und wahrscheinlich aus sexuellem Frust entstandenen Kommentare des Herrn Lautleise wie so oft völlig deplatziert findet.

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    1. Für uns war es erschreckend nahe. So nahe, dass es sogar ein Mädchen aus unserer Mitte erwischte. Susann war für uns kein anonymes Opfer.

      Auch die Medienberichte haben wir ganz anders erlebt. Als ein Lehrer (endlich!) mit uns darüber sprach, sagte ich zu ihm, dass es einen ziemlich wahnsinnig macht, was in den Medien erzählt wird.
      Nicht nur hatten wir keine Gelegenheit zu trauern, da die Bilder immer und immer und immer wieder überall auftauchten. Auch wurde oft viel Blödsinn erzählt, Schuld versucht zuzuweisen etc.
      Und irgendwie war danach sowieso alles anders. Die Lehrer waren anders, wir waren anders und das Schulsystem veränderte sich ja auch.
      ‚Ironischerweise‘ waren dann auch wir, Susanns Jahrgang, die ersten, die mit der deutlichsten Konsequenz, der dem Abitur vorgeschalteten Prüfung in der 10. Klasse, konfrontiert waren.

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  3. Das ist eine ganz fürchterliche Geschichte…

    Ich habe fast geweint (aber da hätten sich dann die Kollegen gewundert).

    Ja, man sollte sich immer vor Augen halten, dass die Opfer auch eine Familie und Freunde haben, dass sie Träume und Wünsche hatten.

    Ich wünschte es würde nciht so viele durchgeknallte Leute auf der WElt geben, die anderen nach dem Leben trachten.

    @Wolf: Du bist mal wieder eindeutig zu weit gegangen. Wenn man mal was dummes macht okay, aber dass man nicht daraus lernt zeugt von unglaublicher Dummheit. Warum lässt du Bloggerhausen nicht einfach in Ruhe? Geh doch einfach in dein Loch und lass dich nicht mehr blicken.

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  4. Danke für die Geschichte liebe Nickel. Finde gut das du Sie dir von der Seele geschrieben hast.

    @Wolf – es ist nicht nur Schade sondern ein Fakt. Du schaffst es immer wieder mit äußerst verletzlichen Kommentaren die Schreiber zu beschimpfen und anzugreifen. Da ich inzwischen der Überzeugung bin das du ein Krankheitsbild an den Tag legst, verzichte ich auf die Worte die mir auf der Zunge liegen. Du bist schon so arm genug dran. Mehr Zuwendung hast du einfach nicht verdient *wink*

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