Sonntagsblues

Ich hänge durch.

Es ist Sonntag Abend und meine Energie ist erschöpft. Zu meiner Allergie, die dank Asthma schon an sich sehr kräftezehrend ist, habe ich mir tatsächlich noch eine Erkältung  eingefangen. Jetzt schwillt mein Hals nicht nur halbtags zu, sondern hat daraus glatt einen Fulltimejob mit Überstunden gemacht. Wenigstens einer mit Job.

Meine Geduld reicht leider auch nicht mehr lange.  Ich habe mehrmals betont, dass ich Probleme mit dem Asthma habe, wir also wenigstens die Katzen draußen lassen müssen. Dennoch sind sie ständig in der Wohnung. Die Hunde sind grundsätzlich nur dann im Hof, wenn jemand mit ihnen unten ist. Was das Problem dabei ist, sie wenigstens tagsüber raus zu sperren, weiß ich nicht. Klar kläffen sie dann bei jedem Fußgänger, doch das ist mir lieber als ein Erstickungsanfall…

Das alles wäre halb so schlimm, wenn meine Mutter mir ein wenig Ruhe gönnte. Stattdessen scheucht sie mich durch die Wohnung, gibt mir diese und jene Aufgabe und selbstverständlich muss das alles immer jetzt und sofort sein und auf ihre Art und Weise. Als ich noch hier wohnte, war das Grund Nummer eins für Zickenterror. Es ist wie früher. Es ist die Hölle.

Zu meiner Freude war der Brüllmann über das Wochenende hier. Er hat uns gut geholfen und war mir ein Anker. Es war schön, in seinen Armen zu liegen und mich geborgen zu fühlen. Als ich ihn heute zum Bahnhof brachte, lief mir doch eine Träne über das Gesicht. Er fehlt mir.

Jetzt sitze ich hier und hab den Blues. Eigentlich will ich einfach nach Hause, nach Jena. Meine Mutter allein lassen kommt aber nicht in Frage. Dennoch ärgert es mich, dass sie scheinbar nicht versteht, was es für mich bedeutet, hier zu sein. Ich setze meine Gesundheit aufs Spiel, gebe mein letztes bisschen Geld für Medikamente aus, um überhaupt hier bleiben zu können und kann mich nicht um meine Baustellen zu Hause kümmern, die nun natürlich brach liegen. Ich fühle mich nicht wertgeschätzt und ernst genommen. Für Streit habe ich keine Energie und Diskussionen fruchten nicht.

Ich hab den Blues.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

8 Kommentare zu „Sonntagsblues“

  1. schreib ihr das doch mal in einem Brief. Das du erwachsen bist, und was du aus deiner Sicht für sie auf dich nimmst. Frag sie doch mal ob sie das gleiche für dich tun würde. Ich glaube das ist ein guter Weg sinnlosen Disussionen aus dem Weg zu gehen. 🙂 *durchknuffel*

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    1. Danke.
      Sie kann sich leider nicht in meine Situation hinein versetzen. Gutes Beispiel: als ich ihr erklärte, wie schlecht es mir geht, hat sie das eingesehen und umgesetzt. Im nächsten Augenblick jedoch zündete sie sich eine Zigarette an. Sie versteht mich nicht. 😐

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  2. Mütter. Viellleicht ist der Vorschlag von mewaikiki gar nicht so schlecht… denn sowas SAGT sich ja immer so schlecht, aber manchmal wissen es die Leute, vor allem die Mütter, einfach bloß nicht besser… oder können ihre Dankbarkeit nicht richtig ausdrücken.

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  3. Das ist bedauerlich. Da scheine ich es als Sohn wohl einfacher zu haben, wie vermutlich die meisten Söhne.
    Trotzdem wünsche ich gute Nerven.
    Wenn die Gesundheit derart leidet, wäre es ggf. doch besser mal konkret eine vielleicht notwendige Abreise anzudeuten, wenn da keine Einsicht kommen sollte.

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    1. Dankesehr. Ich sagte bereits sehrdeutlich, dass ich abreisen muss, wenn sich meine gesundheitliche Situation weiter verschlechtert. Das (erwünschte) Ergebnis hielt genau einen Tag an… Ich wiederhole mich nicht.

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  4. Erstmal gute Besserung! Pass auf Dich auf und fühl Dich gedrückt. Ich finde es schön, dass Du dich trotz allem um sie kümmerst, deshalb musst Du die Hilfe aber auch abbrechen, wenn es Dir schlecht geht dabei.

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