Spam der fiesesten Sorte

Man kennt ja die üblichen Spammails von Penisvergrößerung und Potenzpillen über Gewinnspiele bis hin zu „Nehmen Sie 100 Kilo in 2 Tagen ab mit unseren Superdupershakes!“

Das alles ist -ohne auch nur kurz darüber nachdenken zu müssen- problemlos als Müll zu identifizieren.

Dann gibt es da noch die etwas kniffligeren Mails, die etwa Paypal oder Ebay immitieren und an die Daten des Nutzers wollen. Manchmal muss man da schon ziemlich genau hinschauen, zumal sie Emailadressen nutzen, die den echten Mailadressen der Portale sehr ähnlich sind. Für mich führten diese Mails dazu, gar keine Mitteilungen von diesen Portalen mehr anzuklicken, sondern mich gleich auf den Portalen anzumelden – ganz gut, wenn man dort Nachrichtenordner hat, die stets mit einer Kopie sämtlicher Mitteilungen versehen sind, die WIRKLICH vom Seitenbetreiber kommen.

Nun erreichte mich eine Spam-Email, die mich an einem empfindlichen Punkt erwischte: ein angebliches Jobangebot der Arbeitsagentur für Support im Home Office. Die Mail ist in gutem Deutsch geschrieben, hat ein vernünftiges Layout und entspricht optisch wie inhaltlich fast! den Ansprüchen an offizielle Emailkorrespondenzen. Darüber hinaus steht in der Anrede mein Klarname.

Da ich aktuell jeden Strohhalm mitnehme, der mir zufällig entgegen kommt, war ich ehrlich gesagt direkt angefixt. Home Office, freie Zeiteinteilung – hey, das will ich! Obwohl sowohl Absenderadresse (gabriel4@gapla.cat) als auch im Text genannte Antwortadresse (Iusend165@writeme.com) auffällig sind, wollte ich doch an die Echtheit dieser Mail glauben und löschte sie nicht, sondern durchforstete das Internet nach Hoffnungsschimmern Antworten.

Dabei fand ich zwar heraus, dass es eine Voigt AG gibt, aber ansonsten sind die Treffer doch sehr beschränkt. Lediglich diese Seite, die von WOT auch noch als unsicher in rot markiert wurde, befasst sich mit der Mail.

Dennoch: nehme ich einmal meine Wünsche und Hoffnungen raus und schalte mein Hirn ein (und das VOR dem ersten Kaffee!), so erkenne ich: auffällige Mailadressen plus fehlende Informationen zum Unternehmen plus fehlende Visitenkarte (mit Name, Email, Telefon, HP und dergleichen) plus der Tatsache, dass ich von der Arbeitsagentur gar keine Angebote bekomme ist gleich SPAM!

Zugegeben: Hut ab vor der Aufmachung der Mail an sich und dem Verzicht auf Anhänge, die nur Verdacht erzeugen. So kommt man auf eine ziemlich fiese Weise sehr leicht an sehr viele Daten. Dennoch wünsche ich euch Phischern „die Pest an den Hals, die Syphillis im Schoß. Los brecht euch das Genick, legt eure Schlagadern bloß!”

Hier die Email zum Nachlesen:

Guten Tag [Brüllmaus],

die Arbeitsagentur stellt Ihnen nachfolgend eine interessante Arbeitsstelle in einem kompetenten Team von zu Hause aus vor, ohne Fahrtkosten, ohne Anfahrt, ohne Stau. Wir generieren qualifizierte und effektive Arbeitsplätze nicht nur in der Stadt, sondern auch in ländlichen Regionen landesweit und bieten dabei hervorragende Qualität für unsere Auftraggeber.

Ab sofort suchen wir:
Angestellte (m/w) für den Support im Home Office im Bereich Telekommunikation und Büroarbeit

Wir bieten Ihnen eine Stelle als Festangestellter oder als Freiberufler mit einem Stundenlohn von 20 Euro pro Stunde in selbständigen Arbeitsweise und einer familienfreunflichen Beschäftigungsform, sowie eine spannende Tätigkeit ohne Fahrzeit mit flexiblen Arbeitszeiten.

Ihre Aufgaben sind:

– Dokumente engegennehmen, bearbeiten und weiterleiten
– Unterlagen einscannen/kopieren
– Emails beantworten
– Aufgabe im Home-office in freier Zeiteinteilung
– Umgang mit zur Verfügung gestellten Systemen

Anforderungen an Sie:

– Unproblematischer Umgang mit Email, PC und Internet
– Deutsch fließend, Fremdsprachen wären von Vorteil
– Genauigkeit, Ehrlichkeit und Zielstrebigkeit

Es werden keine fachlichen Kenntnisse vorausgesetzt. Die Einarbeitung findet schrittweise durch kompetente Mitarbeiter statt. Die benötigte technische Ausrüstung stellen wir Ihnen ohne weitere Kosten zur Verfügung. Die Arbeit kann gern nebenberuflich besetzt werden, sowie von Rentnern und Hausfrauen.

Sie sind bereit für flexible Arbeit und die Arbeit im Home Office? Sollten Sie an diesen Arbeitsstellen Interesse haben, dann senden Sie uns ein Bewerbungsschreiben an: Iusend165@writeme.com

Wiir freuen uns auf Ihre Antwort, Ihre persönlichen Unterlagen behandeln wir selbstverständlich vertraulich.

Mit freundlichen Grüßen

Voigt AG

Und die Moral von der Geschicht‘: Vertraue deinen Emails nicht!

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

8 Kommentare zu „Spam der fiesesten Sorte“

  1. Ich bekam auch sowas in der Art. Justamente einen Tag nachdem ich mich bei der Arbeitsagentur gemeldet hatte. Da habe ich schon überlegt, ob ich doch angeklickt hatte, dass ich kontaktiert werden möchte.

    Letztenendes war das Angebot aber zu gut. Wenn der AG schon mit 20€ Stundenlohn für eine ungelernte Tätigkeit wirbt, gehen meine Alarmglocken an.

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    1. Oha, das ist ja wirklich klasse Timing…

      Ja stimmt schon, die 20€ sind zu gut, um wahr zu sein. Das war einfach die Hoffnung bzw der Wunsch, dass es diesen Job echt gibt, was da aus mir leuchtete und mich geblendet hat. Seufz.

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  2. Wenn dir 20€ die Stunde versprochen werden, die Arbeit von Hausfrauen oder Rentnern erledigt werden kann und dann noch ernsthaft Anforderungen wie „Genauigkeit, Ehrlichkeit und Zielstrebigkeit“ genannt werden (Ist selbstverständlich, oder? Das führt doch keine normale Firma auf…) dann kann das nur Spam sein.

    Aber an einem ehrlichen Job dieser Art wäre ich gerade echt interessiert. 😉

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  3. Das ist fies.

    Ähnliche Mails mit „Jobangebot für [meinName]“ bekomme ich immer wieder mal, auch ohne jemals bei der Agentur für Arbeit gemeldet gewesen zu sein. Da ich gar keine Zeit für einen Zusatzjob hätte, bin ich schon durch Desinteresse geschützt davor, auf sowas reinzufallen.

    Gut, daß Du Dein Hirn nutzt und auch dann skeptisch prüfst, wenn Du gerne glauben möchtest.

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