Meine Reise mit MeinFernbus

Fernbusse sind neben den Dauerstreiks das größte Ärgernis der Deutschen Bahn. Seitdem der Fernbusverkehr 2013 erlaubt wurde, verlor die DB einen schmerzhaft großen Teil ihrer Marktanteile an Fernbusanbieter. Kurz nach der Aufhebung des gesetzlichen Verbotes für Fernbuslinien schossen einige Fernbusanbieter wie Pilze aus dem Boden. Viele verschwanden wieder, meldeten Konkurs, die Marktführer MeinFernbus und Flixbus fusionierten.

Am Wochenende fuhren der Brüllmann und ich zum ersten Mal mit dem Fernbus. Bisher legten wir die Strecke mit dem Zug zurück, doch da uns die Tickets mittlerweile zu teuer geworden sind und wir uns auch nicht in die Züge quetschen wollten, die -wie wir den Nachrichten und dem Social Media entnahmen- völlig überfüllt waren durch Ende des Streiks und die Pfingstfeiertage, beschlossen wir, dem Fernbus eine Chance zu geben. Darüber berichte ich hier.

Auswahl des Anbieters

Die Wahl des Anbieters fiel sehr leicht: MeinFernbus ist der einzige Anbieter, der das gewünschte Ziel anfährt. Kein anderer Anbieter fährt die Gegend an, das heißt, dass ich auch nicht zu einem Nachbarort fahren könnte, wenn ich einen anderen Anbieter auswählen wollen würde.

Das ist damit zu erklären, dass MeinFernbus über das größte bzw. dichteste Fernbusnetz in Deutschland verfügt und rund 200 Haltestellen anfährt. Da sind dann eben auch kleinere Städte dabei.

Nach und von Jena fahren noch Berlin Linien Bus (Richtung Berlin, Hamburg, München und Frankfurt/Main) und Postbus (Richtung Berlin und Zürich).

Kosten und Dauer

Mit dem Fernbus bezahlten wir für die erste Strecke 8,00€ pro Person. Sonntag war ein wenig teurer mit 9,50€ pro Person; insgesamt waren es also 35,00€. Mit dem Zug hätten wir pro Fahrt 27,00€ bezahlt (Länderticket für 2 Personen) und hätten insgesamt 19,00€ mehr bezahlt. Als Allleinreisender wäre der Fahrpreis mit der Bahn sogar noch höher gewesen, da man nur die Wahl zwischen dem Länderticket für 23,00€ und dem Direktticket für rund 22,50€ hat. Dagegen wie gesagt der Bus für 8,00€ bzw. 9,50€, maximal 12,50€ für Spätbucher. Das finde ich übrigens auch gut: MeinFernbus hat sich selbst Maximalpreise gesetzt. Selbst diese sind noch günstiger als die Spartickets der Bahn.

Die Fahrtdauer war mit dem Bus genauso lang wie mit dem Zug. Die Haltestelle war dafür am Zielort ein wenig außerorts, aber da wir ohnehin abgeholt werden müssen, weil der Personenverkehr in der Zielregion schlecht ausgebaut ist, war das nicht so schlimm.

Bei längeren Fahrten sind die Unterschiede zwischen Bus und Bahn noch deutlicher. Nach Hamburg etwa hätte ich mit dem Fernbus zwischen 17,00€ und 28,00€ bezahlt (je nachdem wie früh ich buche – je früher desto günstiger). Die Bahn kostet zwischen 35,00€ und 59,00€ im Sparpreis oder 99,00€ im Normalpreis, wohlgemerkt pro Fahrt.

Allerdings dauert diese Fahrt mit dem Bus fast 8 Stunden -Stau und andere Verzögerungen nicht eingerechnet-, während man mit der Bahn in unter 5 Stunden am Ziel ist -aber auch hier ohne Verspätungen und Ausfälle einzurechnen.

Wer also sparen muss oder will, braucht für Langstrecken ausreichend Sitzfleisch und wer das nicht hat muss eben mehr bezahlen.

Dafür habe ich von Angeboten gerade im Sommer gehört, wo man von Jena nach Berlin auch schonmal für 5€ kommt. Dieses Angebot werde ich gerne mal nutzen, wenn ich Zeit finde.

Verspätung

Am Tag der Hinreise gab es eine Verspätung von knapp 45 Minuten, über die wir per SMS informiert wurden. Allerdings kam die SMS erst eine Stunde vor Abfahrt. Wie der Busfahrer uns mitteilte, gab er die Information für die Verspätung aber schon am Vorabend bei der Zentrale bekannt, sodass wir die Nachricht schon viel eher hätten erhalten können/sollen.

Grund für die Verspätung war die späte Ankunft am Abend zuvor. Der Bus fuhr am Tag vorher von A nach B und am Tag unserer Reise wieder von B nach A. Durch seine späte Ankunft am Vorabend durfte er erst später als geplant ab B abfahren, da eine Standzeit von 9 Stunden eingehalten werden muss, sodass sich natürlich die gesamte Fahrt nach hinten verschob.

Ich fand das nicht schlimm, da wir genügend Zeit eingeplant hatten, um die Verzögerung locker ausgleichen zu können. Die verspätete SMS hat mich aber schon geärgert, da wir eine Stunde vor Abfahrt einfach schon in Aufbruchsstimmung und fast aus der Tür waren und die SMS schlicht nicht mitbekommen haben.

Natürlich kann man auch wirklich Pech haben und in einen mehrstündigen Stau geraten, schließlich fährt der Bus ja auch über die Autobahnen und Landstraßen, die gerade zu Feiertagen gerne überfüllt sind. Somit ist man diesem Risiko ausgeliefert. Falls möglich, muss man das also mit einplanen.

Da (kurze sowie mehrstündige) Verspätungen aber auch mit der Bahn passieren können, würde ich das nun nicht als Vorteil für die Bahn über den Fernbus werten.

Komfort

Der Bus mit dem wir fuhren war modern ausgestattet. Die Sitze ließen sich verstellen, es gab eine Fußstütze sowie mehr Beinfreiheit als in der Bahn. An Bord befand sich auch eine Toilette, die sehr sauber war und nicht stank. (Im Zug kann man bei den WCs schon einmal Pech haben, wobei das an den Dreckschweinen Mitfahrern aus „hygienefernen Schichten“ liegt. Ich vermute, die Bustoilette zu beschmutzen hat eine wesentlich höhere Hemmschwelle, weil man im Zweifelsfall wissen könnte, wer der Übeltäter war.)

Beim Busfahrer konnte man sich an den Haltestellen auch Snacks und Getränke kaufen; die Preise dafür waren fair.

Gefreut hat mich das Mediaangebot. Mit einem WLAN-fähigen Gerät kann man sich in das Netz von MeinFernbus einwählen und aus einer netten Auswahl an Musikalben, Serien und Filmen auswählen.

Um den Handy-, Tablett- oder Laptopakku muss man sich auch keine Sorgen machen, da es an jedem Sitz eine Steckdose gibt. Somit kann man sich auch auf langen Fahrten ganz gut unterhalten lassen. Gerade WLAN und Steckdosen habe ich persönlich nur im ICE und manchmal im IC erlebt. RE und RB bieten diesen Service nicht.

Die Fahrt war sehr leise und entspannt. Zum einen war der Bus gut isoliert und der Lärm von draußen war nicht zu hören, selbst der eigene Motor nicht. Zum anderen laufen und drängeln eben auch keine Menschen durch den Bus wie im Zug; die Fahrkartenkontrolle, die einen aus dem Schlaf, dem Buch oder der Konzentration reißt, entfällt. Außerdem hat man mit der Fahrkartenbuchung seinen Sitzplatz sicher und muss keine 4,50€ für eine Sitzplatzreservierung bezahlen oder eben hoffen, dass man einen Platz ergattert.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
–          wesentlich günstiger als Bahn und Auto

–          komfortabler und ruhiger als die Bahn

–          Gepäck steht nicht im Gang, sondern wird im Gepäckraum (diebstahl)sicher gelagert.

–          Mediathek als Unterhaltung während der Fahrt

–          keine Überfüllung möglich und sicherer Sitzplatz

–          Service schneller und besser (z.B. Umbuchung kostenlos, kostenfreie Servicehotline, SMS bei Veränderungen)

–          niedrigere Frequentierung als die Bahn

–          Fahrtzeiten auf langen Strecken sind teils deutlich länger

–          Unfallrisiko statistisch höher als bei der Bahn

–          Verkehrsstörungen unterworfen (Stau, Sperrungen etc.)

 Fazit

Diese Strecke werde ich künftig immer mit dem Fernbus fahren, da die Vorteile gegenüber der Bahn haushoch überwiegen. Ich bezahle teils weniger als die Hälfte, fahre genauso lang, habe den Sitzplatz sicher und mir geht kein Kontrolleur, Fahrgastzähler oder Fußballgröhler auf den Sack, da letzterer rausfliegen würde und die anderen beiden sich erübrigen.

Für lange Strecken entscheide ich individuell. Die Relation von Kosten und Dauer spricht nach Berlin etwa für den Bus, nach Hamburg eher für die Bahn. Es gilt nach wie vor (sprich: wie auch bei der Bahn), Angebote zu vergleichen und rechtzeitig zu buchen.

Ich war mit der Fahrt jedenfalls sehr zufrieden, der Brüllmann sogar hellauf begeistert.


P.S.: Sehr lustig fand ich auch die Spucktüte im Bus mit Werbung für das Unternehmen.

CAM03950Ob das so gewollt war oder in die Rubrik „ungewollte Komik“ fällt? 😀

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

8 Kommentare zu „Meine Reise mit MeinFernbus“

  1. Mich hat MeinFernbus schon lange überzeugt. Gerade, wenn man keine Zeitnot hat, ist das wirklich eine Alternative. Von München nach Mannheim oder Heidelberg für 8,- EUR oder für 12,- (wenn ich spät dran war) ist halt auch unschlagbar, vor allem, wenn man fast jede Woche pendelt … Gleichzeitig kann man auch bis eine Stunde vor Abfahrt stornieren!!
    Leider, leider stelle ich einen ziemlichen „Leistungsknick“ fest, seit MeinFernbus mit FlixBus fusioniert hat. Das hm … Niveau der Fahrer hat sich verschlechtert. Da kommen plötzlich gar keine Ansagen mehr, da wird das Radio mit unsäglicher Musik lautgedreht, da werden Verspätungen nicht kommuniziert … sehr schade.
    Aber eigentlich: Fernbus, immer gerne!

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    1. Oh, tatsächlich? Also wenn du mit sowas unzufrieden bist, würde ich aber mal den Service kontaktieren.
      Unser Fahrer (war hin wie zurück der selbe) hat alles schön angesagt und war sehr nett.

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      1. Nunja, nachdem ich den Fernbus ja jetzt nicht mehr brauche, will ich da nicht nachmeckern. Ist ja auch irgendwo kleinlich. Es war halt nur auffällig, dass die Fahrten, wo ich das erlebt habe, nach der Fusionierung unter Flix liefen – und ich vorher bei MFB nur tolle Fahrer hatte.

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    2. Ich durfte heute die Erfahrung mit Gepäckdiebstahl machen. Bei Anruf des Service-Centers wurde ich schon sehr nett darauf hin gewiesen, dass ich mit dem Akzeptieren der AGBs auch jegliche Haftung des Busunternehmens ausgeschlossen habe… Mal sehn, wer mir jetzt den Schaden ersetzt.

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      1. Puh, das ist ärgerlich. Und diese Klausel habe ich tatsächlich gar nicht realisiert. Lese zwar auch das Kleingedruckte immer durch, aber manchmal verstehe ich es, registriere es jedoch gar nicht.

        Andererseits kann ich auch nachvollziehen, dass ein Dumpingpreisanbieter keine Haftung übernehmen will/kann.

        Tut mir leid für dich, dass du diese Erfahrung machen musstest. Vielleicht kannst du mich ja informieren, wie es ausging.

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  2. Also in den Jahren der Fernbeziehung habe ich auch zwischen Mitfahrgelegenheiten und Fernbussen gewählt. Lieber natürlich Mitfahrgelegenheiten, weil die einen gerne auch mal bis vor die Haustür bringen, was sich insbesondere dann gut macht, wenn man erst nach 23 Uhr in der Stadt „landet“.
    Ich bin mit dem Fernbus von München nach Leipzig für 18 Euro gefahren und einmal mit dem ADAC-Bus von Leipzig nach München für 12,90 Euro. Das sind rund 430 Kilometer, ein aus meiner Sicht unschlagbarer Preis. Und auch ich war wirklich angetan davon, dass die Toilette so sauber war. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass das darin begründet ist, dass die ja personenmäßig wesentlich weniger frequentiert wird, in nen Bus passen ja nicht sooo viele Leute und nicht jeder von den Reisenden nutzt auch das WC.
    Manko ist aus meiner Sicht vor allem die lange Reisezeit. Und in München mit dem Bus anzulanden war für mich eher umständlich: Die Ausschilderung zur S-Bahn grottig, die Ausschilderung des Ausgangs grottig (wenn mans dann weiß, isses okay – aber beim ersten Mal fühlte ich mich wie ein Mäuschen, das verzweifelt den Ausweg sucht ;)) – und bis nach Hause noch 2 x umsteigen und 45 min Fahrtzeit bei einer Luftlinie von ca. 1 km. Ich bin 11 Uhr los und war irgendwas nach 18 Uhr daheim. Und war tot 😉 Wenn sie das noch optimiert kriegten (vielleicht als Ziel nicht nur den ZOB haben?), dann bleibe ich ihr Fan.

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