Streik

Deutschland streikt.

Das Jahr ist immer wieder durchzogen von Streikmeldungen. Die Post streikt, Erzieher streiken, die Bahn streikt sowieso und einige andere Bereiche schlossen und schließen sich an.

Es gibt Menschen, die Streiks in gut (Erzieher) und schlecht (Bahn) einteilen, die schimpfen, selbst wenn sie gar nicht betroffen sind oder den Streikenden fiese Dinge an den Kopf werfen und an den Hals wünschen.

Ich finde Streik gut. Streiks sind wichtig. Ein Streik entsteht nicht aus der Laune heraus, sondern hat Auslöser. Dringende Auslöser.

Es gibt in der Gesellschaft ein paar wenige Privilegierte, Glückliche. Die meisten aber sind das nicht. Nein, die meisten werden schlecht bezahlt, mies behandelt oder gar verheizt. Man muss sich nur einmal anschauen, wie viele Menschen trotz Arbeit aufstocken müssen mit Hartz IV, weil sie sich ihr Leben, ihren Alltag sonst gar nicht leisten können. Und da eben jenes Geld knapp bemessen ist, wundert es nicht, dass daraus Fremdenhass entsteht – mehr Menschen, die sich die gleiche Menge Geld teilen, bedeuten doch schließlich weniger Geld für den Einzelnen. Oder? Theoretisch aber ist das Geld vorhanden. Es steckt nur an den falschen Orten fest.

Wir geben denen, die uns mit und durch Fußball unterhalten so viel und jenen, denen wir unsere Kinder, Alten und Kranken anvertrauen gerade genug, sodass sie nicht hungern müssen. Ein bisschen überspitzt formuliert, das gebe ich zu, doch ihr versteht?

Ums Geld geht es aber nicht einmal immer. Es geht auch um schlechte Arbeitsbedingungen. Solche, die zu Überlastung führen durch 4-Schicht-Systeme, 12-oder-mehr-Stunden-Dienste, hohe Betreuungsschlüssel, wenig Unterstützung. Solche, die so krank machen, dass Menschen schon mit Mitte 30 zerschundene Gelenke und kaputte Wirbelsäulen haben. Solche, die zu den „Volkskrankheiten“ führen, deren Ausmaße in der Gesellschaft Experten mit Entsetzen beobachten.

Und von all dem wird in der Öffentlichkeit geschwiegen, es wird hingenommen. Für ein „höheres Gut“ – nur welches? Das des Märchens vom ewigen Wachstum? Für steten Gewinn? Für den Betrieb, die Wirtschaft? Jammern, aber doch nichts ändern?

Weil das eben nicht ewig gut geht und weil schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung (->Wertschätzung!) nicht mit der Mär vom Wachstum erklärt oder gerechtfertigt sind, muss es Streiks geben.

Auch wenn viele Nichtstreikende betroffen sind. Gerade WEIL Nichtstreikende betroffen sind. Ein Streik ist nur dann ein richtiger Streik, wenn es weh tut. Wenn Abläufe gestört werden. Wenn man sieht, wie wichtig jedes für selbstverständlich gehaltene Rädchen ist.

Ja, ich finde Streik gut. Schon lange warte ich, dass unsere Gesellschaft endlich einmal genug hat und sich wehrt. Dass es nicht zu Straßenkämpfen wie in anderen Ländern kommen würde, war mir dabei immer bewusst. Streiks sind legitime Mittel.

Streikt!

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

10 Kommentare zu „Streik“

  1. Ich finde Streik auch gut und wichtig. Ich streike nicht. Weil ich es mir nicht leisten kann und manchmal auch zu sehr wie ein Arbeitgeber denke ( deswegen bin ich nicht gewerkschaftl. organisiert )
    Kollegen von mir streiken auch. Allerdings sind die Wenigsten laut dabei, sondern sie treffen sich um 8 Uhr kurz, um sich in eine Liste einzutragen und gehen dann nach Hause oder ins Schwimmbad. Manchmal gehen sie auch gemeinsam in den Biergarten. Nein, das ziehe ich mir nicht aus dem Finger, das wurde mir von einem Streikenden schon berichtet. Und DAS finde ich megaätzend!! Das hat schon dazu geführt, dass Kollegen die ernsthaft streiken wollten, nicht mehr streiken, weil sie mit der Biergarten-Fraktion nicht mehr in einen Topf geworfen werden wollten. Bei uns sind diese Art der Freizeit-Streiker leider die Mehrheit. Absoluter Gruppenzwang. Ich weiß natürlich, dass das nicht die Regel ist und deshalb sind Streiks gut und wichtig 😉

    LG

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    1. Ich denke auch oft wie ein Unternehmen, bin aber gleichzeitig idealisitisch und sehr gerechtigkeitsliebend. Die Verhältnisse müssen schon ausgeglichen sein und solang sie das nicht sind, muss und darf gestreikt werden.

      Schwarze Schafe hat man leider immer dabei. Dann aber lieber Hobbystreiker als Streikbrecher. Wobei beide blöd sind, imho.

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  2. Liebe Nickel / Brüllmaus.
    Habe deinen Blog gerade entdeckt und begonnen ein wenig zu lesen …
    Der Post hier ist wirklich genial. Ich denke, man kann sich gar nicht oft genug bewusst machen, dass so vieles, was in unserer Gesellschaft als unverrückbare harte Randbedingung, ja quasi als Naturgesetz angesehen wird, letztlich einzig und allein dem Profitstreben dient. Ich halte das Streikrecht gerade auch in der heutigen Zeit für ein äußerst wichtiges Instrument, um das Gleichgewicht zwischen den Interessen beider Seiten nicht noch weiter aus dem Lot zu bringen, als es ohnehin schon der Fall ist.

    Freue mich schon auf das weitere Lesen
    Christian

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    1. Hallo Christian,

      vielen lieben Dank für die Blumen und herzlich willkommen auf dem Blog. Darf ich fragen, wie du hierher fandest?
      (Reines Interesse)

      Das Streikrecht wird nur leider nach und nach, teils unmerklich, teils unter den blinden Augen der Öffentlichkeit, beschnitten. Ich werfe dazu nur das Tarifeinheitsgesetz der DB ein…
      Schauen wir, wohin das führt und hoffen wir, dass wir keine englischen Zustände bekommen werden.

      Liebe Grüße,
      Nickel

      P.S.: Kekse und Kaffee stehen bereit. 😉

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  3. Liebe Nickel,

    natürlich darfst du fragen, wie ich herfand und natürlich bekommst du darauf auch eine Antwort – über die Blogs von der lieben Poesie und vom lieben Zaubermann.

    Vielen Dank übrigens auch für Kekse und Kaffee – sieht verlockend aus.

    Liebe Grüße
    Christian

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