8. Dezember

Loblied auf den Schnupftabak

von Werner Stärtzel

Hier spricht der kluge Weihnachtsmann
das heikle Thema „Laster“ an.
Längst ist bei Jung und Alt bekannt:
Der Laster Summe bleibt konstant!
Das jetzt, mein Freund, wird zum Problem!
Auch ist die Kenntnis nicht genehm
dass das, was Spaß macht, macht auch rund,
ist oft verpönt und ungesund.

Das Trinken, Rauchen, Lieben, Essen
sollst Du beileibe nicht vergessen;
doch um als Laster es zu leben
ist Größenordnung anzustreben.

Rauchst Du zu viel, dann wächst der Husten.
Das Röhrchen färbt sich grün beim Pusten
durch Reste Blut im Alkohol,
im Kopf und Herz ist Dir nicht wohl.

Auch kann man nicht das Glück erzwingen
den Tag mit Essen zuzubringen.
Und was man noch als Laster kennt:
wenn es betrieben ungehemmt,
so ist bestimmt aus Altersgründen
ein braver Kompromiss zu finden.

Nun hör ich Deine Stimme tönen:
„Ich will jedoch dem Laster frönen?“

Da biet ich Dir als kluger Mann
den Schnupftabak zum Ausgleich an!

Er lässt sich in der Tasche tragen,
wird nie wie eine Freundin klagen,
er braucht auch keine Ruheräume,
nicht Dunkelheit, nicht dichte Bäume;

Du musst auf keine Reise gehen,
um ferne Schönheit anzusehen;
Du brauchst nicht durch ein Kaufhaus eilen,
musst keine Süßigkeiten teilen
mit Weib und Kind und Enkelkind;
Dich stört nicht Sonne, Kälte, Wind.

Du sitzt ganz ruhig in Deiner Ecke
und starrst genussvoll hoch zur Decke.
Nach dem Du so Dich vorbereitet,
ein Klümpchen Tabak ausgebreitet,
wird mit dem Nasenloch gezielt,
das Aug’ verdreht, bis dass es schielt,
der Atem vorerst angehalten,
um hohe Saugkraft zu entfalten;
dann wird der Kopf nach vorn gebogen
und Nasenluft schnell hochgezogen.
Das dann noch freie Nasenloch
erhält den Rest der Ladung noch!

Jetzt fängt das Auge an zu tränen;
Du wartest nun mit heißem Sehnen
auf den befreienden Erguss:
Der kommt wie ein Kanonenschuss!

Es zischt und sprudelt, schnäuzt und tönt,
und weithin Deine Freude dröhnt.
Drei Nießer noch, Du bist befreit,
Du bist erleichtert und gescheit.

Nun lass Dir noch in Deiner Ecken
ein Glas mit trocknem Rotwein schmecken;
ein jeder schaut Dir freundlich zu,
ja, dieses Laster gibt Dir Ruh!

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

1 Kommentar zu „8. Dezember“

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