Positionen der AfD

Mit Entsetzen schaue ich auf die Zahlen der gestrigen Wahlen. AfD zweistellig, in Sachsen-Anhalt sogar 24%. Da kann man nur kotzen.

Vor allem wenn man weiß, womit sich diese Partei brüstet und was tatsächlich dahinter steckt. Schauen wir uns doch mal ein paar ihrer Positionen an:

Familie

Die AfD-Chefin Frauke Petry will das „Schrumpfen als deutsches Volk“ verhindern, indem Eltern drei Kinder bekommen. Um dieses Wunschbild einer deutschen Familie zu etablieren, will die AfD “[…] auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.” (Wahlprogramm BaWü, S.29

Im Klartext: Brainwash-Radio (=Enthebelung der Pressefreiheit) und Sollfamilien-Vorgaben, die zudem schon in der Schule eingetrichtert werden sollen. Jetzt überlegen wir mal kurz, wer im Freundes- und Familienkreis doch gleich dem Idealbild Petrys zur „deutschen Familie“ entspricht und 3 Kinder hat. Keine Geschiedenen, keine Patchworkfamilien, keine sonstigen Lebensentwürfe. Merkste? Und wer bezahlt die drei Kinder? Schonmal keine berufstätigen Mütter, denn:

Frauen

Die AfD stellt klar: “[…] Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab.” (Wahlprogramm BaWü,S.6). Zudem befürwortet die AfD eine Volkabstimmung zum Verbot von Abtreibungen, denn: “Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen”, so Frauke Petry im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Dass wir noch immer Frauenquoten nötig haben, um die Diskriminierung der Frau zu unterbinden oder wenigstens zu verringern, ist an sich schon ziemlich traurig und beschämend. Dass sie manchmal genau das Gegenteil erzielt ebenso. Zum Thema Frauenquote könnte man sich ja noch streiten.

Aber tatsächlich das Selbstbestimmungsrecht über den Körper absprechen? Das geht zu weit! Was wäre die Konsequenz? Sicher nicht „Oh, na dann bekomme ich das Kind und bin glückliche Mutti“, sondern wie vor Einführung des §218 (StGB): illegale Abtreibungen nach fragwürdigen und lebensgefährlichen Methoden, Aussetzen des ungewollten Kindes oder gar Kindsmord. Super Idee.

Nicht zu überlesen: Gleichstellungsbeauftragte, die auch dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen, chronischen Krankheiten etc vernünftig integriert werden, mag die AfD ebensowenig wie „staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten“…bitte was? Staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten. LGBT-Bashing wird also wieder Mode? Müssen wir uns denn tatsächlich zurück entwickeln?

Übrigens ist die AfD auch gegen kostenfreie Kita-Plätze. Im Klartext also: Frauen als Heimchen an den Herd. Und brav gebären!

Sexuelle Selbstbestimmung

“Schulbücher, welche die Familie relativieren und zugleich gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen (LSBTTIQ) überhöhen, sollen für den Gebrauch an öffentlichen Schulen nicht zugelassen werden.” (Wahlprogramm AfD BaWü 2016, S. 30). Sex-Darstellungen und Informationen zu Sex-Praktiken sollen komplett aus dem Unterricht gestrichen werden. Die Thüringer Landtagsfraktion forderte gar eine Zählung aller Homosexuellen im Land.

Die Schulbücher, die andere Lebensentwürfe als Heterosexualität überhöhen, möchte ich erst einmal sehen. Was ich bisher gesehen habe klärt lediglich auf. Dass keine Sex-Praktiken gezeigt und erklärt werden sollen halte ich für prüde, denn mal ehrlich: im TV wird ab dem frühen Abend Sex gezeigt, im Internet sowieso; aufgeklärter Sex ist gesünder als unaufgeklärter. Da ist es besser aufzuklären statt zu tabuisieren. Wozu ein striktes Tabu führt, sehen wir in den fundamentalreligiösen Ländern: Unwissenheit führt zu Krankheiten und Schwangerschaften, im Extremfall zu psychischen Traumata, zu sexuellem Frust und dessen Folgen, die auch in Vergewaltigungen gipfeln.

Was im übrigen „gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen“ sind, hat ein Wahlprogramm verdammte Axt nochmal nicht zu bestimmen! Ich will nicht gesellschaftlich relevant leben (und bei Nichtbeachtung dieser engstirnigen Lebensregeln ausgestoßen werden), sondern so, wie ich das für richtig halte. Ob das nun mit 3 Kindern und Ehepartner oder in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft (und adoptiertem Kind) oder mit meinen 12 hypothetischen Katzen ist, hat niemanden zu interessieren.

Mindestlohn

Wir sind gegen einen gesetzlich festgelegten allgemeinen Mindestlohn, so AfD-Chefin Petry im Interview mit der Thüringischen Landeszeitung. Nach Ansicht der AfD könne der Mindestlohn keine verlässliche soziale Absicherung für Geringverdiener leisten “[…] da viele Menschen in prekären Arbeitsmarktsituationen nur wenige Stunden Arbeit haben. Zudem sind diese Arbeitsplätze gerade durch den Mindestlohn gefährdet.” (Europawahlprogramm der AfD 2014, S.14)

Na, wer von den 24% in Sachsen-Anhalt profitiert vom Mindestlohn? Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: mindestens die Hälfte. Passt aber sehr gut zu den Positionen zu Steuersätzen.

Hartz IV und Bürgerarbeit

Die AfD in Baden-Württemberg möchte Hartz IV durch so genannte “Bürgerarbeit” ersetzen: “[…] Bürgerarbeit soll ca. 30 Wochenstunden umfassen und mit ca. 1.000 EUR monatlich sozialversicherungspflichtig entlohnt werden.“ (AfD BaWü, Wahlprogramm S.27)

Langzeitarbeitslose bei Minimallohn (hier 7,69€ brutto) zur Arbeit zwingen. Hat es sogar schon gegeben (2010 bis 2014 unter U.von der Leyen) und wurde nicht grundlos wieder abgeschafft. Zwar fallen die Menschen dadurch aus der Statistik -und schöne Statistiken sind ja so befriedigend- doch außer zu Neid, Geiz, Stigmatisierung und einer Verschärfung der ohnehin komplizierten Lebenswelt Langzeitarbeitsloser führt das zu nichts. Das hat auch der genannte Zeitraum gezeigt: nur ein kleiner Bruchteil hat danach tatsächlich in Arbeit gefunden. Kein Hartz IV, aber seine Sanktionen.

Steuermodel

Die AfD plant eine Steuerreform – eine so genannte „Flat Tax“. „Unser Konzept ist angelehnt an die Ideen von Paul Kirchhof“, so Frauke Petry (siehe auch AfD-Bundestagswahlprogramm 2013, S.2). In dem Kirchhoff-Modell sollen alle die gleiche Einkommensteuer von ca. 25 Prozent bezahlen. Ganz egal ob einfache Krankenschwester oder schwerreicher Millionär.

Ist doch super, da fällt das Rechnen leichter! Laut Kirchhof-Idee fallen auch Vergünstigungen wie die Pendlerpauschale oder steuerfreie Sonn- und Feiertagszuschläge weg. Damit sind alle mit geringem Einkommen, pardon, gefickt. Die Mittelschicht gleich mit. Angst vor sozialem Abstieg?

Geschichtsunterricht

Die AfD in Sachsen-Anhalt will die „Lehrpläne überarbeiten“ und dass im Schulunterricht weniger über die Nazi-Zeit geredet wird: „Eine einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte verstellt den Blick auf Jahrhunderte, in denen eine einzigartige Substanz an Kultur und staatlicher Ordnung aufgebaut wurde.“ (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S.1). Auch soll wieder mehr preußische Disziplin in die Schulen einziehen: “Neben grundlegenden Kulturtechniken müssen deshalb ebenso die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden. Um solche Tugenden zu vermitteln, bedarf es Autorität, weshalb die Stellung des Lehrers auch und gerade schulrechtlich zu stärken ist.” (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S.14).

Ja, sogar pädagogisch will die AfD voll reinhauen. „Unglücksjahre“ nennt die AfD die Nazi-Zeit. Das ist an sich schon ein deftiges rhetorisches Mittel. Die preußischen Tugenden fand man in den letzten beiden Diktaturen übrigens schon klasse. Und Autorität erst!

Edit: Einen hab ich noch gefunden:

„Das klassische Rollenverständnis von Mann und Frau soll durch staatlich geförderte Umerziehungsprogramme in Kindergärten und Schulen systematisch „korrigiert“ werden.“

Kunst und Kultur

“Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen.” (Wahlprogramm AfD Sachsen-Anhalt, S. 24)

Selbst hier will die AfD mitreden. Ich finde die Vielfalt viel schöner. Theater, Museen, Orchester, Musicals etc sollen selbst wählen können, was sie wie aufführen und nicht gezwungen werden, einen „positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern.“ Denn das ist Propaganda.

Klimawandel und Energiepolitik

Die AfD Rheinland-Pfalz fordert ein sofortiges Ende des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kurz EEG (Wahlprogramm AfD Rheinland-Pfalz, S. 9). “In Deutschland geschürte Ängste vor Treibhausgasen und vor der Kernenergie führten und führen zur einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien”, behauptet die AfD Baden-Württemberg (Wahlprogramm BaWü, S. 47). Im Wahlprogramm heißt es weiter: “Aufgrund der deutschen Ausstiegsbeschlüsse befindet sich die gesamte Kernkraft-Branche hierzulande in Selbstauflösung. Baden-Württemberg braucht Kompetenz in Kerntechnik, denn Kerntechnik wird von der Medizin über die Energieerzeugung bis hin in die Industrie vielfältig genutzt. Durch die gesetzlich vorgesehenen Abschalttermine wurden den Betreibern und Zulieferern alle Zukunftsoptionen genommen. […] Mit den Abschaltungen werden das Wissen und die Infrastruktur der Kerntechnik in Deutschland zerschlagen. Bei einer sich ab 2018 abzeichnenden Stromlücke kann dann nicht mehr auf die Kernkraftwerke zurückgegriffen werden.” (Wahlprogramm BaWü, S. 48)

Kurz: Klimawandel gibt es nicht, wir wollen Atom- und Kohlekraft. Was das mit unserem Planeten macht, ist uns egal. Dass wir unseren mit Propaganda angefüllten drei Kindern pro Familie unsagbar viel Atommüll und kaputte Gewässer und Wälder hinterlassen, muss uns nicht kümmern. Fukushima und Tschnobyl waren ganz weit weg, UNS passiert sowas nie!

Asylpolitik und Umgang mit Flüchtlingen

Bevor ich die menschenverachtenden Positionen der AfD in Form von Zitaten seiner Schergen wiedergebe, möchte ich anmerken: Etwa jeder fünfte Deutsche, rund 20% also, hat in den letzten Generationen Flüchtlinge unter seinen Vorfahren. Deutschland ist ein Flüchtlingsland. Und das im doppelten Sinne: nicht nur war es zuletzt im 20. Jahrhundert gleich zweimal (Mit-)Verursacher großer Flüchtlingsströme. Auch hat es sich in seiner Geschichte immer wieder auf, mit und durch Flüchtlinge aufgebaut und entwickelt. Es gibt also gar nicht erst „das deutsche Volk“ und auch unsere Kultur ist nicht rein deutsch.

Die AfD Baden-Württemberg behauptet Bundeskanzlerin Angela Merkel locke „Hunderte Millionen Armutsflüchtlinge nach Deutschland.“ (AfD-Wahlprogramm BaWü, S. 19). AFD-Vizechef Alexander Gauland fordert im Zeitmagazin: „Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. Danach vergleicht er Schutzsuchende mit einem Wasserrohrbruch. Den würde man auch abdichten. Doch es geht schlimmer: Nachdem Frauke Petry vorgeschlagen hat, deutsche Grenzen notfalls mit „Schusswaffengebrauch“ gegen Flüchtlinge zu schützen hatte, legt AfD-Vizin Beatrix von Storch zunächst nach: auch auf Frauen mit Kindern dürfe geschossen werden. Dann ruderte sie zurück – nicht auf Kinder aber auf Frauen und Männer.

Statt also zukunftsweisend zu ergründen, wie die Problematik gelöst werden kann, sodass allen Beteiligten zumindest kein größerer Schaden, vielleicht sogar ein Nutzen entsteht, lenkt die AfD den Diskurs auf den Urschleim und beantwortet die Frage, ob überhaupt irgend etwas getan werden soll, um an der Lösung mitzuwirken, mit nein.

Schießbefehl auf Familien. Sowas hätte ich von der NPD erwartet. Das ist erschütternd, beschämend und macht mich wütend.

Zudem man sagen muss, dass die Flüchtlinge uns auch den Arsch retten können, da unser Sozialsystem ohne Zuwanderung nicht mehr funktioniert. Wir haben zu hohe Ausgaben bei zu niedrigen Einnahmen. Diese Einnahmen erhöhen sich entweder durch extreme Steuern, was rückwirkend jedoch Armut und somit Bedarf erhöht oder eben durch stete Zuwanderung. Beide Parteien, Flüchtlinge wie Deutschland, könnten profitieren.

Aber Arm gegen Arm auszuspielen ist natürlich leichter.

Und zu den Hunderten Millionen: Im Januar und Februar gab es in Deutschland laut BAMF ca. 117.400 neue Asylanträge.

 

Fazit

Die AfD nutzt die Ängste der Menschen aus und schürt Hass. Sie predigen Wasser und trinken Wein: sie behaupten, sich um „das Volk“ zu sorgen und dass „besorgte Bürger“ bei ihnen gut aufgehoben seien. In Wahrheit jedoch wollen sie deren Situationen noch verschärfen, indem sie

Steuern erhöhren,
Löhne senken,
Erbschaftssteuern streichen,
keine Mietpreisbremse einführen,
keine beitragsfreien KiTas etablieren,
Lohnzuschläge an Sonn- und Feiertagen sowie Pauschalen wie die Pendlerpauschale streichen,
Propaganda verbreiten,
Selbstbestimmung einschränken,
Krankenhäuser privatisieren,
Grundrechte aushebeln,
HartzIV-Sanktionen beibehalten und
die Grenzen dicht machen und bewaffnen wollen.

Wer das alles weiß und die AfD dennoch wählt, ist in meinen Augen, sorry, ein menschenverachtendes Arschloch.

Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

8 Kommentare zu „Positionen der AfD“

  1. Ja, ich bin ein Flüchtlingskind.
    Mein Vater war noch ein Baby, als seine Mutter von Oberschlesien nach Bayern flüchtete und schließlich in einer Flüchtlingsunterkunft in Oberhausen landete.
    Meine Mutter war sechzehn, als sie mit ihrer kleinen Schwester, ihrem Onkel und ihrem Großvater 1961 aus der DDR flüchtete.
    Flüchtlingskinder.

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    1. Genau das ist mein Gedanke. Dabei steht alles relativ klar im Programm. Blöd nur, dass kaum jemand Wahlprogramme liest, sondern sich nur von den blöden Sprüchen auf den Plakaten leiten lässt. Dass die AfD dem Großteil ihrer Wähler schaden würde, weiß daher auch kaum einer von eben jenen.

      Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank!
      Du kannst gerne einen Auszug kopieren/zitieren und den Rest verlinken.

      Ich hoffe ja immer, dass Aufklärung was bringt. Dem Kollegen des Brüllmannes, der sonst auf großen AfD-Macker macht, ist jedenfalls das Gesicht entgleist, als Brüllmann mal ein paar der Forderungen genannt hat, die dem Kollegen ordentlich ins Bein schneiden.
      Es braucht mehr davon.

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  2. Toller Beitrag! Ich danke dir! Schade nur, dass die, die da offensichtlich ein Verständnisproblem hatten, hier nicht vorbeikommen werden um sich die Augen öffnen zu lassen *seufz*

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    1. Dankesehr für die Blumen!
      Selbst wenn es nur einer liest, der sich dann umentscheidet, war es nicht für die Katz‘.
      Allen anderen, die mit sturköpfigen AfD-Wählern zu diskutieren haben, gibt es vielleicht das eine oder andere überzeugende Argument.

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