Ostern, Religion und Eiersuchen

Beim Webmasterfriday ist Osterpause, doch der liebe Martin ließ uns einen Themenvorschlag zurück: Gehören christliche Themen (wie etwa Ostern) in einen „normalen“ Blog? Gilt das Prinzip der Religionsneutralität?

Für mich kommt das ganz darauf an, welche Art von Blog man betreibt. Persönlicher Blog: anything goes. Hat man einen geschäftlichen Blog, kann man natürlich frohe Ostern wünschen, aber alles was darüber hinausgeht hat meiner Meinung nach nichts dort verloren. Außer natürlich, es handelt sich um einen religiösen Blog. Aber die sind ohnehin…speziell.
Auch wenn der geschäftliche Blog eher persönlich aufgemacht ist, also etwa ein Modeblog, der von diversen Firmen gesponsert wird, sollte sich dort meines Erachtens zurückgehalten werden.

Gerade Religion ist in den letzten Monaten ein sehr heikles Thema geworden. Man muss nur Islam sagen und das Gegenüber ist in Schockstarre. Witzelte man noch vor zehn Jahren über die Paranoia der Amerikaner, bewirken Hetze und Propaganda dasselbe nun hierzulande. Doch das ist ein anderes Thema.

Vielleicht kennen ja einige von euch die Religion is like a penis-Tafel:

billboard-religion-penis-feature

Genau so sehe ich das. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand religiös ist; geht mir dieser jemand jedoch damit auf die Nerven, belästigt andere oder schiebt die Religion vor, um idiotische Dinge zu tun, hört der Spaß auf. Keine Ausnahmen.

Jedoch kommt etwas derzeit zu kurz: Kommunikation und Diskurs. Wenn mir jemand negativ auffällt und das mit Religion entschuldigt, dann rede ich mit dieser Person, frage nach. Manchmal öffnen sich dann ganz neue Welten. Wobei wir beim Thema Wirklichkeit sind: Jeder nimmt nur einen ganz bestimmten Teil der Welt wahr, je nachdem wie er erzogen wurde, was er erlebt hat, was für ihn wichtig oder unwichtig ist. Jeder Mensch hat seine eigene Wirklichkeit. Das heißt auch, dass es nicht DIE EINE Wirklichkeit gibt, sondern eben verschiedene Versionen davon. Das vergessen viele und halten ihre Weltsicht für allumfassend.

Ich habe diese Tatsache jedoch akzeptiert und frage nach. Das bringt mich jemandes Wirklichkeit ein Stück näher. Manchmal verstehe ich ihn dann besser. Manchmal nicht. That’s life. Für ein Arschloch kann ich die Person im Zweifel dann weiterhin halten; nur dieser Diskurs, dieses Annähern aneinander, DAS finde ich wichtig und das sehe ich „da draußen“ nur selten.

Genug Negativität. Zum Schluss möchte ich gerne eine Ostererinnerung mit euch teilen.

Es ist nun schon zehn Jahre her. Ich hospitierte in einer privaten Grundschule, die Ganztagesunterricht praktizierte. Im Oktober hatte ich zusammen mit einer anderen Praktikantin angefangen, mit der ich mich anfreundete; war zu Ostern also schon etwa 5 Monate dort und habe die Kinder in mein Herz geschlossen.

Es war die Woche vor Ostern. Das Schulhaus war bunt dekoriert, die Sonne strahlte und die Natur erblühte bereits. Meine Kollegin und ich wurden ins Lehrerzimmer beordert, während die Kinder fleißig über ihren Mathe-, Deutsch- und Naturkundeaufgaben schwitzten. Uns wurde die Ehre zuteil, bunte Osterkörbe zu füllen und diese schließlich zu verstecken. Doch leider hatte man nicht bedacht, dass Osterkörbe für fast 100 Kinder zu gestalten nicht in einer Stunde getan ist. Und so verbrachten anderePraktikantin und ich den gesamten Vormittag damit, zu schnibbeln, zu dekorieren und Schleifchen zu binden.

Die Rektorin Zeit drängte und so ließen wir das Frühstück ausfallen, was eine fatale Entscheidung war, wie sich später herausstellte. Doch das war uns egal, wir hatten einen Auftrag zu erfüllen: strahlendes Kinderlächeln zaubern. Die Mission nahmen wir ernst.

Als wir endlich fertig waren, war es bereits Mittagszeit, die Kinder gingen in ein anderes Gebäude zum Essen; in der Zwischenzeit verteilten wir hungrig die Körbchen, versteckten hier ein buntes Ei und dort einen Schokohasen. Mir hing der Magen in den Kniekehlen; meine Laune sank in den Negativbereich.Wie ich unsere Vorgesetzte in dem Moment für ihre Unfähigkeit Zeitabläufe zu planen hasste!

Doch die Kinder kamen vom Essen zurück (ohne uns), verstanden wortlos, suchten und fanden. Diese strahlenden Kinderaugen, die Freuderufe bei einem gefundenen Osternest, das glücklich-zufriedene Schokoladeschmatzen machte all den Ärger, all den Frust wett.

Ich denke noch oft an diese Momente und an die Kinder. Wo sind sie wohl heute? Die letzten dürften dieses Jahr ihren Abschluss machen, viele sind wohl schon in Ausbildungen, vielleicht auf Reisen, vielleicht studiert der eine oder die andere, wer weiß das schon?

Seither verbinde ich Ostern mit Sonnenschein und lachenden Kindern und freue mich.


Was bedeutet euch Ostern? Feiert ihr klassisch-religiös? Kehrt ihr bei euren Familien ein? Dekoriert ihr, versteckt Osternester? Beschenkt ihr andere zu Ostern?

Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Frohe Ostern an alle, eine schöne Zeit und macht euch schöne Erinnerungen!

11-04-17_no499_osterhaseMehr schöne Cartoons gibt’s bei Lachhaft.

Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

6 Kommentare zu „Ostern, Religion und Eiersuchen“

  1. Ich feiere Ostern eigentlich nicht. Im Büro habe ich eine kleine Gruppe mit Hasen- und Kükenfiguren aufgebaut, zuhause gibt es gar keine Oster. Sonntag fahren wir zu den Eltern meines Freundes zum Kuchenfassen, aber das war es auch schon. Ostergeschenke gibt es bei uns nicht.
    Ich genieße einfach nur die freien Tage.🙂

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  2. Bezüglich Religion geht es mir wie Dir. Und wo ich früher eher noch dachte, lass mal jedem das Seine und misch Dich grundsätzlich nicht ein, so bin ich da heute sensibler und artikulierter geworden.

    Deine Ostergschichte gefällt mir ganz gut und bringt mich ebenso zum Strahlen😀 Schön, so schön. Ich selber feiere Ostern gar nicht, mir gefällt aber die bunte Stimmung. Es sind ein paar wenige Kindheitserinnerungen vorhanden, welche mich jedes Jahr aufs neue stupsen. Wie gross mir z.B. der Schokohase damals noch vorkam. Und die Blumen auf der Wiese… *hach* Sie gehören zusammen mit den Gefühlen des Erwachens, des Aufblühens, mit dem Frohgesang der Vögel und dem Duft lauerer Nächte. Ostern ist ein Teil des Frühlings für mich und wäre es nicht mehr, es würde mir wohl fehlen. Nicht zuletzt sind ja auch die Hasen und buten Eier ganz anmutig ^_^

    Ich wünsch Dir eine wunderschöne Osterzeit🙂

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    1. Dankesehr!
      Ja, mit dem Erwachen sprichst du etwas an, das mir auch sehr gut gefällt. Und bisher waren auch mehr Ostertage sonnig als verregnet; immer wieder mein kleines „Osterwetterwunder“ ^^

      Dir auch eine schöne Osterzeit!

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  3. Ich verbinde mit Ostern den Frühlingsanfang. In meiner Familie mütterlicherseits ist Religion nicht unwichtig, und daher waren die vier Ostertage und dazu auch noch der Palmsonntag eine Woche zuvor ein großes Ding. Genauso groß wie Weihnachten. Tatsächlich ist es mittlerweile das einzige Fest bei dem sich die ganze Familie noch trifft und deshalb mag ich es🙂 Und meine schönste Erinnerung ist prompt auch die in der meine beiden kleinen Cousins überglücklich im Park Eier sammeln und sie teilweise mit Papier vertilgen❤ Ach und die Erinnerung in der mein Opa die (Schoko-)Eier im Garten versteckte und dazu eine Karte malte, für sich zur Kontrolle, damit mein Bruder und ich nur ja keins übersahen😀 Mein Opa glaubte seit dem Krieg nicht mehr an Gott, aber er glaubte immer an seine beiden Enkel🙂 *schwelg* Frohe Ostern. Oder einfach ein schönes, langes Wochenende🙂

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    1. Oh ja, das klingt wirklich schön. Auch das Zusammensein in der Familie. Darüber freue ich mich auch jedes Mal wieder; meine Familie ist klasse.
      Ostern so groß wie Weihnachten kann ich mir gar nicht vorstellen. Beschenkt ihr euch gegenseitig? (Nicht, dass das jetzt falsch rüber kommt; für mich sind weder Ostern noch Weihnachten Geschenke nötig. Andererseits liegt es nahe und ich kenne Familien, die sich Ostern mit Geschenken überhäufen.)
      Liebe Grüße!

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      1. Früher gab es zu Ostern tatsächlich allerhand Geschenke – wobei ich auch immer wieder finde, dass wir ansonsten nicht gerade verwöhnt waren und Geschenke zu Ostern (Frühjahr)/Geburtstag (beide im Mai)/Weihnachten (Jahresende) echt nötig waren um sowas wie den Grundbestand an Spielsachen und Sportausrüstung (Spikes für Leichtathletik, Tennisschläger, Knieschoner fürs Volleyball) zu sichern. Zwischendurch gab es bei uns nämlich nie was – meine Eltern wollten, dass wir lernen auf Sachen zu warten und uns gut zu überlegen was wir wollen. Hat übrigens null geklappt😀 Seit wir erwachsen sind gibt es keine Geschenke mehr, aber wir bebacken uns alle gegenseitig zum Familienessen. So seltsam das klingt, mit dem Alter kam tatsächlich diese „Einsicht“, dass das Besondere zu diesen Festen die Zeit ist, die man sich schenkt🙂

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