Vorbereitet unvorbereitet

Pränatale Gedanken

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Gestern schon war der letzte Geburtsvorbereitungskurs und ich bin ein bisschen wehmütig, ziemlich erstaunt über das Rasen der Zeit und sehr froh, teilgenommen zu haben. Jeder Schwangeren, die Sorgen und Ängste hat -oder einfach nur Schiss, so wie ich, als der Kurs begann- kann ich nur ans Herz legen, sich zu einem Kurs anzumelden. Wir haben viel gelernt, auch was man nicht in Ratgebern oder Internetportalen findet. Wir haben viel gelacht, auch über Dinge, die man wohl nur als Schwangere versteht. Und wir haben gesehen, dass wir weder mit unseren Zipperlein noch mit unseren Befürchtungen allein sind. Das beruhigt!

Zum Schluss der Sitzung trugen wir schließlich zusammen, was wir glauben, das uns erwarten wird – sowohl positiv als auch negativ. Und das fand ich doch so toll, dass ich hier einmal „laut“ darüber nachdenken möchte.

Kennenlernen: Da ist ein ganz neuer Mensch mit ganz eigenem Charakter entstanden und ich werde die Ehre, das Privileg, aber auch die Pflicht haben, das Mäuschen beim Wachsen und Gedeihen zu begleiten, zu erziehen und zu unterstützen. Wie wird es sein? Welche Interessen wird es haben? Welche Talente und welche Schwächen?

Partnerschaft: Wir sind ein gutes Team und ich weiß, dass wir beide gute Eltern sein werden und uns immer bemühen werden. Doch wie wird es zwischen uns? Werden wir uns entfremden? Wird es Eifersucht geben? Was ist, wenn wir in Erziehungsfragen unterschiedlicher Meinung sind?

Der Papa: Jedoch bin ich schon positiv gespannt, wie Daddy mit unserem kleinen Menschlein sein wird. Ich hatte keinen Vater, ich weiß nicht, wie ein Vater ist und nur ungefähr, was für mich einen Vater ausmacht. Ich vertraue ihm, doch diese Konstellation ist für mich ja doch neu, auch wenn es vielleicht merkwürdig klingt.

Ich hätte übrigens auch nicht gedacht, dass es mich doch so beeinflussen würde – denn ja, die Angst, dass Mr. English genauso abhauen könnte wie es mein Erzeuger getan hat, die sitzt eben ganz tief in mir drin. Auch wenn ich ihm noch so vertraue und von Herzen weiß, dass er uns nicht sitzen lassen wird; eine schon in frühester Kindheit (oder sogar davor) gesäte Angst lässt sich eben nicht weghoffen.

Kuscheln: Ein Gedanke, der mich schon jetzt im siebten Himmel schweben lässt, ist die Kuschelzeit. Ja, Wochenbett wird sicher anstrengend, ich muss heilen und lernen, wie man so ein Baby eigentlich versorgt. Aber kuscheln, das kann ich! Ich bin geradezu ein Kuschelfan, nein Kuschelprofi!

Liebe: Diese bedingungslose Liebe, von der immer geredet wird? Die fühle ich schon jetzt. Ich bin total verknallt in das Mäuschen, das ich eigentlich noch gar nicht kenne. Ist das nicht Wahnsinn?

Selbstzweifel: Wie werde ich mich anstellen? Was mache ich, wenn…? Diese riesige Verantwortung, die man eingeht, wenn man ein Kind bekommt, kann das eigene Ego ganz schön beschäftigen.

Intuition: Eine Sache, die mich total fasziniert, ist dass man manche Dinge ganz automatisch tut, einfach weil es sich richtig anfühlt. Die Muttis in der Gruppe, die schon ein Kind haben, bestätigten auch, dass die Intuition in der Erziehung und vor allem in der ersten Zeit schon enorm hilfreich ist. Wäre ja auch doof, wenn man für jeden Handgriff ins Lehrbuch schauen müsste. 😉 (Erziehungsratgeber und dergleichen habe ich übrigens bisher gar nicht angefasst.)

Unerwünschte Ratschläge: Einen Ratschlag kann man gut finden oder eben nicht. Ganz unabhängig davon gibt es zwei Sorten von Ratschlägen. Die, bei denen man erkennen kann, dass das Gegenüber es tatsächlich gut meint und helfen möchte. Ja, auch die können unerwünscht sein und nerven. Jedoch bevorzuge ich diese den übergriffigen Ratschlägen, die hauptsächlich sagen, dass man alles falsch macht und das doch ganz anders geht. Meistens kommen solche von Fremden die meinen ihren Senf dazugeben zu müssen. Die Pest!

Mutti sein: Ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bin ich gerne Mutti, kümmere mich, liebe und umsorge. Das konnte ich schon im Freundeskreis gut, bei meinen Haustieren oder im FSJ. Andererseits ist „Mutti“ irgendwie auch ein soziales Stigma. Man wird permanent beobachtet und beurteilt. Teils verliert man an Selbst – man ist eben nicht mehr Marie oder Brunhilde, sondern „die Mutti von“. Und grundsätzlich ist man immer, egal was man tut, in den Augen mancher eine furchtbare Rabenmutter.

Tribe3

Diese Liste kann man sicher noch ewig fortsetzen. Es hat mir geholfen, ein bisschen meine Gedanken zu sortieren und vor allem beruhigt zu sehen, dass es den anderen auch so geht. Ich fühle mich besser vorbereitet als noch vor den Kursen, habe Angst abbauen können und liebe Menschen kennen gelernt. Bis zum letzten vorbereitet sein kann man wohl ohnehin nicht – selbst nach 5 Kindern sind ja jede Geburt und jedes Kind letztlich wieder völlig anders und ganz neu.

Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

4 Kommentare zu „Vorbereitet unvorbereitet“

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