Freitagsfragen

1.) Wie stellst Du Dir das Leben in 50 Jahren vor?

2.) Wie alt fühlst Du Dich?

3.) Was gibt Dir in schweren Zeiten Halt?

4.) Die Wahl der Qual: Lieber ein Date mit jemandem, der niemals lacht oder mit jemandem, der keine Konversation aufrecht erhalten kann?

Ein schönes Wochenende euch allen!

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NEIN!!!

„Wir müssen dann mal schauen, ob wir weiterhin nur Ultraschalls machen, oder ’mal reingucken“ sprach’s und verschwand.

Ich stehe mit dem Mäuschen auf dem Arm da wie angewurzelt und fühle mich vor den Kopf gestoßen. Man sollte meinen, ein Professor für Kinderradiologie habe etwas mehr Empathie, aber vielleicht ist er auch nach Jahren seiner Arbeit abgestumpft, ich weiß es nicht. Wie ich es hasse, wenn ein einfacher Kontrolltermin zu einer Stressbelastungsprobe wird. Völlig unnötig zudem.

Kurz und knapp übersetze ich, was der Prof uns da gerade an Informationsbrocken hingeworfen hat, aber wohl genauso trocken, wie ich es gesagt bekam, weil ich das Ganze noch gar nicht verarbeitet habe. Mr. English reagiert wie ich sparsam auf die Worte.

Wir gehen weiter zum nächsten Termin, auch eine Spezialistin und Professorin, aber noch spezialisierter als der Prof und ich bin erneut* so unfassbar froh, dass wir sie haben. Wir kennen sie bereits seit der Schwangerschaft, während der sie uns sehr beruhigt hat mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung. Sie nimmt auch heute meine Sorgen, indem sie mir zustimmt, wie unsinnig und unnötig eine Operation beim Mäuschen wäre, denn außer „mal gucken“ gibt’s da eben nichts zu machen. Wie an anderer Stelle gesagt ist des Mäusekinds Situation nicht lebensbedrohlich, wir können keine Einschränkungen in irgendetwas feststellen. Stattdessen ist das kleine lustige Mädchen aufgeweckt und entwickelt sich rasend schnell.

Und weil ich in der Situation nicht in der Lage war, es zu sagen, hole ich es nun nach: Nein, Herr Professor, wir werden ganz sicher keine Operation an unserem Baby durchführen lassen, nur damit man „mal gucken“ kann! Für Sie ist das vielleicht ein interessanter Fall. Für mich ist dieses kleine quietschende, aufgeweckte, neugierige kleine Wesen mein Alles.


*Erneut, da der Prof diese Unsitte schon beim letzten Kontrolltermin abgezogen hat. Grrr!

Eingebrockt

In den Blogs und auf Sozialen Medien lese ich viele erschrockene, bittere, wütende Stimmen. Ich fühle mit und bin doch gleichzeitig erleichtert, dass es so viele Stimmen sind, die sich gegen die AfD aussprechen.

Jedoch bringen mich einige Meinungsbekundungen zum Nachdenken. AfD-Wähler als dumme Nazis zu bezeichnen – hat nicht gerade das diejenigen in eine Ecke gedrängt und somit einen Diskurs unmöglich gemacht?

Zumal das Nazi-Argument meiner Meinung nach nicht zieht. Die einen wählten die Partei gerade deshalb, den anderen war es schlicht egal, welche Aussetzer sich Gauleiterland und Co geleistet haben.

Dass sich der Großteil der Wähler nicht mehr mit dem Wahlprogramm beschäftigt, sondern sich auf Ausschnitte in Medien sowie auf Wahlplakate beschränkt, ist ein alter Hut.

Um so wichtiger wäre es gewesen, die Nazikeule mal wieder einzustecken und darauf zu konzentrieren, den Menschen nahzubringen, was sie mit der Flüchtlingspolitik der AfD, die meiner Vermutung nach Hauptargument für deren Wähler darstellte, mitwählen. Einen Auszug gibt es bei Mimikama. Dass das meiste davon genau das Gegenteil dessen ist, was der Ottonormalwähler sich in einem Staat erhofft, in dem man gut und richtig leben kann, habe ich bereits gesagt.

Die Regierung hat es versäumt, die Menschen, die sich vor der „Flüchtlingsflut“ fürchteten und sich bedroht sahen (was man ihnen nicht verübeln kann), zu beruhigen und sensationsfrei zu erklären, was geschieht. Stattdessen wurde der Klatschpresse die Oberhand in der Berichterstattung gelassen. „Flüchtlingswelle“ und „Immirantenflut“ sind dabei Worte, die lediglich der Stimmungsmache dienten – GEGEN die AUfnahme von Flüchtlingen – und das Szenario verschärften.

Die Regierungsvertreter um Merkel haben es versäumt zu betonen, wie einzig und allein richtig und menschlich Merkels Entscheidung war. Es waren schwere Entscheidungen und es war abzusehen, dass viele Bürger damit unzufrieden sein würden, stört es doch das heile Heimatbild mit den immergleichen Menschen.

Die Verteilung der Flüchtlinge war vielerorts taktisch beschissen (pardon) – ich weiß um kleine und kleinste Dörfer und Städte, die plötzlich, d.h. ohne Ankündigung und innert weniger Tage, mit Wohncontainern bestückt wurden, in die mehr Flüchtlinge gesetzt wurden als die Region Einwohner hatte. Ja, ein Menschenleben geht immer vor den Wohlfühlfaktor eines anderen, jedoch gab es da so viele konfliktverschärfende Momente, dass ich zwar die Meinungen nicht teile, die negativen Stimmungen aber nachvollziehen kann.

Und zu guter Letzt hat eben auch jeder versagt, der die Ängste und Sorgen der „besorgten Bürger“ nicht ernst genommen, sondern verlacht hat. Ja, hin und wieder war auch ich dessen schuldig und das war dumm. Ich habe mir aber auch sehr oft den Mund fusselig geredet und damit bei ein oder zwei Menschen etwas bewirkt. Es hat mich viele Nerven gekostet und ab und an zweifelte ich an der Menschheit.

Wer als Idiot bezeichnet wird, denkt sich nicht „Oh ja, vielleicht bin ich ein Idiot. Ich werde in mich gehen und über meine Position nachdenken.“ Wer als Idiot bezeichnet wird, macht dicht. Verständlicherweise.

Was ich sagen will: es gibt so viele Gründe, warum die AfD dermaßen erfolgreich war. Wir haben uns die Suppe (mit) eingebrockt. Um sie auszubrocken, sollten wir aufhören mit k.o.-Floskeln wie „dumm“ und „Nazi“ um uns zu werfen und stattdessen anfangen einen offenen Diskurs zu suchen.

 

Wahlsonntag

Ich war heute wählen. Noch nie habe ich mich so unwohl gefühlt dabei wie an diesem heutigen Sonntag im September 2017. Das Recht zu wählen halte ich sehr hoch, es ist mir wichtig und Menschen die nicht wählen gehen, weil sie einfach keinen Bock haben, sind mir suspekt. Bisher war ich immer gerne wählen, ob Landtags-, Bundestags- oder Europawahl, ebenso bei Stura- und Fachschaftswahlen an der Uni war ich immer dabei.

Wie gesagt war ich auch heute wählen, das tue ich selbstverständlich, aber ich hatte ein flaues Gefühl im Magen. Grund dafür ist, wer mich kennt weiß es, die AfD. Wenn ich nur diese drei Buchstaben sehe, dreht sich mir der Magen um und ich werde wütend. Wütend, weil sie so ganz offensichtlich lügen und doch munter wie die Rattenfänger Leute in ihren Bann saugen mit Floskeln, die mit ihren eigentlich Parteizielen im Programm kaum etwas zu tun haben, sondern klar der Werbung dienen und nichts weiter.

Sie nennen sich Alternative für Deutschland und sind doch nix anderes als eine noch rechtere CSU, die Sozialleistungen kürzen und den Mindestlohn abschaffen wollen, damit man die Leute auch wieder für 5€ brutto einstellen kann, während sie auch noch behaupten, die Partei für den deutschen Michel zu sein. Nee, nicht einmal für den Mittelstand sind sie gut.

Sie kotzen mich an, wenn sie in meine Stadt kommen, alles lahmlegen und ihren Hass ins Mikrofon schreien. Sie kotzen mich an, wenn sie ihr uraltes Rollenbild propagieren. Sie kotzen mich an, wenn ihre Anhänger „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ gröhlen und dafür noch Applaus bekommen, weil rassistisch, faschistisch und sexistisch zu sein jetzt wieder vorzeigbar geworden ist.

Das ist nichts, was ich meiner Tochter, die noch so unschuldig und unbescholten ist, mit auf den Weg gegeben wissen will. Sie soll nicht in einer Welt aufwachsen müssen, in der Menschen wieder nach ihrem Aussehen und Geschlecht und nicht mehr nach Leistungen und Auftreten beurteilt werden. Das haben wir doch lange hinter uns gelassen, so lange darum gekämpft, auch denen eine Chance zu geben, die nicht im Wohlstand geboren wurden, die nicht das Glück eines berühmten Namens hatten oder die im Leben einen teuren Fehler gemacht haben. Wollen wir das wirklich aufgeben für eine Partei voller Hassredner? Ich will es nicht.

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Freitagsfragen

1.) Wie viele Jahre schon dauert Deine längste Freundschaft?

2.) Gilt für Dich die Redensart „Eine Hand wäscht die andere“?

3.) Könntest Du ein Jahr ohne andere Menschen aushalten?

4.) Die Wahl der Qual: Die Zahnpasta fällt ständig von der Zahnbürste oder komplexe, unmerkbare neue Passwörter ausdenken müssen?

 

Ich wünsche euch ein entspanntes Wahlwochenende!

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