In der Krise

Ein Rant

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Mir geht es nicht so gut. Ehrlich gesagt, sobald ich etwas Zeit zum Nachdenken habe, geht es mir recht beschissen.

Ich habe keinen Abschluss, mit dem ich eine auch nur halbwegs vernünftig bezahlte Stelle finden würde, müsste ich mich bewerben. Ich habe keine Ahnung, was nun mit meinem Studium wird und diese Woche werde ich darauf auch wohl keine Antwort mehr bekommen.

Ich fühle mich von meiner Familie ausgegrenzt, denn wenn sie sich mal zum Grillen oder ähnlichem Treffen, erfahre ich das höchstens im Nachhinein. „Schön war’s!“ Ja, schön wär’s für mich sicher auch gewesen. Aber hey, ich kann ja ohnehin nicht wirklich weg – ich wüsste weder, wie ich hinkommen, noch wo ich schlafen sollte. Im Elternhaus ist schlecht, da ich leider sehr stark auf die Hunde und Katzen meiner Eltern allergisch bin und mich Antihistamine gerne ausknocken. Und dann ist es schlecht, mich am nächsten Tag um das Mäuschen zu kümmern. Ohnehin wäre mir das aktuell nur möglich, wenn Daddy mit dem Mäusekind zu Hause bliebe.

Meine Freunde führen ihr eigenes Leben. Ich freue mich ganz ehrlich und völlig neidlos für sie. Aber sie fehlen mir. Und es ist gerade so schwer, sich mal zu treffen. Klar kommen auch wieder andere Zeiten, wo das kleine Mädchen vielleicht einmal von einem Babysitter betreut werden könnte. Aber ich leide jetzt einfach darunter. Ich hab‘ Entzug.

Ich fühle mich ehrlich komplett überfordert mit sämtlichem Behördenkram. Der ganze Scheiß um Geldanträge, diese und jene Anmeldung, nebenbei noch Auslandskram für Mr. English und naja hin und wieder auch mal für mich selber, ich schaffe das einfach nicht. Und so oft kommen mir irgendwelche Dinge gegen die Schienbeine geschleudert „das hätten Sie aber auch schon längst ausgefüllt haben müssen!“ Ja halt doch die Fresse und koch‘ Kaffee, ich nehme einen mit Schuss, danke.

In der Wohnung fühle ich mich manche Tage wie im Gefängnis, aber Elan habe ich auch keinen. Wir wechseln uns ab, der Engländer und ich, und manchmal hab ich das Gefühl, dass wir dabei uns als Paar ein bisschen vernachlässigen. Andererseits ist es auch schön, entweder die Nacht oder den nächsten Tag „kindfrei“ zu haben und so richtig am System rütteln wollen wir dann halt auch nicht. Trotzdem fühle ich mich mancher Tage sehr allein. Er sich auch. Wir sind schon blöd, eigentlich.

Wann ich das letzte Mal richtig, also so RICHTIG geschlafen habe weiß ich auch nicht. Und zwar nicht aus Erschöpfung, sondern einfach so, weil ich müde war und Schlaf brauchte und dann hatte ich welchen und dann war ich am nächsten Tag frisch und hatte keine Augenringe und Kopfsausen und Rückenschmerzen von der beschissenen Matratze, die ich am liebsten aus dem Fenster werfen würde.

Apropos neues Zeug bestellen: Nach nur 5 Monaten hat mir der VEB schon mein Rollo für’s Kinderzimmerfenster geschickt*. Da soll nochmal einer sagen, die Planwirtschaft würde nicht funktionieren!

Fröhlichen Reformationstag.

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Bild von Felicity_Kate11 @ Pixabay

*Sogar in Wunschfarbe, also so halbwegs. Gab schon Schöneres, aber man soll sich ja mit dem zufrieden geben, was da und bezahlbar ist.

Sonntagsantworten

Oder Montagsantworten? Ich bin verwirrt!

Ich selbst beantworte einfach auch nach einiger Zeit mal wieder die Freitagsfragen, auch wenn es diesmal Sonntagsfragen waren. 😉

1.) Welches Buch, welcher Film, welche Serie, welche Musik hat oder haben Dich in jungen Jahren begleitet und geprägt?

Musik war schon immer ganz groß für mich und seitdem ich mich erinnern kann, liebe ich die Spice Girls. Bevor ich Englisch verstand, habe ich einfach losgeträllert, was ich für mich verstanden habe. Als Englischlernen dann anfing, haben mir die Spice Girls (und andere Bands) geholfen – ich druckte mir Songtexte aus und übersetzte sie mir und da ich sie meistens sehr schnell ohnehin auswendig konnte, lernte ich ganz nebenbei noch neue Vokabeln. Das Kuriose war, dass frisch gelernte Vokabeln aus Songtexten häufig bald im Unterricht drankamen. Unheimlich, aber auch unheimlich praktisch. 😉
Nebenbei fand ich diese ganze Girl Power Bewegung einfach toll. Meine Mutter hat mich sowieso dahingehend erzogen, dass Mädchen auch alles machen können, was Jungs machen. So konnte ich mit Autos spielen und mit Pfeil und Bogen durch den Garten streifen und auf Kartons schießen, ohne mir anhören zu müssen, dass sich das für Mädchen doch nicht schickte. Die Spice Girls haben mich dahingehend noch bekräftigt. Dass manche Eltern, Lehrer und dergleichen tatsächlich einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen machen, habe ich erst sehr viel später erfahren – und verstehe es bis heute nicht, wie man sich so haben kann.

Ich habe Bücher verschlungen,  seitdem ich selbst lesen konnte und das hat mich insofern geprägt, dass ich schon in jungen Jahren einen großen Wortschatz hatte, mich gut ausdrücken konnte, Rechtschreibung im Schlaf beherrschte und ich, wenn ich es wollte, auch unheimlich geschwollen schreiben konnte. Außerdem verstand ich neue Texte ohne Not, auch wenn sie Fremdwörter oder alte Redewendungen enthielten.

An Filmen liebte ich alle Disneyfilme, die mich in meinem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bestärkten. Dass nicht alles im Leben Disney ist, habe ich aber auch sehr bald gelernt.

2.) Kannst Du über Dich selbst lachen?

Auf jeden Fall! Und manchmal bringt es mich aus schlechter Laune oder einem miesen Tag heraus.

3.) Würdest Du gern viele Höhepunkte erleben, auch wenn das hieße, dass Du ebenso viele Tiefpunkte durchleben müsstest?

Ja. Durch die Einnahme von Antidepressiva vor einige Jahren weiß ich wie es ist, gar keine Gefühle, keine Regungen zu haben. Wenn einen nichts hebt, man weder glücklich noch traurig sein kann, es nichts gibt, das einen bewegt, ja dann ist alles Nichts.

Wobei man natürlich bedenken muss, dass ein Mensch nur so viel Resilienz besitzt. Man hat herausgefunden, dass diejenigen glücklicher sind, die schon ein paar Schicksalsschläge verkraften mussten als jene, die unbeschwert durchs Leben gegangen sind. Je mehr ein Mensch aber ertragen musste, desto wahrscheinlicher wurde es, dass er eben nicht mehr resilient, also widerstandsfähig genug war, um alles zu verkraften.

4.) Die Wahl der Qual: Nach Eiern stinken wenn Du rülpst oder eine gut sichtbare grüne Wolke erscheinen, wenn Du furzt?

Dann doch lieber nach Eiern stinken. Normalerweise ist das schnell verflogen und vor allem kann man es besser verstecken als eine grüne Furzwolke.

Sonntagsfragen

Da ich euch die Freitagsfragen nicht zwei Wochen hintereinander schuldig bleiben will, sind sie heute einmal zu Sonntagsfragen geworden. Aber keine Sorge, das hat nix mit Politik zu tun; der letzte Wahlsonntag liegt den meisten ja noch schwer im Magen.

Lehnt euch eingekuschelt und mit einer heißen Tasse Tee, Kaffee oder Kakao zurück, lasst den Sturm da draußen Sturm sein und lasst die Gedanken schweifen:

1.) Welches Buch, welcher Film, welche Serie, welche Musik hat oder haben Dich in jungen Jahren begleitet und geprägt?

2.) Kannst Du über Dich selbst lachen?

3.) Würdest Du gern viele Höhepunkte erleben, auch wenn das hieße, dass Du ebenso viele Tiefpunkte durchleben müsstest?

4.) Die Wahl der Qual: Nach Eiern stinken wenn Du rülpst oder eine gut sichtbare grüne Wolke erscheinen, wenn Du furzt?

Ein schönes Restwochenende und erholsame Feiertage!

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Die eigene Entscheidung

Manche von euch kennen Christine Finke bestimmt schon, mindestens aus Retweets auf meinem Twitterkanal, den ihr alle fleißig abonniert habt. 😉

Wir mögen nicht immer einer Meinung sein, doch ich schätze ihre Arbeit und ihr Einsetzen für Alleinerziehende. Mindestens bringen mich ihre Artikel zum Nachdenken. So auch der heute gepostete, ein Gespräch mit Mariam Tazi-Preve, Professorin für Politikwissenschaft und Geschlechterforschung: “Familie ist ein hochpolitischer Ort!”

Wie war das bei mir? Meine Mutter zog mich allein groß, mein Vater war abwesend, weil er das so wollte. Meine erste Begegnung mit ihm fand vor Gericht statt, als ich 21 Jahre alt war; niemand hat ihm den Zugang zu mir verwährt, er hatte schlicht kein Interesse. (Nach der Begegnung war ich ganz froh, dass er nie Teil meines Lebens war.)

Wie hat das meine Mutter geschafft? Möglich war ihr das aus zwei Gründen: einerseits meine Großeltern, die auf mich aufpassten, wenn meine Mutter arbeiten war. Andererseits eine schon früh beginnende Betreuung durch Kinderkrippe und Kindergarten. DDR eben.

Das würde ich mir allerdings so nicht für mein Mäuschen wünschen. Zum einen haben wir eben kein funktionierendes Netz aus Großeltern und Co., die überdies ja selber noch arbeiten. Zum anderen ist der Gedanke, 6 Wochen nach Geburt wieder arbeiten gehen zu müssen, wie es in der DDR war, ein Graus. Meine Tochter so jung schon in fremde Hände zu geben, es käme für mich nicht in Frage. Wenn da aber eben keine andere Person ist, die den Lebensunterhalt mitverdient, was will man machen?

Was wäre, wenn ich heute alleinerziehend wäre? Ganz einfach: ich wäre aufgeschmissen. Ob ich mein Studium dann weiterführen könnte? Nur mit Kindergartenplatz. Doch diese Plätze sind knapp. Da ich das Mäusekind unter einem Jahr nicht abgeben wollen würde, wäre das die Mindestzeit, die ich aussetzen müsste. Mindestens, weil dann eben das Pokern um die knappen Betreuungsplätze losginge.

Und in dieser Zeit fiele ich in die Schublade, die die neuen Rechten als Schmarotzer bezeichnen würden: alleinerziehend, auf staatliche Gelder angewiesen, arbeitslos. Dass ich auf dem Weg zu einer höheren Qualifizierung stünde, interessiert da nicht.

Könnte ich mein Studium nicht weiterführen, würde das vermutlich auch bedeuten, dass ich auch keine Ausbildung machen könnte, denn auch dafür muss man sehr viel Zeit haben. Dann hätte ich lediglich meinen Abschluss als Sozialassistentin, mit dem man zumindest in dieser Gegend keine Arbeitsstelle finden könnte, die man nicht mit Hartz IV aufstocken müsste. Ungelernte Tätigkeiten wären für die nächsten Jahre mein Schicksal, aber nur mit geregelter Betreuung.

Und so geriete ich immer weiter ins soziale Aus. Theoretisch gibt es Hilfestellen und Angebote für Alleinerziehende, praktisch ersetzt das eben auch keinen qualifizierten Beruf. Da kommt auch niemand, passt auf das Kind auf und sagt: „Mensch, dein Tag war schon so lang und für das Testat morgen musst du ja auch noch lernen. Lass mich mal machen!“

Komme ich also zur im verlinkten Artikel eingangs gestellten Frage: „[S]ind Entscheidungen über den Rückzug von Frauen ins Private nach der Geburt wirklich rein private, persönliche Entscheidungen?“

Ja und nein. Ich kann es mir erlauben, weil ich in der privilegierten Stellung bin, nicht alleinerziehend zu sein, sondern einen Partner zu haben, der sich um unsere Tochter kümmern kann und will und weil ich nicht den Druck habe, so schnell wie möglich wieder arbeiten zu gehen. Wenn ich es wünschte, könnte ich aber auch schon wieder arbeiten gehen oder mein Studium fortsetzen, während Papa auf das Mäuschen aufpasst beziehungsweise wir uns abwechseln.

Hätte Mr. English einen Job, für den er täglich 9+ Stunden das Haus verlassen müsste, wäre ich gezwungen, daheim zu bleiben. Vice versa ebenso. Auf einen Kindergartenplatz wartet man hier schon einmal gut 2 Jahre.

Alleinerziehend hätte ich die Wahl zwischen daheim bleiben und Hartz IV beziehen, studieren gehen und weiterhin einen Studienkredit beziehen oder unqualifiziert für Mindestlohn auf Halbtagsbasis arbeiten gehen.

Ja, in unserer speziellen Konstellation habe ich/haben wir das Glück, die Entscheidung selbst treffen zu können. Nein, in einer anderen Konstellation wäre diese Entscheidung nicht meine eigene, sondern in erster Linie ein notwendiger Kompromiss oder eine rein finanzielle Frage.

 

P.S.: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf halte ich für ein Märchen.

Status Quo

Der letzte Nicht-Freitagsfragen-Post ist ja schon eine Weile her. Und die Freitagsfragen habe ich gestern auch nicht geschafft. Das Mäuschen hat nach einer Impfung ordentlich gefiebert und brauchte viel Aufmerksamkeit, wollte viel kuscheln und hat viel geweint. Da liegen Blog und Haushalt brach. Wir haben sogar unsere Gesund-Essen-Strähne gebrochen, weil zum Kochen einfach die Lust fehlte. Dafür hat’s dann aber auch geschmeckt wie alter Fuß. Das hat man davon.

Sonst bin ich zur Zeit einfach nur müde. Die Herbstschläfrigkeit wird mit Baby nicht besser. Dazu noch die Rückbildungsgymnastik, die anstrengender ist als es aussieht und ein paar Tage lang Muskelkater verursacht. (Wo sind alle meine Muskeln hin?!) Spaziergänge im schönen Herbstwetter kann ich nicht genießen, weil meine Bänder durch die Schwangerschaft noch immer so gedehnt sind, dass sie nach einer Weile in Bewegung einfach höllisch weh tun. Toll ist aber, wenn man einen so lieben Mann hat wie ich, der ein warmes Bad einlässt, Schokolade bringt und sich ums Kind kümmert, damit ich einfach mal entspannen kann und die Schmerzen losbekomme.

Unimäßig werde ich nervös, weil auf meinen Antrag auf Drittversuch nach etlichen Monaten noch immer nicht geantwortet wurde. Eigentlich sollte ich nachhaken, aber die mögliche Antwort lässt mich fliehen statt zu kämpfen. Immerhin wurde dem Kindergeldantrag entsprochen, obwohl das Finanzamt sich nach 4 Monaten noch immer nicht ausgekäst hat und ich somit weiterhin auf die Steuernummer des Mäuschens warten muss. Nicht einmal die Erinnerungsschreiben an die U’s (Kontrolluntersuchungen) bekommen wir. Ich hasse es, wenn ich Dingen hinterher rennen muss, die ich für erledigt gehalten habe…

Apropos Blog: Gibt es denn noch Mitmachwütige für den Adventskalender?