Dreißig

Was wäre, wenn?

Manchmal stelle ich mir diese Frage. Wo wäre ich jetzt, wenn dieses oder jenes nicht oder anders verlaufen wäre?

Wenn ich nicht so oft gescheitert wäre an Dingen, die ich nicht beeinflussen konnte. Wenn ich nicht zutiefst depressiv gewesen wäre in einer entscheidenden Phase meines Soziologiestudiums.

Manchmal stelle ich mir die Frage, wie es wäre, ein „normales“ Leben zu führen. Haus, 2 Kinder, Mann und Hund. Ein „ganz normaler“ Job. Vor 10 Jahren war das meine persönliche Vorstellung von Hölle, heute klingt es nach Idylle.

Stattdessen bin ich gescheitert auf meinem Weg der Selbstfindung zwischen dieser Scheißlüge „Ihr könnt alles werden was ihr wollt“ und dem Anspruch „Lern was Anständiges, damit du später (viel) Geld verdienst. Mache nix mit Kunst!“

Ich habe meine 20er damit vergeudet, Dinge für andere zu tun, mich zu fragen was meine Familie darüber denken würde, statt zu tun, was ich im tiefsten Inneren wollte. „Mach Abitur, studiere und die Welt steht dir offen!“

Am Arsch.

Klar, für meine Elterngeneration sieht es tatsächlich so aus; deren Karriereplanung war mehr oder weniger von außen vorgegeben. Meistens mehr.

Dennoch, die Welt steht immernoch nur denen offen, die es sich leisten können, dafür Risiken einzugehen. Die über gute Beziehungen verfügen, über die ein Arbeiterkind nicht verfügt. Die sich ausprobieren konnten in Ferienfreizeiten, Vereinsmitgliedschaften und unbezahlten Praktika, bis irgendwann einmal das Richtige dabei war. Die es sich leisten können, auf Rentenansprüche zu verzichten, weil ihre Eltern ihnen eine Altersvorsorge eingerichtet haben oder sie weit über 2600€ verdienen werden, die man zur Grundsicherung unterbrechungsfrei mindestens verdient haben muss.

Ich habe meine 20er verschwendet und in weniger als einem Monat sind sie rum.

Es war mir egal. So lange, bis ich Mutter wurde.

 

16 Kommentare zu „Dreißig

  1. Oh ja, die Wenns aus der Vergangenheit schmerzen und tauchen immer wieder wie Dämonen auf. Ich rede mir dann ein, man muss nach vorne schauen, weil das, was hinter uns liegt nicht zu aendern ist, obwohl wir seine Wirkung auch im Heute noch spüren.
    Ja, das sage ich mir dann, bis ich es selbst glaube und manchmal hilft es sogar. Oder die Aussichten werden wirklich wieder klarer, die Trübnis legt sich erst Mal schlafen 😉

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  2. man muss aufräumen mit all dem mist, was für andere wahrheit ist, für einen selbst aber nicht stimmt. das ist in ordnung so! finde heraus, was für dich stimmt und klammere dich nicht an alte oder fremde wahrheiten. es ist quatsch, dass man nur mit vitamin b an gute jobs kommt etcpp. alles quatsch. mache das, woran du glaubst und gehe deinen weg weiter.

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  3. Ich habe wohl etwas verpasst. Du bist mittlerweile Mutter?
    Nichts ist schöner, als einen kleinen Menschen aufwachsen zu sehen.
    Aber ich verstehe deine Sorgen
    Ich habe die selben.
    Solange man für das Kind da. Ist. solange ist es gut. Ob mit Geld oder ohne. Du machst das gut, denke ich.

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  4. Hah, ein Steinbock, ich wusste es.
    Habe mich mit Ende 20 aber auch gefragt, was ich eigentlich in den 20’ern gemacht habe.
    Hauptsächlich abwarten, war aber auch eine Ausrede für Feigheit meinerseits.

    Dann gab es einen Ruck und es ging vorwärts.
    Bei dir ja auch, finde ich. Denke das es einfach das wichtigste ist, in Bewegung zu bleiben und nicht stillzustehen.

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  5. Bedenke. Es ist ja noch lange nicht vorbei.
    Solange du lebst, kann sich jederzeit alles zu deinen Gunsten verändern und du erfährst phantastische Auswirkung der Dinge die du vor langer Zeit auf den Weg gebracht hast.
    Don’t look back – it’s not your way.
    Alles Liebe 🙂

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