Status Quo

Was mit mir los sei, fragt der eine oder andere, wenn ich erst sehr spät auf Nachrichten antworte.

Ganz ehrlich? Ich habe keinen Elan, keine Lust, keine Energie. Meine Hündin ist Anfang des Monats gestorben. Ich schlafe schlecht, finde kaum in den Schlaf und wache dann -auch ohne Zutun des Mäuschens- oft auf. Aktuell mache ich einen Soziologie-Online-Kurs zur Auffrischung und um fit im Kopf zu bleiben, doch es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Lange Texte werden zur Qual, Videos von mehr als 15 Minuten ebenso.

In Zeiten wie diesen hasse ich die ständige Erreichbarkeit. „Ich habe Dir geschrieben, das ist 5 Stunden her. Warum antwortest Du nicht? Du warst doch online, ich habe Dich gesehen!“

Stress pur. Es reizt mich. Es ist nicht so gemeint vom Absender, wie es bei mir ankommt – derjenige macht sich Sorgen und die meisten wissen ja auch von meiner psychischen Vorgeschichte – für mich fühlt es sich aber wie Druck und Kontrolle an. Damit komme ich ganz schlecht zurecht. Daran hat sich schon eine Therapeutin die Zähne ausgebissen.

Apropos Therapie. Ich hatte eine Langzeittherapie gemacht, die ich aufgrund der Schwangerschaft und dann des kleinen Mädchens, das gerade in seinem Zimmer seelig schläft, weswegen ich überhaupt mal zu etwas komme – also jedenfalls, ich hatte Pause gemacht. Das kann man machen, allerdings maximal (!) 6 Monate. Danach ist Sense.

Das hat mir meine Therapeutin wohl erklärt, aber ich habe sie missverstanden. Als ich mich um Wiederaufnahme der Therapie bemühte -schon Emails schreiben kostet mich derzeit mehr Kraft als es sollte- sagte sie mir, sie habe im Dezember einen Brief an meine Krankenkasse geschrieben und darin das Ende der Therapie vermerkt.

Ohne mich zu fragen. Oder wenigstens zu informieren.

Schnappe ich über oder ist das wirklich mies?

Ich weiß, selber Schuld, hätte ja mal eher… aber dennoch, hätte sie mich nicht mal kurz anschreiben können? Hey, Frau Nickel, die Pause ist bald rum, sollen wir nochmal oder geht’s ohne?

Und jetzt? Muss ich persönlich zur Krankenkasse gehen, vorher einen Termin ausmachen. Das mag nach nix Großem klingen, aber jeder Schritt aus dem Haus heraus ist derzeit einfach grässlich.

Jedoch!

Es gibt auch Schönes. Ich versuche mich daran zu orientieren.

Der schöne Tag mit meiner besten Freundin, die mir kurz darauf mal eben ein Buch meiner Wunschliste geschickt hat, das ich beim Bummel mit ihr durch den Buchladen in der Hand hielt, einfach weil sie mich lieb hat. (Ich dich auch! ♥ )

Bald treffe ich Freunde, die ich viel zu selten sehe und teils schon seit Jahren nicht mehr.

Außerdem haben wir, Mr. English, das Mäusekind und ich, einen Trip nach England geplant. Darauf freue ich mich schon sehr.
(Den Stress, das Baby erst zum Photographen und dann zum Einwohnermeldeamt zu schleifen und die Angst davor, nicht nur zum ersten Mal zu fliegen, sondern das auch noch mit Baby zu tun, ignorieren wir an dieser Stelle.)

 

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14 Kommentare zu „Status Quo

  1. Ständige Erreichbarkeit… versuche ich gar nicht erst aufzubauen… aber die Tendenz bemerke ich leider auch in meinem Umfeld.

    Und der Tod oder überhaupt Abschiede, die man nicht so plant, ziehen immer viel nach sich. Ich habe immer noch zu tun im letzen Jahr. 😞
    Dafür wünsche ich dir viel Kraft!!
    Und mit der Therapeutin… klingt irgendwie komisch…

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    1. Diese ständige Erreichbarkeit macht mich wahnsinnig. Ich schaue am Tag ein, zwei Mal ins WhatsApp und ich finde, das reicht.
      Es gab mal Zeiten, in denen haben wir Emails geschrieben und wenn es dringend war, angerufen.
      Davor gab es Briefe. Das ging doch auch?!

      Gefällt 2 Personen

      1. anrufen…??!! Äh. Wie war nochmal deine Frage..?!

        Nee im Ernst… mein Großer meinte letztens als ich ihn den Tipp gab, mal das Festnetz zu nutzen… dass man das heute nicht mehr macht… das ist quasi uncool.
        Ich frage mich ernsthaft, wo das noch hinführen soll 🤔😳

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      2. Festnetz nutze ich aber tatsächlich auch nur noch für offizielle Anrufe, einfach weil das keiner mehr hat.

        Da fällt mir aber ein, dass ich telefonieren hasse wie die Pest. Dann doch lieber Brieftaube.

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      3. 😅 Brieftaube… sehr schön. Naja, das stimmt schon, das Festnetz stirbt wohl aus… eigentlich schade….
        ach… da muss ich gleich mal in Erinnerungen schwelgen…so ein ordentliches vernuddeltes Telefonkabel… das war auch was Feines…

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  2. Es tut mir sehr leid, daß Deine Hündin gestorben ist. Ich weiß, wie sich das anfühlt. :o( Mir fehlt mein Wölfchen immer noch.

    Eine Kollegin hat einmal einer Bekannten sehr deutlich die Meinung dazu gesagt, daß sie zwar zwischendurch mal auf ihr Handy schauen und eine Nachricht lesen kann, aber längst nicht immer Zeit (oder Lust) für eine Antwort hat. Dieser Anspruch auf sofortige Reaktion ist geradezu besitzergreifend, oder? Wenn meine „Schwägerin“ mir eine Mail schreibt, fordert sie immer eine Empfangsbestätigung an. Ich beantworte die Frage von gmx, ob ich diese Empfangsbestätigung schicken möchte, grundsätzlich mit Nein.

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  3. Verständlich, dass es Dir derzeit nicht so gut geht. Umso wichtiger, dass man dann versucht, sich an den durchaus vorhandenen schönen Seiten des Lebens zu erfreuen. So bin ich mir sicher, dass es Dir in absehbarer Zeit auch wieder besser geht. Und den dafür vielleicht nötigen Aufwand zur Wiederaufnahme der Therapie, den kriegst Du hin! Ganz bestimmt!

    Im Übrigen habe ich es nie verstanden, dass in der Denke einiger Leute die ständige Erreichbarkeit offensichtlich auch mit der Verpflichtung einhergeht, sich immer sofort und sogleich auf jede noch so banale Nachricht zu melden. Die wenigsten Nachrichten sind so wichtig, dass sie eine sofortige Reaktion erfordern. Alle anderen kann man geflissentlich so lange ignorieren, wie es einem beliebt! 😉

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