Die Geburtsurkunde I

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Sobald man schwanger ist, hat man allerhand zu tun. Die Kontrolluntersuchungen beim Arzt gelten da noch als entspannt. Der Papierkram jedoch, den man nun zu bewerkstelligen hat, ist enorm.

Ist einer der Elternteile nicht deutscher Staatsbürger, wird dieser Bürokratieaufwand ungleich größer.

So frug ich die hiesige Jugendamtsbeamtin, was wir denn bräuchten, um Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtserklärung in Angriff nehmen zu können. Dabei schilderte ich den Sachverhalt um Mr. English und dachte, sie würde mir schon helfen können. Wir können ja schließlich nicht die Einzigen sein, bei denen diese Konstellation auftritt, schon gar nicht in einer Stadt wie Jena, die allein aufgrund der Universität Menschen unterschiedlichster Nationen beherbergt.

Eine internationale Geburtsurkunde sei vonnöten. Das bekomme man vom Standesamt des Ortes, in dem man geboren sei.

Also nachgefragt in Mr English’s Geburtsstadt, ob man bitte ein „international birth certificate“ zuschicken könne.

Ein solches sei ihnen nicht bekannt, bekamen wir zur Antwort.

Kurze Verwirrtheit. Ich fragte erneut beim Jugendamt an und erklärte, das Standesamt führe keine international birth certificates.

„Geben Sie das doch mal bei Google ein, dann finden Sie schon etwas.“

Jaha, so habe ich auch geschaut. Immerhin, sie gibt zu, dass ihre Stelle durch Google ersetzt werden könnte.

Braves Mädchen wie ich bin, googelte ich also, was das Zeug hielt.

Was dabei heraus kam?

 „Überweisen Sie £20 und wir schicken eine internationale Geburtsurkunde direkt zu Ihnen nach Hause!“ Eine unseriöse Spamseite nach der anderen.

Ich googelte also nach Alternativen und fand 3 verschiedene Dinge: eine Apostille, eine amtliche Übersetzung und noch etwas, das ich schon wieder vergessen habe, mir aber ohnehin falsch vorkam.

Nun hoffte ich, dass die Jugendamtsbeamtin diesmal von größerer Hilfe sei und auch, dass sie keine amtliche Übersetzung verlangen würde, denn das kostet eine nette Summe.

Ihr sei gar nicht bewusst gewesen, sagte sie, dass das ein solches Problem sein könnte. (Bist wohl neu?) Sie habe jedoch beim Sandesamt nachgefragt (ach, sie tut auch mal etwas für ihr Geld /Sarkasmus aus) und eine Apostille sei, was man wolle.

Um eine konkrete Antwort war ich froh, schließlich konnten wir uns nun daran machen, diese Apostille auch zu bekommen.

Zwei Tage nach dieser Antwort stolperte ich auf Facebook über einen Beitrag mit der Frage, welche Form von Geburtsurkunde die richtige sei; er sei Deutscher, sie Spanierin und sie erwarteten ein Kind. Die Auflösung war eine ganz andere Form der Geburtsurkunde für ganz genau den gleichen Zweck. Jedoch begann der Nachname der Fragesteller mit einem anderen Buchstaben, womit ein anderer Bearbeiter zuständig war – und bekanntlich weiß auf Ämtern der eine nicht, was der andere tut. *qed*

Das kann ja heiter werden, dachte ich.

Und das wurde es noch.

 

8 Kommentare zu „Die Geburtsurkunde I

  1. Meiner Erfahrung nach ist es am Besten, wenn man selbst weiß, was man braucht.
    Oft sind die lieben Angestellten im ÖD etwas überfordert mit ihrer täglichen Arbeit.

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    1. Ja, ich bin da wohl etwas naiv an die Sache gegangen, von einer Beamtin zu erwarten, dass sie wisse was sie braucht.

      Mäuschens Geburt ließ mich die deutsche Bürokratie erst richtig hassen lernen.

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  2. Ich wiil niemand was unterstellen,Aber 2018 sollte das alles innerhalb der EU kein Problem sein!
    Mir dünkt,da scheint immer noch ein Vorbehalt deutscher Behörden gegen Mischehen mit Ausländern durch…..

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    1. Du glaubst gar nicht, wie viele eigentlich eindeutigen Regelungen der EU ich in Deutschland verletzt gesehen habe, seitdem Mr. English in mein Leben trat. Man sollte meinen, das seien alles Kann-Regeln und kein Muss.

      Willkommen auf dem Blog!

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