Der Zytomegalievirustest

Zytomegalie ist eine Erkrankung, die durch einen Herpesvirus, den Zytomegalievirus (kurz CMV, vom lateinischen cyto~), ausgelöst wird. Für immunschwache Menschen kann diese Krankheit schwer verlaufen. Bei Gesunden jedoch verläuft sie oft symptomlos oder erkältungsähnlich. So bemerken viele eine Ansteckung mit CMV gar nicht.

Die Ansteckung erfolgt durch Speichel, Schweiß, Blut, Urin, Tränen, Samen- und Vaginalflüssigkeit sowie Muttermilch. Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und sechs Wochen, der Virus ist auch Wochen nach Ende der Erkrankung übertragbar.

Wer diese Krankheit einmal durchgemacht hat, behält Reste des Virus lebenslang im Gewebe. Diese sind als Antikörper mithilfe eines einfachen Tests nachweisbar. Es ist möglich, dass das Virus später wieder aktiv wird, ist dann aber deutlich schwächer.

Eine Erstansteckung  ist während der Schwangerschaft gefährlicher. Der Virus überträgt sich auf das Kind und kann vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel Organfehlbildungen oder Fehlgeburten auslösen. Auch später kann es noch zu Hörschädigungen, stark verminderter Intelligenz und anderen Symptomen kommen.

Ein Test ist daher anzuraten. Er wird von den meisten Krankenkassen bezuschusst oder komplett übernommen. Sonst kostet er etwa 20€.

Negativ getestete Schwangere sollten Hygieneschutzmaßnahmen ergreifen. So gehört gründliches Händewaschen mit Seife dazu, besonders wenn Sie Kontakt mit Urin, Speichel oder anderen Körperflüssigkeiten hatten. Haben Sie bereits ein Kind, sollten Sie mit diesem keine Gegenstände wie Geschirr oder Handtücher teilen; Schnullerablecken ist grundsätzlich tabu. Falls möglich sollten Sie das Wickeln einer anderen Person überlassen oder sich danach gründlich die Hände waschen. Benutzte Gegenstände müssen gründlich gereinigt werden.

Schwangere in Kinderbetreuungseinrichtungen dürfen nur Kinder über 3 Jahren betreuen und sind vom Wickeln freizustellen; bei Kleinkindern wird der Virus besonders stark ausgeschieden. Meistens bekommen sie jedoch schon vorher ein Berufsverbot.

Bei positiv getesteten Frauen wird oft vom Stillen abgeraten, vor allem bei Frühgeburten. Es gibt jedoch ein an der Uni Tübingen entwickeltes Verfahren, das den Virus deaktiviert, ohne die wichtigen Bestandteile der Muttermilch zu zerstören. Auch besteht die Möglichkeit, Frühgeborene mit Spendermilch zu ernähren.

Ist der Test sinnvoll?

Etwa 0,5 bis 1% aller Schwangeren steckt sich zum ersten mal mit dem CMV an. In etwa 40% dieser Fälle überträgt sich der Virus auf das Ungeborene. Von den infizierten Kindern erleiden etwa 10 bis 20% Schäden, wobei diese erst später auftreten können und dann eventuell nicht mehr mit einer CMV-Infektion während der Schwangerschaft in Verbindung gebracht werden. Die Wahrscheinlichkeit ist also gering.

Auf der anderen Seite jedoch sind die möglichen Folgen gravierend. Während der Schwangerschaft sterben etwa 12 bis 30% der infizierten Föten, Spätfolgen sind bei 9 von 10 überlebenden Kindern nachweisbar. Auch nach der Geburt kann der Säugling sich noch anstecken, etwa 3 von 10 Kindern überleben dies nicht.

Der Test zählt noch nicht zu den Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen. Sie müssen selbst entscheiden, ob Sie ihn durchführen wollen.
Dieser Beitrag kann als Entscheidungshilfe dienen, ersetzt jedoch keinesfalls ein Aufklärungsgespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

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