Was ich wählen würde

Es ist nicht mehr gar so lange hin zu den nächsten größeren Wahlen. Da es aktuell keine Partei gibt, hinter der ich voller Überzeugung stehen könnte, und da außerdem scheinbar die existenten Parteien die Berührung zu ihren Wählern und Wählerinnen verloren haben, möchte ich einmal ein paar Stickpunkte aufführen, was wichtig wäre, um meine Stimme zu bekommen. Das kann man sich gerne an den Kühlschrank hängen, ins Parteiprogramm aufnehmen oder einfach ignorieren. Aber sagt dann nicht, ich habe ja nichts gesagt.

  • Mütterquote: Mütter haben es schwer, Jobs zu finden, da in den Führungsetagen noch immer 50er Jahre Denken vorherrscht. Um was zu tun brauchen wir drastischere Mittel als Bitten und Pochen. Eine Mütterquote kann Abhilfe schaffen.

 

  • 30 Stunden Woche: längst wurde nachgewiesen, dass wir in 8 Stunden gar nicht mehr schaffen als in 6 Stunden. Warum also Zeit verschwenden, die wir zur Erholung nutzen könnten, was sich direkt positiv auf Krankenstand und Arbeitsleistung auswirkt?

 

  • mehr Kindergartenplätze: Ich lese immer wieder vor allem von Müttern aus dem Westen, dass man um die Plätze kämpfen muss und nicht wenige Eltern eben noch ein Jahr Elternzeit ranhängen müssen, weil man mal wieder Pech hatte. Das ist direkte Diskriminierung. Das Geld ist da. Fragt mal den Herrn Spahn. Der verpulvert gerade 5 Mille für nix Neues.

 

  • bessere Infrastruktur: Außerhalb der Großstädte ist man ohne Auto komplett aufgeschmissen. Wir wollen aber als gutes Beispiel voran gehen und den Personennahverkehr ausbauen. Die Nachfrage wird wieder kommen, denn sie ließ nur nach, weil auch kein Angebot da war und man sich gezwungen sah, Autos anzuschaffen.
    • Damit verbunden ist auch die Verstaatlichung der Deutschen Bahn. Leider schaffen die Bahnvorstände nicht, die Nachfrage zu bedienen. An erster Stelle sollte nicht stehen, so viel Geld wie möglich aus so wenig Service wie möglich zu schlagen, sondern den Menschen zu dienen.

 

  • besseres Internet: Deutschland hat eines der teuersten Netze und eine der bescheidensten Verbindungen in Europa. Das muss sich ändern. Günstiger und besser. Mehr öffentlich frei zugängliche Verbindungen. Dann klappt das auch mit dem Aufholen dessen, was wir in den letzten Jahrzehnten in Deutschland verschlafen haben.

 

  • GKV und PKV und alle Extratöpfe zusammenführen: Keine Mehrklassengesellschaft wenn es darum geht, Kranke zu heilen. Dann haben wir auch wieder mehr Geld für Krankenhäuser und Co. Die brauchen mal dringend mehr Personal…

 

  • Zahnersatz und Sehhilfen übernehmen: Die brauchen die Leute wirklich. Homöopathie sollte eine Extraleistung sein. Wer das will, kann sich das kaufen. Aber nicht auf dem Rücken aller.

 

  • Pension/ Rente aus einem Topf: Im Prinzip das selbe wie mit den Versicherungen. Alle zahlen in einen Topf, alle bekommen aus einem Topf. Simple as that. Weniger Bürokratie, weniger Verwaltungskosten.

 

  • Hartz IV als gescheitert akzeptieren und zurück zum Sozialhilfesystem. Das war auch nicht immer fair, aber besser als der Schund mit dem H4.

 

  • Soziale Berufe fördern, Ausbildung verbessern, Löhne verdoppeln. Wir werden älter, wir brauchen Pflege. Die sollte nicht von Menschen verrichtet werden müssen, die unter den Lasten zusammenbrechen. Nebenbei ist das auch ein sehr großer Ansatzpunkt für Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, denn diese traditionell weiblich besetzten Berufe sind ein Mitgrund für die Altersarmut unter Frauen. Wer so tut als wüsste er davon nichts, ist Sexist. Punkt.

 

  • 3-und Mehr-Schichtsysteme abschaffen: sie sind sehr schlecht für die Gesundheit, stören gesunde Schlafmuster, belasten das Gesundheitssystem auf lange Dauer sehr stark. Sie belasten weiterhin Familienstrukturen sowie durch den gestiegenen Strombedarf die Umwelt. Der Mehrnutzen fällt unter diesen Betrachtungen zu gering aus, um diese Systeme weiterhin zu rechtfertigen.
    • Wo Schichtsysteme unumgehbar sind, etwa in der Intensivpflege, müssen entsprechende Vergütungen eingeführt werden; gesundheitliche und familiäre Folgen müssen zunächst annähernd finanziell anerkannt werden.

Weitere Punkte:

  • Stärkere Verfolgung fremdenfeindlicher Straftaten
  • Mietdeckel
  • Verbesserung der Barrierefreiheit in allen Bereichen (öffentliche Gebäude, Straßen, Wohnungen) – die vorhandenen Regelungen müssen nachbearbeitet werden!
  • Unterstützung Bildung auf dem zweiten Weg; Abschaffung Langzeitstudiengebühr, Lockerung der Ansprüche für BaföG, bessere unbefristete Übernahme in Vollzeitbeschäftigung
  • Jugendquote in Politik (mehr Politiker U40)
  • straffere Umweltschutzbemühungen
  • Ausbau und Stärkung Homeoffice
  • Finanzielle und zeitliche Unterstützung Alleinerziehender, etwa niedrigschwelliger Anspruch auf Haushaltshilfen und Tagesmütter
  • strengere Verfolgung von Steuersündern

Das sind nur ein paar Punkte, mir würden da sicher noch mehr einfallen. Auch sind die Punkte noch ausbaufähig.

Was würde euch denn so einfallen, was dringend mal getan werden müsste?

8 Kommentare zu „Was ich wählen würde

  1. Es war spannend deine Liste zu lesen und immer wieder meinem Kopf dabei klar machen zu müssen, dass er mal ruhig sein soll, wenn er wieder rief „ja, aber das geht ja gar nicht so einfach.“ Wir machen es nur einfach nicht. 😉

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    1. Ach, wenn wir immer sagen würden, das sei doch viel zu aufwändig, könnten wir es uns gleich im Sarg bequem machen. Wir schaffen ganz andere Sachen in der Politik, da ist das was ich geschrieben habe auch nicht zu weit hergeholt.

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  2. Ich mache mich damit jetzt sicher unbeliebt, aber ein Großteil Deiner Wünsche stehen so oder ähnlich auch im Programm der SPD. Statt Mütter liest man da allgemein von Frauen, aber im Grunde sind die meisten Deiner Forderungen enthalten, vielleicht nicht mit konkreter Handlungsanweisung wie Verstaatlichung der Bahn. An der 30-Stunden-Woche wird längst gearbeitet, dass Pflege reformiert werden muss, und zwar dringend, hat sich rumgesprochen und wird auch klug und vielfältig diskutiert. Andere Dinge wie eine Jugendquote oder der Verzicht auf Schichtarbeit sind sicher kaum durchzusetzen, zum einen wachsen Politiker/innen nicht an Bäumen (wenige junge Menschen haben Lust, diese Laufbahn mit diesem Arbeitspensum anzustreben), zum anderen lassen sich Uhren nicht zurückdrehen. Aber alle Deine Wünsche sind Beobachtungen an den Schieflagen der Realität und damit dringende Diskussionsgrundlagen. Vielleicht suchst Du nicht nach der Partei, die das alles im Programm hat, sondern nach der, in der Du diese Punkte zur Sprache bringen willst und damit auch Änderungen in Gang setzt – ?

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    1. Willkommen hier! Unbeliebt machst Du Dich nicht. Ich heiße unterschiedliche Meinungen willkommen, vor allem wenn sie konstruktiv angebracht sind, wie Du das ja gemacht hast.

      Dass nicht alle Punkte so umsetzbar sind ist mir durchaus bewusst. Es soll ja auch etwas Gesprächsgrundlage bieten und manchmal muss man ja auch übertreiben, um noch zufrieden zu sein, wenn man sich irgendwo in der Mitte trifft. 😉

      Die SPD mag das so oder so ähnlich im Programm haben, ist für mich aber eine unwählbare Partei. Dafür schmiegt sie sich viel zu sehr an die CDU an und lässt sich von dieser biegen. Kompromisse sind das dann auch schon nicht mehr.

      Den Weg der Politik einzuschlagen habe ich durchaus auch für mich in Betracht gezogen – oder zumindest in meiner Freizeit, was aber seit der Geburt meiner Tochter und nun in den letzten Zügen meines Studiums nicht machbar wäre. Vielleicht später wieder; ich war schon in Jugendtagen aktiv.

      Liebe Grüße!

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