Status Quo

Was habe ich mich lange um diesen Post gedrückt. Aber nun möchte ich doch einmal „Meldung machen“. Der letzte Status Quo Post ist schon etwas um 2 Monate her, doch es hat sich so unfassbar viel getan in dieser Zeit.

Anfang Juli ist der Engländer ausgezogen. Ich kämpfe sehr damit, fühle mich allein und bin viel traurig. Jedoch gelernt habe ich viel. Über mich, über uns. Dass mir Zeit gefehlt hat, Zeit für mich ganz allein, die ich in den 2 Jahren seit Püppis Geburt fast nie hatte. Gleichzeitig mag ich diese Zeit aber auch nicht, denn ich habe sie nur, weil ich versagt habe. Nein, wirklich versagt habe ich nicht, aber es fühlt sich so an. Es tut weh. Jeden Tag, jede Nacht. Die Depression ist jedenfalls stärker geworden, auch wenn ich hier und da phantastische Tage habe, an denen ich denke, dass es doch endlich bergauf geht. Und dann kommt wieder BAM ein Gefühlsumbruch und alles ist scheiße.

Püppi hatte zwischenzeitlich eine kleine, aber merkbare Rückentwicklung. Nicht verwunderlich, aber eine Sache mehr, die zu meinem Schmerz beiträgt. Sie weint viel im Kindergarten und ist auch zu Hause mehr traurig, vermisst ihren Papa, nach dem sie fragt. Sie schläft schlecht und manchmal erst sehr spät. Ist extrem anhänglich geworden (ich auch) und möchte nicht mehr in ihrem Bett schlafen, sondern in meinem. Das ist anstrengend, aber tut uns wohl beiden auch gut. Weiterentwickelt hat sie sich aber auch, neue Wörter gelernt, geht auf’s Klo und sagt nicht mehr erst nachher Bescheid, dass sie mal muss, sondern vorher. Gute Maus. Unheimlich lieb ist sie geworden mit ihrem Teddy, den sie liebt. Sie ist eine ganz tolle Teddymama, die ihn überall hin mitnimmt und im Puppenwagen umher schiebt, zu Bett bringt, füttert und wiegt. Beebi sagt sie dann und ich schmelze dahin.

Ebenfalls Anfang Juli habe ich eine Hiwi-Stelle (Hilfswissenschaftler) in einem größeren Museum begonnen. 40 Stunden im Monat, mehr ist auch gar nicht machbar mit Muttersein, Studium und der anstehenden Bachelorarbeit. Ich kann meine Zeit halbwegs frei einteilen und die Arbeit ist eher so meh, aber macht mich nicht fertig. Aktuell mache ich Überstunden, die ich in den nächsten Monat mitnehme, um nach GB fahren zu können, ohne Lohneinbuße zu haben.

Zukunftspläne mache ich fleißig, aber das wird mal ein eigener Beitrag.

Die letzten zwei Wochen hat der Engländer hier verbracht, weil Püppi und ich fürchterlich erkältet waren und gar nix mehr ging. Es funktionierte erstaunlich gut, wir sind auf einer ganz anderen Ebene als vor seinem Auszug. Die Distanz tat uns in dieser Hinsicht sehr gut. Offen für die Zukunft ist er.

Ich hatte einst gesagt, dass ich gar nicht weiß, ob ich ihn überhaupt zurückhaben will, nach allem was war… Aber wenn ich absolut ehrlich bin, dann ja, ja bitte, mit allem drum und dran. Ich will meine Familie. Ich will sie mit ihm. Ich will diesen ganzen Scheiß, den ich als Teenie immer völlig öde fand. Ich will Sicherheit und Rückhalt und Unterstützung, will glücklich machen und glücklich sein. Mit ihm. Püppi will das auch, das konnte ich ihr ganz deutlich anmerken.

Ich habe das Kinderzimmer umgeräumt, das Wohnzimmer ebenso, viel aussortiert, Neues ausprobiert und gelernt, versuche neue Routinen zu schaffen, was ich hauptsächlich muss, aber auch will. Meine Woche und besonders meine Wochenenden sehen komplett anders aus als vor dem Auszug und mein Leben ist nicht mehr mit dem zu vergleichen, das ich zuvor hatte. Das hat nicht nur Gutes; das hat nicht nur Schlechtes.

Meine Stimmungen und Meinungen zur neuen Lebenssituation sind so wechselhaft wie…naja wie nur Stimmungen es sein können zu etwas, das man eigentlich nie wollte, aber dann doch nicht der Weltuntergang ist, den man vorhersah. Zurück zu dem, was wir hatten, möchte ich nicht, hat es uns beide aufgefressen. So weiterleben wie jetzt allerdings auch nicht.

Es ist kompliziert.

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9 Kommentare zu „Status Quo

  1. Man müsste das Leben entkomplizieren. Ich habe aber nicht die geringste Ahnung wie. Für die täglichen Verrichtungen lässt sich eventuell Hilfe auftreiben. Aber für das frierende Innenleben eine warme Decke zu bekommen ist schwieriger….

    Gefällt 2 Personen

    1. Uff, das habe ich gar nicht beschrieben. Ich habe versucht, einen Therapieplatz zu bekommen. Aussichtslos.
      Die täglichen Verrichtungen gehen mal gut und mal gar nicht. Ich halte eine gewisse Grundordnung, aber es kostet viel Mühe. Abwaschen, Wäsche waschen, das klappt. Beim Kochen hört es aber schon wieder auf. Allerdings muss ich sagen hilft mir da der Engländer. Sonst würde ich mich nur noch von Porridge ernähren.

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  2. Ich bin weit davon entfernt, kluge Dinge von mir geben zu können oder Ratschläge erteilen zu wollen, gebe aber nur allgemein zu bedenken, dass es nicht hilfreich ist, sich selbst einzureden, man habe versagt – zumal das, zumindest angesichts der Dinge, die ich mitbekommen habe, im vorliegenden Fall faktisch falsch ist.

    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute! Es wird werden. Ganz sicher wird es das.

    Gefällt 2 Personen

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