Deutschland oder England?

Die Abschlussarbeit steht bald an. Doch was kommt danach? Dass ich einen Master machen möchte ist recht klar. Nur wo? Und was danach?

Es bietet sich an, den Master in GB zu machen, denn da dauert es nur ein Jahr statt wie in Deutschland zwei. Außerdem habe ich dort eine größere Auswahl an dem, was ich studieren „darf“. Zu guter Letzt, ganz ehrlich: ich muss mal raus. Was sehen von der Welt. Ich stehe still. Eine radikale Änderung muss her.

So werde ich mich also an einigen Unis in der UK bewerben, aber auch in Deutschland. Mal sehen, wo ich einen Platz bekommen könnte. In Jena zu bleiben wäre die sichere Alternative. Hier bekomme ich auf jeden Fall einen Studienplatz, Püppi kann in ihrem Kindergarten bleiben, den sie und wir lieben; alles bliebe beim Alten. Das ist schön und fühlt sich sicher an, wird aber auch ein bisschen langweilig. Mehr vom Leben, bitte!

Ein großer Punkt ist da allerdings meine Mutter. Ich weiß, dass es sie aus allen Wolken reißen würde, zöge ich nach England. Mit ihrer kleinen Enkeltochter, die sie ohnehin schon nicht so oft sieht wie sie möchte. Ihr würde das Geld fehlen, mal eben nach England zu fliegen. Andererseits, so teuer ist das ja auch nicht mehr. Und man könnte etwas arrangieren, damit sie wenigstens eine Woche bleiben kann. Vice versa ebenso. Außerdem geht es den Großeltern väterlicherseits ja nicht viel anders, also vom finanziellen Aspekt mal abgesehen. Aber viel Urlaub im Jahr haben die auch nicht.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist der Gedanke an Püppis Zukunft. Konkret: Schule. Je mehr ich davon höre, wie das Schulsystem heutzutage in Deutschland läuft, desto mehr bin ich geneigt zu sagen: nein, danke! Einschulung oft schon mit 5, Druck ab dem ersten Schuljahr und die starre Methodik ist so verstaubt, dass man den Boden nicht mehr erkennen kann. Dagegen ist in GB etwa Homeschooling erlaubt, man kann also sein Kind aus dem Unterricht nehmen und selber oder anderweitig unterrichten und auf Tests vorbereiten, womit das Ganze individueller an Umstände angepasst werden kann. Klar, Einschulung ist dort auch mit 5 Jahren, aber nach dem was ich bisher hörte läuft diese sanfter ab. Zudem ist die Wahl der Fächer freier und es werden Bezüge zwischen den Fächern hergestellt, was in meinen Augen nicht nur sinnvoller, sondern auch nachhaltiger ist. Kostet dafür aber auch Geld. Wobei wir in Deutschland so viele versteckte Kosten haben, dass es am Ende wohl auf’s Selbe hinauskommt. Schon mit dem Ausstellen der Schultauglichkeitsbescheinigung fängt es ja an und hört bei Unterrichtsmaterialien noch lange nicht auf.

Obendrein klingt zumindest theoretisch das Leben in GB freier. Die Mentalität ist weniger verkrampft. Es gibt weniger Zwang und Bürokratie, mehr kann online erledigt werden als im deutschen #Neuland.

Ich habe aber auch Angst. Was, wenn ich versage? Vereinsame? Keinen Anschluss finde? Wenn ich vielleicht gar nicht dort wohnen darf und ausgewiesen werde? Wenn ich zurück will, warum auch immer, und somit Püppi wieder aus ihrem dann neu eingelebten Umfeld herausreißen müsste? Es ist so schwer zu entscheiden, wenn man eigentlich auch gar nicht weiß, was man will. Wie machen das Leute, die wissen, was sie wollen? Woher wissen die das?

Das Leben ist kein Melonenessen.

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2 Kommentare zu „Deutschland oder England?

  1. Eine Freundin, FernwehKinder (Blog hier), hat ihre Kinder aus einer internationalen/englischen Schule (St George) am Stadtrandgebiet zwischen Köln und Hürth. Die Kinder sind so glücklich dort, sie werden gefördert und gefordert aber nicht überfordert und dennoch lernen sie sehr viel, nicht nur Schulwissen sondern auch soziale Kompetenz ohne Unterstützung durch die Oma würde das finanziell sicherlich nicht gehen aber wo ein Wille da ein Weg. Und was an späten Rückwechsel angeht, den positiven Effekt durch die Zeit in England, macht es alle Mal wett. Darüber hinaus ist eine Ausbildung natürlich extrem aufwerten. Keine leichte Entscheidung

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