Warum es eure liebsten Youtube Kanäle ab 2020 vielleicht nicht mehr geben wird

Nach einer ganzen Weile melde ich mich mal wieder – und habe leider schlechte Nachrichten.

Es sieht schlecht aus um sehr viele Youtube Kanäle. Schuld daran hat COPPA, der

Childrens Online Privacy Protection Act,

also Kinder-Online-Privatsphären-Schutz-Plan. Dabei sollen Kinder unter 13 Jahren vor der Manipulation durch Werbung in Kinderprogrammen geschützt werden.

Jetzt denkt ihr, „Hö, Schutz von Kindern gerade online ist doch etwas Gutes?“ Ja, ist es auch, aber COPPA ist leider ganz furchtbar schief gegangen.

Ein Problem dabei ist, dass der Act von 1998 ist, ja, neunzehnhundertachtundneunzig, also gerade einmal 11 Jahre jünger ist als ich. Und in diesen bald 22 Jahren hat sich online so viel getan, doch das sollte selbsterklärend sein, außer man ist Politikerin und hält das alles für Neuland.

Ein anderes Problem ist, dass sehr grob beschrieben wird, was Kinderprogramme überhaupt sind. Hier die 4 (nur vier!) starren Kriterien; ein Programm gilt als Kinderprogramm, wenn

  • es bewusst an Kinder gerichtet ist
  • es Charaktere, Celebrities oder Spielzeuge enthält, die Kinder ansprechen, inklusive animierter Figuren
  • vorwiegend Kinder zu den ZuschauerInnen gehören
  • Aktivitäten gezeigt werden, die Kinder ansprechen

Dabei müssen nicht alle 4 Kategorien in einem Video getroffen werden, um entsprechend als Kinderprogramm kategorisiert zu werden. Was bedeutet, dass sehr viele Videos auf Youtube in eine Grauzone fallen, beispielsweise Videos, die nicht an Kinder gerichtet sind, aber etwa animierte Figuren enthalten.

Man denke da an Gaming Channels, Bildungskanäle, Nachrichtenvideos und unzählige Unterhaltungsanbieter. Auch Kanäle, die unterschiedliche Altersgruppen ansprechen, werden in diese Kategorie fallen. Solche, die ihr Programm hauptsächlich an Erwachsene richten, aber beispielsweise in einem Video über Pokémon sprechen, was (auch) von Kindern gespielt wird. Dabei ist egal, WIE darüber gesprochen wird, ob etwa komplexe Wissenschaftstheorien daran abgearbeitet werden, oder es sich um ein Let’s Play handelt, wo eine Person die eigene Spielerfahrung kommentiert. Der komplette Kanal wird unter das Gesetz fallen und überprüft werden.

Was ist das Problem?

Zum einen hat das Gesetz rückwirkende Konsequenzen. Für jedes Video, das als Kinderprogramm gewertet wird, muss die Kanalinhaberin $42.000 Strafe zahlen, das entspricht ca. 38.000€. Wohl gemerkt, PRO Video. Eine Familie, die seit 4 Jahren über ihren Alltag vloggt und fast täglich ein Video hoch lädt (ich rechne also 300 Videos pro Jahr), kommt sehr schnell auf 1200 Videos. Wird selbst nur die Hälfte als unter COPPA fallend gezählt, fallen also über 25 Millionen Dollar Strafe an. Dabei ist der Inhalt nicht einmal unbedingt an Kinder gerichtet, aber es sind oft Kinder und Spielzeuge zu sehen, womit die Zuordnung in die betroffene Sparte erfolgte.

Zum anderen wirft das Gesetz zukünftige Probleme auf. Ein Youtube-Kanal generiert durchschnittlich 80-90% seiner Einnahmen aus eingeblendeter Werbung. Für eigentlich alle großen Kanäle gilt: das ist deren Haupterwerb, oft der einzige, da Videos zu erstellen sehr aufwändig werden kann, besonders wenn z.B. animierte Figuren einfließen. Niemand kann auf 80-90% seiner Einnahmen verzichten. Zudem hängen an solchen Kanälen oft mehrere Jobs, um etwa Editorinnen und Autorinnen zu bezahlen.

Eigentlich gibt es eine bestehende Lösung, nämlich Youtube Kids, das den Anforderungen bereits entspricht, keine Werbung während eines Videos einzublenden, sondern vom Video getrennt und mit Ankündigung. Die Benutzung der Youtube Hauptplattform ist laut eigenen AGB erst ab 13 Jahren zugelassen; wer also einen Account erstellt muss mindestens 13 Jahre alt sein. Dass Kinder über ihr Alter lügen oder sich Zugang zum Account der Eltern verschaffen kommt ganz sicher vor, doch ist dies zu regeln Aufgabe der Eltern, nicht der Plattformbetreiber. Jedoch hat Youtube selbst lange damit hausiert, dass die Hauptplattform große Anlaufstelle von Kindern zwischen 2 und 12 Jahren ist und sich somit in das Schussfeld von COPPA bzw. der ausführenden Behörde FTC begeben.

Wie geht es weiter?

Youtuber haben bis zum 1.1.2020 Zeit, ein Formular auszufüllen und Angaben über ihre Kanäle und das Publikum zu machen. Videos ab 2020 müssen, sofern sie auch nur ansatzweise unter COPPA fallen könnten den Bestimmungen entsprechen, also sie dürfen keine Werbung mehr während ihrer Videos einblenden.

Es ist gut möglich, dass viele Kanäle offline gehen, um einer Strafe zu entgehen. Vielleicht ziehen sie auf andere Plattformen mit strengeren Altersbeschränkungen um. Sicher ist, dass das Gesicht von Youtube sich verändern wird. Ich befürchte nicht zum Guten.

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