NEIN!!!

„Wir müssen dann mal schauen, ob wir weiterhin nur Ultraschalls machen, oder ’mal reingucken“ sprach’s und verschwand.

Ich stehe mit dem Mäuschen auf dem Arm da wie angewurzelt und fühle mich vor den Kopf gestoßen. Man sollte meinen, ein Professor für Kinderradiologie habe etwas mehr Empathie, aber vielleicht ist er auch nach Jahren seiner Arbeit abgestumpft, ich weiß es nicht. Wie ich es hasse, wenn ein einfacher Kontrolltermin zu einer Stressbelastungsprobe wird. Völlig unnötig zudem.

Kurz und knapp übersetze ich, was der Prof uns da gerade an Informationsbrocken hingeworfen hat, aber wohl genauso trocken, wie ich es gesagt bekam, weil ich das Ganze noch gar nicht verarbeitet habe. Mr. English reagiert wie ich sparsam auf die Worte.

Wir gehen weiter zum nächsten Termin, auch eine Spezialistin und Professorin, aber noch spezialisierter als der Prof und ich bin erneut* so unfassbar froh, dass wir sie haben. Wir kennen sie bereits seit der Schwangerschaft, während der sie uns sehr beruhigt hat mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung. Sie nimmt auch heute meine Sorgen, indem sie mir zustimmt, wie unsinnig und unnötig eine Operation beim Mäuschen wäre, denn außer „mal gucken“ gibt’s da eben nichts zu machen. Wie an anderer Stelle gesagt ist des Mäusekinds Situation nicht lebensbedrohlich, wir können keine Einschränkungen in irgendetwas feststellen. Stattdessen ist das kleine lustige Mädchen aufgeweckt und entwickelt sich rasend schnell.

Und weil ich in der Situation nicht in der Lage war, es zu sagen, hole ich es nun nach: Nein, Herr Professor, wir werden ganz sicher keine Operation an unserem Baby durchführen lassen, nur damit man „mal gucken“ kann! Für Sie ist das vielleicht ein interessanter Fall. Für mich ist dieses kleine quietschende, aufgeweckte, neugierige kleine Wesen mein Alles.


*Erneut, da der Prof diese Unsitte schon beim letzten Kontrolltermin abgezogen hat. Grrr!

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Ich bin genervt

Ich bin genervt, dass jeder Tag der gleiche zu sein scheint. Wickeln, Füttern, Kochen, Putzen, Wäsche. Eat, sleep, rave, repeat.

Ich bin genervt, dass die Wohnung trotzdem scheiße aussieht.

Ich bin genervt, dass ich so viel Papierkram machen muss.

Ich bin genervt, dass ich mich nicht einfach einmal hinsetzen und ein Buch lesen kann und wenn ich es doch tue, das Kind garantiert anfängt zu weinen.

Ich bin genervt, dass ich weder weiß, ob diese Tristesse jemals wieder aufhört, noch wie ich neben all dem nach dem Urlaubssemester auch noch studieren soll, ohne meinen Notendurchschnitt in den Sand zu setzen.

Ich bin genervt, weil ich keine Ahnung habe, ob ich eigentlich okay bin oder das Kind zu einem depressiven, sadistischen Serienkiller erziehe, der seine Mutter später beim Therapeuten als worst case schildert.

Ich bin genervt, weil ich einfach mal einen Tag nichts tun möchte aber weiß, dass selbst wenn sich die Chance wundersamerweise auftäte, ich vor schlechtem Gewissen eh nicht entspannen könnte.

Ich bin eigentlich den ganzen Tag genervt über Banalitäten.

Doch dann lächelt mich dieses kleine, wunderschöne Mädchen mit seinem zahnlosen Lächeln an, ich schmelze dahin und plötzlich ist meine Welt, die eben noch grau war, bunt und schön und voller Liebe und ich will sie für immer im Arm halten und nie wieder ohne sie leben.

 

Der Glaubenskrieg unter Eltern

Ich bin Mutter und ich stille nicht.

Das scheint ein Satz zu sein, der eine Mutter ins soziale Aus unter Müttern und sogar bei einigen Hebammen treiben kann. Aber von vorn:

Nach der Geburt des Mäuschens wurden wir für zwei Tage getrennt, weil es ihr nicht gut ging und sie überwacht werden sollte. Was das für den Stillprozess bedeutet, versteht man wahrscheinlich nur, wenn man drin steckt. So viel kann ich aber verraten: es ist nicht gut. Was dann für mich und uns folgte, war eine Odyssee aus regelrechten Kämpfen zwischen dem Kind und mir und mit mir selbst. Es flossen viele Tränen und brauchte sehr viel gutes Zureden seitens meiner Hebamme, um meine Selbstzweifel und die Enttäuschung, dass es einfach nicht klappte, zu lindern. Man macht sich selbst Druck und Vorwürfe, obwohl man sein Menschenmögliches versucht und keine Schuld an der Misere hat.

Ich habe ganze Tage damit verbracht, das Kind anzulegen, es dann noch zuzufüttern und zu guter Letzt außerdem abzupumpen. Das verschlang an Spitzentagen schon einmal 15 (!) Stunden. In einer Zeit, in der ich ohnehin empfindlich und verletzlich war, hat mich das zusätzlich nervlich wie körperlich stark belastet. Es hat lange gedauert, bis ich mich mit diesem „Schicksal“ und der Gewissheit, dass diese Arbeit keine dauerhafte Lösung war, abfinden konnte und kein schlechtes Gewissen meiner Tochter gegenüber mehr hatte, weil mein Körper trotz aller Versuche und Selbstschindung nicht ausreichend Milch produzierte, um sie satt zu bekommen.

Bei Müttern, denen es wie mir ging und geht, findet ein langer Prozess der (Selbst-)Akzeptanz statt, der so zerbrechlich ist, wie man sich in dieser besonderen Zeit fühlt. Das macht es um so unerträglicher, was sich zunehmend unter Müttern und auch Hebammen abspielt.

Schon im Geburtsvorbereitungskurs wird man darauf getrimmt, dass nur Stillen gut und Flaschennahrung Teufelswerk ist. Das wird auch über Homöopathie und Schulmedizin gepredigt. So wurde ich etwa abschätzig angeschaut, als ich sagte, gegenüber einer PDA offen zu sein und in der Situation entscheiden würde. Das ist doch böse Chemie, die das Band zwischen Mutter und Kind stört! Die Vorfreude, bald das Kind im Arm zu halten müsse ausreichen, um selbst diese enormen Schmerzen auszuhalten. Nun, das hat es bei mir leider nicht und ich wäre vermutlich aus dem Fenster des Kreissaals gesprungen, gäbe es diese medizinische Unterstützung nicht. Definitiv hat es sich aber negativ auf den Geburtsprozess ausgewirkt, als ich vor Schmerzen nicht mehr mit den Wehen arbeiten konnte.

Globuli sind unter Müttern und Hebammen weit verbreitet. Grundsätzlich scheint der Trend in Richtung Esoterik immer stärker zuzunehmen. Gleichzeitig wird der Ton untereinander immer schärfer. Du stillst nicht? Rabenmutter! Du gibst dem Baby bei Fieber lieber Zäpfchen, als es im Mondlicht dreimal um den Brunnen zu tragen? Kindeswohlgefährderin! Mir wurden sogar während der letzten Geburtsphase Globuli in den Mund gesteckt, obwohl ich vorher deutlich gesagt hatte, dass ich daran nicht glaube. Mich zu wehren hatte ich in dem Moment weder Zeit noch Kraft und Muße. Als ich später anmerkte, dass ich das nicht in Ordnung fand, wurde das lapidar abgetan mit „Naja, schaden kann’s ja auch nicht!“

Mütter untereinander, aber auch Hebammen, die Frauen in ihrer neuen Rolle unterstützen sollen, mobben regelrecht alle, die anders leben. Doch was bringt es? Würde dieses Verhalten im Zweifelsfall eine Mutter umstimmen? Geht es ihr oder ihrem Kind damit besser?

Sollten wir uns nicht lieber gegenseitig unterstützen und Mut zusprechen, wenn nicht alles so klappt, wie man es gerne hätte, statt noch nachzutreten?

Ich beobachte einen alarmierenden Trend von Mütterkämpfen einerseits und blinder Hörigkeit gegenüber alternativmedizinischer Praxis andererseits. Die Zahl der Impfgegner nimmt zu. Eltern geben selbst bei ernsten Krankheiten lieber Zuckerkugeln als zum Arzt zu gehen – teils aus eigener Überzeugung, oft aber aus der Angst vor sozialer Ächtung oder nach erfolgreicher Hirnwäsche. Es wird weniger reflektiert und informiert, was fatale Folgen haben kann. Gerade die Homöopathie bietet aber viele Denkfehler.

Die Liste der Gründe für Glaubenskriege unter Eltern ist lang und endet nicht bei Globuli, Stillen und Erziehungsmethoden. Dabei sollten wir aufhören, uns gegenseitig der Kindeswohlgefährdung zu beschuldigen und endlich anfangen, wirklich miteinander zu diskutieren. Denn es gibt da Probleme, die wir nur gemeinsam angehen können. Hebammenangel und Kinderbetreuung etwa. Fangen wir also an, uns miteinander auseinanderzusetzen. Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.

Vom Bloggen

Irgendwie hat niemand Bloggen als Hobby bei den letzten Freitagsfragen gewählt, oder habe ich etwas überlesen? 😀

Zum Bloggen gekommen bin ich damals, als ich mit meinem besten Freund durch die Straßen zog, wir unserer Phantasie freien Lauf ließen und Geschichten von einer furzenden, rülpsenden, sich durch die Weltgeschichte …äh… tollenden Brüllmaus ersponnen.

Inzwischen sind die Einträge lange im Nirvana verschwunden, doch der Blog blieb. Einige Male haderte ich mit ihm, verlor die Lust, geriet in Sinn- und Schreibkrisen, doch ich kam immer wieder zurück in mein Häuschen, das klein und bescheiden, aber eben deswegen doch so gemütlich ist. Hin und wieder schauen liebe Menschen vorbei und lassen einen frisch gebackenen Kuchen a.k.a. einen Kommentar da, worüber ich mich jedes Mal wieder sehr freue. Wirklich freue!

Jene Gemeinschaft, die sich doch in Kleinbloggershausen irgendwie bildet, finde ich auch an der Bloggerei so faszinierend. Man kennt sich, obwohl man sich (mit Ausnahmen) nie begegnet ist und es gibt auf mehreren Ebenen einen Austausch. Man kann voneinander lernen, miteinander Gutes wie Schlechtes teilen, findet Rückhalt oder erfährt eben doch einmal einen Dämpfer, wenn man es zu bunt treibt. (Blogstreitereien konnte ich bisher glücklicherweise immer aus dem Weg gehen. Schlammschlachten sind jetzt nicht so meins.)

Zwischenzeitlich verzweifelte ich ein wenig, weil ich so gar kein Thema für mich finden konnte. Aber das ist dann wieder doch mein Thema, denn ich schreibe über alles, was mich bewegt. Ob es persönliche Begebenheiten sind oder (sozial)wissenschaftliche Abhandungen, Politik und Weltgeschichte oder ein ausprobiertes Rezept.

Was ich jedoch auslagern werde sind Tipps und Erfahrungen rund ums Kind, denn das ist dann doch zu spezifisch für diesen Blog. Und so werden sich hoffentlich bald Windeltests, Berichte und die besten Geschenkideen im eigens errichteten und noch vollkommen leeren Zweitblog finden. (Der jetzt schon einen Monat alt ist. Oh man.)

Was würde ich Neubloggern raten?

Fangt einfach an. Oder aber macht euch einen Plan. Das kommt ganz darauf an, welcher Typ ihr seid und welches Thema der Blog haben soll. Ist es ein Tagebuchblog? Dann fängt man vielleicht mit einer Vorstellung an. Wer schreibt da überhaupt und was macht den Schreiberling aus? Gibt es etwas besonderes, das andere vielleicht nicht haben? Oder schreibt sich jemand etwas von der Seele?

Ein festgesetztes Thema sollte dann doch geplant werden, während ein Selbstportrait hier dagegen geschrieben werden kann, aber nicht muss.

Löscht keine Beiträge, sondern schaltet sie auf privat, wenn sie nicht (mehr) gefallen.

Seid nicht zu streng mit euch. Täglich schreiben ist kein Muss und es sollte auch nicht zum Zwang werden.

Ein Blogthema kann man ändern.

Verbindet euch, lest bei anderen Bloggern, kommentiert, sagt hallo. Das ist nicht nur freundlich, sondern macht euch sichtbar.

Pics or it didn’t happen.

Wählt ein Theme, das gut lesbar ist. Und achtet auf Rechtschreibung und Grammatik.

Das Allerwichtigste ist jedoch: Habt Spaß dabei!

Pech gehabt

Dieses Jahr ist in vielerlei Hinsicht aufregend und spannend.

Aber technisch, tja, da habe ich einfach Pech.

Der PC hat den Umzug im Februar nicht gut überstanden. Das Smartphone hat angefangen, Bluescreens in diversen Farben zu zeigen, wenn es keine Lust mehr hat, seinen Dienst zu tun. Und nun hat sich auch noch der Laptop verabschiedet, den Mr. English mir vermacht hat.

Wo ich doch gerade einen Zweitblog angefangen und so viele Ideen für Beiträge habe!

Pech gehabt…