Status Quo

Schwuppdiwupp, hat sich der November davon geschlichen. Und mit ihm mein Arbeitsverhältnis im Museum. Was mich traf wie einen Schlag, hatte man mir doch gesagt, es gäbe immer etwas zu tun und man sei froh mich zu haben. Tja, leider ist die Zeit Deutschlands als Land der Dichter und Denker lange vorbei und Geld entscheidet über Kultur und Bildung. Soll heißen: meine Stelle wurde zu teuer. Indes, der Chef ist daran, mir eine Anstellung in der hiesigen Landesbibliothek zu besorgen. Jedoch bleibt der Dezember ohne Einkommen. Es müsse erst über Fördermittel entschieden werden.

Natürlich muss mein Laptop ausgerechnet in einem solchen Monat kaputt gehen. Von heute auf morgen, einfach tot, nada, niente, rien ne va plus, gar nichts ging mehr. Nun hoffe ich inständig, dass die Daten irgendwie gerettet werden können, denn mit einer Stange Geld für einen Ersatz gingen auch Hausarbeiten, Ideen, mein Notiz- und Kalenderbuch sowie –und das ist bei weitem das Schlimmste– Püppis Babybilder flöten.

Währenddessen lernt Püppi jeden Tag neue Wörter, gewöhnt sich langsam die Windeln ab und kann gut kommunizieren, was sie möchte. Außer in Wutanfällen, wo es doch eigentlich von Nutzen wäre. Eine tolle Anekdote erlebte ich am Freitag, als ich fast eine halbe Stunde zu früh am Kindergarten war um sie abzuholen und Erzieherinnen wie Kinder bei einer kleinen Party mit lauter Musik und viel Tanz erwischte. Das war großartig und erfreut mich nachhaltig. Es ist toll zu sehen, wie sie mit Herzblut dabei sind und sich liebevoll um die Kinder kümmern, dabei nie den Spaß verlieren. Das ist einer der Gründe, warum ich noch eine Kleinigkeit überlege, die ich ihnen zu Weihnachten schenken kann. Auf Twitter kam der Vorschlag einen Brief zu schreiben und das gefällt mir sehr.

Eine Überraschung für euch und mich gleichermaßen zum Schluss: Püppis Papa zieht wieder ein. Es geht einfach so nicht. Das Kind leidet, ich bin überfordert, er ist unzufrieden weil er viel Geld dafür bezahlt sowieso viel Zeit hier zu verbringen. Am meisten überrascht mich nicht nur, dass er auf die Idee kam oder dass ich zugestimmt habe, sondern tatsächlich dass es doch ganz gut klappt. Dennoch: das Vertrauen ist natürlich weg und ich habe hintergründig immer die Frage im Kopf: was kommt als nächstes? Wie tut er mir diesmal weh? Ja, es war eine scheiß Idee und ich hasse mich für meine Schwäche, aber Püppi tut es gut und sie ist wieder das fröhliche Mädchen wie vor seinem Auszug.

Ansonsten wünsche ich euch allen einen schönen ersten Advent.christmas-2984210_1280

Status Quo

Uff.

Das könnte auch ein Titel für diesen Status Quo sein.

Wie nur halbherzig angekündigt war ich für eine Weile weg. Wir, das heißt Püppi, deren Papa und ich, verweilten in England bei Püppis Großeltern. Drei Wochen lang wurde sich dort um uns gekümmert, wir wurden bespaßt, bekocht und bemuttert. Das war schön, aber es war auch anstrengend. Weil ich da kaum eine Rückzugsmöglichkeit habe. Klar, das „eigene Zimmer“, aber die Wand zum Arbeitszimmer ist dort so dünn, dass man auch ein Laken davor hängen könnte, statt die Wand dort zu haben. Ebenso privat fühlt sich das auch an. Zudem kann man als Gast eben auch nicht alles so tun und lassen, wie man möchte, sondern unterwirft sich fremden Regeln und Gegebenheiten. Das ist genauso anstrengend wie etwas tun zu wollen/ müssen, das gerade nicht geht, weil man keinen Computer zur Verfügung hat o.ä.

Die Zeit war dennoch schön und wir haben viel erlebt. Püppi war zauberhaft und ist ein Naturtalent vor der Kamera. Unfassbar, wie diese Zweijährige posen kann! Vielleicht sollte ich ihre Modebedürfnisse durch eine Kindermodelkarriere finanzieren. Denn ja, auch zu Kleidung hat sie bereits eine Meinung. Glücklicherweise ist sie zu ähnlichen Dingen wie ich zu begeistern: alles was glänzt, glitzert oder schimmert ist toll. 😀 (Nur dass ich es im Gegensatz zu ihr eher nicht anziehe.)

Ansonsten fühle ich mich derzeit ehrlich gesagt eher bedrückt. Ich möchte das Haus nicht verlassen, es sei denn, es ist notwendig. In England hatte ich wenigstens den Grund, dass ich ja nicht ewig dort sein würde und mich um nichts kümmern müsse. Wieder zurück fühle ich mich erschöpft, kann Püppi eben nicht mal eben bei Grandma oder Grandpa abgeben, muss mich wieder um alles alleine kümmern und ganz ehrlich, diese sch** Bude geht mir gehörig auf den Sack. Ich hasse jeden Quadratmeter. Weil nichts zusammen passt, weil ich nichts wegwerfen kann, weil alles überquillt und somit kaum Dinge einen Platz bekommen, was Aufräumen schwer macht. Elan und Zeit fehlen außerdem. Bock auf Arbeiten? Die Antwort kennt ihr.

Gerade als ich dann gestern dachte, okay, nimm Dir eine Auszeit, schlimmer als jetzt kommt es erst einmal nicht. Ruhe Dich aus, gönn Dir eine Pause, kommt die Hammernachricht der Herzfreundin: weißer Hautkrebs.

Ich habe Angst um sie. Klar, gegoogelt habe ich sofort, bin mir bewusst, dass der eher harmlos ist und gut zu behandeln. Sorgen mache ich mir dennoch. Als ob es nicht genug gewesen wäre, dass ihr Vater Anfang des Jahres, wenige Wochen vor der Geburt ihrer Tochter, an einem (anderen) Krebs verstorben ist.

Das Leben ist so bekloppt und ich bin traurig und wütend zugleich. Was soll die Scheiße?

In other news: ich nehme mir jetzt ein Urlaubssemester. Ich kann nicht mehr. Bis hier hin und nicht weiter. Bisher weiß es noch kaum jemand, weil ich es auch selber doof finde, den ganzen Käse mit dem Abschluss erneut nach hinten zu verschieben. Aber ich kann einfach nicht mehr.

Demnächst kommen dann Urlaubsbilder, Urlaubstexte und Freitagsfragen. Stay tuned.

Alles auf Halt!

Gestern ist Püppi gestürzt.

Wir waren einkaufen, nachdem ich sie vom Kindergarten abgeholt hatte. Ich hatte vergessen, ihr eine Flasche mit Milch mitzubringen, also beschloss ich, fix in den Laden nahe des Kigas zu gehen und ihr ein Milchpäckchen zu kaufen. (Ja, ökologische Sünde, ich weiß. Aber es war warm und sie wollte doch unbedingt und wir hatten noch eine halbe Stunde Rückweg vor uns. Ich gelobe Besserung!)

In den Auslagen zu den Sonderangeboten lagen ein paar hübsche Sachen, also hielt ich kurz an, drehte mich um und schaute mir ein paar niedliche Bleistifte mit Sommermotiven an, als ich plötzlich ein lautes „PENG“ vernahm.

Im ersten Moment dachte ich, Püppi habe etwas aus dem Wagen geworfen. Dabei war es sie selbst, die mitsamt Buggy umgefallen und mit der Stirn voran auf dem Fliesenboden gelandet ist. Geschrei, Tränen. Ich hockte mich hin, hob Püppi auf und versuchte sie erst einmal zu beruhigen. Da sah ich schon, wie ihr ein immer größer werdendes Horn wuchs, das direkt rot und lila wurde. Ich wollte schon fast mit anfangen zu weinen.

Der Blick der Umstehenden brannte auf meiner Haut. Vermutlich waren sie hauptsächlich besorgt, doch es fühlte sich an wie ein „schau mal die Rabenmutter, lässt ihr Kind mit Wagen umfallen!“ Ich rief den Püppipapa an und bat ihn, zu uns zu eilen.

Nachdem wir uns halbwegs gesammelt hatten, nahm ich Püppi und Milchpäckchen, bezahlte in Rekordzeit und verließ zitternd den Laden. Das Adrenalin rauschte durch meine Adern und ließ mich nicht stillstehen, also lief ich dem Püppipapa entgegen. Da Püppi sich freute ihn zu sehen und mit ihrem Milchpäckchen ziemlich zufrieden war, bemerkte er gar nicht, dass etwas nicht stimmte. Nur als er mich schluchzen und heulen sah, wurde er stutzig. Ich zeigte ihm das Horn und er erschrak. Auch er fand, dass wir sofort zu einem Arzt gehen sollten. Da der Kinderarzt schon geschlossen hatte, ging es also in die Kindernotaufnahme. Dort wurden wir sehr freundlich und sorgend empfangen. Die Schwester brachte direkt ein Kühlpäckchen, das Püppi natürlich nicht akzeptierte, leuchtete ihr in die Augen und fragte uns nach ihrer Befindlichkeit. Als die Schwester ein zweites Mal nach uns sah, baute Püppi gerade den höchsten Turm, den sie je baute, er war so groß wie sie selbst. Sie lachte und rannte herum, was mir mit noch tief sitzendem Schock ein bisschen den Puls höher steigen ließ.

Natürlich hatten wir keine Windeln dabei, also flitzte der Püppipapa zu seiner Wohnung, besorgte Windeln und kam zurück. In dieser Zeit waren wir dann allerdings schon dran. Der Arzt war unfassbar nett und gut drauf, zeigte Püppi die Tierbilder, die an den Wänden und Möbeln angebracht waren, quatschte ein bisschen mit ihr (und sie antwortete tatsächlich, obwohl sie solche Angst hatte. Kittel mag sie einfach nicht!) und fragte mich schließlich, was passiert sei. Ich war noch ein bisschen zittrig in der Stimme, doch er war so vertrauenserweckend und nett, dass ich zur Ruhe kam. Tja, manchmal leiden wir Eltern doch mehr als die Kids selbst.

Püppi bleibt nun den Rest der Woche zuhause, der Papa ist auch bei uns. Ich gehe arbeiten, denn ich brauche dringend die Stunden, das ist ein bisschen blöd, aber nun auch nicht zu ändern. Drückt die Daumen, dass keine Zeichen einer Gehirnerschütterung auftreten und Püppi samt Papa kein Chaos anrichten. 😀

Long Story short: Soll ich die Bleistifte nun kaufen oder nicht?

25 Fragen

Das Herzkind hat vor mittlerweile drei Jahren eine Liste mit 25 Fragen gepostet, die von Max Frisch stammen. Den Schriftsteller und Architekten kennen einige vielleicht aus der Schule. Jedenfalls fand ich diese Fragen sehr interessant und möchte mich ihnen hier einmal stellen. Sie sind nicht ganz einfach und fangen schon mit einem scharfen Handkantenschlag in den Nacken an, deswegen genug der Vorrede und rein ins Getümmel:

1.) Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Nein, ich bin mir nicht sicher.

2.) Warum? Stichworte genügen.

Natürlich will ich nicht, dass die Kindeskinder meiner Kindeskinder leiden müssen, oder überhaupt ein Mensch. Aber nachdem wir in den paar Tausend Jahren, in denen wir die Welt bevölkerten sie schließlich auch verwüstet haben, bin ich mir nicht so sicher, ob der Fortbestand einer einzigen Spezies es Wert ist, alle anderen Lebewesen zu gefährden. Schaffen wir es, diese Entwicklung umzukehren und tatsächlich einen Mehrwert für diesen Planeten zu schaffen, wäre ich anderer Meinung. Jedoch, ich bin Pessimistin.

3.) Wie viele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?

Einige durch Benutzung von Verhütungsmitteln, keine durch Abbruch.

4.) Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Einer Handvoll Menschen, alle von ihnen sind Männer.

5.) Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?

Nein. Bisher habe ich Unrecht immer zugegeben und versucht zu beseitigen oder zu lindern.

6.) Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Um Himmels Willen, bitte nicht! Niemals vergessen? Es hat schon seinen Grund, dass wir vergessen. Selbstschutz.

7.) Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

Beantwortete ich diese Frage ehrlich, befürchtete ich moralische wie auch rechtliche Konsequenzen. Daher hülle ich mich in Schweigen. Wer mich kennt, hat jedoch vielleicht die eine oder andere Idee.

8.) Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Meinen Opa. Diesen Monat werden es 10 Jahre, die ich ohne seinen Zuspruch und seine Unterstützung lebe. Er fehlt mir sehr.

9.) Wen hingegen nicht?

Die Person ist bisher nicht gestorben.

10.) Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?

Der britischen. Das Leben dort erscheint mir so viel einfacher und freier.

11.) Wie alt möchten Sie werden?

Alt genug, um etwaige Enkelkinder kennen zu lernen. Nicht so alt, dass ich nur noch existiere ohne zu sein.

12.) Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder nein?

Brexit war ja ein „mehrheitlicher“ Beschluss, auch wenn ich das bestreiten würde. In dem Falle ja, wohl schon. Andererseits möchte ich keine Tyrannin sein, die sich gegen eine tatsächliche Mehrheit stellen würde.

13.) Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

Ich sehe ein, dass ich falsch liegen kann und möchte keine Schuld an Leid tragen, das ich nicht habe kommen sehen.

14.) Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?

Ich möchte am liebsten gar nicht hassen. Es ist ein hässliches Gefühl und macht unzufrieden.

15.) Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass sie klüger werden oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.

Das kommt auf die Definition von Klugheit an. Mit meinen 31 Jahren bin ich durchaus der Meinung, noch mehr lernen zu können und zu wollen. Intelligenter werde ich aber wohl nicht.

16.) Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

Ist das nicht der Fallstrick an der Selbstkritik, dass sie uns überzeugender erscheint als alle Gegenstimmen, die uns Freunde und Wohlgesonnene geben?

17.) Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel und wenn es nicht dieselbe Sache ist: Wofür bitten Sie eher um Verzeihung?

Die Sache möchte ich hier gerne für mich behalten, aber es ist die selbe Sache. Ich bitte die andere Person um Verzeihung und wir müssen gleichzeitig lernen, mir zu verzeihen.

18.) Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Es war haarscharf damals, als mein Erzeuger meine Mutter dazu bringen wollte, mich abzutreiben. Den Termin hatte sie bereits. Mein Opa hat sie heraus geredet. Tatsächlich macht mich das ein wenig nervös, denn ohne Püppi in dieser Welt wären alle, die sie kennen, ein bisschen weniger glücklich.

19.) Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Manchmal vermisse ich den Rat meines Großvaters. Er hatte immer eine gute Sicht auf die Dinge. Das eine oder andere Mal habe ich mich schon gefragt, was er mir raten würde oder was er für mich wollen würde. Das hat mir die eine oder andere Wahl sehr erleichtert.

20.) Lieben Sie jemand?

Zwei Menschen.

21.) Und woraus schließen Sie das?

Ich denke ständig an sie, möchte sie bei mir haben und bin traurig, wenn sie es nicht sind. Ich fühle mit ihnen und für sie.

22.) Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wie erklären Sie es sich, dass es nie dazu gekommen ist?

Im Scherz würde ich jetzt sagen: pures Glück. Im Ernst gab es zwar bisher Menschen, die an dieser moralischen Grenze gerüttelt haben aber doch niemanden, der sie überschritten hat. Das würde schon extremer Umstände bedürfen und würde wohl erst dann eintreffen, wenn es um Leben und Tod meiner Tochter ging.

23.) Was fehlt Ihnen zum Glück?

Selbstliebe.

24.) Wofür sind Sie dankbar?

Meine Tochter. Ja, buhu, langweiligste Antwort ever und völlig absehbar. Doch sie war und ist das größte Geschenk meines Lebens. Nicht geplant und doch gewollt kam sie in mein Leben und hat mich gerettet und tut es bisher.

25.) Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches?

Als Hund im Zuhause meiner erwachsenen Tochter, um noch ein bisschen auf sie aufzupassen, auch wenn meine Zeit schon gekommen war.

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Bild: Max Frisch in der Galerie Erker, St. Gallen 1967; Photograf: Jack Metzger; Quelle

Deutschland oder England?

Die Abschlussarbeit steht bald an. Doch was kommt danach? Dass ich einen Master machen möchte ist recht klar. Nur wo? Und was danach?

Es bietet sich an, den Master in GB zu machen, denn da dauert es nur ein Jahr statt wie in Deutschland zwei. Außerdem habe ich dort eine größere Auswahl an dem, was ich studieren „darf“. Zu guter Letzt, ganz ehrlich: ich muss mal raus. Was sehen von der Welt. Ich stehe still. Eine radikale Änderung muss her.

So werde ich mich also an einigen Unis in der UK bewerben, aber auch in Deutschland. Mal sehen, wo ich einen Platz bekommen könnte. In Jena zu bleiben wäre die sichere Alternative. Hier bekomme ich auf jeden Fall einen Studienplatz, Püppi kann in ihrem Kindergarten bleiben, den sie und wir lieben; alles bliebe beim Alten. Das ist schön und fühlt sich sicher an, wird aber auch ein bisschen langweilig. Mehr vom Leben, bitte!

Ein großer Punkt ist da allerdings meine Mutter. Ich weiß, dass es sie aus allen Wolken reißen würde, zöge ich nach England. Mit ihrer kleinen Enkeltochter, die sie ohnehin schon nicht so oft sieht wie sie möchte. Ihr würde das Geld fehlen, mal eben nach England zu fliegen. Andererseits, so teuer ist das ja auch nicht mehr. Und man könnte etwas arrangieren, damit sie wenigstens eine Woche bleiben kann. Vice versa ebenso. Außerdem geht es den Großeltern väterlicherseits ja nicht viel anders, also vom finanziellen Aspekt mal abgesehen. Aber viel Urlaub im Jahr haben die auch nicht.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist der Gedanke an Püppis Zukunft. Konkret: Schule. Je mehr ich davon höre, wie das Schulsystem heutzutage in Deutschland läuft, desto mehr bin ich geneigt zu sagen: nein, danke! Einschulung oft schon mit 5, Druck ab dem ersten Schuljahr und die starre Methodik ist so verstaubt, dass man den Boden nicht mehr erkennen kann. Dagegen ist in GB etwa Homeschooling erlaubt, man kann also sein Kind aus dem Unterricht nehmen und selber oder anderweitig unterrichten und auf Tests vorbereiten, womit das Ganze individueller an Umstände angepasst werden kann. Klar, Einschulung ist dort auch mit 5 Jahren, aber nach dem was ich bisher hörte läuft diese sanfter ab. Zudem ist die Wahl der Fächer freier und es werden Bezüge zwischen den Fächern hergestellt, was in meinen Augen nicht nur sinnvoller, sondern auch nachhaltiger ist. Kostet dafür aber auch Geld. Wobei wir in Deutschland so viele versteckte Kosten haben, dass es am Ende wohl auf’s Selbe hinauskommt. Schon mit dem Ausstellen der Schultauglichkeitsbescheinigung fängt es ja an und hört bei Unterrichtsmaterialien noch lange nicht auf.

Obendrein klingt zumindest theoretisch das Leben in GB freier. Die Mentalität ist weniger verkrampft. Es gibt weniger Zwang und Bürokratie, mehr kann online erledigt werden als im deutschen #Neuland.

Ich habe aber auch Angst. Was, wenn ich versage? Vereinsame? Keinen Anschluss finde? Wenn ich vielleicht gar nicht dort wohnen darf und ausgewiesen werde? Wenn ich zurück will, warum auch immer, und somit Püppi wieder aus ihrem dann neu eingelebten Umfeld herausreißen müsste? Es ist so schwer zu entscheiden, wenn man eigentlich auch gar nicht weiß, was man will. Wie machen das Leute, die wissen, was sie wollen? Woher wissen die das?

Das Leben ist kein Melonenessen.

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Status Quo

Was habe ich mich lange um diesen Post gedrückt. Aber nun möchte ich doch einmal „Meldung machen“. Der letzte Status Quo Post ist schon etwas um 2 Monate her, doch es hat sich so unfassbar viel getan in dieser Zeit.

Anfang Juli ist der Engländer ausgezogen. Ich kämpfe sehr damit, fühle mich allein und bin viel traurig. Jedoch gelernt habe ich viel. Über mich, über uns. Dass mir Zeit gefehlt hat, Zeit für mich ganz allein, die ich in den 2 Jahren seit Püppis Geburt fast nie hatte. Gleichzeitig mag ich diese Zeit aber auch nicht, denn ich habe sie nur, weil ich versagt habe. Nein, wirklich versagt habe ich nicht, aber es fühlt sich so an. Es tut weh. Jeden Tag, jede Nacht. Die Depression ist jedenfalls stärker geworden, auch wenn ich hier und da phantastische Tage habe, an denen ich denke, dass es doch endlich bergauf geht. Und dann kommt wieder BAM ein Gefühlsumbruch und alles ist scheiße.

Püppi hatte zwischenzeitlich eine kleine, aber merkbare Rückentwicklung. Nicht verwunderlich, aber eine Sache mehr, die zu meinem Schmerz beiträgt. Sie weint viel im Kindergarten und ist auch zu Hause mehr traurig, vermisst ihren Papa, nach dem sie fragt. Sie schläft schlecht und manchmal erst sehr spät. Ist extrem anhänglich geworden (ich auch) und möchte nicht mehr in ihrem Bett schlafen, sondern in meinem. Das ist anstrengend, aber tut uns wohl beiden auch gut. Weiterentwickelt hat sie sich aber auch, neue Wörter gelernt, geht auf’s Klo und sagt nicht mehr erst nachher Bescheid, dass sie mal muss, sondern vorher. Gute Maus. Unheimlich lieb ist sie geworden mit ihrem Teddy, den sie liebt. Sie ist eine ganz tolle Teddymama, die ihn überall hin mitnimmt und im Puppenwagen umher schiebt, zu Bett bringt, füttert und wiegt. Beebi sagt sie dann und ich schmelze dahin.

Ebenfalls Anfang Juli habe ich eine Hiwi-Stelle (Hilfswissenschaftler) in einem größeren Museum begonnen. 40 Stunden im Monat, mehr ist auch gar nicht machbar mit Muttersein, Studium und der anstehenden Bachelorarbeit. Ich kann meine Zeit halbwegs frei einteilen und die Arbeit ist eher so meh, aber macht mich nicht fertig. Aktuell mache ich Überstunden, die ich in den nächsten Monat mitnehme, um nach GB fahren zu können, ohne Lohneinbuße zu haben.

Zukunftspläne mache ich fleißig, aber das wird mal ein eigener Beitrag.

Die letzten zwei Wochen hat der Engländer hier verbracht, weil Püppi und ich fürchterlich erkältet waren und gar nix mehr ging. Es funktionierte erstaunlich gut, wir sind auf einer ganz anderen Ebene als vor seinem Auszug. Die Distanz tat uns in dieser Hinsicht sehr gut. Offen für die Zukunft ist er.

Ich hatte einst gesagt, dass ich gar nicht weiß, ob ich ihn überhaupt zurückhaben will, nach allem was war… Aber wenn ich absolut ehrlich bin, dann ja, ja bitte, mit allem drum und dran. Ich will meine Familie. Ich will sie mit ihm. Ich will diesen ganzen Scheiß, den ich als Teenie immer völlig öde fand. Ich will Sicherheit und Rückhalt und Unterstützung, will glücklich machen und glücklich sein. Mit ihm. Püppi will das auch, das konnte ich ihr ganz deutlich anmerken.

Ich habe das Kinderzimmer umgeräumt, das Wohnzimmer ebenso, viel aussortiert, Neues ausprobiert und gelernt, versuche neue Routinen zu schaffen, was ich hauptsächlich muss, aber auch will. Meine Woche und besonders meine Wochenenden sehen komplett anders aus als vor dem Auszug und mein Leben ist nicht mehr mit dem zu vergleichen, das ich zuvor hatte. Das hat nicht nur Gutes; das hat nicht nur Schlechtes.

Meine Stimmungen und Meinungen zur neuen Lebenssituation sind so wechselhaft wie…naja wie nur Stimmungen es sein können zu etwas, das man eigentlich nie wollte, aber dann doch nicht der Weltuntergang ist, den man vorhersah. Zurück zu dem, was wir hatten, möchte ich nicht, hat es uns beide aufgefressen. So weiterleben wie jetzt allerdings auch nicht.

Es ist kompliziert.

Aufräumaktion: Kinderzimmer

Jetzt, da Püppi am Wochenende bei ihrem Vater ist, habe ich Zeit. Diese nutze ich, um die Wohnung zu entrümpeln und wohlgefälliger zu machen. Der größte Dorn im Auge war mir Püppis Kinderzimmer. Ihr vermutlich auch, denn sie hat fast nie darin gespielt. Ich kann es nachvollziehen. Es war einfach nicht einladend und fühlte sich beengt an. Das war also mein erster Punkt, den ich angehen wollte.

So sah es vorher aus und das war einfach nicht schön. Keine wirkliche Spielecke, sondern alle Bereiche vermischt. Eines der Regale war gar nicht zu erreichen, da die Spielküche davor stand, die ich neulich gefunden und mitgenommen habe und in einem nächsten Schritt einmal aufpeppen muss.

Zunächst habe ich alle Spielsachen ins Wohnzimmer auf einen Haufen geworfen. Das ist die KonMari-Methode nach Marie Kondo, von der ihr vielleicht schon einmal gehört habt. Ziel dabei ist, sich zu vergegenwärtigen, was man eigentlich von einer Kategorie hat, denn wenn die Sachen in Schränken verteilt sind, sehen sie gar nicht so viel aus und es ist schwieriger, sich zu trennen. Das war der Haufen:

Viel zu viel Spielzeug!

All das sammelte sich im Laufe der zwei Jahre an, die Püppi mein Leben bereichert. Zwischendurch hatte ich schon einmal Spielzeug aussortiert; ein weiterer Teil ihrer Spielsachen sind bei Papa. Die blauen Milchkartons sowie die grüne Wäschewanne rechts in den Bildern sind bereits vorsortiert nach behalten, weggeben und der Herzfreundin vermachen.

Nachdem der Haufen im Wohnzimmer entstanden war, ging es daran, alle Möbel aus Püppis Zimmer heraus zu räumen, sie zu säubern, den Boden zu wischen und das Mobiliar neu zu platzieren.

Das sah dann so aus:

Nun ging es ans Aussortieren der Spielsachen. Die Überlegung war: womit spielt sie und womit gar nicht? Was sind sentimentale Stücke? Was wird nicht mehr ihrem Alter gerecht?

Entscheidend war auch ein Video, das ich mir vorher anschaute. Darin ging es um den Zusammenhang von kognitiver Kindesentwicklung und Spielzeug. Forscher fanden heraus, dass je weniger ein Kind zu spielen hat, desto mehr Ressourcen nutzt es. Je spezieller ein Spielzeug ist, desto weniger regt es die Phantasie an und desto weniger wird damit gespielt, weil es dann eben nur noch in bestimmte Spielsituationen passt. Damit im Kopf fällt es noch leichter, sich von Dingen zu trennen.

Babyspielzeug war das erste, das ich aussortiert habe. Zwar schmerzt es ein bisschen, denn wer denkt nicht gern an die Zeit zurück, in der das Kind noch so klein war? Die Babyzeit ist nun aber wirklich vorbei und es gilt, sich weiterzuentwickeln. Ihr erstes Spielzeug, eine Rassel, habe ich behalten, der Rest wird das Herzfreundintöchterchen erfreuen. Manche Dinge kann ich vielleicht an Püppis nun ehemalige Kindergartengruppe geben, in die jetzt die ganz Kleinen kommen werden. Was dann noch übrig ist, kommt in den DRK-Laden.

Bücher hat sie auch so viele, dass ich da tatsächlich sortieren konnte: welche mag sie sehr und welche nicht? Letztere kommen weg, erstere kommen für sie immer greifbar in ihr Regal im Wohnzimmer. Soll ich euch einmal unsere Bücher vorstellen? Schreibt in die Kommentare, ob euch ein solcher Beitrag interessieren würde.

Im Wohnzimmer habe ich auch ein paar Spielsachen, schließlich ist das unser Raum und dort darf und soll sie auch gerne spielen. Den Raum werde ich in einer der kommenden Wochen einmal angehen, das wird ein größeres Projekt und eventuell brauche ich dafür Unterstützung.

Nachdem alles sortiert, geräumt und gereinigt war, ging es daran, es einzusortieren. Spielzeug für später wurde im Schrank verstaut, Spielsachen mit denen sie jetzt spielt greifbar und sortiert in die Spielecke. Zu beachten ist dabei vielleicht noch, dass nicht mehr alles wie vorher in undurchsichtigen Boxen verstaut war, sondern offen und einsehbar. Ich denke, dass das vorher ein Problem war, denn die Boxen hat sie sich nie herausgenommen.

So sieht das Zimmer jetzt aus. Es wirkt freundlicher und heller. Die linke Zimmerseite ist Spielbereich und durch das kleine Ik*a-Regal aufgeteilt: hinten Spielküche, vorne Spielecke mit Kuschelkissen und Decke. Eine große Pappbox ist noch da, worin sich ihre großen Bausteine aus Kunststoff befinden. Diese Box nimmt sie eigenständig heraus, weshalb das kein Problem sein sollte. Der Rest sind Holzbausteine, Dinosaurier, mit denen ich schon gespielt habe und für die sie eine Liebe (wohl auch durch Peppa Pig/ Peppa Wutz) dazu gewann, Autos und Diverses.

Die rechte Zimmerseite ist Schlaf- und Wickelbereich. Damit bin ich noch unzufrieden und muss mir eine neue Lösung überlegen. Ich mag offene Regale nicht. Vielleicht muss also dieser Schrank weichen – nur habe ich dann das Problem, alles unterzubringen. Denn auch Kleidung hat sie leider zu viel. Den Wickelbereich finde ich nun aber schöner. Er ist sehr kompakt und ich habe alles griffbereit, was ich dort brauche. Ganz lange wird sie das nicht mehr brauchen, denn das Trockenwerden fing bereits an. Das Gitter am Bett werde ich wohl auch in den nächsten Monaten entfernen, dann sieht die Seite wieder etwas weniger voll aus.

All das hat etwa drei Stunden gebraucht, was doch wirklich schneller als gedacht ging. Vielleicht werde ich also noch einmal herum räumen.

Wie findet ihr es?

Wenn ihr auch über das Ausmisten im Kinderzimmer gebloggt oder ein Video erstellt habt, lasst gerne einen Link in den Kommentaren.

Liebe Grüße,

nickel

Hört auf, Müttern Angst zu machen!

Liebe Ärzte, liebe Großeltern, liebe Hebammen,

wir müssen reden.

Immer wieder erfahre ich aus meinem Freundeskreis von jungen Müttern, wie gestresst sie sind, weil bestimmte Dinge noch nicht klappen, die doch eigentlich klappen müssten, weil bei allen anderen es doch (gefühlt) auch funktioniert.

Das ist fürchterlich.

Ich habe es selbst ebenso erlebt. Das fängt schon in der Schwangerschaft an: Mama nimmt zu viel oder zu wenig zu, Mama isst nicht ausreichend oder zu viel, das Kind ist zu klein oder zu groß, wenn man nach der Tabelle geht…

Ist das Kind geboren, wird es weiterhin in alle möglichen Tabellen gepresst: Größe, Gewicht, Trinkmenge, Schlafgewohnheiten…

Und immer wieder wird mit Angst gearbeitet: Wenn Du Dein Kind im Bett schlafen lässt, könntest Du es im Schlaf ersticken; wenn es nicht bei Dir schläft, könntest Du Anomalien nicht mitbekommen und dann stirbt es am plötzlichen Kindstod. Wenn es einen Tag zu früh Brei bekommt, wird es krank, wenn es einen Tag zu spät Brei bekommt, bekommt es Ernährungsstörungen. Und WEHE das Kind geht nicht ab einem ganz bestimmten Zeitpunkt selbständig aufs Klo, ABER DANN!

Zum Teufel mit diesen Tabellen, mit diesen ewig aufgedrückten Zwängen! Das Kind trinkt weniger, als es nach Tabelle sollte? So what? Ist es gesund, macht es einen guten Eindruck und ist fröhlich, dann ist es egal, ob es nun ein paar Milliliter mehr oder weniger getrunken hat: dann braucht es einfach nicht mehr oder weniger! Wir Erwachsenen sind so individuell, wie wir es sein wollen. Warum spricht man das den Kindern ab? Eine Freundin sagte mir einmal traurig, dass ihre Zwillinge gar nicht so viel Milch trinken wie sie laut Arzt sollten. Zum einen waren die beiden da noch so winzig, dass ich mich fragte, wie auch noch mehr in sie hinein passen sollte – die Tabellen sind auf Durchschnittswerte ausgelegt, aber wer hat denn schon Durchschnittswerte? Zum anderen waren die beiden so sichtlich gesund, dass ich ein bisschen wütend wurde, dass meiner Freundin, die wirklich hinreißend für ihre Zwerge sorgte, solcher Druck gemacht wurde. Wem soll das helfen?

Meine Mutter hat mich noch zu DDR-Zeiten geboren und aufgezogen. Damals gab es ganz harte Vorschriften: wenn das Kind mit einem Jahr noch nicht trocken war, dann hatte die Mutter versagt! Ich kann mich erinnern, dass die Windel-Kinder in der Krippe/ im Kindergarten morgens erst einmal eine Stunde lang auf den Topf gesetzt wurden. Gott sei Dank ist das heute verboten – zu Recht! Püppi fängt gerade erst an, trocken zu werden. Vor einem Monat feierte sie ihren zweiten Geburtstag. Schon als sie noch nicht einmal richtig sitzen konnte, entwickelte meine Mutter eine ungesunde Obsession für Püppis Töpfchentätigkeiten. Ich kann es verstehen, meine Mutter kennt es so – es ist aber wahnsinnig anstrengend, bei jedem Gespräch gefragt zu werden „Und? Geht sie schon aufs Töpfchen?“ Mit fortlaufender Zeit wandelte sich die Intensität der Fragen: „Und? Geht sie jetzt endlich aufs Töpfchen?“

Auch beim Essen, der Beikost, gab es Druck von mehreren Seiten. Man solle bloß um Himmels Willen mit 5 Monaten, spätestens mit 6, anfangen, Beikost zu geben. Was soll ich sagen, da hat Püppi mich noch angeschaut als sei ich nicht ganz bei Trost mit meinem Löffel voll Möhrchenpampe. Also habe ich ignoriert, dass Ärzte und andere Eltern immer wieder fragten: „wie viel isst sie denn schon? WAS? Noch gar nichts?!“ Dann habe ich es eben mit 8 oder 9 Monaten noch einmal versucht, nach einer Woche festgestellt: Brei ist einfach nicht ihres, aber gekochtes Gemüse geht und siehe da, Püppi isst gerne und ausreichend. Wobei selbst „ausreichend“ schon wieder so subjektiv ist, dass mancher wohl die Augenbraue heben würde, ob der großen und winzigen Portionen, die sie manchmal isst. So wie der Tag eben ist. Aber geht es uns nicht allen so?

Ich selbst muss mich ja auch manchmal zusammenreißen, meine Erfahrungen nicht 1:1 auf die Kinder anderer übertragen zu wollen. Denn auch wenn ich ein paar Dinge gelernt habe im Laufe der Zeit als Mama: diese Erfahrungswerte sind sehr speziell und passen in der Regel auch nur auf ein Kind, nämlich auf meines. Was bei Püppi geklappt hat, kann bei anderen schief gehen und vice versa. Die Herzfreundin fragt mich ab und an um Rat, das freut mich auch sehr, ich komme mir dann vor wie eine Expertin. Dann mache ich ihr aber Vorschläge und sage immer dazu, dass es bei Püppi zwar so klappte, es aber keine Allgemeingültigkeit besitzt. Ich mache Vorschläge und keine Vorschriften.

Liebe Mamas,

hört auf eure Intuition! Lasst euch nicht verunsichern!

Ich weiß selber sehr genau, dass das leichter gesagt ist als getan. Gerade in den ersten Lebensmonaten des Kindes ist man doch sehr verunsichert. Wenn ihr aber das Gefühl habt, dass alles in Ordnung ist und es so klappt, wie ihr es macht, dann ignoriert die Tabellen, ignoriert die strengen Regeln, die an euch heran getragen werden. Ihr macht das schon!

Es ist unendlich anstrengend, immer wieder diskutieren zu müssen, weil etwa eure eigenen Mütter ganz andere Vorstellungen haben als ihr. Ich sag euch eins: spart euch die Energie. Diskutiert nicht. Das ist gar nicht schlimm und ihr seid keine schlechten Mütter oder Töchter. Ihr habt eben einfach eure eigenen Ideen. Das was ihr sagt, ist Gesetz. Niemand anderes kann euch da reinreden. Selbst eure eigenen Mütter nicht. Ja, sie haben ihren Job damals auch gut gemacht. Aber Zeiten ändern sich, Erziehungsstile ändern sich. Aber eure Mütter hatten schon ihre eigene Zeit. Jetzt seid ihr dran.

Und wenn es mal wieder heißt „Das musst Du aber anders machen!“, dann bedankt euch für den Ratschlag, sagt, dass ihr das erst einmal selber versuchen möchtet und dass ihr aber gerne darauf zurück kommt, wenn es nicht funktionieren sollte. So gab es mit meiner Mutter nach monatelangen Dauerdiskussionen auch endlich einmal Frieden.*


*Bisher hat aber fast alles so geklappt, wie ich es versucht habe. Wer kennt schließlich mein Kind besser als ich?

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Diese Woche war ich zu Hause. Hausarbeiten schreiben. Ich dachte, das dürfte ja in dieser einen Woche zu erledigen sein, wenn ich da ganz ungestört für ein paar Stunden am Tag arbeiten kann. Pustekuchen. Püppi hat sich und mir eine kleine Fiesigkeit aus dem Kindergarten mitgebracht, und so hingen wir beide viel über der Schüssel, schliefen uns aus und kuschelten ganz viel. Tja, die 1. Hausarbeit ist immerhin bei 1/3 und die zweite steht im Konzept. Für nächste Woche konnte ich mir auch noch einmal eine freie Woche schaffen. Zwar mit zwei Exkursionen. Auch wenn das jetzt alles nicht so lief wie geplant. Aber endlich wieder intensive Püppizeit, nachdem das aufgrund meiner Arbeitszeiten im Praktikum kaum geht, tat sehr sehr gut. Beiden. Es zeigte mir außerdem, dass Vollzeit zu arbeiten zumindest bis zum Schuleintritt für mich so nicht in Ordnung geht. Was ich nie gedacht hätte. Ich bin immerhin so aufgewachsen, dass meine Mutter jede Woche ihre 40h runter riss und danach genauso geschafft war wie ich heute, wenn ich nach Hause komme. Das will ich nicht. Obwohl das für mich selbstverständlich war, schließlich muss ich ja Geld verdienen und selbständig sein. Wie das mal wird muss ich sehen. Muss aber auch nicht heute entschieden werden. Wer weiß, in was ich noch hinein stolpern werde.

Auch diese Woche hatte ich ein Vorstellungsgespräch, auf das ich mich wahnsinnig freute. Ohne lange drum herum zu reden: Es war erfolgreich! Bald kann ich als Hiwi (Hilfswissenschaftlerin, offiziell studentische Hilfskraft) anfangen. 40 Stunden im Monat. Ich könnte bis zu 80 erhöhen oder auch weniger arbeiten, wie ich das möchte oder brauche. Nach meinem Bachelor kann ich dort weiter bleiben und als wissenschaftliche Hilfskraft ein bisschen mehr Geld verdienen. Was es nun dingfest gemacht hat für mich: ich werde auch meinen Master hier machen. Das war in der Schwebe. Und von Geld abhängig. Wie viel ich darüber erzählen werde, muss ich mir noch überlegen, fest steht aber, dass es unheimlich spannend ist und für mich und überhaupt eine einmalige Chance. Eventuell bekomme ich sogar einen Fuß in eine Tür, die zu einer späteren Karriere führt. Kann noch immer kaum glauben, dass ich an diese Stelle gekommen bin, geschweige denn sie auch tatsächlich bekommen habe.

Privat läuft es auch besser. Der Püppipapa hat eine Wohnung gefunden, überlegt aber noch, ob er nach Ende meines Praktikums schon oder erst nach meiner Bachelorarbeit auszieht. Auch ist er nicht mehr so gegen einen erneuten Versuch wie er zuvor war. Ich habe ihn also genau da, wo ich ihn haben wollte, was aber ganz und gar nicht manipulativ verstanden werden sollte. Dass er auszieht, ist unabdingbar, das muss ich schon sagen. Auch ich brauche diesen Abstand und auch ein bisschen Zeit, um Dinge zu verarbeiten und wieder zu mir selbst zu finden. Dass es aber nicht heißt, dass alles für immer und ewig vorbei ist, beruhigt mich.

Was mich auch über alles freut ist die Tochter meiner Herzfreundin, die vor 2 Wochen gesund und wunderschön zur Welt kam. Zwar kann ich sie wegen unserer aktuellen Seuche hier nicht wie geplant besuchen. Doch das heißt ja nur, dass ich mich noch ein bisschen länger drauf freuen kann, sie kennen zu lernen. 😉

So, auch wenn es aufwärts geht, habe ich doch trotzdem noch unheimlich Zeitdruck. Ihr möget mich bitte entschuldigen.