Fluch und Segen moderner Technik

Schon wieder ein Monat rum seit dem letzten Beitrag. Time flies!

Was gibt es Neues im Mäuseheim?
Nun, zum einen ist Mr. English seit letztem Wochenende wieder in England, um seinen Abschluss zu machen. Er ist etwa anderthalb Monate lang weg und wenn er wieder kommt, dann bleibt er für immer. Das ist eine tolle Aussicht. Und doch leide ich sehr unter der Trennung auf Zeit. Er fehlt mir sehr, ich bin bis auf wenige Stunden in der Woche alleine und der Alltag mit großer Kugel ist alleine auch echt schwer zu wuppen. Nach einem langen tränenreichen Gespräch mit der Therapeutin geht es mir allerdings sehr viel besser und ich kann mich endlich wieder aufraffen, statt im Bett zu sitzen und zu heulen. Ist gar nicht so lange, eigentlich. Und ich bin mächtig stolz auf Mr. English, denn was er jetzt in kurzer Zeit geschafft hat ist wirklich bewundernswert. Zudem hat er bald einen Uniabschluss und das ist wirklich toll!

Ich hoffe allerdings inständig, dass das Kind sich geduldet, bis Daddy wieder hier ist. Weiterlesen „Fluch und Segen moderner Technik“

Schönen Dank auch

Unschöne Begegnungen oder: Lasst mich in Ruhe schwanger sein!

Neulich auf einem Amt. Als das Offizielle erledigt ist, stelle ich noch eine Frage zu Behördengängen nach der Geburt, die mir auch einfach und freundlich beantwortet wird. Ich bin zufrieden, wir verabschieden uns höflich voneinander und ich bin gerade dabei, meine langsam aber sicher enger werdende Jacke anzuziehen, als die Bearbeiterin fragt:

„Wann ist es denn soweit?“

„Ach, dauert noch dreieinhalb Monate“ sage ich und ziehe den Reißverschluss zu.

WOW!“ entfährt es ihr, während sie auf meinen Bauch starrt.

Ich bin völlig perplex ob dieser Reaktion. Es passiert nicht oft, doch mir fällt absolut nichts ein, was ich sagen könnte, also glotze ich wie ein Reh ins Scheinwerferlicht.

Es ist nur”, setzt sie an, „heute war schon eine Schwangere da, die im gleichen Monat Termin hat und da sah man NIX!

„So ein Stuss!“ sage ich nicht, denke ich aber und schweige weiter mit einem skeptischen Lächeln und hochgezogener Augenbraue. Wie sie sich da jetzt herauszuwinden versucht bin ich gespannt.

„Naja…“ sagt sie weiter, ich lausche gespannt, „Hauptsache es ist gesund, nicht wahr?“

Wäre ich an dieser Stelle nicht sofort gegangen, hätte sie mein zur Faust geballtes Gesicht wohl noch gesehen.

Bis dahin habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie „normal“ die Kugel eigentlich für den entsprechenden Zeitabschnitt aussieht. Ist ja auch Unsinn. Eigentlich.

tribal, Trennung, Absatz

Zwei Wochen später, in der Straßenbahn. Ich habe einige Wege in der Stadt erledigt und möchte nur noch nach Hause. Mir tut der Rücken weh und noch einiges mehr, was nach längerem Umherlaufen vorkommt.

Ich will mich auf einen gekennzeichneten Sitzplatz setzen, die für solche Fälle in den Bahnen angebracht sind.https://i2.wp.com/www.bekaverlag.de/media/catalog/product/cache/1/image/9df78eab33525d08d6e5fb8d27136e95/2/0/20380_g.jpg_1.jpg

Ich sitze schon fast, als sich eine Frau vor mich schiebt, mich anblickt und kackdreist grinst. Ich starre sie an mit meinem „Echt jetzt?!?“-Blick und kann nicht fassen, dass die gerade wirklich tun will, was ich glaube dass sie tun wird.

Wir starren uns ein wenig gegenseitig an, es scheint wie einer dieser Staring Contests. Mir liegt ein Spruch auf den Lippen, doch ich bin müde und habe auch gar keine Lust, eigens zu diesem Zweck eingeatmete Luft durch meine Luftröhre zu pressen, meine Stimmbänder zur Vibration zu bringen, mit meinem Mund verschiedene Laute zu formen und das alles nur, um sie darauf hinzuweisen, dass sie gerade dabei ist, sich wie eine blöde Kuh zu verhalten. Hätte ich so nicht gesagt, sondern einen Spruch gebracht wie etwa „Ich bin schwanger, ich gewinne!“ Aber wie gesagt, all die Mühe?

Mein Bauch ist ja offensichtlich genug, denke ich an die Begegnung im Amt zurück und bewege mich Richtung Sitz, als sie ihre Taschen dorthin wirft und sich hinsetzt.

Im Vorbeigehen schüttele ich den Kopf bis mir schwindelig wird und lasse mich auf einen engen Sitz fallen, der glücklicherweise noch frei war (zu ihrem Glück jedoch, nicht zu meinem!) und muss über die mir gegenüber sitzende Frau schmunzeln, die das alles mitbekommen hat und mich nun ungläubig mit geöffnetem Mund anschaut.

Ja, das habe ich mir auch gedacht.

 

Blogstöckchen gefangen!

Bei der lieben Anna von Weib and the City bin ich über folgendes Blogstöckchen gestoßen und da ich in letzter Zeit mal wieder so richtig Lust hatte, eines zu beantworten, habe ich es mir geschnappt und hierher getragen.

1.Hältst du dich für einen guten Menschen?

Was ist denn ein guter Mensch? Das ist schon sehr subjektiv, finde ich. Für mich ist das jemand der versucht, anderen zu helfen, ein offenes Ohr für seine Mitmenschen hat und nicht nur an sich denkt. Ich zähle mich zu dieser Gruppe, soweit eine Selbsteinordnung da möglich ist, ohne mich bemühen zu müssen, denn das sind für mich einfach „normale“ Dinge im Umgang miteinander.

Erinnert mich auch an einen total bescheuert verwendeten Begriff, den des Gutmenschen. Wenn „linksgrünversifte“ Leute, die sich in meinen Augen vor allem durch Solidarität, Verständnis und Menschenverstand auszeichnen, als Gutmenschen „beschimpft“ werden, ja wofür stehen dann die Rechten, die sie als solche zu diffamieren versuchen?

2.Was sammelst du?

Beim Umzug erneut festgestellt: Bücher. Furchtbar, wenn man die alle irgendwie in eine neue Wohnung bekommen muss. Aber ohne Bücher fühlt sich eine Wohnung einfach nicht als meine Wohnung an.

Ansonsten versuche ich, meinen Krimskrams so gering wie möglich zu halten.
Mr. English’s Habseligkeiten passten erstaunlicherweise in 2 Taschen.

3.Über welches Thema schwadronierst du am liebsten?

Eigentlich alles mögliche. Mein Studium macht mir Freude und ich finde die meisten Themen dort spannend. Politik (immer wieder ein Aufreger jeden Tag…), Forschung (vor allem medizinische, computertechnische und astrologische Entdeckungen bringen mich immer wieder zum Staunen), hin und wieder auch mal ein bisschen Plauderei

4.Ich bin die gute Fee, was wünscht du dir?

Dass mit meinem Zwerglein alles gut wird.

5.Auf was in deinem Leben könntest du am ehesten und auf was am wenigsten verzichten?

Am ehesten wohl auf Facebook, am wenigsten auf meine Liebsten.

6.Was bedeutet Liebe für dich?

Geborgenheit, Gemeinsamkeit, Zuhausefühlen, Freundschaft, Verbundenheit…

7.Wie gehst du mit Traurigkeit um?

Das kommt auf die Art der Traurigkeit an. Ist es einfach mal wieder die übliche Tiefphase, die ich gelegentlich eben habe, lenke ich mich ab, treffe Freunde, höre fetzige Musik, tu mir etwas Gutes.

Hat sie einen konkreten Grund, spreche ich darüber, auch wenn es mir schwer fällt und vor allem lasse ich sie zu. Das Zulassen war ein großer Schritt für mich in der Trauerbewältigung, danach ging es langsam aber stetig besser.

8.Was würdest du mit einem Sabatical anfangen?

Serviceblog:

Das Sabbatical oder das Sabbatjahr ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub.

Der aus den USA stammenden Begriffs sabbatical, nach dem biblischen Sabbatjahr, wurde von Professoren an US-amerikanischen Universitäten für ein Forschungssemester oder Freisemester geprägt.

Im weiteren Sinne beschreibt Sabbatical/Sabbatjahr oder auch gap year einen Zeitraum der Teilzeitarbeit oder Auszeit.

Quelle: Wikipedia

Ich hatte ein ähnliches Jahr unfreiwilligerweise bereits, als ich mein Soziologiestudium nicht bestand und mir überlegen musste, was ich nun mit meinem Leben anfangen soll. In dieser Zeit habe ich sehr viel über mich selbst gelernt und vor allem, was ich nicht will.

Ein richtiges, geplantes und gewolltes Sabbatical würde ich nutzen, um die Welt kennen zu lernen und mit Mr. English und dem Zwerglein zu reisen. Ich wollte ja schon immer mal in so viele Regionen der Erde und deren Kulturen kennenlernen, das Essen, das Leben, den Puls. Ich denke, auch dabei kann man über sich selbst so einiges in Erfahrung bringen – und vor allem sieht man danach sein eigenes Leben und die Arbeit ganz anders.

9.Du bist wieder 18 und musst die Entscheidungen für deine Zukunft treffen, wie würdest du dich entscheiden?

Ich habe viele Dinge getan, die man wohl als Fehler bezeichnen könnte, bin durch unzählige Hürden marschiert, hatte tolle und schlimme Zeiten. Ich könnte schon lange mit dem Studium fertig sein, hätte ich gleich gefunden, was ich jetzt mache. Doch andererseits denke ich, dass gerade diese Umwege mich am meisten geprägt haben und ich das, wa sich habe, erst dadurch zu schätzen weiß.

In Anbetracht dessen würde ich vielleicht ein, zwei Dinge und Menschen auslassen und mehr auf mich selbst als auf andere hören, aber das meiste genau so nochmal machen, auch wenn’s schwer war.

10.Du kannst entweder 500 Euro im Monat mehr verdienen oder deine Arbeitszeit um fünf Stunden pro Woche kürzen, was tust du?

In meiner aktuellen Situation nähme ich die 500€. In einem Vollzeitjob jedoch entschiede ich mich für die fünf geschenkten Wochenstunden (ist doch bei gleicher Bezahlung, nicht?), denn Zeit schätze ich höher als Geld.

11.Welche Songs wünscht du dir für deine Beerdigung?

So für den Einstieg eher „normal“ melancholische Lieder, etwa When Doves Cry, die Nirvana-Version von The man who sold the World, später dann was Nettes von Volbeat, vielleicht Warrior’s Call, und I am a Revenant von den Distillers denn wer mich kennt weiß, dass ich bis zum Schluss Kämpfer und Rebell bin und gegen Ende dann erheiternde Musik wie Another One bites the Dust. Und als letztes Lied bitte For tonight you’re only here to know, ja auch wieder Distillers. Und auf der Aftershowparty dann bitte ordentlich Grimes, bissl Metal, bissl HipHop und ganz viel Party, ok? Und singt auf jeden Fall mal alle zusammen Bohemian Rhapsody für mich, danke.

Hoffnung

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Im Laufe des Erwachsenwerdens, das in etwa ab der Pubertät beginnt, lernen wir, dass das Leben nicht nur entweder gut oder schlecht ist, sondern dass es unzählige Facetten dazwischen gibt. Ein freudiges Ereignis kann ein Aber beinhalten und selbst das größte Unglück kann einen kleinen hellen Schimmer in sich tragen.

Die Kunst mit diesen grauen Massen zwischen Entweder und Oder umzugehen besteht darin, Dinge akzeptieren zu lernen. Das gilt nicht nur für Negatives, sondern auch für Positives, das man sich gelegentlich nicht gönnt oder für unverdient hält. Es geht darum, nicht übermäßig optimistisch oder pessimistisch zu werden, sondern eine Balance zu finden, ohne jedoch in Gleichgültigkeit abzudriften.

Gut und Böse, Recht und Unrecht – manchmal wäre es einfacher, das Leben bestünde aus Dichotomien. Doch wir wabern durch ein Geflecht aus Grauzonen, das weit mehr als 50 Abstufungen umfasst. Gelegentlich möchte man die Haare raufen ob der Uneindeutigkeiten, derer es kein Entrinnen gibt.

Und manchmal, ganz selten, doch es kommt vor, wünschte ich, eine Situation sei eindeutig, durchsichtig, greifbar. Lange Zeit jedoch balancierte ich auf der Trennlinie zwischen akzeptabel und inakzeptabel, sodass ich unzufrieden war, jedoch nicht genug, um etwas an der Situation zu ändern. Es war gemütlich, in meiner Komfortblase zu verweilen, auch wenn ich stets mit den Gedanken in anderen Sphären schwebte.

So ließ ich mich hinreißen die Welt zu erkunden, ein Fuß in Sicherheit, mit dem anderen in Abenteuern. Auf meinen Erkundungstouren war ich allein. Den Partner, mit dem ich diese Erlebnisse teilen wollte, den gab es nicht mehr. Wir hatten uns auseinander gelebt. So teilten wir Bett und Tisch, doch kein Leben mehr, keine Innigkeit und Verbundenheit, wie ich sie mir für eine Beziehung wünsche. Die Hoffnung, das „alte Wir“ zurück zu bekommen, hatte ich längst aufgegeben, doch war es auch eine Hoffnung, so gesehen auf ein Wunder, die mich hielt.

Es geschah jedoch, dass ich mich verliebte. Langsam, aber intensiv. Aus einer schönen Freundschaft erwuchs weit mehr. Ich wehrte mich, wollte es nicht zulassen, konnte doch keinen Verrat, keinen Betrug begehen. Doch wie es so ist mit Gefühlen: es ist zwecklos, sich ihnen entgegen zu stellen. Je intensiver sie sind, desto mehr nagen sie. Ohne es zu wollen befand ich mich in einer Situation, die ich stets verurteilte, da ich sie für unmoralisch hielt. Ich hatte mich getäuscht! Situationen sind nicht immer herbeigeführt und nicht immer gibt es einen einfachen Weg heraus. Nicht immer ist Moral der priorisierte Wert und nicht immer gibt es einen sauberen Schnitt.

Mr. English jedoch, der Mann, mit dem ich sein wollte, war weit weg, eine Tagesreise nur, doch zu weit, als dass die bewusste Entscheidung für ein Wir einfach gewesen wäre. Es war lange ein Vielleicht. Bis zu jenem Tag, der alles verändern sollte, der alles auf den Kopf stellte.

Mohnblüte


Das Leben ist laut geworden. Mancher Tage möchte ich mir die Ohren zuhalten ob des Krachs aus Social Media, Nachrichten und Straßenlärm. All der Hass, die Missgunst und der Neid kratzen an meiner zarten Hülle. Wenn ich die sich über meinen prallen Bauch spannende Haut streichle, frage ich mich, wie die nachfolgende Generation unsere Zeit beurteilen wird und was unsere Kinder erwartet. Manchmal habe ich ein wenig Angst, eine zarte Seele in ein Haifischbecken zu stoßen. Doch ich weiß auch, dass ich mein Bestes geben und viel Liebe schenken werde. Bis an mein Ende. Ob das reicht kann ich nicht sagen. Doch ich glaube ganz fest daran, dass Liebe die vernünftige Unvernunft ist, die Zukunft bringt.

***

Mr. English und ich haben eine Wohnung gefunden, in der wir die nächsten Jahre gemeinsam verbringen wollen. Nicht, dass damit alles geklärt wäre, was zu klären ist, doch nimmt es eine große Last von unserer beider Schultern, ab kommenden Monat nicht wohnungslos zu sein. Studium und Ämterstress sind auch weiterhin große, klaffende Baustellen.

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Das Leben ist laut geworden. Doch meistens liebe ich es. Niemals ertrinke ich in Langeweile und auch nicht mehr in meinen eigenen Gedanken. Schon, es gibt Momente, in denen ich aufgeben möchte. Dann ist alles zu viel. Doch weiß ich jemanden an meiner Seite, der mich versteht, der mich auffängt und in jenen Momenten Ruhe spendet. Der mich auf ein Feld mit rotem Mohn entführt und zeigt, dass alles halb so schlimm ist, so lange es Blumenwiesen gibt. Weil wir das schaffen können. Gemeinsam. Und weil meine Empfindsamkeit kein Problem ist, sondern sie einfach zu mir gehört und ich gut bin, wie ich bin.