Im Stress II oder: ARGH!

Im letzten Post zu meiner aktuellen Situation habe ich aufgelistet, was mich derzeit unter anderem stresst. Da ich an diesen Baustellen gearbeitet habe, hier ein kurzer Überblick, was neu ist.

1.) Püppi. Zu meiner freudigen Überraschung hat sie tatsächlich angefangen, auf Nein! zu hören. Sie weiß, dass sie etwas nicht soll, wenn ich das sage. Sie tut es zwar trotzdem oder versucht es, hört aber auf, sobald ich sie ermahne. Ich versuche außerdem, nicht immer nein zu sagen, sondern sie stattdessen abzulenken und das klappt ganz gut. Um ihrem Spielzeug-Chaos ein bisschen Einhalt zu gewähren, habe ich zudem ein System eingeführt, bei dem sie nicht mehr Zugriff auf alle Spielsachen gleichzeitig hat, sondern immer nur ein paar Spielsachen draußen sind. Ich denke, das ist auch gesünder für so ein Baby Kleinkind, das ja auch überfordert werden kann von zu viel Auswahl. Ich habe mir außerdem noch ein System ausgedacht, bei dem sie täglich zwischen 3 oder 4 Kisten wählen kann, die ich mit verschiedenen Spielzeugen bestücke, sodass sie auch etwas Abwechslung hat, aber eben auch Einschränkung. Mal sehen, ob das klappt.

2.) Wohnung. Wir haben ein paar Möbel umgestellt und es sieht gleich einladender aus, wir haben mehr Platz im Wohnzimmer. Ich habe ein paar Dinge aussortiert und verschenkt. (Diesmal übrigens nicht über eine Plattform, sondern im Karton, den ich zugänglich für unsere Nachbarn aufgestellt habe. Kein Stress, fast alles Zeug war weg.) Zudem haben wir uns einen Plan erstellt, bei dem wir nicht nur jeweils Arbeits- und Babyzeit haben, sondern auch gemeinsame Zeit, die wir unter anderem zum Putzen nutzen werden.

3.) Krankenkasse. Mein Berater meldet sich weiterhin nicht, trotz erneuter Mail. Mittlerweile konnte ich immerhin erfahren, dass er meinen Antrag nicht weitergeleitet hat, so dass ich ihn jetzt nochmals direkt selber an die entsprechende Stelle gesandt habe. Ich bin massiv genervt, da wir ja auch noch immer keinen geklärten Versicherungsstatus haben. Im schlimmsten Fall zahle ich fast 200€ monatlich statt der Hälfte, was ich einfach nicht finanzieren kann. Wie das zu bewerkstelligen ist kann mir auch keiner sagen. Zudem: ich müsste dringend zu verschiedenen Ärzten, kann aber nicht, da keine Karte. Schöne Scheiße.

4.) Kindergarten. Den Ordner gestalten wir nun zusammen in unserer gemeinsamen Zeit, was ich gut finde. Zwischenzeitlich waren wir im Büro, da ich Fragen zum Vertrag hatte – zum Glück! Irgendwie ist dort ein Fehler unterlaufen und wir wurden unter Kündigungen abgeheftet, wir haben aber definitiv nicht gekündigt und auch nichts dergleichen gehört. Jetzt ist alles gut. Das hätte eine böse Überraschung werden können, hätte man unseren irrtümlich gekündigten Platz weiter vergeben. Uff.

5.) England. Easyjet sollten sich umbenennen in Complicatedjet. Deren System erkennt die Passnummer des Kinderreisepasses nicht, sodass wir keine Boardkarte drucken können. Immerhin haben wir Sitzplätze nebeneinander bekommen. Dennoch müssen wir nun noch früher am Schalter sein, um Püppis und meinen Boardingpass noch ausdrucken zu lassen. Meh.

6.) Uni. Ich habe grobe Pläne erstellt, bibliographiert und schon einige gute Artikel gefunden. Es wird sehr knapp werden.

7.) Bauarbeiten. Tja, da kommen wir nicht drumherum. Bald ist Wohnungsbegehung, dann kann ich meine Fragen zu Internet und dergleichen stellen. Wenn der Vermieterverein so geil auf Verbesserung der Wohnungen ist, hätte ich da noch einige Punkte, die wichtiger sind als schicke Wandfarbe im Treppenhaus. Ein Fliesenspiegel in der Küche etwa. Vernünftige Türen. Den Fliesenspiegel im Bad so erweitern, dass man da im Stehen duschen kann, ohne die Tapete jedes Mal einzuweichen. Eine Rollstuhl- und Kinderwagenrampe, die man auch benutzen kann (aktuell 40° Winkel. Vergiss es. Hätte ein lieber Nachbar uns gestern nicht geholfen, wäre Püppi echt in Bedrängnis gewesen, da ich leider von den lächerlichen Rampenstreifen abkam.)

Ich würde ja auch einfach mal wieder vernünftig schlafen, entspannen, nichts tun. Ich brauche so dringend Urlaub aber habe dafür keine Zeit. Ich drehe noch durch. Kurzzeitig überlegte ich, ein weiteres Urlaubssemester einzulegen, weil ich so erschöpft bin. Bringt aber auch nichts, dann komme ich nur noch mehr in finanzielle Not. Wenn man aus dem Raster des Sozialsystems fällt, ist man so richtig am Arsch.

Und bei euch so?

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Im Stress

Aktuell bin ich gerade völlig gestresst, permanent auf Hochtouren und fühle mich entsprechend erschöpft. Was ist los?

1.) Püppi. Mit Püppi ist alles in Ordnung, darüber bin ich sehr dankbar. Und ich freue mich, dass sie aufgeweckt ist und neugierig und die Welt erkunden möchte. Sie ist lustig und lacht gerne, was mich ansteckt. Sie entdeckt gerade diverse Gefühle, was anstrengend sein kann. Aber damit, dass vor ihr nichts sicher ist, treibt sie mich in den Wahnsinn. Ich weiß nicht mehr, wo ich Dinge noch verstauen soll, die nicht für sie geeignet sind. So groß ist meine Wohnung einfach nicht und so viele Schränke außerhalb ihrer Reichweite haben wir auch nicht. Leider ist das Badezimmer, der einzige Raum, in den sie nicht gehen darf, außer wir baden sie, so klein, dass man da nichts unterbringen kann. Zumindest Reinigungsmittel etc wären dort gut aufgehoben.

2.) Was mich zum zweiten Punkt bringt: Wohnung. Es herrscht Chaos. Dadurch, dass Püppi sämtliche Schränke und Schubladen ausräumt und ihre eigenen Spielsachen zusätzlich verteilt, sieht es bei uns immer aus, als hätte gerade jemand seinen Kram bei uns beseitigt. Schöner Kram, aber trotzdem. Ich komme einfach kaum dazu, so aufzuräumen, dass es wirklich vorzeigbar wäre. Und wenn ich das einmal tue, sieht es spätestens nach ihrem Schläfchen wieder aus wie vorher. UARGH!

3.) Krankenkasse. Mein Berater ist entweder faul oder unmotiviert, was aber aufs Selbe hinaus läuft: es passiert einfach nichts, es geht nicht voran. Seit 1. Juni sind wir in der neuen Versicherung, wir haben noch immer keine Versicherungskarten erhalten. Der Berater wollte einen Antrag auf Verschieben der Frist stellen, die besagt, dass man ab 30 keinen Anspruch mehr auf studentische Versicherung hat, egal ob man reich wie Dagobert ist oder haushalten muss wie eine Brüllmaus. Von einem anderen Büro der Versicherung habe ich lediglich ein Schreiben bekommen, dass ich doch 30 Jahre alt bin blabla. Ob mein Berater den Antrag nun eingereicht hat oder nicht, weiß ich nicht. Er antwortet nicht auf meine Email.

4.) Kindergarten. Für den Kindergarten habe ich einige Bastelarbeiten zu tun, was mir auch sehr Spaß macht. Wir Eltern sollen einen Ordner außen gestalten, in den die Erzieherinnen Fotos und Bögen mit Erlebnissen einsortieren. Diese Idee finde ich wunderschön. Ich habe auch schon alles besorgt, was Püppi für ihren Start in den Kindergarten braucht. Nur dieser Ordner, er starrt mich an, will dekoriert werden – aber wann?
Leider fehlt aus dem Kindergarten auch noch der Vertrag, den ich brauche, um Kostenübernahme bei der Stadt anzumelden.
Im September geht es dann los, dann bin ich 2 Wochen lang täglich mit im Kindergarten. Das heißt auch weniger Zeit für alles andere zu haben. Was mir die Vorfreude ziemlich verhagelt.

5.) England. Wir fliegen bald wieder nach England, worauf ich mich freue. Es stresst aber auch. Auch hier wollen etliche Dinge organisiert werden. Aktuell streikt das System der Fluggesellschaft; es kann den Kinderreisepass nicht erkennen, wodurch wir keinen Boardingpass ausdrucken können. Dadurch bekommen wir sehr wahrscheinlich auch keine Sitze nebeneinander. Toll. Danke für nichts.
Was ich mit meinen Schweinchen machen soll weiß ich auch noch nicht.

6.) Uni. OMG. 3 Hausarbeiten. Ich bin in allen dreien schon eingearbeitet, da ich bereits Referate zu den Themen gehalten habe. Muss aber noch mehr lesen, da meine Hausarbeiten nicht zu 100% den Referaten entsprechen können. Und das verschlingt so viel Zeit. Abgabe Ende September.

7.) Bauarbeiten. Zu allem Überfluss haben sich die Vermieter auch noch gemeldet. Sie wollen ab Ende September 3 oder 4 Wochen lang in unserem Haus Breitbandkabel verlegen, was heißt: a) Lärm, b) Dreck, c) vermutlich kein Internet, d) noch mehr Lärm. Ich raste aus. Dazu müssen nämlich Löcher durch die dicken Stahlbetonwände gebohrt werden.

Das ist nur eine AUSWAHL des ganzen Stresses. Daneben kommen noch so Dinge wie Anträge an der Uni, Verkaufen von zu klein gewordenen Babysachen (was so zeitintensiv ist, dass ich manchmal nicht weiß, ob sich das wirklich lohnt), der tägliche Haushalt, gesundheitliche Probleme etc pp. Ich schlafe zudem richtig schlecht. Naja und dann möchte man ja gerne auch noch Zeit für Familie und Freunde finden.

Ich brauche einen persönlichen Assistenten!

P.S.: Ich hatte außerdem versucht, ein paar Dinge zu verschenken, die wir nicht mehr brauchen und die unnötig Platz wegnehmen. Dafür habe ich auch Zeit investiert, die Fotos schießen sich ja nicht von alleine und die Nachrichten möchten auch beantwortet werden. Ratet mal, wie viel von den 8 Dingen noch hier stehen.

Sie ist wieder da

…also, so halbwegs zumindest.

Was für eine chaotische, schnelllebige Zeit, die letzten zwei oder drei Wochen.

Erst kotzte sich der Engländer die Seele aus dem Leib und als wir es schon als Lebensmittelvergiftung abgetan hatten, da die Symptome so schnell abgeklungen waren und es mir gut zu gehen schien, fing es bei mir an – nach einer schönen Geburtstagsfeier meiner liebsten Freundin. Das war ein Freitag.

Zum Glück habe ich niemanden angesteckt und zum Glück kam es nicht erst einen Abend später durch, denn am Tag nach der Geburtstagsfeier war ich zu einer Babyparty eingeladen und das hätte ganz böse ausgehen können.

Ich hatte drei Tage mit der Magen-Darm-Grippe zu kämpfen und ging direkt in eine Bronchitis über. Wie anfällig so ein vom Kotzen empfindlich gewordener Hals doch ist, meine Güte.

Da einfach Auskurieren aber langweilig gewesen wäre, kam nicht nur weit angereister Besuch am Montag bei uns an, sondern ich hatte auch eine 90-minütige Präsentation. Darüber, dass meine Kommilitoninnen näher rückten, da ich nicht laut reden konnte, war ich sehr dankbar. Die Präsentation lief besser als ich gedacht hätte und die Nachfragen waren sehr interessant.

Am Mittwoch konnte ich mich nicht ausruhen, sondern musste mehrmals durch die Innenstadt marschieren, um Papierkram beim Prüfungsamt zu erledigen. Glücklicherweise ging alles gut aus, ich hatte schon Angst, eine Hausarbeit nicht schreiben zu können.

Am Donnerstag sind wir zusammen mit englischer Grandma, Papa English, dem Mäusekind und mir durch den Erfurter Zoo gelaufen, wo wir es tatsächlich schafften, die gesamte Öffnungszeit über dort zu bleiben. Das hat sich gelohnt! Und das Mäuschen hat ihren ersten Zoobesuch nicht nur genossen, sondern danach auch so gut geschlafen, dass sie zum ersten Mal komplett durchgeschlafen hat. Hooray!

Freitag war Elternabend für die Kinder, die in den kommenden Monaten neu in den Kindergarten kommen würden. Es war interessant und auch schön, dass man uns so an die Hand nimmt, denn wir sind ja selber völlig planlos. Die Eingewöhnungszeit wird sicher noch einmal aufregend und dann ist das Mäuschen auch schon so groß…

In dieser Woche hat sie ihren ersten Geburtstag gefeiert und ich war doch sehr emotional. Einerseits bin ich stolz auf sie und auf uns, sie entwickelt sich ganz prächtig, ist wissbegierig und lustig, ein wahrer Sonnenschein, wenn auch mit Mamas Dickkopf gesegnet. 😉 Wir haben dieses Jahr denke ich gut gemeistert und bringen sie ganz gut voran in ihrer Entwicklung, ganz sanft aber wegweisend. Andererseits ist sie jetzt offiziell auch kein Baby mehr, sie wird zunehmend selbständiger, was natürlich gut ist, aber Loslassen gehört auch dazu und das ist nicht immer einfach für mich. Mr English kommt damit schon besser zurecht, er ist lockerer und wohl auch kein solcher Emotionschaoshaufen wie ich es sein kann.

Jedenfalls, auch wegen all der Dinge, die so auf der Agenda der letzten zwei Wochen standen, habe ich es beispielsweise nicht geschafft, Freitagsfragen vorzubereiten. Sorry, dass ich dazu keine Meldung gegeben habe. Ich habe auch nicht so viel arbeiten und lernen können wie gewohnt und war auch anderen gegenüber recht knapp angebunden.

Ob die nächste Zeit sehr viel besser wird, kann ich jedoch nicht sagen, immerhin wird es nicht ruhiger, sondern eher stressiger, jetzt zum Ende der Vorlesungszeit hin, nach deren Ende drei große Hausarbeiten anstehen. Uff.giraffe-2025888_1280.png

Wie wir Regeln finden

Beim Nuf gab es ein interessantes Interview mit Berlinmittemom über Konsumverhalten im Internet und dessen Grenzen in deren Familie. Berlinmittemom stellte zum Schluss des Interviews eine Frage in die Runde:

An was orientiert ihr euch, wenn ihr Regeln zur Mediennutzung mit euren Kindern formuliert?

tldr: Wie bei allem orientieren wir uns auch in Erziehungsfragen am Wohlfühlfaktor, dem Tagesgeschehen, eigenen Erfahrungen und nur selten an Ratgebern.

Meine Tochter ist erst 11 Monate jung, daher kann ich nur theoretisch antworten. Ich treffe aber alle meine Entscheidungen (auch außerhalb des Elternseins) so, deshalb kann ich es sicher adaptieren.

Für mich bzw. uns ist es wichtig, dass es mit Entscheidungen und Regeln allen gut geht. Beispiel: Erlaubt man dem Kind uneingeschränkten und unkontrollierten Zugriff auf Internet und TV, so gefällt das dem Kind sicher sehr, aber a) würde es mir selbst damit nicht gut gehen und b) wie schon im Interview gesagt wurde hat das eben auch Einfluss – ganz direkt auf die Stimmung und längerfristig auf die Charakterbildung. Ich sage damit nicht, dass Internet per se schlechte Menschen macht, ich bin ja selbst sehr internetaffin und wohl ganz okay geraten. Jedoch merke ich an mir selbst, dass es gewisse Abhängigkeiten gibt, steckt man einmal drin – und das ist sicher nicht immer so gesund und auch nicht immer so toll wie man glauben möchte. Ein ganz simples Beispiel, das sicher viele kennen: morgens Emails checken. Eine Studie fand heraus, dass das morgendliche Emailchecken die Tagesproduktivität um 27% (sicher auch mehr) senken kann. Man möchte up to date sein. Bei Kindern und Jugendlichen sind das vermutlich weniger die Emails, dafür aber Abos verschiedener Youtube-Kanäle, bei Instagram, Facebook und Co. Und ganz schnell hat man da ein, zwei Stunden verplempert ohne es zu merken. Und es schafft Abhängigkeiten, die in der Nutzungsweise jugendlicher Cliquen begründet liegen. Wer den neuesten Beitrag nicht gesehen hat, kann nicht mitreden.

Natürlich hat eine einzelne Familie nicht viel Macht gegen den Druck der Peergroup, doch man kann Grundsteine setzen. Diese Grundsteine sollte man so früh wie möglich setzen, denn ist das Kind erst einmal in der Pubertät, in der Freunde ungleich wichtiger und einflussreicher werden als die Eltern, kommt man kaum gegen unerwünschtes Verhalten mehr an. Da Internet inklusive Social Media und diversen Spielen Teil unserer Gesellschaft sind, auch wenn es manch einer nicht wahrhaben will und alles Digitale verteufelt, müssen wir als Eltern unsere Kinder auch dafür sensibilisieren und ihnen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien beibringen. Das geht weder durch Laissez-Faire noch durch strikte Verbote. Irgendwo in der Mitte, zwischen diesen beiden Extremen, sind gute und wirkungsvolle Methoden dafür zu finden.

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Wobei ich wieder zurück komme: jede Familie muss es selbst entscheiden, was für sie richtig ist.

Woran wir uns orientieren ist neben dem „Wohlfühlen“ mit Regelungen auch die tagesaktuelle Stimmung. Was heute passt, kann morgen unpassend sein. Man könnte das Finetuning nennen. Wer niedergeschlagen und traurig ist, kann diese negative Stimmung im Internet ganz schnell multiplizieren und gehört stattdessen an die frische Luft, zu Freunden oder in den Kreis der Familie, wo aktiv etwas unternommen wird. Wer sich körperlich nicht gut fühlt, eine Erkältung hat oder dergleichen, kann sich dagegen gerne mit der Lieblingssendung ablenken. Das machen wir hin und wieder schon jetzt so (jaha, ich Rabenmutter!) – wenn die Zähnchen besonders schmerzen oder der Wachstumsschub stresst und schmerzt, stehen Sunny Bunnies und Gazoon hoch im Kurs.

Hin und wieder finde ich (Papa liest keine Elternthemen) auch gute Ideen oder Ansätze in Blogs oder Zeitschriften, die wir dann individuell angepasst austesten und beibehalten oder auch nicht.

Das meiste haben wir bisher jedoch selber überlegt und ausgetüftelt, was wir sicher auch später so beibehalten werden.

Was mir jedoch noch sehr wichtig ist, sind Gruppenspiele. Diese tauchten auch im Interview auf und haben etwas in mir angepiekst. Diese Spiele machen süchtig. Langsam und schleichend. Die gefährlichste, hinterhältigste Form also. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. WoW war für mich irgendwann nicht mehr nur ein netter Zeitvertreib, ein lustiges Spiel. Es ging über in eine Art sozialer Verpflichtung – es gab Gildenziele, die es zu erreichen gab, Freundschaften, die gepflegt werden wollten und eben auch Menschen, mit denen man sich über intimste Gedanken austauschte -in der scheinbaren Anonymität. Davon ausgehend wurde WoW zum Suchtfaktor und dort auszubrechen hat mich viel Zeit und viel Schmerz gekostet. Das will ich unbedingt vermeiden, ist Püppi einmal in dem Alter.

Das muss nicht zwangsläufig ein komplexes Spiel sein wie WoW, dazu reichen schon diverse Facebookspiele und Browsergames, bei denen man ohne die Beteiligung von Freunden nicht weiter kommt. Eigene Erfahrungen, die unsere Eltern noch nicht hatten, sind für uns damit ebenso wichtige Orientierungspunkte wie die oben genannten.

Status Quo

Na, Ostern überstanden?

Bei uns hat der Osterhase das WLAN versteckt, weswegen es auch keine Freitagsfragen gab. So sehr es mich genervt hat, so produktiv war ich am Ende des Tages aber auch. Was mich zum Nachdenken brachte. Warum verschwende ich so viel Zeit im Internet, auf Spaßseiten, auf Facebook, mit Spielen? Dieses Prokrastinieren ist ziemlich blöd, es macht unglücklich und unzufrieden.

Anfangen. Man muss nur anfangen zu arbeiten und dann geht es. Dieses Anfangen fiel mir seit eh und je schwer. Jordan B Peterson, ein kanadischer Psychologe, schrieb in seinem Writing Guide, einem Essay über das Schreiben guter Essays (sehr empfehlenswert! Wenn ihr bessere Essays schreiben wollt, ist der Text ein Muss!), dass man sich hinsetzen muss und mehr oder weniger zwingen anzufangen. Die Gedanken werden rebellieren, doch nach einer Weile hören sie damit auch wieder auf und man arbeitet und es ist gar nicht schlimm. Je länger man das macht, desto kürzer wird die Zeit bevor die Gedanken klar und fokussiert sind, doch es wird nie aufhören, dieses Gedankendriften wenn man anfängt.

Überhaupt habe ich in letzter Zeit viel gedacht und gelernt. Ich habe TedTalks für mich entdeckt und das tägliche Lesen. Ich bereite mich auf meine Kurse vor, die in ein paar Tagen anfangen, schaue Dokus, lese Fachtexte und denke nach.

Wie froh ich sein kann, in dieser Zeit und in diesem Teil des Erdballs geboren zu sein. Vor 100 Jahren endete ein bestialischer Krieg, Familien waren zerstört und viele überlebende Soldaten waren verstümmelt, körperlich wie geistig. Deutschland war vernichtet. Eine kurze Zeit des Aufschwungs und ein wenig Freiheit, bevor der Kontinent erneut im Chaos versank. Wenn man seine Angehörigen nicht im letzten Krieg verloren hatte, verlor man sie in diesem. Oder man wurde von seinem eigenen Land, für das man in den Jahren zuvor arbeitete und sich verbog,  von seinen eigenen Landsleuten, Nachbarn, Kollegen verraten, gedemütigt, gequält, ermordet.

Erneute Niederlage Deutschlands, in Thüringen und anderen Teilen kamen erst die Alliierten und nahmen sich mit, was sie gebrauchen konnten und dann kamen die Russen und nahmen den Rest. Ein Volk, das sich keine 70 Jahre zuvor den Nationalstatus erkämpft hat und 1871 damit endlich die ersehnte Einigung erbrachte wurde wieder gespalten und so sehr mit Hass und Propaganda gegen die jeweils andere Seite vollgestopft, dass diese Hirnwäsche auch 30 Jahre nach der Vereinigung noch wirkt – bei nachfolgenden Generationen, die nach dem Mauerfall geboren wurden und das indoktrinierte Erbe ihrer Eltern weitertragen.

Ich kann froh sein, dass ich in einer Zeit des Friedens lebe und große Freiheiten genieße. Würde ich meine Sachen packen und auswandern wollen, könnte mich keiner daran hindern. Menschen können ihre Persönlichkeiten finden und ausleben, ohne dafür in Gulags oder Psychiatrien gesperrt zu werden. (Meistens jedenfalls.) Ich bin nicht an den Status meiner Familie gebunden sondern kann in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben klettern. Studieren wird mir erlaubt, auch wenn meine Eltern nicht Mitglieder in einer (der einzigen) Partei sind.

Genug der Geschichte und des Lamentierens. Wie geht es sonst?

Das Mäuschen wächst rasant. Pünktlich zu ihrem neunmonatigen Geburtstag überraschte sie uns mit der Fähigkeit zu krabbeln und sie wird immer besser. Sie isst gerne und sie ist nicht wählerisch. Sie entwickelt Humor und entdeckt ihre Gefühlswelt, was nicht immer einfach für uns Eltern ist, aber doch interessant zu sehen. Wir haben einen Kindergartenplatz in einer wirklich schönen Kita für sie, in weniger als einem halben Jahr starten wir ganz langsam mit der Eingewöhnung.

Dann haben Mr. Englisch und ich mehr Zeit für Uni und Arbeit und vor allen Dingen für uns. Es ist wirklich nicht leicht für uns gewesen. Diese erste Zeit des Zusammenlebens ist nie leicht. Man lernt den anderen auf eine ganz andere Art und Weise kennen, findet seine Macken sozusagen. Es bedarf vieler Diskussionen und Verhandlungen um Kompromisse zu finden, sodass beide Seiten zufrieden sind.

Bei uns kamen aber noch zwei bedeutende Aspekte hinzu. Zum einen kommen wir aus ganz anderen Lebenswelten, einerseits aus verschiedenen Ländern, andererseits aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Zum anderen ist da natürlich noch unsere Tochter. Selbst langjährige Beziehungen können scheitern oder ins Straucheln kommen, weil es nicht einfach ist, sich auf diese gänzlich neue Lebenssituation einzustellen und den Druck und Stress zu managen, den die Verantwortung für ein Menschenleben mit sich bringt.

Wir sind aber auf einem guten Weg, denke ich.

Ansonsten habe ich meine Ernährung umgestellt, mache Sport und verliere fleißig Babypfunde. In nächster Zeit werden vier neue kleine Menschlein in meinem Freundeskreis das Licht der Welt erblicken und ich bin erfreut und gespannt auf jeden Einzelnen von ihnen. Weitere Zwerge sind in Planung und auch darauf freue ich mich.

Wir waren in England, bald kommt England zu uns und im Sommer geht’s für eine längere Weile an die Küste, wo wir von Püppis Großeltern umsorgt werden und ich in Ruhe meine Hausarbeiten schreiben kann. Ich freue mich zurück zur Uni zu gehen, zu arbeiten und eben nicht bloß Mutter und Hausfrau zu sein – auch wenn ich das genossen habe und noch genieße, aber ich muss auch raus in die Welt und meinen Geist füttern. Zudem sehe ich Freunde wieder und habe nebenbei etwas mehr Zeit für mich ganz allein. Psychische Hygiene ist eben auch wichtig.

 

Und bei euch so?

Wer bis hier gelesen hat, hat sich ein Fleißbienchen ins Muttiheft redlich verdient.