Status Quo

Puh, Wochenende. Fast rum. Viel zu tun.

Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Semesterstart und damit zum Start meiner BA. Ich mag nicht. Ich hänge so weit hinterher mit der Transkription, dass einfach alles in mir sich dagegen wehrt, in das Semester zu gehen. Und dann noch ein Seminar, eine Vorlesung und damit eine Prüfung und eine Hausarbeit on top. Scheiße.

Aktuell ist die Maus anstrengend. Sie ist vor 4 Wochen innerhalb des Kindergartens umgezogen, ihre Gruppe wurde entzwei geteilt, was eigentlich so nicht sein sollte. Im jetzigen Bereich, in dem die Kinder der Altersstufen 3 bis 6 gemischt sind, ist es laut. Lautstärke kann das Kind, obwohl es selbst ein prima Lautstärkeverursacher ist, oft schlecht aushalten. Aber schon besser als zu Beginn ihrer Kindergartenzeit. Dass sie mal so klein war wie die jetzt neu ankommenden Süßis kann ich mir kaum mehr vorstellen. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls hatte nach nur einer Woche im neuen Bereich mit 2 neuen ErzieherInnen (ja, es ist ein Mann dabei!) und neuen Kindern ausgerechnet ihre Hauptbezugsperson Urlaub, die zweite Erzieherin fing erst einen Monat vorher in der Gruppe an und fehlte in der Woche darauf auch, sodass nur noch neue ErzieherInnen da waren. In der ersten Woche war das Kind noch etwas traurig aber zuhause gut drauf. In der zweiten Woche änderte sich das dramatisch. Sie fing an über alles zu schimpfen, nichts war gut genug, ständig war sie voller Wut. Es war wirklich schlimm und nichts half.

Jetzt ist ihre Erzieherin endlich wieder da und scherzte, dass die Maus nun ihr Schatten sei. Ich erzählte, wie schwer es ihr fiel, dass ihre Lieblingserzieherin nicht da war und betonte, dass ich ihr den Urlaub gönne, es aber einfach doofes Timing war. Die Reaktion? Sie habe ja extra mit dem Urlaub gewartet, damit sie beim Umzug dabei sein konnte. Eine ganze Woche!

Unter anderen Umständen hätte ich das abgehakt. Wer mir aber in einem Gespräch vorwirft das Kindeswohl zu gefährden, weil ich einmal die Jacke vergessen habe und sie doch im Winter mit lauter Schniefnasen um sich herum nur krank geworden sei, weil sie kein Unterhemd getragen habe, an den stelle ich doch etwas andere Ansprüche. Mit dem Urlaub hätte sie *für das Kindeswohl* auch noch zwei Wochen warten können oder ihn -verrückte Vorstellung- vorher genommen. (Sie hat keine kleinen Kinder, ist nicht auf Ferienzeiten angewiesen etc.) Ich weiß, das steht mir nicht zu zu verlangen und das tue ich auch nicht. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Und wer mir mit dem Jugendamt droht, weil das Kind keine Unterhemden trug (nachdem uns gesagt wurde, es sei für Strumpfhosen im Gebäude einfach zu warm), der muss sich selbst ins Zeug werfen, damit ich mich nicht über diese Frechheit beschwere.

Anyway, die Erzieherin ist wieder da, das Kind ist etwas besser drauf, doch nun scheint ein Schub dazwischen zu grätschen. Das habe ich am Kleiderschrank, aber auch am Kühlschrank gemerkt. Wie viel so ein Kleinkind essen kann – es ist erstaunlich. Bei der U7a wurde sie auf 89cm gemessen, das sind 2cm mehr als ich vor einem Monat gemessen habe. Was durchaus falsch gewesen sein kann. Es deckt sich aber in ungefähr mit meiner Kleider-Herumräumerei.

Nächstes Jahr feiert die Herzfreundin Hochzeit. Ich freue mich schon sehr darauf. Allerdings mache ich mir um den Junggesellinnenabschied etwas Sorgen, da die Trauzeuginnen, die ihn planen, kinderlose Akademikerinnen in Arbeit sind, die „was mit Wellness“ planen. Hm. Ich kann nichts zurück legen, also muss ich wohl mal schauen, ob ich überhaupt teilnehmen kann.

In der Zwischenzeit versuche ich, so gut es geht abzunehmen, um in ein bestimmtes Kleid zu passen, das einfach großartig ist und meine Figur -wenn ich wieder abnehme und überhaupt rein passe- wirklich schön umschmeichelt. Darauf Püppis Kleid zu kaufen freue ich mich auch schon. Festliche Kinderkleider sind einfach so süß!

Sorry übrigens, dass ich die Freitagsfragen diese Woche vergessen habe. Es war einfach so viel los, ich habe schlecht geschlafen und naja, meine gewisse Grundverpeiltheit kommt dann ja noch dazu. Nächsten Freitag gibt es wieder Fragen. Ehrenwort!

WMDEDGT

Unter #WMDEDGT trifft sich am fünften eines jeden Monats die Bloggemeinschaft bei Frau Bruellen und schreibt darüber, was wir eigentlich den ganzen Tag machen. (So heißt auch der Hashtag)

Moment, am fünften? Oahr, jetzt wollte ich endlich auch einsteigen und verpasse doch glatt den eigentlichen Tag. Also hoffe ich schlicht und ergreifend auf Nachsicht, die Hitze und so… Sorry!

Der Tag beginnt zwischen 6.30 Uhr und 7.00 Uhr, dann wird Püppi aufgeweckt, sofern sie nicht von selbst aufsteht, gewaschen, befrühstückt und bekuschelt. Ich bleibe dabei meistens noch im Bett liegen, denn da kuschelt es sich einfach am schönsten. Manchmal, aber selten, schauen wir dabei eine Folge einer Sendung, aber eigentlich verzichte ich lieber darauf, weil es ihr sonst schwer fällt, tatsächlich zu gehen.

Der Papa bringt die Maus dann in den Kindergarten, währenddessen mache ich mich gesellschaftsfähig, koche Kaffee, schaue auf Twitter und in mein Emailfach – Freitags gibt es immer eine Wochenzusammenfassung vom Kindergarten. Heute habe ich bei Blinkist das Blink des Tages gelesen: „Passt doch!“ von Roedinger u.a. Super Ding, kann ich nur empfehlen für alle, die in Streit- und Stresssituationen anders reagieren als sie gerne möchten. Vom inneren Kind habe ich in meiner Therapie schon einmal gehört, wir haben das aber nie tiefgehend besprochen. Da war es schön, diese Auffrischung bei Blinkist zu lesen, zumal ich gerade ohnehin gerne etwas mehr an meiner Impulskontrolle arbeiten möchte. Blinkist selbst kann ich auch nur empfehlen.

Nach dem Frühstück und einem Gespräch mit einer Freundin habe ich mich ans Werk gemacht, weiter das Protokollbuch zu transkribieren, über das ich meine Abschlussarbeit schreibe. Dabei bin ich auf eine Stiftung gestoßen, die es so nicht mehr gibt, die aber in eine andere Stiftung eingegliedert wurde, die eigens einen Blog zur Stiftungsgeschichte erstellt hat. Diese Stiftung habe ich direkt angeschrieben, mich und meine Arbeit kurz vorgestellt, um schließlich nach mehr Informationen zu fragen. Wenn das klappen würde, wäre das ziemlich cool! Wenn nicht, dann ist das eben ein Detail, das ich nur kurz in meiner Arbeit beschreiben kann.

Schließlich gab es Mittagessen, danach habe ich aufgeräumt. Nachher hole ich die Maus wieder vom Kindergarten ab und wir schauen mal, was wir heute noch machen. Vermutlich schauen wir bei ihrem Lieblingsspielplatz vorbei und essen zu Hause Eis. Einkaufen müssen wir auch noch. Außerdem will ich einmal schauen, was wir am Wochenende so machen. Die Hitze beschert mir leider gerne einmal Kopfschmerzen, deshalb sind die Aktionen immer etwas begrenzt, wenn es zu heiß draußen wird.

Was heute sonst noch so ansteht ist der gute alte Alltag: Wäsche waschen, Abendessen kochen, aufräumen, Kind baden, aber auch tolle Sachen wie zusammen singen und spielen, vielleicht schauen wir einen Film zusammen und wenn die Sonne vom Balkon verschwunden ist, gießen wir die Blumen. Püppi hat diese Woche ein Lichtlein im Kindergarten gebastelt, das ich gerne heute Abend mit ihr anzünden möchte. Abends geht der Papa mit der Maus spazieren, meistens zwei oder gar drei Mal, bis sie zur Ruhe kommt und schläft. Ich verbringe den Abend dann oft damit zu lesen oder Videos auf Youtube zu schauen; aktuell habe ich meine Liebe zu Ted Talks wiederentdeckt, schaue aber auch Standup Shows und den guten alten WheezyWaiter.

Das ist also der herkömmliche Tag im Hause Brüllmaus.

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Wie funktioniert eine Briefanalyse?

Auf Twitter wurde Interesse gezeigt, an dem was ich so in meinem Studium (und hoffentlich! später im Beruf) mache. Theoretisch kann man in meinem Feld (Ethnologie und Kulturgeschichte) sehr viele verschiedene Dinge machen, doch etwas, das mir sehr am Herzen liegt ist Quellenarbeit. Originale Texte, manchmal handschriftlich, manchmal mit Schreibmaschine gedruckt, auseinander nehmen und analysieren. Mehr über die Menschen erfahren, die hinter den Briefen, Tagebüchern, Protokollen und Co stehen.

Hier werde ich nun einmal exemplarisch zeigen, wie man eine Briefanalyse angeht. Dafür habe ich einen Brief ausgewählt, der Teil eines Konvoluts ist, das ich im Zuge einer Hausarbeit bearbeitet habe. Den Brief selbst kann ich hier nicht posten, daher bitte ich euch, ihn einmal hier zu lesen:

„Julius Lauth an seine Ehefrau am 13.01.1915“

Die erste langwierige und knifflige Arbeit wurde uns abgenommen: zu transkribieren, also die Handschrift zu übertragen. Handschrift kann sehr knifflig sein und furchtbar schwer zu lesen, je nach Person, Zeit, Gemütslage etc. Für meine Abschlussarbeit transkribiere ich ein Buch in Sütterlinschrift (wie im Headerbild), was unsagbar aufwändig und zeitraubend ist. Man wird aber mit der Schrift vertraut (sofern man das Glück hat, dass immer die selben Personen schreiben), muss aber auch damit rechnen, dass einzelne Wörter vielleicht nicht entschlüsselt werden können. Vor allem muss man damit klar kommen, dass das Einlesen mitunter mehrere Arbeitstage dauern kann.

Ein guter Start in die Textarbeit sind zunächst einmal die 5 W-Fragen: Wer (an wen), wann, wo, was, warum?
Wer: Julius Lauth (an wen: seine Frau Hedwig Lauth)
Wann: Am 13. Januar 1915
Wo: In Tuchel
Was: Kind/ Standesamt, Taufe, Vornamen, seine Arbeiten, etc…
Warum: Privater Brief

Nun muss man natürlich in diese Punkte jeweils tiefer eintauchen. Dass Herr Lauth an seine Ehefrau Hedwig schreibt steht jetzt schon da. Wüsste man das nicht, könnte man dies jedoch herausfinden, indem man beispielsweise die Anreden und den Schluss analysiert. In diesem Fall „Liebe Hedwig“ und „Herzlichst grüßt und küßt Dich | Dein Julius“, was beides sehr vertraute, sehr intime Ansprachen sind. (Hier spielt nun schon ein bisschen kulturgeschichtliches Wissen ein, dass diese Anreden bis „vor kurzem“ wirklich denen vorbehalten waren, mit denen man eine innige Beziehung führte und Briefe an Freunde u.A. etwas distanzierter gehalten waren.) Auch dann sollte man jedoch vorsichtig sein, denn es könnte sich beispielsweise um eine Geliebte handeln. Die Bestätigungen dafür, dass es sich um ein Ehepaar handelt, finden sich jedoch in den anderen Briefen.

Das Datum des Briefes liegt in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Hier ist Hintergrundwissen gefragt. Analysen müssen immer im Kontext der Zeit geschehen. Wichtig zu wissen ist also etwa wie lange der Erste Weltkrieg ging, wann gegen wen gekämpft wurde, auf welcher Seite der/die Schreiber:in stand, auch dass man davon ausging, dass der Krieg zu Weihnachten 1914 schon vorbei sein würde, etc.

Tuchel ist interessant, da es sich um einen Ort in Preußen handelte, der zur Zeit des Briefwechsels noch zum Deutschen Reich gehörte, nach dem Versailler Vertrag aber an Polen fiel. Der Ort hatte 1910 knapp 34.000 Einwohner; die Bevölkerung war überwiegend katholisch und sprach zu 2/3 Polnisch und zu 1/3 Deutsch. Weniger als 500 Menschen sprachen beide Sprachen.

Das Was ist der größte Punkt und was genau man aus dem Brief heraus zieht kommt ganz auf die Forschungsfrage an. Diese könnte zum Beispiel in die militärische Richtung gehen, also etwa Wie erlebten die Männer den Krieg, Wie war die Stimmung an der Front, Was geschah während des Krieges an spezifischen Orten etc. Was oben über Tuchel steht könnte zum Aufhänger für die letzte Frage genommen werden und als Grundlage dafür dienen herauszufinden, wie Julius Lauth seine Zeit in Tuchel erlebt haben mag. Die Frage meiner Arbeit an den Briefen jedoch ging in die familiäre Richtung, also welche Bedeutung die Familie im Weltkrieg hatte, welche Probleme unter dieser Ausnahmezeit auftauchten und wie damit umgegangen wurde, wie die Frauen (und Kinder) das Geschehen erlebten und was eigentlich aus denen wurde, die an der „Heimatfront“ blieben. (Ich hasse diesen Begriff. Leider taucht er in der Literatur aber immer wieder auf. Bitte verwendet ihn nicht. Danke.)

Und was steht in dem Brief nun?

Nun, um ein wenig in die Tiefe gehen zu können, hier aber keinen zu langen Text zu schreiben, greife ich mir eine Sache heraus: Die Frage um die Anmeldung beim Standesamt. (Vorsicht! Im transkribierten Text steht „abzumelden“, dies ist allerdings ein Transkriptionsfehler. Im handschriftlichen Brief ist zu sehen, dass dort „anzumelden“ stehen müsste. Es ist daher immer empfehlenswert, die Originalquelle selbst zu lesen, mindestens im Zweifelsfall.)

Julius Lauth war in der Zeit des Ersten Weltkrieges (teilweise) in Tuchel stationiert. Dort leitete er eine Kompagnie und arbeitete außerdem als Gerichtsoffizier. Er wurde später tatsächlich zum Hauptmann befördert.

Seine Frau Hedwig, die in Essen wohnte, hatte Anfang 1915 eine Tochter geboren. Zur Zeit des Briefes wurde noch über einen Namen diskutiert. Die Familie hatte bereits zwei Töchter. Frl. Wisdorf war das Kindermädchen der Familie, das ab Mitte des Krieges entlassen werden musste, zunächst aber auf Drängen von Hedwig behalten wurde. In den Briefen Hedwigs wird klar deutlich, wie sehr ihr die Situation zusetzt, dass ihr Mann nicht bei ihr ist. Sie ist schwanger im Krieg, hat außerdem zwei weitere Kinder zu versorgen und nun auch noch sämtliche Aufgaben, die sonst ihr Mann erledigt hat. Er gibt ihr immer wieder Anweisungen und Anleitungen, von der Besorgung von Heizkohle bis zu finanziellen Aufgaben und Erledigungen mit Geschäftspartnern. Noch dazu kommt, dass sie ihrem Mann immer wieder Pakete schickt – dies ist auch im letzten Satz „Sind die Gummischuhe abgeschickt?“ zu erkennen. Aus dieser Frage und auch der (vorwurfsvollen – Achtung mit Interpretationen!) Frage nach der späten Anmeldung des Kindes beim Standesamt kann die Hypothese aufgestellt werden, dass Julius Lauth wenig Empathie für die stressige Lage seiner Frau aufbringt.

Dass diese Hypothese aus einer einzigen Frage abgeleitet wurde mag so erscheinen. Jedoch gehören dazu viele Informationen, die nicht aus diesem Brief hervor gehen und die ich oben aufgeführt habe. Es ist also -nochmal- zu betonen:

Eine Analyse lebt vom Kontext!

Ein Brief aus einem Konvolut kann niemals alleine analysiert werden. Er muss genauso eingebettet werden in die Familiengeschichte, wie auch in Kultur- und Politikgeschichte. Doch was wäre, hätten wir nur diesen einen Brief?

Nun, dann müssten wir stärker interpretieren. Wenn wir zum Beispiel nicht wüssten, dass es sich bei Frl. Wisdorf um das Kindermädchen handelte, müssten wir näher hinsehen: Fräulein waren unverheiratete Frauen. Eine unverheiratete Frau, die nicht zur Familie gehört, aber „hoffentlich […] das Familienstammbuch vorgelegt [hat]“, also intime Erledigungen für die Familie machte, stand höchstwahrscheinlich in einem Beschäftigtenverhältnis. Sie könnte aber auch eine Nachbarin sein (bspw. eine junge Frau, die noch bei ihren Eltern wohnt) oder eine Freundin von Hedwig; solange diese Zweifel nicht ausgeräumt würden, müsste man in der Analyse deutlich machen, dass die Funktion der Person nicht vollständig geklärt ist. So verhält es sich mit allem: was nicht ausdrücklich im Brief steht sondern vermutet/ interpretiert wird, muss als Vermutung/ Interpretation gekennzeichnet werden.

Gelegentlich hat man als Geschichtsmensch das Glück, eine Quelle einer bekannteren Person/ Organisation/etc vorliegen zu haben. In dem Falle kann man dann noch andere Quellen hinzuziehen: Personenregister, über die/den Verfasser:in geschriebene Texte, historische Zeitungen, ja Fotos, Gemälde, Tonbandaufnahmen, Videos und anderes. All das kann helfen, einen spezifischen Text in einen größeren Kontext einzuordnen. Wenn also in 100 Jahren einmal jemand mein Tagebuch analysiert, wäre es ratsam, auch noch meinen Blog, meine Social Media Accounts, Videos und so weiter anzuschauen. 😉

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay 

Header von Anja🤗#helpinghands #solidarity#stays healthy🙏 auf Pixabay 

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Status Quo

Uff.

Das könnte auch ein Titel für diesen Status Quo sein.

Wie nur halbherzig angekündigt war ich für eine Weile weg. Wir, das heißt Püppi, deren Papa und ich, verweilten in England bei Püppis Großeltern. Drei Wochen lang wurde sich dort um uns gekümmert, wir wurden bespaßt, bekocht und bemuttert. Das war schön, aber es war auch anstrengend. Weil ich da kaum eine Rückzugsmöglichkeit habe. Klar, das „eigene Zimmer“, aber die Wand zum Arbeitszimmer ist dort so dünn, dass man auch ein Laken davor hängen könnte, statt die Wand dort zu haben. Ebenso privat fühlt sich das auch an. Zudem kann man als Gast eben auch nicht alles so tun und lassen, wie man möchte, sondern unterwirft sich fremden Regeln und Gegebenheiten. Das ist genauso anstrengend wie etwas tun zu wollen/ müssen, das gerade nicht geht, weil man keinen Computer zur Verfügung hat o.ä.

Die Zeit war dennoch schön und wir haben viel erlebt. Püppi war zauberhaft und ist ein Naturtalent vor der Kamera. Unfassbar, wie diese Zweijährige posen kann! Vielleicht sollte ich ihre Modebedürfnisse durch eine Kindermodelkarriere finanzieren. Denn ja, auch zu Kleidung hat sie bereits eine Meinung. Glücklicherweise ist sie zu ähnlichen Dingen wie ich zu begeistern: alles was glänzt, glitzert oder schimmert ist toll. 😀 (Nur dass ich es im Gegensatz zu ihr eher nicht anziehe.)

Ansonsten fühle ich mich derzeit ehrlich gesagt eher bedrückt. Ich möchte das Haus nicht verlassen, es sei denn, es ist notwendig. In England hatte ich wenigstens den Grund, dass ich ja nicht ewig dort sein würde und mich um nichts kümmern müsse. Wieder zurück fühle ich mich erschöpft, kann Püppi eben nicht mal eben bei Grandma oder Grandpa abgeben, muss mich wieder um alles alleine kümmern und ganz ehrlich, diese sch** Bude geht mir gehörig auf den Sack. Ich hasse jeden Quadratmeter. Weil nichts zusammen passt, weil ich nichts wegwerfen kann, weil alles überquillt und somit kaum Dinge einen Platz bekommen, was Aufräumen schwer macht. Elan und Zeit fehlen außerdem. Bock auf Arbeiten? Die Antwort kennt ihr.

Gerade als ich dann gestern dachte, okay, nimm Dir eine Auszeit, schlimmer als jetzt kommt es erst einmal nicht. Ruhe Dich aus, gönn Dir eine Pause, kommt die Hammernachricht der Herzfreundin: weißer Hautkrebs.

Ich habe Angst um sie. Klar, gegoogelt habe ich sofort, bin mir bewusst, dass der eher harmlos ist und gut zu behandeln. Sorgen mache ich mir dennoch. Als ob es nicht genug gewesen wäre, dass ihr Vater Anfang des Jahres, wenige Wochen vor der Geburt ihrer Tochter, an einem (anderen) Krebs verstorben ist.

Das Leben ist so bekloppt und ich bin traurig und wütend zugleich. Was soll die Scheiße?

In other news: ich nehme mir jetzt ein Urlaubssemester. Ich kann nicht mehr. Bis hier hin und nicht weiter. Bisher weiß es noch kaum jemand, weil ich es auch selber doof finde, den ganzen Käse mit dem Abschluss erneut nach hinten zu verschieben. Aber ich kann einfach nicht mehr.

Demnächst kommen dann Urlaubsbilder, Urlaubstexte und Freitagsfragen. Stay tuned.

Status Quo

Was habe ich mich lange um diesen Post gedrückt. Aber nun möchte ich doch einmal „Meldung machen“. Der letzte Status Quo Post ist schon etwas um 2 Monate her, doch es hat sich so unfassbar viel getan in dieser Zeit.

Anfang Juli ist der Engländer ausgezogen. Ich kämpfe sehr damit, fühle mich allein und bin viel traurig. Jedoch gelernt habe ich viel. Über mich, über uns. Dass mir Zeit gefehlt hat, Zeit für mich ganz allein, die ich in den 2 Jahren seit Püppis Geburt fast nie hatte. Gleichzeitig mag ich diese Zeit aber auch nicht, denn ich habe sie nur, weil ich versagt habe. Nein, wirklich versagt habe ich nicht, aber es fühlt sich so an. Es tut weh. Jeden Tag, jede Nacht. Die Depression ist jedenfalls stärker geworden, auch wenn ich hier und da phantastische Tage habe, an denen ich denke, dass es doch endlich bergauf geht. Und dann kommt wieder BAM ein Gefühlsumbruch und alles ist scheiße.

Püppi hatte zwischenzeitlich eine kleine, aber merkbare Rückentwicklung. Nicht verwunderlich, aber eine Sache mehr, die zu meinem Schmerz beiträgt. Sie weint viel im Kindergarten und ist auch zu Hause mehr traurig, vermisst ihren Papa, nach dem sie fragt. Sie schläft schlecht und manchmal erst sehr spät. Ist extrem anhänglich geworden (ich auch) und möchte nicht mehr in ihrem Bett schlafen, sondern in meinem. Das ist anstrengend, aber tut uns wohl beiden auch gut. Weiterentwickelt hat sie sich aber auch, neue Wörter gelernt, geht auf’s Klo und sagt nicht mehr erst nachher Bescheid, dass sie mal muss, sondern vorher. Gute Maus. Unheimlich lieb ist sie geworden mit ihrem Teddy, den sie liebt. Sie ist eine ganz tolle Teddymama, die ihn überall hin mitnimmt und im Puppenwagen umher schiebt, zu Bett bringt, füttert und wiegt. Beebi sagt sie dann und ich schmelze dahin.

Ebenfalls Anfang Juli habe ich eine Hiwi-Stelle (Hilfswissenschaftler) in einem größeren Museum begonnen. 40 Stunden im Monat, mehr ist auch gar nicht machbar mit Muttersein, Studium und der anstehenden Bachelorarbeit. Ich kann meine Zeit halbwegs frei einteilen und die Arbeit ist eher so meh, aber macht mich nicht fertig. Aktuell mache ich Überstunden, die ich in den nächsten Monat mitnehme, um nach GB fahren zu können, ohne Lohneinbuße zu haben.

Zukunftspläne mache ich fleißig, aber das wird mal ein eigener Beitrag.

Die letzten zwei Wochen hat der Engländer hier verbracht, weil Püppi und ich fürchterlich erkältet waren und gar nix mehr ging. Es funktionierte erstaunlich gut, wir sind auf einer ganz anderen Ebene als vor seinem Auszug. Die Distanz tat uns in dieser Hinsicht sehr gut. Offen für die Zukunft ist er.

Ich hatte einst gesagt, dass ich gar nicht weiß, ob ich ihn überhaupt zurückhaben will, nach allem was war… Aber wenn ich absolut ehrlich bin, dann ja, ja bitte, mit allem drum und dran. Ich will meine Familie. Ich will sie mit ihm. Ich will diesen ganzen Scheiß, den ich als Teenie immer völlig öde fand. Ich will Sicherheit und Rückhalt und Unterstützung, will glücklich machen und glücklich sein. Mit ihm. Püppi will das auch, das konnte ich ihr ganz deutlich anmerken.

Ich habe das Kinderzimmer umgeräumt, das Wohnzimmer ebenso, viel aussortiert, Neues ausprobiert und gelernt, versuche neue Routinen zu schaffen, was ich hauptsächlich muss, aber auch will. Meine Woche und besonders meine Wochenenden sehen komplett anders aus als vor dem Auszug und mein Leben ist nicht mehr mit dem zu vergleichen, das ich zuvor hatte. Das hat nicht nur Gutes; das hat nicht nur Schlechtes.

Meine Stimmungen und Meinungen zur neuen Lebenssituation sind so wechselhaft wie…naja wie nur Stimmungen es sein können zu etwas, das man eigentlich nie wollte, aber dann doch nicht der Weltuntergang ist, den man vorhersah. Zurück zu dem, was wir hatten, möchte ich nicht, hat es uns beide aufgefressen. So weiterleben wie jetzt allerdings auch nicht.

Es ist kompliziert.

Aufwärts

Diese Woche war ich zu Hause. Hausarbeiten schreiben. Ich dachte, das dürfte ja in dieser einen Woche zu erledigen sein, wenn ich da ganz ungestört für ein paar Stunden am Tag arbeiten kann. Pustekuchen. Püppi hat sich und mir eine kleine Fiesigkeit aus dem Kindergarten mitgebracht, und so hingen wir beide viel über der Schüssel, schliefen uns aus und kuschelten ganz viel. Tja, die 1. Hausarbeit ist immerhin bei 1/3 und die zweite steht im Konzept. Für nächste Woche konnte ich mir auch noch einmal eine freie Woche schaffen. Zwar mit zwei Exkursionen. Auch wenn das jetzt alles nicht so lief wie geplant. Aber endlich wieder intensive Püppizeit, nachdem das aufgrund meiner Arbeitszeiten im Praktikum kaum geht, tat sehr sehr gut. Beiden. Es zeigte mir außerdem, dass Vollzeit zu arbeiten zumindest bis zum Schuleintritt für mich so nicht in Ordnung geht. Was ich nie gedacht hätte. Ich bin immerhin so aufgewachsen, dass meine Mutter jede Woche ihre 40h runter riss und danach genauso geschafft war wie ich heute, wenn ich nach Hause komme. Das will ich nicht. Obwohl das für mich selbstverständlich war, schließlich muss ich ja Geld verdienen und selbständig sein. Wie das mal wird muss ich sehen. Muss aber auch nicht heute entschieden werden. Wer weiß, in was ich noch hinein stolpern werde.

Auch diese Woche hatte ich ein Vorstellungsgespräch, auf das ich mich wahnsinnig freute. Ohne lange drum herum zu reden: Es war erfolgreich! Bald kann ich als Hiwi (Hilfswissenschaftlerin, offiziell studentische Hilfskraft) anfangen. 40 Stunden im Monat. Ich könnte bis zu 80 erhöhen oder auch weniger arbeiten, wie ich das möchte oder brauche. Nach meinem Bachelor kann ich dort weiter bleiben und als wissenschaftliche Hilfskraft ein bisschen mehr Geld verdienen. Was es nun dingfest gemacht hat für mich: ich werde auch meinen Master hier machen. Das war in der Schwebe. Und von Geld abhängig. Wie viel ich darüber erzählen werde, muss ich mir noch überlegen, fest steht aber, dass es unheimlich spannend ist und für mich und überhaupt eine einmalige Chance. Eventuell bekomme ich sogar einen Fuß in eine Tür, die zu einer späteren Karriere führt. Kann noch immer kaum glauben, dass ich an diese Stelle gekommen bin, geschweige denn sie auch tatsächlich bekommen habe.

Privat läuft es auch besser. Der Püppipapa hat eine Wohnung gefunden, überlegt aber noch, ob er nach Ende meines Praktikums schon oder erst nach meiner Bachelorarbeit auszieht. Auch ist er nicht mehr so gegen einen erneuten Versuch wie er zuvor war. Ich habe ihn also genau da, wo ich ihn haben wollte, was aber ganz und gar nicht manipulativ verstanden werden sollte. Dass er auszieht, ist unabdingbar, das muss ich schon sagen. Auch ich brauche diesen Abstand und auch ein bisschen Zeit, um Dinge zu verarbeiten und wieder zu mir selbst zu finden. Dass es aber nicht heißt, dass alles für immer und ewig vorbei ist, beruhigt mich.

Was mich auch über alles freut ist die Tochter meiner Herzfreundin, die vor 2 Wochen gesund und wunderschön zur Welt kam. Zwar kann ich sie wegen unserer aktuellen Seuche hier nicht wie geplant besuchen. Doch das heißt ja nur, dass ich mich noch ein bisschen länger drauf freuen kann, sie kennen zu lernen. 😉

So, auch wenn es aufwärts geht, habe ich doch trotzdem noch unheimlich Zeitdruck. Ihr möget mich bitte entschuldigen.

Erschöpft

Ich bin erschöpft.

Praktikum, Hausarbeiten, Ausstellungseröffnung, Kinderbespaßung, Abschlussarbeit, Trennung, Püppi bei Laune halten, Geldsorgen. Es ist alles zu viel. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Schlaf ist selten, da ich zu gestresst bin. Brauche ich aber dringend, da ich erschöpft bin.

Gebrochenes Herz und schwere Gedanken.

Keine Ahnung, wie ich mir selber helfen soll, geschweige denn jemand anderes.

Status Quo

Da ich gerade ein paar Minuten Zeit habe, will ich euch mal auf den neuesten Stand bringen, was bei der Brüllmaus eigentlich los ist und warum es hier so wenige Beiträge gibt. Spoiler: Es ist schwierig.

Weiterlesen „Status Quo“

Mein Praktikum im Museum

Jetzt ist mein letzter Beitrag schon wieder eine Weile her und auch die Freitagsfragen sind mehrmals ausgefallen. Sorry an alle, die darauf warten. Es ist etwas vorgefallen, das mir sehr weh getan hat und ich bin noch nicht bereit, darüber zu schreiben. Doch was ich eigentlich gerade mache, davon möchte ich ein wenig berichten, denn das ist mal wieder etwas anderes.

Ich habe ein Praktikum angefangen. In einem kleinen Stadtmuseum verbringe ich die nächsten Wochen und lerne bereits jetzt zum Start der zweiten Woche einige Dinge, die ich noch nicht konnte. Meine erste Aufgabe war es, einen Gedichtband eines regionalen Dichters, der hauptberuflich Zimmermann war, zu transkribieren. Transkribieren heißt hier, dass ich seine Gedichte, die in Sütterlin geschrieben sind, in heutige Schrift übertrage.

Weiterlesen „Mein Praktikum im Museum“