Nachhaltigkeit mit Kindern

Nachdem es zehn tolle Beiträge zur Blogparade „Nachhaltigkeit im Alltag“ gab, möchte auch ich nun endlich meinen Senf dazugeben. In diesem Beitrag geht es darum, inwiefern Nachhaltigkeit mit Kindern möglich ist. Dabei gehe ich ausschließlich von unseren Erfahrungen aus. Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Im übrigen können gerne alle, die interessiert sind, jederzeit noch Beiträge nachschieben. Meine Deadline, die ich im Ankündigungspost gesetzt habe, galt lediglich für den Übersichtsbeitrag zu teilnehmenden Beiträgen.

Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln

Schon während der Schwangerschaft machte ich die Entdeckung, dass Nachhaltigkeit mit Babies ein regelrechter Glaubenskrieg sein kann. Im Mittelpunkt steht dabei oft die Frage nach den richtigen Windeln. Recht schnell wird klar, dass abgesehen vom Abhalten (Windelfrei) nur Stoffwindeln die eine richtige Lösung sind, will man nachhaltig wickeln. Darüber habe ich nachgedacht, Pro und Contra abgewogen und gestehe: wir sündigen und benutzen Einmalwindeln.

Wenn man sich das schönreden will, könnte man sagen, dass Stoffwindeln auch viel Energie und Wasser verbrauchen. Schlicht war es aber diese teure (mehrmalige) Anschaffung, die uns davon abhielt, damit anzufangen. Für ein Starterpaket mit (nur!) 10 Windeln legt man schon einmal 150€ hin und muss dann noch Einlagen und Waschmittel kaufen. Klar sind Einmalwindeln auf Dauer teurer, doch wie erwähnt sind große Einzelbeträge ein Problem.

Ein größerer Faktor bei der Entscheidung spielte tatsächlich ein persönlicher, menschlicher Aspekt: Ekel. Wegwerfwindeln macht man ab und wirft sie weg, während man sich um Stoffwindeln noch näher kümmern muss. Da ich während eines großen Teils der Schwangerschaft mit Hyperemesis zu kämpfen hatte, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, Stoffwindeln zu benutzen. Einmal in einer Entscheidung drin war es dann schwer, sich komplett umzustellen. Was den zweiten Aspekt der Faulheit anspricht. Wir hätten es besser machen können. Da wir nahe am Ende der Windelzeit angelangt sind, hat es nun aber auch keinen Sinn mehr zu wechseln.

Für unterwegs und die berühmten schlimmsten Windeln verwendeten wir Feuchttücher, für alles andere einen feuchten Waschlappen. Auf Einmalwaschlappen hat der Kindergarten leider bestanden, mein Versuch die Gruppe von täglich neuen Frottee-Waschlappen zu überzeugen schlug leider fehl.

Kleidung

Einen Teil von Püppis Kleidung habe ich selber genäht. Vorteil davon ist, dass ich Motiv und Stoff selber aussuchen kann. Jedoch, auch Stoffe sind nicht automatisch fairtrade und umweltfreundlich. Häufig kommen auch diese wie die Kleidung in den Läden aus Fernost. Eine gute Alternative zu neuen Stoffen ist die Wiederverwendung nicht mehr genutzter Erwachsenenkleidung. Toll ist auch, dass es Nähmuster für Stücke gibt, die über mehrere Größen gehen, sprich eine Hose ist durch längere Beinbündchen und einen klugen Schnitt nicht nur in Größe 80 tragbar, sondern auch in 86, 92 und vielleicht sogar noch 98.

Wesentlich günstiger als selber zu nähen ist Kleidung aus zweiter Hand. Auch unsere Kinderkleidung besteht zum Großteil aus Second-Hand Stücken. Ein Vorteil dabei: gebrauchte Kleidung ist weicher und hat bereits ihre endgültige Form; man sieht was man hat.

Praktisch ist, dass man Kleidung wieder weiterverkaufen kann um ein bisschen Geld für die nächste Größe zu bekommen. Die schönsten Teile verschenke ich gelegentlich weiter. Wir haben das Glück und das Privileg, bei Besuchen in England in den Charity Shops tolle Markenkleidung für wenig Geld erhaschen zu können.

Spielzeug

Überraschend viel von Püppis Spielzeug ist aus meiner eigenen Kindheit. Ob das Kuscheltiere sind oder Holzbausteine, Autos und Dinos. Glücklicherweise hat sie den gleichen Geschmack wie ich. Ein weiterer Teil bildet sich aus Second-Hand-Käufen. Nur wenige Teile sind selber neu gekauft, einiges wurde neu geschenkt. Auch hier haben gebrauchte Teile einen Vorteil: es riecht nicht mehr nach neuem Plastik und eventuelle Rückstände sind schon rausgelutscht. 😉

Bei den Materialien achten wir auf die CE-Kennzeichnung. Gerne hätte ich persönlich mehr Holzspielzeug für Püppi, aber sie steht auf alles Bunte und Musikalische, was dann meist eben doch wieder Plastik ist. Jedoch machen wir da den Kompromiss, keine Kunststoffteile zu kaufen, die von kurzer Lebensdauer sind. Zudem ist gutes Holzspielzeug leider oft teuer und für uns nicht drin. Dennoch haben wir eine gute Mischung aus Holz- und Plastikspielzeug. Kuscheltiere sind bis auf drei Ausnahmen Second Hand oder aus unseren eigenen Kindertagen.

Essen

Da ich leider nicht stillen konnte, mussten wir zu Babyzeiten Milchpulver geben, was enorm viel Müll verursacht hat. Es gab keine Alternativen. Zwar gibt es zumindest umweltfreundliche Produkte, doch die schnitten in den vergangenen Jahren in Tests zu Lebensmittelsicherheit unterdurchschnittlich bis schlecht ab. Die einzige Verbesserung, die wir vornehmen konnten, war ein Pulver zu kaufen, das nicht in zwei einzelnen sondern einer großen Packung verpackt war, womit weniger Folienabfall anfiel.

Gläschen haben wir insgesamt weniger als 10 gekauft – zum einen sind die ohnehin recht teuer verglichen mit selber kochen. Zum anderen ist es einfach genug, vom eigenen Essen vor dem Würzen etwas abzuzweigen und zu pürieren. Das geht entweder täglich, dann ist es frisch gekocht. Ich habe aber auch schon eine größere Menge gekocht und mehrere Portionen eingefroren.

Jetzt beim festen Essen isst die Tochter alles mit, was wir essen. Womit sich die selben Grenzen auftun, die wir für uns selber auch haben. Unverpackte Nahrungsmittel sind oftmals zu teuer, um sie als Alternative zu Sparpacks zu wählen. Immerhin, Fleisch essen wir selten und achten dann darauf, dass es aus der Region stammt. Essen schmeißen wir sehr selten weg und dann ist es meistens deshalb, weil es schon faul gekauft wurde.

Abschluss

Das Leben mit Kindern stellt den ökologisch bewussten Menschen vor neue Herausforderungen. Manche Fragen stellen sich in kinderfreien Haushalten gar nicht. Für uns sind Grenzen einer nachhaltigen Lebensweise vorrangig finanziell gesetzte Grenzen. Wir könnten vieles verbessern, doch bedarf es dafür oftmals Investitionen, die wir zumindest in näherer Zukunft nicht stemmen könnten. So tun wir eben, was uns möglich ist und verbessern Schritt für Schritt weitere Elemente, die uns auffallen. Etwa mussten wir durch Püppis empfindliche Haut das Waschmittel wechseln. So suchten wir eben nicht nur ein milderes Waschmittel, sondern auch gleich ein ökologisch verträgliches.

Zu dem Thema Nachhaltigkeit im Alltag mit Kindern gibt es ein paar Blogs und Youtube Channels, auf denen wir uns weitere Anregungen holen. Eine Liste mit Blogempfehlungen gab es schon einmal auf dem Blog „Ich lebe jetzt!“ von Suse. Auf Youtube empfehle ich Shelbizlee, die Minimalismus und Nachhaltigkeit sehr gut vereinbart, ohne teure Kaufempfehlungen zu geben. (Der Kanal ist auf Englisch.)

Für weitere Empfehlungen, Tipps und Anregungen bin ich auch hier gerne offen.

Hans Fallada: Ein Mann will nach oben

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Hans Fallada ist einer der Autoren, die mich mit ihrer Schreibweise in ihren Bann ziehen können. Neben ihm können das vielleicht noch Walter Moers -zumindest mit seinen älteren Zamonienromanen- und Edgar Allan Poe.

So war es also klar, dass als erstes Buch zu meiner 30-Tage-Lesechallenge ein Fallada-Roman her musste. Außerdem qualifiziert er sich noch für die Histo-Roman-Challenge von Kat auf Zeitfäden, sehr interessant, schaut da mal rein! Und zwar gehört es da zur ersten Aufgabe, ein Buch in meiner Lieblingszeit zu lesen.

Der Roman spielt um die Zeit des ersten Weltkrieges, beginnt 1909 und endet ca. 1935. Nachdem sein Vater stirbt, entschließt sich der nun Vollwaise Karl Siebrecht nach Berlin zu gehen, statt den väterlichen Betrieb zu übernehmen. Karl ist 16 Jahre alt, als er auf der Bahnfahrt Rieke kennen lernt, eine waschechte Berlinerin, die ihm einen Start im neuen Leben verschafft. Zwei Monate später kommt Kalli dazu, ein 18-jähriger Seemann, der vom Schiff geflohen ist. Zu dritt erlebt das Gespann einige Höhen und Tiefen. Karl bleibt immer der Kopf der Bande, er will nach oben, hoch hinaus. Zusammen mit Kalli gründet er einen Gepäckbeförderungsbetrieb an den Berliner Bahnhöfen und arbeitet sich von ganz unten empor.

Neben dem Geschäftlichen sind es immer wieder die zwischenmenschlichen Begebenheiten, die sein Leben zum Guten oder zum Schlechten ändern. Auf seinem Weg findet er ein paar wenige gute Freunde und ein paar mehr Feinde, landet in Schwierigkeiten, doch hat immer wieder noch eine rettende Idee. Einfach ist es aber nicht, die Ideen bewahren ihn nicht vor großen Verlusten, privat wie geschäftlich muss er einige Male von vorne anfangen.

Das Buch ist von Anfang an spannend, was es leicht gemacht hat, weit über 10 Seiten täglich zu lesen. Die Spannung zieht sich durch das gesamte Buch, immer wieder gibt es Überraschungen. Was es anfangs jedoch erschwerte, einfach alles nacheinander weg zu lesen, war die Tatsache, dass Rieke als waschechte Berlinerin natürlich berlinert. Zwar verstehe ich den Dialekt, doch ist es mühsam, seitenlang dialektische Sprache zu lesen. Dem Lesevergnügen an der Handlung, meiner Neugier zu erfahren, wie es weiter geht und was als nächstes kommt, tat dies jedoch keinen Abbruch.

Besonders gefällt mir an Falladas Romanen, dass die Handlungen immer an der Geschichte angelehnt sind. Die Zustände um den ersten Weltkrieg, den Einzug Karls ins Kriegsgeschehen, Wirtschaftskrisen und wirtschaftlichen Aufschwung, sind wunderbar in die Handlung eingearbeitet und bieten einen Erwartungsrahmen, der gut bedient wird. So liegt der Erfolg niemals allein in Karl Siebrechts Handlungen, er ist nicht seines Glückes alleiniger Schmied, sondern er ist auch den irdischen Gegebenheiten unterworfen, wirtschaftliche wie menschliche Stimmung in der Bevölkerung während und zwischen Krisenzeiten haben einen Einfluss auf sein Tun, was das Buch glaubwürdig macht. Es könnte genau so geschehen sein, nie hält er allein die Zügel der Welt in der Hand. Charakterentwicklungen sind nicht nur bei Karl, sondern auch bei seinen Wegbegleitern gut dargestellt und wirken natürlich.

Es ist ein würdiges erstes Buch in diesem Jahrzehnt, ich bin froh, es gelesen zu haben und ich empfehle es heiß weiter.

Hört auf, Müttern Angst zu machen!

Liebe Ärzte, liebe Großeltern, liebe Hebammen,

wir müssen reden.

Immer wieder erfahre ich aus meinem Freundeskreis von jungen Müttern, wie gestresst sie sind, weil bestimmte Dinge noch nicht klappen, die doch eigentlich klappen müssten, weil bei allen anderen es doch (gefühlt) auch funktioniert.

Das ist fürchterlich.

Ich habe es selbst ebenso erlebt. Das fängt schon in der Schwangerschaft an: Mama nimmt zu viel oder zu wenig zu, Mama isst nicht ausreichend oder zu viel, das Kind ist zu klein oder zu groß, wenn man nach der Tabelle geht…

Ist das Kind geboren, wird es weiterhin in alle möglichen Tabellen gepresst: Größe, Gewicht, Trinkmenge, Schlafgewohnheiten…

Und immer wieder wird mit Angst gearbeitet: Wenn Du Dein Kind im Bett schlafen lässt, könntest Du es im Schlaf ersticken; wenn es nicht bei Dir schläft, könntest Du Anomalien nicht mitbekommen und dann stirbt es am plötzlichen Kindstod. Wenn es einen Tag zu früh Brei bekommt, wird es krank, wenn es einen Tag zu spät Brei bekommt, bekommt es Ernährungsstörungen. Und WEHE das Kind geht nicht ab einem ganz bestimmten Zeitpunkt selbständig aufs Klo, ABER DANN!

Zum Teufel mit diesen Tabellen, mit diesen ewig aufgedrückten Zwängen! Das Kind trinkt weniger, als es nach Tabelle sollte? So what? Ist es gesund, macht es einen guten Eindruck und ist fröhlich, dann ist es egal, ob es nun ein paar Milliliter mehr oder weniger getrunken hat: dann braucht es einfach nicht mehr oder weniger! Wir Erwachsenen sind so individuell, wie wir es sein wollen. Warum spricht man das den Kindern ab? Eine Freundin sagte mir einmal traurig, dass ihre Zwillinge gar nicht so viel Milch trinken wie sie laut Arzt sollten. Zum einen waren die beiden da noch so winzig, dass ich mich fragte, wie auch noch mehr in sie hinein passen sollte – die Tabellen sind auf Durchschnittswerte ausgelegt, aber wer hat denn schon Durchschnittswerte? Zum anderen waren die beiden so sichtlich gesund, dass ich ein bisschen wütend wurde, dass meiner Freundin, die wirklich hinreißend für ihre Zwerge sorgte, solcher Druck gemacht wurde. Wem soll das helfen?

Meine Mutter hat mich noch zu DDR-Zeiten geboren und aufgezogen. Damals gab es ganz harte Vorschriften: wenn das Kind mit einem Jahr noch nicht trocken war, dann hatte die Mutter versagt! Ich kann mich erinnern, dass die Windel-Kinder in der Krippe/ im Kindergarten morgens erst einmal eine Stunde lang auf den Topf gesetzt wurden. Gott sei Dank ist das heute verboten – zu Recht! Püppi fängt gerade erst an, trocken zu werden. Vor einem Monat feierte sie ihren zweiten Geburtstag. Schon als sie noch nicht einmal richtig sitzen konnte, entwickelte meine Mutter eine ungesunde Obsession für Püppis Töpfchentätigkeiten. Ich kann es verstehen, meine Mutter kennt es so – es ist aber wahnsinnig anstrengend, bei jedem Gespräch gefragt zu werden „Und? Geht sie schon aufs Töpfchen?“ Mit fortlaufender Zeit wandelte sich die Intensität der Fragen: „Und? Geht sie jetzt endlich aufs Töpfchen?“

Auch beim Essen, der Beikost, gab es Druck von mehreren Seiten. Man solle bloß um Himmels Willen mit 5 Monaten, spätestens mit 6, anfangen, Beikost zu geben. Was soll ich sagen, da hat Püppi mich noch angeschaut als sei ich nicht ganz bei Trost mit meinem Löffel voll Möhrchenpampe. Also habe ich ignoriert, dass Ärzte und andere Eltern immer wieder fragten: „wie viel isst sie denn schon? WAS? Noch gar nichts?!“ Dann habe ich es eben mit 8 oder 9 Monaten noch einmal versucht, nach einer Woche festgestellt: Brei ist einfach nicht ihres, aber gekochtes Gemüse geht und siehe da, Püppi isst gerne und ausreichend. Wobei selbst „ausreichend“ schon wieder so subjektiv ist, dass mancher wohl die Augenbraue heben würde, ob der großen und winzigen Portionen, die sie manchmal isst. So wie der Tag eben ist. Aber geht es uns nicht allen so?

Ich selbst muss mich ja auch manchmal zusammenreißen, meine Erfahrungen nicht 1:1 auf die Kinder anderer übertragen zu wollen. Denn auch wenn ich ein paar Dinge gelernt habe im Laufe der Zeit als Mama: diese Erfahrungswerte sind sehr speziell und passen in der Regel auch nur auf ein Kind, nämlich auf meines. Was bei Püppi geklappt hat, kann bei anderen schief gehen und vice versa. Die Herzfreundin fragt mich ab und an um Rat, das freut mich auch sehr, ich komme mir dann vor wie eine Expertin. Dann mache ich ihr aber Vorschläge und sage immer dazu, dass es bei Püppi zwar so klappte, es aber keine Allgemeingültigkeit besitzt. Ich mache Vorschläge und keine Vorschriften.

Liebe Mamas,

hört auf eure Intuition! Lasst euch nicht verunsichern!

Ich weiß selber sehr genau, dass das leichter gesagt ist als getan. Gerade in den ersten Lebensmonaten des Kindes ist man doch sehr verunsichert. Wenn ihr aber das Gefühl habt, dass alles in Ordnung ist und es so klappt, wie ihr es macht, dann ignoriert die Tabellen, ignoriert die strengen Regeln, die an euch heran getragen werden. Ihr macht das schon!

Es ist unendlich anstrengend, immer wieder diskutieren zu müssen, weil etwa eure eigenen Mütter ganz andere Vorstellungen haben als ihr. Ich sag euch eins: spart euch die Energie. Diskutiert nicht. Das ist gar nicht schlimm und ihr seid keine schlechten Mütter oder Töchter. Ihr habt eben einfach eure eigenen Ideen. Das was ihr sagt, ist Gesetz. Niemand anderes kann euch da reinreden. Selbst eure eigenen Mütter nicht. Ja, sie haben ihren Job damals auch gut gemacht. Aber Zeiten ändern sich, Erziehungsstile ändern sich. Aber eure Mütter hatten schon ihre eigene Zeit. Jetzt seid ihr dran.

Und wenn es mal wieder heißt „Das musst Du aber anders machen!“, dann bedankt euch für den Ratschlag, sagt, dass ihr das erst einmal selber versuchen möchtet und dass ihr aber gerne darauf zurück kommt, wenn es nicht funktionieren sollte. So gab es mit meiner Mutter nach monatelangen Dauerdiskussionen auch endlich einmal Frieden.*


*Bisher hat aber fast alles so geklappt, wie ich es versucht habe. Wer kennt schließlich mein Kind besser als ich?

Lydia Benecke: Psychologie des Bösen

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Am gestrigen Samstag Abend besuchte ich den Vortrag „Die Psychologie des Bösen“ von Lydia Benecke. Frau Benecke ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Therapeutin in einer Ambulanz für Sexualstraftaten. Wie sie erklärte kommen diejenigen zu ihr, die eine Sexualstraftat begangen haben und etwa als Bewährungs- oder Entlassungsauflage eine Therapie machen sollen.

Frau Benecke ist unter anderem für ihre Bücher „Auf dünnem Eis“, „Sadisten“ und „Psychopathinnen“ bekannt. Außerdem tritt sie häufiger in Interviews in TV und Radio an die Öffentlichkeit, engagiert sich in der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.) für die Auflösung von Verschwörungstheorien und ist Jugendschutzbeauftragte der SMJG, ein Verein zur Aufklärung Jugendlicher über Sex und BDSM. Weiterlesen „Lydia Benecke: Psychologie des Bösen“

Weleda Produkttest

Das Runzelfüßchen hat ein Gewinnspiel ausgerufen und ich habe gewonnen! Vielen lieben Dank noch einmal!

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Das Weleda Kids Set kam heute an und besseres Timing wäre wohl kaum möglich gewesen – denn heute ist Badetag!

Also gleich ausprobiert; hier ein kurzer Bericht mit Bewertung der Inhaltsstoffe:

Weiterlesen „Weleda Produkttest“

Update: Diät. Wie ich vom Plateau herunter kam

Vor einer Weile habe ich schon einmal darüber berichtet, wie ich in 5 Monaten 12kg abgenommen habe. Mittlerweile sind es insgesamt 19kg.

Eine ganze Weile lief mein Gewicht auf einem Plateau, von dem ich es erst kürzlich herab geschafft habe, sodass es jetzt endlich wieder weiter geht mit dem Gewichtsverlust. Also falls ihr demotiviert seid, weil plötzlich alles stockt: das ist völlig normal. Der Körper hat sich an die Maßnahmen gewöhnt.

Deshalb gibt es auch keine eine Erfolgsdiät. Ich persönlich finde es am erfolgsversprechendsten, wenn man immer mal wieder etwas ändert. Das können schon Kleinigkeiten sein. Im Folgenden möchte ich also mal darauf eingehen, wie ich es vom Plateau geschafft habe.

  • Teilzeitfasten. Auch intermittierendes Fasten genannt. Kann ich nur empfehlen, solange man das Mittagessen regelmäßig und zuverlässig „pünktlich“ essen kann sowie wenn man keiner schweren körperlichen Arbeit am Morgen nachgeht. Das ist beides wichtig. Wenn ich einmal auch nur eine Stunde später essen kann, kommt es vor, dass ich crashe und SOFORT etwas essen muss. Für solche Fälle empfiehlt es sich immer, Bananen im Haus zu haben. Wichtig: Mittagessen sollte vorbereitet sein, wenn man weiß, dass man es eventuell nicht rechtzeitig schafft, zu kochen.

  • Vorkochen. Wie in den Wanna Do Listen erwähnt habe ich mir zum Ziel gesetzt, nicht öfter als 12 Mal im gesamten Jahr Fertigprodukte zu essen. Nun kommt es allerdings vor, dass Püppi sämtliche Keime aus dem Kindergarten mitbringt und wir auch schon mal gleichzeitig flach liegen und keiner die Muße und Energie hat, selber zu kochen. Deshalb kochen wir einfach mehr und frieren ein. Auch kochen wir simple Gerichte wie Chili in großen Mengen, sodass es für mehrere Tage reicht. Ist auch nicht mehr Aufwand, ist kostengünstig und spart ganz viel Zeit.

  • Meine Einstellung zum Essen ändern. Leider bin ich mit einem Vielfraß als Stiefvater aufgewachsen, was in mir das ständige Gefühl hervorgerufen hat, dass ich nichts mehr bekomme, wenn ich nicht jetzt gleich so viel wie möglich esse. Einerseits musste ich das erst einmal kommunizieren, damit der Engländer nicht doch mal etwas aufisst, das ich mir bewusst zurückgelegt habe. Andererseits lerne ich gerade, wie ich loslasse. Das klingt bescheuert, aber ich kann Essen nicht loslassen. Dabei ist es so einfach, neues zu kochen. Morgen gibt es schließlich auch wieder etwas.

  • Routine. Ich stehe jeden Morgen zur gleichen Zeit auf, habe einen festen Zeitplan für jeden Tag in der Woche. Dieser beinhaltet 3x je 1h Sport (exklusive Vorbereitung, Duschen etc. – insgesamt komme ich damit auf ca. 2h), feste Essenszeiten, Rituale wie jeden Morgen etwas Schönes für Püppi zu zaubern, Arbeits-, Püppi- und Freizeiten, jeden Tag 30-60 Minuten zum Putzen/ Betten beziehen/ Schweinchenkäfig säubern. Kurzum, für alles, was in der Woche gemacht werden muss, habe ich feste Zeiten.

  • Keine Ausnahmen. Viele Diäten haben Cheat-Tage, an denen man alles essen kann, was man möchte und was die Diät sonst nicht hergibt. Das finde ich schwachsinnig und es macht es mir selbst schwer, nach einem solchen Tag weiter zu machen. Lieber belohne ich mich ab und an mit einem Stück Schokolade oder etwas (zuckerfreiem) Sirup im Kaffee. Nach dem Fitti gibt es eine Belohnung. Alles aber im Rahmen. Keine Sahnetorten, keine Schokofressorgien. Mir fehlt es nicht einmal mehr. Ich habe schon seit einer ganzen Weile Schokolade zu Hause und rühre sie nicht an, weil ich sie mir nur zu besonderen Anlässen gönne und bevor ich das tue mich immer frage, war das jetzt gut genug oder lohnt es sich überhaupt? Will ich überhaupt Schokolade essen, wenn ich für 500kcal über eine Stunde auf dem Rad schwitzen muss?

  • Sport auf nüchternen Magen. Nachdem ich angefangen habe morgens zu fasten, habe ich erst einmal überlegen müssen, ob ich das überhaupt verkrafte. Mir sind da die vielen Ernährungs- und Fitnessgurus im Kopf, die wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Antwort: überhaupt gar kein Problem. Sicher, an weniger guten Tagen habe ich eine Notfallbanane dabei. Ich habe sie aber noch nie gebraucht. Tatsächlich finde ich es einfacher mit dem Fasten bis zum Mittagessen durchzuhalten, wenn ich im Fitnessstudio bin. Dort bin ich abgelenkt und habe keine Möglichkeit, mir irgend etwas „reinzuziehen“. Auch ist Training auf nüchternen Magen in Sachen Fettverbrennung wirkungsvoller. Win-Win also!

  • Sport festlegen und vereinfachen. Anfangs hatte ich einen ausgeklügelten Trainingsplan, um nicht bloß Fett zu verbrennen, sondern auch noch Muskeln aufzubauen und die Beweglichkeit zu erhöhen. Das hat mir auch zunächst Spaß gemacht. Nach einer Weile hat es mich aber schrittweise demotiviert. Es war einfach zu viel. Jetzt mache ich nur noch eine Sache: Ausdauertraining. Eine Stunde auf dem Rad. Manchmal, wenn ich Abwechslung brauche, bin ich für 15 oder 20 Minuten auf dem Crosstrainer und danach erst kommt das Rad, das sich dann übrigens anfühlt wie Urlaub. Keep it simple, keep it going.

  • Mehr laufen. Wenn ich Püppi vom Kindergarten abhole, habe ich das bisher immer so gemacht, dass ich hinwärts die Bahn genommen habe und zurück gelaufen bin. Ich versuche jetzt so oft wie möglich, auch den Hinweg zu laufen. Klappt nicht immer, etwa wenn der Zeitplan straff ist oder ich krank bin. Aber wenn es klappt, sind das gleich mal 100-150 Extrakalorien, die ich loswerde.

 

Das sind im Gröbsten die Neuerungen, die ich zu meiner bisherigen Ernährungsweise gemacht habe. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass das alles schrittweise vonstatten ging und über mehrere Monate hinweg. Wer alles auf einmal versucht, läuft wohl Gefahr, anfangs zwar top motiviert zu sein, aber schnell zu merken, dass es zu viel wird. Das ist okay. Wichtig ist dann, nicht zu streng mit sich zu sein und zu ergründen, was man realistisch schaffen kann. Dazu dann ungefähr 10% addieren, denn zu einfach soll es auch nicht werden, das demotiviert nämlich genauso. 😉

Lasst euch also Zeit. Seid gut zu euch selbst. Challenge yourself. Haltet durch!

Status Quo und Hotelschwierigkeiten

Wir sind zurück und ja, die Zeit in England war wirklich schön.

Die Rückreise war sehr durchwachsen und ich habe das Gefühl, in der Woche seit unserer Rückkehr nicht geschlafen zu haben. Püppi hat selbst Schlafschwierigkeiten und da müssen wir alle mitleiden ihr selbstverständlich helfen.

Sonntag (6.1.) fuhren uns die Eltern nach London Stansted ins Hotel: Hampton by Hilton. Das erste Hotel seit Ewigkeiten und dann gleich so eins! Woohoo!

So wirklich umgehauen hat mich das Hotel dann allerdings nicht, was wohl damit zusammenhing, dass uns während des Telefonats am Abend zuvor gesagt wurde, man wisse nicht, wie viele Kinderreisebetten man im Hotel habe und dass es keine Garantie gäbe, dass man auch eines bekommt. What the actual fuck? Ernsthaft, das geht GAR nicht. Wenn ich dem Hotel sage, ich brauche ein Bett, damit mein Kind sicher schlafen kann und mir vor dem Bezahlvorgang gesagt wird „geht klar“, dann will ich auch eins garantiert haben. Die Betten waren nicht geeignet für Kinder, da sie sehr hoch waren, das wäre gar nicht in Ordnung gewesen.

Zwar haben wir dann eine „Travel-Cod“ bekommen, allerdings gibt es keine Decken dafür. Ja, richtig gelesen. Es gibt keine Decken für Kinder. Man wollte uns eine „normal“ große Decke andrehen, die man zusammenfaltet, aber die hätte selbst dann da gar nicht rein gepasst. Wir haben dann eins unserer Badehandtücher zum Zudecken genommen, die waren schön groß und kuschelig. Immerhin. Stellt euch aber mal vor, ihr müsstet eure eigenen Decken mitbringen. Für Erwachsene ein Unding, aber für Kinder soll das okay sein?

Man merkt am ganzen Hotel, dass Kinder da niemals mit eingeplant waren. Es gibt einen einzigen Wickelraum, der sich im Erdgeschoss bei der Rezeption befindet. In den Zimmern gab es nichts, was man zum Wickeln umfunktionieren konnte, außer der Betten. Die Zimmer waren nur semi-kindersicher. Die Schiebetür zum Bad war ENTWEDER dazu geeignet, das Bad zu verschließen ODER die Kommode neben der Badezimmertür, nicht beides. Leider lagern dort aber Bügelbrett und -eisen und schließlich Buggy und Koffer. Das WC hatte keinen Deckel, sodass unsere Entscheidung, welchen Teil zu verschließen -Badezimmer oder Kommode- schnell klar war.

Auch der Frühstücksbereich war nicht nach meinem Geschmack. Man hat die Wahl zwischen Sofa und entsprechend niedrigen Tischen (mit Kind klar: nein!) und hohen Tischen mit hohen Stühlen. Immerhin hat da der Kindersitz gut ran gepasst, der ja auch recht hoch ist. Allerdings sitze ich zum Frühstück nicht gerne an einer Bar. Gemütlich ist anders. Das Frühstück selbst war gut, obgleich ich mir Beschriftungen gewünscht hätte. Ehe ich die Milch in ihrem ominösen Spender als solche erkannt habe, war mein Tee noch lauwarm. Auch weiß ich gerne, was ich da esse.

Püppi fand es mega aufregend, in einem Hotel zu sein und war viel zu nervös zum Schlafen. Hätte ich gewusst, was uns am nächsten Tag erwartet, hätte ich ihr etwas Baileys in die Milch gemischt…

Unsere Eingewöhnung im Kindergarten

Püppi wurde gerade im Kindergarten eingewöhnt, oder ist noch halbwegs dabei. Da es ein großes Thema ist, das viele Eltern beschäftigt und sorgt, schreibe ich einmal unsere Erfahrung damit auf.

Unser Kindergarten gewöhnt nach dem Berliner Modell ein. Dabei ist ein Elternteil in den ersten 3-4 Tagen permanent anwesend, während das Kind den Raum und die Gruppe erkundet. Etwa am 5. Tag wird der erste Trennungsversuch gestartet. Je nachdem wie sich das Kind von den Erziehern beruhigen lässt und insgesamt mit der Situation klar kommt, bleibt der Elternteil dann 10 bis 30 Minuten draußen. Wenn das gut klappt, kann man den Zeitraum auch größer gestalten. An den nächsten Tagen wird die Zeit immer weiter verlängert. Das Ganze dauert im Schnitt 2 Wochen, manchmal geht es schneller, manchmal braucht es länger.

Unser Mäuschen war zum Start 13 Monate alt und kannte gleichaltrige Kinder vorher nur sporadisch. Sonst hat sie sich meistens allein beschäftigt. Mit älteren Kindern kam sie immer gut klar, gleichaltrige oder jüngere sind ihr dagegen wohl etwas suspekt.

In den ersten drei Tagen habe ich sie in den Kindergarten begleitet und blieb mit ihr jeweils eine Stunde lang da. Am ersten Tag hat sie ausschließlich an mir geklebt und war ängstlich. Jedes Geräusch, das etwas lauter war als leises Reden, hat sie gestört. Das ist bei zwei lautstarken Jungs in der Gruppe eher ungünstig. Eines der anderen Kinder setzte sich zwei Mal mit auf meinen Schoß, was sie beim ersten Mal etwas entsetzte, beim zweiten Mal zum Weinen brachte.

Der zweite Tag lief besser. Zwar traute sie sich in der ersten halben Stunde wieder nicht von meinem Schoß, obwohl ich es ein wenig versuchte, indem ich sie vor mich setzte. Die ganze Zeit über bleib ich aber in ihrer Nähe. Schließlich wurden alle Kinder außer zwei weiteren im Alter von je 12 Monaten aus der Gruppe geholt, um nach draußen zu gehen. Da blühte Püppi ein wenig auf und traute sich von selbst von meinem Schoß. Ich zeigte ihr schließlich eine andere Ecke des Raumes mit einem Spiegel und einer Haltestange, wie man es vom Ballett kennt. Das fand sie ganz toll. Schließlich wurde sie mutig und krabbelte zur Erzieherin, kletterte auf sie drauf und schmiegte sich an. Damit hatten wir beide nicht gerechnet, also die Erzieherin und ich. Als ein anderes Kind sie anfasste, ergriff sie jedoch die Flucht zurück zu mir.

Am dritten Tag wurden die lauten Kinder gleich am Anfang heraus genommen. So klebte Püppi zwar wieder für eine Weile an mir, wurde dann aber langsam mutiger. Ich setzte sie auf eine erhöhte Ebene mit kuscheligen Decken. Sie hatte gleichzeitig den Schutz der Erhöhung und konnte die anderen beobachten. Außerdem sind Kuscheldecken ihre Schwäche. 😉
Sie krabbelte ein wenig umher, nahm sich Spielsachen und legte sich auf den Boden mit „ihrer“ Decke. Sie freute sich, war aber dennoch weiterhin vorsichtig. Es lief sehr gut bis auf eine Begebenheit, als ein Kind sich zwischen Püppi und mich setzte, sodass sie sich nicht zu mir traute.

Da es mir am vierten Tag nicht gut ging, musste Papa einspringen. Mit ihm lief es ähnlich wie am Tag zuvor; das Mäuschen traute sich ein bisschen mehr. Am nächsten Tag sollte der erste Trennungsversuch stattfinden.

Hier muss ich dazu sagen, dass wir uns dafür entschieden, dass Papa das macht. Ich bin dafür zu emotional. Wenn das Kind merkt, dass es dem Elternteil schwer fällt, dann fällt es dem Kind noch schwerer als ohnehin. Meistens sind Väter dann die gelasseneren, aber oft können auch sie schlecht loslassen, was aber essentiell ist.
Es hat an dem Tag übrigens sehr gut geklappt. Püppi hat sich allein beschäftigt, wie sie das meistens zu Hause auch tut und ließ sich gut trösten. Nach einer Stunde war es ihr dann aber genug.

In der nächsten Woche wurden die Abstände der Trennung immer größer. Am 7. Tag waren es schließlich zwei Stunden, sodass Papa zwischendurch heim gehen konnte. Es wurde gar ausdrücklich gewünscht, dass er sich vom Gelände entfernt, während er zuvor noch im Gebäude blieb, um ihn gegebenenfalls zu holen, falls es doch nicht geklappt hätte.

Wir stießen auf ein anderes Problem: die Uhrzeit, in der sie im Kindergarten war, kollidierte mit ihrer Schlafenszeit. Sie hat nach dem Frühstück meist noch einmal ein Schläfchen. Dort konnte sie aber nicht schlafen, auch wenn es die Erzieherinnen versuchten.

Nach hinten konnten wir die Zeit aber nicht verlängern, da es mit dem Mittagessen kollidiert wäre, wo sie noch nicht dabei sein sollte. Das wäre laut Erzieherinnen noch zu stressig gewesen. So waren es weiterhin maximal 2,5 Stunden.

In der dritten Woche waren ihre Erzieherinnen an zwei Tagen leider im Urlaub. Leider nicht, weil ich es ihnen nicht gönnen würde. Aber es ist einfach sehr ungünstig, wenn das Kind noch mitten in der Eingewöhnung steckt und Probleme hat.

Diese dritte Woche ist heute. Morgen sind die Erzieherinnen wieder da und Püppi isst Mittag mit den anderen. Ich werde berichten. 😉

Mein Erlebnis mit der AOK Plus

Eine andauernde Geschichte

Fast mein ganzes Leben lang war ich in ein und derselben Krankenversicherung versichert. Ausnahme bildete nur eine kurze Episode während einer (später abgebrochenen) Ausbildung, weil diese Krankenkasse die einzige war, die auf mich zukam – als 18-jährige ohne Internet und Ahnung war ich darüber sehr dankbar.

Diese langjährige Begleiterin aka Versicherung hat mich aber in den letzten Jahren durch stetig steigende Anteile und schlechter werdenden Service sowie die Tatsache, dass ich nicht immer über Preissteigerungen informiert wurde und dann Mahnungen bekam über ausstehende Beträge, mehr und mehr enttäuscht. Sie war eine der teuersten (studentischen) Versicherungen und bot dafür im Gegenzug nicht so viele Angebote zur Prävention wie andere Krankenkassen.

Bei der AOK Plus war ich zwischenzeitlich auch einmal kurz für ein paar Monate, vielleicht auch ein ganzes Jahr, ich kann es nicht mehr genau sagen, denn das ist schon eine Weile her. Ich hätte mich früher an die Szene in einem ihrer Büros erinnern sollen, als ich mit der Frage, ob es für Asthmatiker geeignete Sportangebote in der Stadt gäbe, hinein ging und mit einer Informationsbroschüre über COPD (!) heraus kam. Dann wäre mir dieses Spektakel in einer ohnehin stressigen Zeit vielleicht erspart geblieben.

Ein hervorragender Start

Bevor ich die Versicherung bei der alten Krankenkasse kündigte, bestellte ich mir einen Berater der AOK Plus ins Haus. Das fand ich toll, dass die zu mir kommen und ich mit Baby nicht in ein Büro gehen muss. Mein Berater stellte sich vor, antwortete mir auf alle meine Fragen und sogar auf die etwas kniffligeren. Ich fand ihn sehr nett und hatte generell nach der Beratung ein gutes Gefühl. Auch gefielen mir die Konditionen, denn das muss man der AOK lassen: die vielen Gesundheitskurse sind schon toll. Außerdem haben sie ein Bonusprogramm, das mir als ich-gehe-erst-zum-Arzt-wenn-man-mich-tragen-muss-Patienten einige Vergünstigungen bringen könnte. Vorsorge nehme ich ernst und das wird dort belohnt; wenn man immer brav vorsorgen geht, bekommt man ein bisschen Geld zurück.

So unterschrieb ich den Vertrag, kündigte bei der alten Krankenkasse und war fast ein bisschen traurig, dass ich noch ein halbes Jahr warten musste. Immerhin freute ich mich schon auf Babyschwimmkurse und dergleichen, die ich sehr gerne wahrnehmen wollte. Im Juni sollte die Versicherung nun endlich beginnen.

Und dann war Juni

Nichts. Keine Information, wie das nun mit der Bezahlung sei. Keine Karten. Kein Vertrag. Nichts.

Ich fragte meinen sympathischen Berater, was ich denn nun machen sollte, immerhin hatte Püppi am nächsten Tag einen U-Untersuchungstermin. Er bringe mir einen Abrechnungsschein vorbei, den läge er in meinen Briefkasten, bevor ich los müsse. Am Morgen des Termins dann eine Nachricht: er habe es leider nicht geschafft. Wer’s glaubt. Ich solle einfach die Karte der alten Versicherung abgeben, die Versicherungen würden sich das untereinander auskaspern. Meine Frage, ob ich dann definitiv auch keine Rechnung erhalten würde, verneinte er, alles sei gut, das gibt keine Probleme. Zugegeben, die gab es bisher nicht, aber Angst habe ich noch immer, dass da noch etwas kommt.

Mittlerweile ist Mitte Juli und wir haben noch immer keine Versicherungskarten. Und keinen Vertrag. Ich kann nicht zum Arzt, obwohl ich Probleme habe, die ich gerne abklären lassen würde. Lieber früher als später.

Ebenfalls im Juni schickte ich dem Berater Unterlagen, die er für einen Antrag brauchte, damit ich weiterhin studentisch versichert sein kann und statt fast 200€ monatlich „nur“ irgendwas um 90€ bezahle.* Vorige Woche bekam ich einen Brief, in dem ich aufgefordert wurde, eine normale Versicherung zu beantragen, immerhin sei ich doch 30 und mit 30 kann man nicht studentisch versichert werden. Kein Wort vom Antrag.

Also hakte ich nach. Bei meinem Berater. Der wohl verschollen ist.

Als nach 3 Tagen noch keine Antwort kam, wendete ich mich an eine andere Stelle. Es läge kein Antrag vor, aber die Unterlagen kann ich ja gerne ihr schicken. Sie möchte gern eine Bescheinigung der Uni, dass mein Urlaubssemester wegen Erziehungszeiten war.

Eine solche Bescheinigung gibt es nicht, also schickte ich ihr meine Bescheinigung über ein Urlaubssemester (worauf der Grund nicht verzeichnet ist) sowie die Geburtsurkunde von Püppi.

Die Antwort kam 2 Tage später. Mir wurde gesagt, dass das nicht reiche, es sei schade, dass es das Formular an meiner Uni nicht gäbe und ich könne so nicht studentisch versichert werden.

Geht’s noch? Die verlangen ein Formular, das sie selbst nicht ausstellen und wenn die Uni das nicht zufällig genau so hat, bekommt man sinngemäß gesagt: „Pech gehabt“?!

Ich habe nun sowohl meiner Uni geschrieben und denen diese Dreistigkeit geschildert mit der Bitte um Hilfe, als auch der Stelle der AOK Plus, dass ich mir nicht vorstellen könne, dass nur dieses eine Formular anerkannt würde und welche Alternativen es gibt. Die können ja wohl nicht ernsthaft erwarten, dass die Uni extra für die Spaßvögel eigene Formulare ausstellt. Sind wir hier bei Wünsch Dir was? Oder auf dem Ponyhof? Habe ich etwas verpasst?

Mal schauen, ob mir geantwortet wird und vor allem was. Stay tuned.

P.S.: Der zuständigen AOK Filiale habe ich übrigens auch eine Email geschrieben mit der Bitte mir einen anderen Berater zuzuweisen. Dieser hat sich noch immer nicht zurück gemeldet. Nach 2 Wochen und 3 Mails.


*Das Gesetz sieht vor, dass eine freiwillige (haha) studentische Versicherung bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres gewährt wird, weil man dann magischerweise ganz viel Geld hat. Außer man hat triftige Gründe, warum das Studium noch andauert, etwa ein Kind, das man während des Studiums bekommen hat.
Die freiwillige Versicherung wird dann nötig, wenn man z.B. keine sozialversicherungspflichtige Arbeit hat, womit man automatisch versichert wäre und auch nicht mehr in der Familienversicherung der Eltern ist, die nur bis zum 25. Lebensjahr gilt.

 

UPDATE: Die Pressestelle der AOK hat mich auf einen Tweet hin gebeten, mich an sie zu wenden, was mittlerweile die 4. Stelle ist, mit der ich in Kontakt bin (wenn man das so nennen kann, von den anderen 3 habe ich bisher nichts wieder gehört.) In der Email habe ich meine Probleme aufgezählt und da kam eine ganze Menge zusammen.

Mit Verlaub, aber ich habe die Schnauze voll.

2. UPDATE: Meine Uni hat mir tatsächlich sowas ausgestellt, was die Dame vom Studentenservice wollte. Das habe ich ihr geschickt und sie schrieb mir heute Morgen, dass ich dann für dieses Semester studentisch versichert bin, das läuft noch bis 30.9. Immerhin. Wie es danach weiter geht? Keine Ahnung. Wie ich überhaupt irgendwas bezahlen soll? Auch keine Ahnung.

3. UPDATE: Mein persönlicher Berater ist aus der Versenkung wieder aufgetaucht. Dann kann ich das Suchteam der Polizei ja wieder zurück rufen.