In München steht ein Brotbackhaus

Auch wenn man noch so jung ist wie ich (Mitte 20), hat man doch schon ein paar Lebensmittelskandale mitbekommen. Da gab es die Sache mit den Hormonen im Fleisch, die Fleischabfälle, die man in den Döner gemanscht hat (2007), das gepanschte italienische Olivenöl (2011) oder die Gammelfleischaffäre aus Bayern.

Und erneut geht es in Bayern heiß her: diesmal in einer Großbäckerei namens Müller Brot GmbH.

Ende Januar kamen plötzlich keine Lieferungen mehr in die vielen kleinen Läden der Kette. Die Mitarbeiter riefen in der Zentrale an. Es habe gebrannt, sagte man, und deswegen gäbe es einen Produktionsstop. Umliegende Bäckereibetriebe halfen aus, damit die Läden nicht leer bleiben mussten. Alles sah danach aus, als ginge es irgendwann gewohnt weiter.

 

Doch den Brand gab es nie. Den Produktionsstop aber. Der war allerdings hervorgerufen von unzähligen kleinen Besuchern, die in so einen Betrieb einfach nicht gehören; von der Kakerlake bis zur Maus müssen sich wohl ein paar Parasiten heimisch gefühlt haben in der warmen Backstube.

 

Kann vorkommen denkt ihr? Der Knüller kommt ja erst noch, denn das Problem ist keineswegs neu. Schon seit 2009 musste das Unternehmen mehrmals 5-stellige Strafen wegen Hygieneverstößen zahlen. „Gravierende hygienische Mängel“ sind meiner Meinung nach nichts, was man einfach so hinnehmen kann, geschweige denn nie dem Kunden mitteilen. Aber das wurde es nie. 2011 nahm zwar die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf wegen eben dieser Mängel, doch bis diesen Monat wurden Abnehmer wie Aldi und Lidl sowie Endverbraucher im Dunkeln gelassen.

Nicht verwunderlich also, dass Aldi und Lidl abgesprungen sind und die Leute das Brot woanders kaufen wollen- und mal ehrlich, Anbieter gibt es genug.

Wirklich schlimm, denke ich, ist das Ganze für die rund 1100 Mitarbeiter, die ohnehin schon unterbezahlt waren und jetzt auch noch sehen müssen, wo sie bleiben.

 

Vor 3 Tagen beantragte das Unternehmen Insolvenz; die benötigten Gelder für eine Wiederaufnahme der Produktion sind bereits vom Insolvenzverwalter genehmigt. Müller Brot GmbH wirbt auf der Seite noch mit „unter strengen Qualitätskontrollen täglich frisch gefertigt[en]“ Waren. Würdet ihr aber nach diesen Informationen noch dort einkaufen?

Klar, es gab Umbauten und umfangreiche Reinigungsarbeiten, aber dennoch hinterlässt dieser Skandal doch einen üblen Beigeschmack.

Was ist ACTA?

Viele von euch haben sicher in den letzten Tagen viel über SOPA gehört. Aber was ist ACTA? Und kann man das essen?

Nein, ACTA kann man nicht essen. Dennoch kommt dabei ziemlich viel Scheiße heraus, was doch ein ganz besonderes digestives Phänomen darstellen dürfte.

ACTA ist die Abkürzung für Anti- Counterfeiting Trade Agreement, also grob übersetzt Anti- Fälschungshandelabkommen. Das ganze findet schon seit 2006 statt, doch wurde nie davon berichtet und alles wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten, weswegen man lange noch nicht einmal wusste, wie die Länder dazu stehen und wie weit die Verhandlungen sind. Beteiligte Länder sind unter anderem USA, Japan, EU, Schweiz, Südkorea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Marokko und noch andere. Nach der ersten Verhandlungsrunde 2008 sind Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate ausgetreten, womit sie unseren „demokratischen“ Regierungen einen großen Schritt voraus sind.

2010 wurden Vorabversionen inoffiziell veröffentlicht; mehr hat man noch nicht wirklich darüber gehört.

Was ist so schlimm an ACTA?

Zum einen die Rahmenbedingungen: die Öffentlichkeit wird absolut ausgeschlossen. Man wird in keinster Weise über den Verhandlungsstand informiert, was das Ganze so ziemlich unberechenbar macht. Und für die EU- Bürger, also dich und mich, kommt es ganz dicke, denn auch nicht gewählte Politiker haben an den Verhandlungen teilgenommen und mitbestimmt. Die Demokratie wird also vollkommen umfahren und ausgeklammert.

Zum anderen sind die (bisherigen) Bestimmungen die reinste bürgerrechtliche Katastrophe. Erstmal ist gar nicht geklärt, was „geistiges Eigentum“ denn überhaupt genau ist, was einen unheimlichen Interpretationsspielraum lässt. Außerdem wurden Internetdienstanbieter vor die Wahl gestellt: entweder sollten sie mithaftbar gemacht werden für die Verstöße ihrer Kunden, oder sie sollten diese überwachen. Nun ratet mal, was bei dieser Wahl herauskam? Ja genau: BEIDES!

ACTA stellt eine extreme Überwachung dar. Jede Datei, die gesendet bzw. empfangen wird, soll nach urheberrechtlich geschütztem Material überprüft werden. Und das sind nicht nur MP3- Dateien oder Videos, sondern sogar Zitate (!!!) z.B. aus einer Zeitung. Dass Stoiber schon mitliest, ist ja bekannt, aber der hat wenigstens „nur“ Stichproben gemacht. Wirst du erwischt, und ist es auch nur ein einziges Mal, bist du dran! Und dann wirst du nicht nur einmal angezeigt. Das Material wird an den entsprechenden Verlag, Produzenten, die Plattenfirma etc. weitergereicht und die können dich dann nochmal anzeigen.

Mich betrifft das doch nicht. Ich verschicke keine Dateien und ich lade auch niemals irgendetwas herunter“, könntest du nun antworten. Und was ist mit deinem Video auf Youtube, wo du mit Anna zu im Hintergrund hörbarer Musik tanzt? Erwischt!

Na schön, dann sollen sie mich halt überwachen„, sagst du dir vielleicht, aber nein, so einfach ist das nicht. Gerätst du einmal in Verdacht (und sowas geht verdammt schnell) wirst nicht nur du besonders überwacht, sondern auch deine Familie, deine Freunde, deine Kollegen… mit wem du eben so verkehrst.

Neben den Beschneidungen für den Einzelnen gibt es aber auch übergeordnete, große Gefahren. So können etwa Ideen oder Produkte nicht wiederverwendet, verbessert oder weiterentwickelt werden. Im Video, das ich mir dazu angesehen habe und das ich euch weiter unten zeige, wurde dazu ein bedeutendes Beispiel gewählt: Medikamente. Gibt es also ein patentiertes Präparat, so kann es nicht mehr verbessert werden, denn dazu müsste man ja urheberrechtlich geschütztes Material verwenden. Es gäbe keine Nachahmerpräparate mehr (wo etwa nur ein kleiner Nebenbestandteil verändert wird), die Konkurrenz wäre vollkommen ausgeschaltet und die ohnehin schon überteuerten Medikamente würden vollends unbezahlbar werden.

Was sind mögliche Strafen?

Die Strafen sind weitreichend. Neben Geld- oder sogar Gefängnisstrafen könnten sie dir die Internetseite sperren. Der Anbieter wird dazu aufgefordert, deine Domain zu sperren, sodass man nicht einmal über direkte Adresseingabe mehr Zugriff hätte. Was bei Kinderpornoseiten, die lediglich ein Stopschild bekommen, nicht funktioniert, klappt bei dir einwandfrei! Zeigst du Werbung, werden die entsprechenden Firmen aufgefordert, dir kein Geld dafür zu geben. Und Google ist angehalten, dich aus der Suche zu löschen. Byebye, liebe Leser!

Auch große Dienste können betroffen sein: wird auch nur ein Video mit urheberrechtlich geschütztem Inhalt auf Youtube gefunden (und wir wissen, die gibt es da genug), so kann die ganze Seite für immer platt gemacht werden. Nie mehr Youtube, nie mehr Twitter, Facebook, Yahoo… selbst Nachrichtendienste können betroffen sein!

Ach ja, wenn du ganz ungehorsam bist, könnten sie dir sogar den Internetzugang verweigern.

Kein Internet mehr? Aber dann könnte ich ja so viel schaffen!

Nagut, der Punkt geht an dich!

Im Fazit könnte man sagen, ACTA beschert uns Internetzensur, beschnittene Meinungsfreiheit, Verlust der Netzneutralität, totale Kontrolle, Verlust bürgerlicher Freiheiten und vielleicht sogar Internetsperre. Und was bekommen wir dafür? Nichts.

Hier das oben versprochene Video.

Halt, Moment. Was kann ich denn dagegen tun?

Laut werden! Und diese Petition unterzeichnen: http://www.stopp-acta.info/ (Da gibt es auch nochmal ein paar Informationen)

P.S.:

Wikipedia schreibt: „Am 30. September 2011 wurde ACTA von Kanada, Australien, Japan, Marokko, Neuseeland, Südkorea, Singapur und den USA unterschrieben.“

Am 26.01.2012 wurde ACTA still und heimlich weiter unterzeichnet. Einige Länder, darunter Deutschland und Slowakei, haben nicht unterzeichnet. Aber nicht, weil sie irgendwie klug wären, sondern aus reinen Formgründen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die auch unterschreiben.

Noch einmal eine Aufzählung der Signare an diesem Tag: EU, Österreich, Belgien, Bulgarien, Tschechische Republik, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Irland, Litauen, Italien, Lettland, Luxemburg, malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Schweden, Vereinigtes Königreich.

Wenn alle unterschrieben haben, muss der Mist noch von den nationalen Parlamenten und dem Europaparlament gebilligt werden.

Laut Sprechern sind Netzsperren nicht vorgesehen. Aber irgendwie muss ich da an den Ausspruch Walter Ulbrichts denken, „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ …

Freundlichkeitenkette

Heute habe ich von einer wirklich sehr schönen Methode gehört, wie man mit Gefallen umgehen kann.

Wenn dir einer einen Gefallen tut, dann fühlst du dich doch verpflichtet, ihm zu danken. Und wenn dieser Gefallen groß genug war, dann bist du vielleicht auch bereit, seinen Vorschlag anzunehmen, die „Freundlichkeiten-Kette“ zu beginnen oder weiterzuführen.

Doch was besagt die Freundlichkeitenkette? Sie besagt, dass du jemandem nicht mit einer Schachtel Pralinen oder einem Strauß Blumen dankst, sondern dadurch, dass du diesen Gefallen weitergibst. Du tust also einem Dritten einen Gefallen und bittest ihn dann wiederrum, dem Nächsten einen Gefallen zu tun. So kann sich diese Idee unter günstigen Umständen ausbreiten und zu einem ganz anderen Wahrnehmen voneinander als auch Umgehen miteinander führen.

Das ist utopisch! mag jetzt der eine oder andere sagen. Natürlich gibt es Schwierigkeiten. Zum einen ist es immernoch in den Köpfen verankert, dass man sich bei der Person selbst, die einem geholfen hat, bedanken muss und nicht bei einem Dritten. Zum anderen muss man natürlich unterscheiden, was ein echter Gefallen ist. Jemandem die Tür aufzuhalten ist beispielweise nicht unbedingt ein Grund, gleich zu verlangen, dass sich jemand dieser Idee annehmen soll. (Unter Umständen könnte es aber sogar das sein; es muss ja nicht immer gleich Welten bewegen. Kontext und Person sind zu beachten.)

Und woher habe ich die Idee? Ich habe sie leider nicht selbst erarbeitet, sondern konkret von Vera Felicitas Birkenbihl (in herzlichem Gedenken, sie starb am 3. Dezember diesen Jahres) übernommen. Doch auch sie hat ihn nicht selbst entworfen, sondern durch die US-amerikanische Moderatorin Oprah Winfrey in Erfahrung gebracht. Diese stellte die Idee der „Kindness-Chain“ in einer ihrer Sendungen vor und hat seitdem eine Menge Menschen damit „angesteckt.“

Frau Birkenbihl hat das Konzept sehr schön in einer PDF-Datei zusammengefasst, erklärt und auch ein Beispiel einer solchen Kette (das tatsächlich so stattfand) angebracht. Unter www.birkenbihl-insider.de/e-books/our/freundli.pdf findet ihr die PDF und bei www.hintertreppe.com  eine ihrer Homepages.

Solltet ihr einmal eine Erfahrung dieser Art machen oder vielleicht schon gemacht haben, dann berichtet davon. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß beim Stöbern und Ausprobieren

und auch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins letzte uns verbleibende Jahr laut Maya-Kalender.

9gag beweist seine Macht erneut (?)

Nach Nescafé nun 4chan

Alles fing damit an, dass User von 4chan sich (unberechtigterweise unter Anonymous) beschwerten, 9gag würde 4chan-Memes benutzen. Sie könnten dafür auch jede andere beliebige Internetseite beschmutzen, aber nein, es muss 9gag sein. Ihr müsst wissen: 4chan und 9gag User sind eigentlich ziemlich ähnlich, sehr viele sind auf beiden Plattformen unterwegs.

Ist ja an sich ganz niedlich, diese Posts kann man ignorieren. Doch am frühen Abend begannen bekloppte 4chan User plötzlich, Hardcore Bilder, Fotos von Verstümmelten, von Vergewaltigungen, von so ziemlich jeder extremen Scheiße zu posten, die dann natürlich auf der Vote Seite von 9gag herumschwirrten. Normalerweise wird sowas NSFW (not safe for work) geflaggt [ok, normalerweise ist so ein Schmutz erst gar nicht da]. Doch in diesem Fall natürlich nicht, denn dieses Flaggen geht vom Uploader aus.

Das heißt konkret, dass auch nervlich Schwächere und Kinder diesen Schmutz sehen konnten bzw. mussten, wenn sie auf 9gags Vote-Seite unterwegs waren. Und das überschreitet doch wirklich jegliche Grenze der Pietät, des guten Geschmacks oder des Stolzes!

Zur Zeit sind beide Seiten, 9gag und 4chan, down. 9gag jedoch kann man noch ansehen. Sehen wir, was als nächstes kommt.

Wenn man mal von dieser schieren Langeweile absieht, ist es doch traurig, wofür diese Macht genutzt wird. Man könnte sie in so viele nützliche Zwecke stecken, GEZ und SOPA sind nur 2 von tausenden Beispielen!

Ich hoffe wirklich, dass zukünftige Projekte nicht mehr gegen die eigenen Leute gehen werden.

Die Macht der sozialen Netzwerke

Die folgende Story ist wahr. Sie ist nicht erfunden, nicht aufgepusht oder beschönigt. Sie zeigt die reale Macht des neuen Volkes, eines internationalen Volkes. Des Internetvolks. Und doch ist sie nur ein winziges Beispiel im Vergleich zu den wahnsinnigen Möglichkeiten, die wir uns selber schaffen können (bedenkt doch nur Anonymous!)

Alles fing an mit einem simplen Post auf 9gag.com. Ein junger 9gagger, Janos Szolnoki, bat um Hilfe bei einem Wettbewerb bei Nescafé, in dem es $5000 zu gewinnen galt. Dieses Geld wollte er nicht für einen Ponyhof oder ein superkalifragilistischexpiallegetisches Baumhaus ausgeben, sondern für seinen 11jährigen behinderten Bruder, um ihm Erfahrungen zu ermöglichen, die er aufgrund seines Rollstuhls nie machen konnte.

So weit, so gut. Ganz süß aber nichts besonderes, sagt ihr. Aber hier liegt der Knackpunkt: ohne erkennbaren Grund oder eine Entschuldigung bzw. Erklärung nahm Nescafé das eingesendete Video, das bereits viel mehr Stimmen zählte als andere, heraus und blockierte Janos in dem Wettbewerb.

Der wollte sich das natürlich nicht bieten lassen und machte einen neuen Post auf 9gag, in dem er dazu aufrief, die Facebookseite von Nescafé vollzuspammen. Diese musste dann ziemlich bald runtergenommen werden, da man offensichtlich mit einem solch großen Sturm nicht klarkam und dieser die gesamte Seite lahmlegte.

Doch nicht nur das: seit dem Rachefeldzug der „9GAG Army“ (siehe Facebook) sank der Marktwert von Nescafé um fast 1%. Und das ist doch ziemlich erstaunlich, sollte man meinen, dass die Aktien nicht durch einen Haufen wütender Postings erschüttert werden könnten.

Diese kleine Geschichte hat uns mal wieder deutlich gezeigt, wie viel Macht eine Internetcommunity besitzt. Der nächste Schritt wäre dann, Dinge wie SOPA (sucht einfach bei Youtube nach „wtf is sopa“) und GEZ zu bekämpfen.

Für eine bessere Welt! Für unsere Freiheit!

Hier noch ein paar Links zum Artikel:

http://9gag.com/gag/1051337 Der Anfang der Geschichte.

http://9gag.com/gag/1131696 Ein Dank von Janos.

http://9gag.com/gag/1147208 Der Fall Nescafé’s.