Freitagsfragen

Willkommen zu den Freitagsfragen und zum Ende der Woche!

1.) Bist Du im Social Media täglich aktiv?

2.) Hast Du schon einmal eine Internetpause eingelegt?

3.) Benutzt Du Spieleapps auf Deinem Handy?

4.) Die Wahl der Qual: Lieber Handy oder Schlüssel oder Portemonnaie verlieren?

Habt ein wundervolles Wochenende und lasst es euch gut gehen.

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Freitagsfragen

Nun ist doch schon wieder Freitag. Ein ganz besonderer Freitag in diesem Hause. Denn es ist der letzte Tag in der mittleren Kindergartengruppe und der erste bei den Großen. Fühlt es sich an, als hätte die Maus vor Kurzem erst in der Gruppe gestartet, die sie heute die „Babies“ nennt, ist sie trotzdem schon „groß“ und selbständig, hat ihren eigenen (Dick-)Kopf, und vor allem einen ganz großartigen Sinn für Humor.

1.) Erinnerst Du Dich an Deine Kindergartenzeit? Wie hast Du sie in Erinnerung?

2.) Wie kommst Du mit Veränderungen klar?

3.) Weißt Du noch, wie Dein erster Schultag ablief?

4.) Die Wahl der Qual: Dinge in Deinem Leben verändern sich ständig, ehe Du Dich daran gewöhnen kannst, oder alles bleibt bis auf das letzte Detail immer gleich?

Habt ein wunderschönes und hoffentlich abgekühltes Wochenende!

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13. August

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Es ist der 13. August und ich denke an Dich.

Heute wäre Dein Geburtstag gewesen. Du hättest ihn mit Deinen Freunden und Deiner Familie gefeiert, ein wenig Sekt zum Anstoßen getrunken und Kuchen gegessen. Du hättest Dich über die Geschenke gefreut, am meisten aber darüber, dass alle da sind und Dich gern haben. Wir hätten mit Dir Scherze darüber gemacht, wie „alt“ man doch ist mit 34, Du hättest Deine Omi-Stimme ausgepackt und einen Schwenk gehalten.

Ich denke gelegentlich an Dich und dann fällt mir Dein bezauberndes Lächeln ein. Das war wirklich schön und ansteckend. Dein helles, blondes Haar. Deine sanfte, hohe Stimme.

Du fehlst und mit Dir Dein Optimismus und Deine Fürsorge.

Happy Birthday, Saskia!

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WMDEDGT

Unter #WMDEDGT trifft sich am fünften eines jeden Monats die Bloggemeinschaft bei Frau Bruellen und schreibt darüber, was wir eigentlich den ganzen Tag machen. (So heißt auch der Hashtag)

Moment, am fünften? Oahr, jetzt wollte ich endlich auch einsteigen und verpasse doch glatt den eigentlichen Tag. Also hoffe ich schlicht und ergreifend auf Nachsicht, die Hitze und so… Sorry!

Der Tag beginnt zwischen 6.30 Uhr und 7.00 Uhr, dann wird Püppi aufgeweckt, sofern sie nicht von selbst aufsteht, gewaschen, befrühstückt und bekuschelt. Ich bleibe dabei meistens noch im Bett liegen, denn da kuschelt es sich einfach am schönsten. Manchmal, aber selten, schauen wir dabei eine Folge einer Sendung, aber eigentlich verzichte ich lieber darauf, weil es ihr sonst schwer fällt, tatsächlich zu gehen.

Der Papa bringt die Maus dann in den Kindergarten, währenddessen mache ich mich gesellschaftsfähig, koche Kaffee, schaue auf Twitter und in mein Emailfach – Freitags gibt es immer eine Wochenzusammenfassung vom Kindergarten. Heute habe ich bei Blinkist das Blink des Tages gelesen: „Passt doch!“ von Roedinger u.a. Super Ding, kann ich nur empfehlen für alle, die in Streit- und Stresssituationen anders reagieren als sie gerne möchten. Vom inneren Kind habe ich in meiner Therapie schon einmal gehört, wir haben das aber nie tiefgehend besprochen. Da war es schön, diese Auffrischung bei Blinkist zu lesen, zumal ich gerade ohnehin gerne etwas mehr an meiner Impulskontrolle arbeiten möchte. Blinkist selbst kann ich auch nur empfehlen.

Nach dem Frühstück und einem Gespräch mit einer Freundin habe ich mich ans Werk gemacht, weiter das Protokollbuch zu transkribieren, über das ich meine Abschlussarbeit schreibe. Dabei bin ich auf eine Stiftung gestoßen, die es so nicht mehr gibt, die aber in eine andere Stiftung eingegliedert wurde, die eigens einen Blog zur Stiftungsgeschichte erstellt hat. Diese Stiftung habe ich direkt angeschrieben, mich und meine Arbeit kurz vorgestellt, um schließlich nach mehr Informationen zu fragen. Wenn das klappen würde, wäre das ziemlich cool! Wenn nicht, dann ist das eben ein Detail, das ich nur kurz in meiner Arbeit beschreiben kann.

Schließlich gab es Mittagessen, danach habe ich aufgeräumt. Nachher hole ich die Maus wieder vom Kindergarten ab und wir schauen mal, was wir heute noch machen. Vermutlich schauen wir bei ihrem Lieblingsspielplatz vorbei und essen zu Hause Eis. Einkaufen müssen wir auch noch. Außerdem will ich einmal schauen, was wir am Wochenende so machen. Die Hitze beschert mir leider gerne einmal Kopfschmerzen, deshalb sind die Aktionen immer etwas begrenzt, wenn es zu heiß draußen wird.

Was heute sonst noch so ansteht ist der gute alte Alltag: Wäsche waschen, Abendessen kochen, aufräumen, Kind baden, aber auch tolle Sachen wie zusammen singen und spielen, vielleicht schauen wir einen Film zusammen und wenn die Sonne vom Balkon verschwunden ist, gießen wir die Blumen. Püppi hat diese Woche ein Lichtlein im Kindergarten gebastelt, das ich gerne heute Abend mit ihr anzünden möchte. Abends geht der Papa mit der Maus spazieren, meistens zwei oder gar drei Mal, bis sie zur Ruhe kommt und schläft. Ich verbringe den Abend dann oft damit zu lesen oder Videos auf Youtube zu schauen; aktuell habe ich meine Liebe zu Ted Talks wiederentdeckt, schaue aber auch Standup Shows und den guten alten WheezyWaiter.

Das ist also der herkömmliche Tag im Hause Brüllmaus.

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Freitagsfragen x Random Facts

Da ich zur einhundertsten Ausgabe der Freitagsfragen leider keine Zeit für ein Special hatte, holen wir das eben heute nach. Vor den Freitagsfragen waren die Random Facts sehr beliebt – warum also nicht einfach beides machen?

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1.) Pflanzen haben die Fähigkeit, einander Regen zu signalisieren.
Das stelle ich mir in etwa so vor: „Hey komm‘ her, hier regnet es!“ – „Schon gut, hier auch!“
Was ist Dein nutzlosestes Talent?

2.) Der volle Name der Barbie- Puppe ist Barbara Roberts. Sie kommt aus Wisconsin und wurde im März 1959 „geboren“ – damals wurde sie zum ersten Mal auf einer Spielzeugmesse ausgestellt.
Was wissen nur wenige Menschen über Dich?

3.) Es gibt Katzen, die allergisch auf Menschen sind. Da wir uns regelmäßig waschen und weniger Haar und Haut verlieren als andere Tiere, kommt es seltener vor und häufig machen Tieren eher die Duftstoffe zu schaffen, die wir benutzen. Doch es gibt tatsächlich Fälle, in denen Tiere allergisch auf Menschen reagieren.
Worin bist Du eine Ausnahme?

4.) Die UN schätzt, dass über drei Millionen Schiffswracks am Grund der Ozeane liegen.
Was nimmt in Deinem Zuhause viel Platz ein?

5.) So wie es auf der Erde Erdbeben gibt, so gibt es auf dem Mond Mondbeben. Forscher gehen davon aus, dass Gezeitenstress die Ursache dafür ist.
Die Wahl der Qual: Hättest Du lieber häufig kleine Probleme, oder selten größere Probleme?

Ich hoffe das Special hat euch gefallen. Habt ein wundervolles Wochenende und viel Spaß bei den Freitagsfactfragen.

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Freitagsfragen

Ein weiterer Monat ist vorüber gezogen, ein neuer Freitag kehrt ein und damit auch die Freitagsfragen!

1.) Wie war Dein Juli?

2.) Unterstützt Du einen wohltätigen Zweck? (Mit Spenden, Arbeitskraft oder im Herzen)

3.) Wie feierst Du für gewöhnlich Deinen Geburtstag?

4.) Die Wahl der Qual: im Dschungel ausgesetzt werden und allein nach Hause finden müssen, oder zwei Wochen in Isolationshaft?

Habt ein wunderschönes Wochenende und einen guten Start in den August!

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Wie ich eine halbe Familie gewann

Wer mir auf Twitter folgt, der hat es ja schon mitbekommen, was mir neulich passiert ist. Sogar in die Twitterperlen habe ich es mit meiner Geschichte geschafft. Trotzdem möchte ich es gern etwas ausführlicher hier erzählen – es wird ein langer Beitrag. Wer es nicht mitbekommen hat, das TL;DR ist: Ich habe Halbgeschwister, von denen ich nie wusste.

Beim Artikel handelt es sich übrigens um diesen.

Doch von vorn.

Ich wuchs auf als Einzelkind einer alleinerziehenden Mutter mit abwesendem Vater. Dieser hatte sich schon vor meiner Geburt aus dem Staub gemacht und auch nie Interesse an mir gezeigt, nicht einmal wenn er an meiner Mutter mit Kinderwagen und Klein-Nickel darin zufällig einmal vorbei lief, laut meiner Mutter. An ein Szenario kann ich mich allerdings erinnern; es war an meinem 13. Geburtstag, da klingelte das Telefon und eine Frau war dran. Meine Mutter nahm mir das Telefon aus der Hand, hatte eine kurze Diskussion und sagte „Da hätte der Lutz ja mal selber anrufen können!“

Lutz, das war mein Vater, nicht sein wirklicher Name aber das war auch egal, denn seinen Namen kannte ich damals auch nicht und er war mir recht egal.
Leider schlug das Desinteresse meines Erzeugers sich auch im Nichtbezahlen des Unterhalts nieder, sodass ich gezwungen war, das ganze vor Gericht vorzutragen. Dieser Gerichtssaal irgendwo weit weg im hintersten Eck von Hessen war der Ort, an dem ich meinen Erzeuger zum ersten Mal in meinem Leben sah. Ich war 21 Jahre alt und hatte mir extra einen Tag an der Berufsschule frei genommen. An das Gebäude, meinen Anwalt, den Raum, die Richterin, das Wetter, an all das kann ich mich noch erinnern, aber an das Gesicht meines Vaters nicht, denn er wandte es nicht ein einziges Mal zu mir. Stattdessen unterbrach er oft die Richterin und beleidigte meine Mutter, die als Zuhörerin im Saal saß.

Eins gebe ich zu: ein ganz winzig kleines bisschen hatte ich auf ein filmreifes Treffen gehofft, bei dem er Reue zeigen und sich freuen würde, endlich seine Tochter zu sehen, mich in den Arm nähme, wir ein paar Tränchen verdrückten und er selbstverständlich allen Unterhalt von früher nachholen und von nun an immer für mich da sein wolle. Stattdessen schämte ich mich fremd.Selbst seinen eigenen Anwalt stieß er vor den Kopf, indem er diesem verschwiegen hatte, dass er verheiratet war und das Haus, in dem er wohnte, nicht mietete, sondern es ihm gehörte.

An diesem Tag wurde ihm die Frage gestellt, ob es noch andere Kinder oder finanzielle Verpflichtungen gäbe, was er mit nein beantwortete. Das hieß für mich, dass es grundsätzlich keine anderen Kinder von ihm gab und somit war das Thema für mich abgehakt. Auch wenn ich nicht leugnen kann, dass ich mich trotzdem immer wieder gefragt habe, ob es nicht doch Geschwister gibt, immerhin war dieser Mann bewiesenermaßen nicht die zuverlässigste Informationsquelle.

Schließlich hatte ich auf einem Portal, auf dem ich meinen Klarnamen verwende, eine Nachricht. Eine Frau suche dort nach ihrer Halbschwester. Im ersten Moment tat ich das als eloquenten Enkeltrick ab. Doch dann stand da der Name meines Vaters. Sie hatte mich gefunden. Meine Halbschwester!

Ich kontaktierte sie sofort (na gut, zu allererst musste ich ein paar Tränen verdrücken und erst einmal den Schreck herunter schlucken) und wir telefonierten noch am selben Abend für geschlagene vier Stunden, in denen nicht nur klar wurde, dass meine Mutter und ich verdammtes Glück hatten, dass Lutz nie Interesse an uns hatte. Mir wurde auch klar, dass diese Frau, meine Halbschwester, und ich erstaunlich viele Parallelen aufweisen.

Heute bin ich um eine Schwester, einen Neffen, einen Bruder und eine Nichte reicher.

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Wie funktioniert eine Briefanalyse?

Auf Twitter wurde Interesse gezeigt, an dem was ich so in meinem Studium (und hoffentlich! später im Beruf) mache. Theoretisch kann man in meinem Feld (Ethnologie und Kulturgeschichte) sehr viele verschiedene Dinge machen, doch etwas, das mir sehr am Herzen liegt ist Quellenarbeit. Originale Texte, manchmal handschriftlich, manchmal mit Schreibmaschine gedruckt, auseinander nehmen und analysieren. Mehr über die Menschen erfahren, die hinter den Briefen, Tagebüchern, Protokollen und Co stehen.

Hier werde ich nun einmal exemplarisch zeigen, wie man eine Briefanalyse angeht. Dafür habe ich einen Brief ausgewählt, der Teil eines Konvoluts ist, das ich im Zuge einer Hausarbeit bearbeitet habe. Den Brief selbst kann ich hier nicht posten, daher bitte ich euch, ihn einmal hier zu lesen:

„Julius Lauth an seine Ehefrau am 13.01.1915“

Die erste langwierige und knifflige Arbeit wurde uns abgenommen: zu transkribieren, also die Handschrift zu übertragen. Handschrift kann sehr knifflig sein und furchtbar schwer zu lesen, je nach Person, Zeit, Gemütslage etc. Für meine Abschlussarbeit transkribiere ich ein Buch in Sütterlinschrift (wie im Headerbild), was unsagbar aufwändig und zeitraubend ist. Man wird aber mit der Schrift vertraut (sofern man das Glück hat, dass immer die selben Personen schreiben), muss aber auch damit rechnen, dass einzelne Wörter vielleicht nicht entschlüsselt werden können. Vor allem muss man damit klar kommen, dass das Einlesen mitunter mehrere Arbeitstage dauern kann.

Ein guter Start in die Textarbeit sind zunächst einmal die 5 W-Fragen: Wer (an wen), wann, wo, was, warum?
Wer: Julius Lauth (an wen: seine Frau Hedwig Lauth)
Wann: Am 13. Januar 1915
Wo: In Tuchel
Was: Kind/ Standesamt, Taufe, Vornamen, seine Arbeiten, etc…
Warum: Privater Brief

Nun muss man natürlich in diese Punkte jeweils tiefer eintauchen. Dass Herr Lauth an seine Ehefrau Hedwig schreibt steht jetzt schon da. Wüsste man das nicht, könnte man dies jedoch herausfinden, indem man beispielsweise die Anreden und den Schluss analysiert. In diesem Fall „Liebe Hedwig“ und „Herzlichst grüßt und küßt Dich | Dein Julius“, was beides sehr vertraute, sehr intime Ansprachen sind. (Hier spielt nun schon ein bisschen kulturgeschichtliches Wissen ein, dass diese Anreden bis „vor kurzem“ wirklich denen vorbehalten waren, mit denen man eine innige Beziehung führte und Briefe an Freunde u.A. etwas distanzierter gehalten waren.) Auch dann sollte man jedoch vorsichtig sein, denn es könnte sich beispielsweise um eine Geliebte handeln. Die Bestätigungen dafür, dass es sich um ein Ehepaar handelt, finden sich jedoch in den anderen Briefen.

Das Datum des Briefes liegt in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Hier ist Hintergrundwissen gefragt. Analysen müssen immer im Kontext der Zeit geschehen. Wichtig zu wissen ist also etwa wie lange der Erste Weltkrieg ging, wann gegen wen gekämpft wurde, auf welcher Seite der/die Schreiber:in stand, auch dass man davon ausging, dass der Krieg zu Weihnachten 1914 schon vorbei sein würde, etc.

Tuchel ist interessant, da es sich um einen Ort in Preußen handelte, der zur Zeit des Briefwechsels noch zum Deutschen Reich gehörte, nach dem Versailler Vertrag aber an Polen fiel. Der Ort hatte 1910 knapp 34.000 Einwohner; die Bevölkerung war überwiegend katholisch und sprach zu 2/3 Polnisch und zu 1/3 Deutsch. Weniger als 500 Menschen sprachen beide Sprachen.

Das Was ist der größte Punkt und was genau man aus dem Brief heraus zieht kommt ganz auf die Forschungsfrage an. Diese könnte zum Beispiel in die militärische Richtung gehen, also etwa Wie erlebten die Männer den Krieg, Wie war die Stimmung an der Front, Was geschah während des Krieges an spezifischen Orten etc. Was oben über Tuchel steht könnte zum Aufhänger für die letzte Frage genommen werden und als Grundlage dafür dienen herauszufinden, wie Julius Lauth seine Zeit in Tuchel erlebt haben mag. Die Frage meiner Arbeit an den Briefen jedoch ging in die familiäre Richtung, also welche Bedeutung die Familie im Weltkrieg hatte, welche Probleme unter dieser Ausnahmezeit auftauchten und wie damit umgegangen wurde, wie die Frauen (und Kinder) das Geschehen erlebten und was eigentlich aus denen wurde, die an der „Heimatfront“ blieben. (Ich hasse diesen Begriff. Leider taucht er in der Literatur aber immer wieder auf. Bitte verwendet ihn nicht. Danke.)

Und was steht in dem Brief nun?

Nun, um ein wenig in die Tiefe gehen zu können, hier aber keinen zu langen Text zu schreiben, greife ich mir eine Sache heraus: Die Frage um die Anmeldung beim Standesamt. (Vorsicht! Im transkribierten Text steht „abzumelden“, dies ist allerdings ein Transkriptionsfehler. Im handschriftlichen Brief ist zu sehen, dass dort „anzumelden“ stehen müsste. Es ist daher immer empfehlenswert, die Originalquelle selbst zu lesen, mindestens im Zweifelsfall.)

Julius Lauth war in der Zeit des Ersten Weltkrieges (teilweise) in Tuchel stationiert. Dort leitete er eine Kompagnie und arbeitete außerdem als Gerichtsoffizier. Er wurde später tatsächlich zum Hauptmann befördert.

Seine Frau Hedwig, die in Essen wohnte, hatte Anfang 1915 eine Tochter geboren. Zur Zeit des Briefes wurde noch über einen Namen diskutiert. Die Familie hatte bereits zwei Töchter. Frl. Wisdorf war das Kindermädchen der Familie, das ab Mitte des Krieges entlassen werden musste, zunächst aber auf Drängen von Hedwig behalten wurde. In den Briefen Hedwigs wird klar deutlich, wie sehr ihr die Situation zusetzt, dass ihr Mann nicht bei ihr ist. Sie ist schwanger im Krieg, hat außerdem zwei weitere Kinder zu versorgen und nun auch noch sämtliche Aufgaben, die sonst ihr Mann erledigt hat. Er gibt ihr immer wieder Anweisungen und Anleitungen, von der Besorgung von Heizkohle bis zu finanziellen Aufgaben und Erledigungen mit Geschäftspartnern. Noch dazu kommt, dass sie ihrem Mann immer wieder Pakete schickt – dies ist auch im letzten Satz „Sind die Gummischuhe abgeschickt?“ zu erkennen. Aus dieser Frage und auch der (vorwurfsvollen – Achtung mit Interpretationen!) Frage nach der späten Anmeldung des Kindes beim Standesamt kann die Hypothese aufgestellt werden, dass Julius Lauth wenig Empathie für die stressige Lage seiner Frau aufbringt.

Dass diese Hypothese aus einer einzigen Frage abgeleitet wurde mag so erscheinen. Jedoch gehören dazu viele Informationen, die nicht aus diesem Brief hervor gehen und die ich oben aufgeführt habe. Es ist also -nochmal- zu betonen:

Eine Analyse lebt vom Kontext!

Ein Brief aus einem Konvolut kann niemals alleine analysiert werden. Er muss genauso eingebettet werden in die Familiengeschichte, wie auch in Kultur- und Politikgeschichte. Doch was wäre, hätten wir nur diesen einen Brief?

Nun, dann müssten wir stärker interpretieren. Wenn wir zum Beispiel nicht wüssten, dass es sich bei Frl. Wisdorf um das Kindermädchen handelte, müssten wir näher hinsehen: Fräulein waren unverheiratete Frauen. Eine unverheiratete Frau, die nicht zur Familie gehört, aber „hoffentlich […] das Familienstammbuch vorgelegt [hat]“, also intime Erledigungen für die Familie machte, stand höchstwahrscheinlich in einem Beschäftigtenverhältnis. Sie könnte aber auch eine Nachbarin sein (bspw. eine junge Frau, die noch bei ihren Eltern wohnt) oder eine Freundin von Hedwig; solange diese Zweifel nicht ausgeräumt würden, müsste man in der Analyse deutlich machen, dass die Funktion der Person nicht vollständig geklärt ist. So verhält es sich mit allem: was nicht ausdrücklich im Brief steht sondern vermutet/ interpretiert wird, muss als Vermutung/ Interpretation gekennzeichnet werden.

Gelegentlich hat man als Geschichtsmensch das Glück, eine Quelle einer bekannteren Person/ Organisation/etc vorliegen zu haben. In dem Falle kann man dann noch andere Quellen hinzuziehen: Personenregister, über die/den Verfasser:in geschriebene Texte, historische Zeitungen, ja Fotos, Gemälde, Tonbandaufnahmen, Videos und anderes. All das kann helfen, einen spezifischen Text in einen größeren Kontext einzuordnen. Wenn also in 100 Jahren einmal jemand mein Tagebuch analysiert, wäre es ratsam, auch noch meinen Blog, meine Social Media Accounts, Videos und so weiter anzuschauen. 😉

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay 

Header von Anja🤗#helpinghands #solidarity#stays healthy🙏 auf Pixabay 

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Freitagsfragen

Fröhlichen Freitag!

1.) Was war Dein bisheriges Highlight in diesem Jahr?

2.) Gäbe es eine TV-Sendung über Dich, was wäre die Titelmelodie?

3.) Welchem Mitglied Deiner Familie ähnelst Du am meisten?

4.) Die Wahl der Qual: eine Woche ohne Internet oder ohne Dein Handy?

Habt das Wochenende schön!

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