Die Geburtsurkunde II: DHL Express

Ihr kennt den Ausspruch „Servicewüste Deutschland“? Nun, diesen hat DHL Express sich wohl als Mantra gesetzt.

Nachdem die Frage, welche Geburtsurkunde man für Vaterschaftsanerkennung, Sorgerechtserklärung und Geburtsurkundenabholung des Mäusekinds bräuchte, bereits eine Woche verschlungen hatte, sollte es doch nun etwas flotter vonstatten gehen.

An dieser Stelle könnt ihr, wenn ihr genau hinhört, hysterisches Gelächter meinerseits wahrnehmen.

Die Beantragung ging sehr schnell, ganz einfach online – so unkompliziert geht es wohl nur in der UK. Aber da ist Internet auch kein Neuland mehr.

Das teuerste an der Sache war der Expressversand. Jedoch, DHL Express, das ist doch DHL, und das ist Qualität. Dachte ich. Innerhalb weniger Tage sollte die Urkunde bei uns ankommen. Glaubte ich.

DHL Express ist ein Tochterunternehmen der DHL, somit (relativ) losgelöst von Organisation und auch Qualität von DHL, was uns eindrucksvoll vorgeführt wurde.

Zwei Wochen nach Beantragung beim englischen Standesamt schauten wir online nach der Sendung, die schon längst hätte da sein sollen. Ein Zustellversuch habe in der Woche zuvor stattgefunden, das Schriftstück liege bei Krämer. Weder wurden wir durch einen Zettel im Briefkasten oder eine Email darüber informiert, noch ist dieses Vorgehen überhaupt rechtens. Für das Dokument hätte der rechtmäßige Empfänger (wir!) nämlich unterschreiben müssen. Somit kann man es nicht einfach beim „Nachbarn“ parken.

Aber, jetzt wird es interessant, auch der Name Krämer war ein Rätsel für sich. Es stand keine Adresse dabei und eine Familie Krämer gibt es in unserem Eingang nicht. Nun wohnen wir in einem Mehrgeschosser mit mehr als 6 Etagen und mehr als 6 Eingängen. Pro Etage wohnen 4 Familien. You do the maths.

Es war Sommer, es war heiß und ich hatte kein Zitroneneis. Zudem war ich mittlerweile im 9. Monat schwanger und genervt. So gingen wir gemeinsam die gesamte Straße ab und hielten Ausschau nach dem Namen. Weit und breit kein Krämer. Aus Verzweiflung klingelten wir sogar bei Menschen mit ähnlichen Namen. Nichts.

So setzte ich mich via Email mit dem Kundenservice in Verbindung (eine kostenfreie Telefonnummer oder eine Emailadresse zu finden ist schon einmal eine Herausforderung, die wissen warum.) Einen Tag später erhielt ich die Auskunft, man kümmere sich darum und wolle mich im Laufe des Tages anrufen.

Kein Anruf.

Am nächsten Tag schrieb ich zurück, was denn nun sei und dass man mich nicht angerufen habe. Man wolle mich heute ganz bestimmt anrufen, das gestern sei ein Versehen gewesen.

Kein Anruf.

Da ich aber nicht erneut einen Tag sinnlos verstreichen lassen wollte, rief ich am Nachmittag dort selbst an. Der zuständige Mitarbeiter habe leider das Haus bereits verlassen, man habe jedoch den Fall eskaliert, ihm also besondere Dringlichkeit zugeschrieben. Morgen solle ich mehr erfahren.

Der Tag verstrich.

Mittlerweile wurde Mr. English nervös, denn mit einer Geburtsurkunde kann man theoretisch in England Identitätsdiebstahl betreiben, da gibt es schließlich keine Lichtbildausweise wie bei uns. Zudem stehen auf deren Geburtsurkunden allerhand sensible Informationen. Eltern, deren Berufe, Adresse und sowas.

Am nächsten Tag, ich wollte mir einen Tag Ruhe von diesem Affenzirkus gönnen, kamen wir gerade aus dem Laden nebenan zurück, da rollte ein DHL Express Transporter vorbei und ich sagte noch -im Scherz- mal sehen, wo sie es diesmal verloren haben.

Ich ahnte nicht, dass diese grimmig dreinblickende Fahrerin tatsächlich unsere war. Ich spurtete im schwangeren Schneckentempo zu unserem Briefkasten, der mir schon von außen und für alle zugänglich, da halb heraushängend, zeigte, dass sich darin eine Sendung für uns befand.

Blockkinder kennen die Briefkästen, für alle anderen: die Briefkästen haben in etwa die Maße eines Standard- A4- Briefes in Länge und Breite und sind etwa 8 bis 10cm hoch.

Es war wirklich erstaunlich, wie sehr die Botin den Umschlag, der ein wenig breiter war als A4, in diesen Briefkasten quetschte. Wir hatten Mühe, ihn überhaupt wieder heraus zu bekommen – sicherheitshalber machte ich Fotos für eventuelle Reklame-Emails.

Tatsächlich war der Briefumschlag so zerrissen, dass ich ihn an Ort und Stelle öffnete, statt zuerst in unsere Wohnung zurückzukehren. Glücklicherweise hatte das englische Standesamt die Geburtsurkunde zusätzlich in Pappe gepackt, sodass die Urkunde unbeschädigt blieb.

Die aufmerksamen Leser und Leserinnen haben es bereits bemerkt: wieder gab es da keine Unterschrift. Auf dem Umschlag stand außerdem DOCUMENTS drauf – auch wer des Englischen nicht mächtig ist, versteht dieses Wort – da sollte man meinen, doch ein bisschen vorsichtiger zu sein.

Tags darauf erhielt ich einen Anruf, es sei als zugestellt eingetragen, ob es wirklich angekommen sei. Ich schilderte also, wie wir das Schriftstück vorgefunden haben und dass wir erneut keine Unterschrift gesetzt haben.

Das sei aber merkwürdig, man wisse auch noch immer nicht, wo der Brief war. Kurzzeitig verhaspelte sich die Dame am Telefon und ließ kurz fallen, dass die Botin selbst unterschrieben habe. Sie versuchte durch einen Redeschwall davon abzulenken, doch das ist so ein Satz…

Es kam übrigens nie eine Entschuldigung. Kein Versöhnungsangebot. DHL Express hat seinen Job hier sehr schlecht ausgeführt, hat über 3 Wochen gebraucht, keine Unterschrift abgeholt (oder wurde sie gar gefälscht?) und den Umschlag in einem inakzeptablen Zustand abgeliefert. Wäre die Urkunde nicht extra gesichert gewesen, wäre sie mit großer Wahrscheinlichkeit zerstört worden. Und das war nicht einmal eine Entschuldigung wert?

Mein Fazit: Wenn man wichtige Dinge zu verschicken hat, ist DHL Express wirklich die letzte Alternative. Der normale Postversand in der UK, Royal Mail, war bisher immer schneller und zuverlässiger, zudem durchaus günstiger. Immerhin bin ich mit dieser Einschätzung nicht alleine.