Eigentlich

Eigentlich wäre meine Wohnung gut aufgeräumt. Ich mag Unordnung nämlich nicht. Nur hat sich leider so viel Gedöns angesammelt, während Verstaumöglichkeiten in ihrer Anzahl gleich blieben, sodass ich nie weiß: Wohin mit dem ganzen Mist?

Eigentlich würde ich auch sehr viel Sachliteratur lesen, denn es macht mir Spaß, mich wissenschaftlich mit Alltäglichem zu beschäftigen. Norbert Elias etwa hat das ziemlich umfassend getan, indem er beispielsweise über das Taschentuch eine Abhandlung schrieb, das Schnäuzen unter sozio-kulturellem Aspekt betrachtete und aus all den vielen Alltäglichkeiten, die er sonst beschrieb, formte er eine Kulturtheorie. Faszinierend!

Eigentlich wäre ich sportlich statt übergewichtig, denn Bewegung macht Spaß und sorgt ja auch für allgemeines Wohlsein, hilft dabei bei der Konzentration und ist somit auch für den Unialltag hervorragend. Nur alleine? Voll blöd! Da muss man sich ja selbst motivieren. Bisher habe ich niemanden gefunden, der in etwa meinem Unfitnesslevel entspricht, sodass ich mich nicht völlig unwohl fühlte dabei. Gruppen? Ach geh mir weg…

Eigentlich wäre ich ziemlich selbstbewusst, stünde über meinen Problemen und hätte meine Dämonen schon längst ordentlich verkloppt. Wie das geht, weiß ich ganz gut; das nötige Werkzeug habe ich. Auch Selbstreflexion und Selbstbeobachtung liegen mir.
Meine Therapeutin sagte mir, dass sie ganz oft hört, dass die Leute sich mit ihren Problemen ja auseinandersetzen wollen, aber dafür braucht man ja Zeit und Kraft und gerade geht schlecht, weil da ja ein Projekt ansteht, das man dringend…
Ich bin eine von diesen Leuten.

Uneigentlich lasse ich mich relativ einfach ablenken, habe zu allem (gute) Gegengründe und bin in vielerlei Hinsicht faul. Beziehungsweise nur selektiv fleißig. Bis ich keine Lust mehr habe.

Ach scheiß drauf, im nächsten Leben werde ich perfekt. Aber sowas von! Wartet es nur ab! Die Welt wird staunen, da bin ich mir sicher.

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