Lebenszeichen

Ja, es gibt mich noch. Nein, ich bin nicht verschollen. Weggespült wurde ich auch nicht. Warum ich über eine Woche nichts geschrieben habe, kann ich selber gar nicht richtig sagen. Zeit, Lust und Themen hatte ich ja. Doch ein bisschen war ich auch überwältigt, fassungslos, zweifelnd. So viel ist passiert in Deutschland und auf der Welt. Und ich weiß, dass so viel noch kommen wird.

In der Türkei ist die Hölle los. Angefangen hatte alles als Protest gegen ein Bauprojekt, das vorsah, das letzte grüne Stück Istanbuls plattzuwalzen, um ein EInkaufszentrum zu errichten. Doch was daraus entstanden ist, dürfte wohl selbst den letzten Regierungshörigen zumindest moralische Zweifel gebracht haben. Die Proteste waren friedlich, einzig die Polizei brachte alles zur Eskalation. Gewalt scheint das einzige zu sein, was die Regierung kennt. Terror und Hass führen aber niemals zu einer Lösung, sondern immer nur zu noch mehr Terror und Hass. Es schließen sich immer mehr Menschen den Protesten an, die längst nicht mehr gegen ein Bauvorhaben, sondern nunmehr gegen die Gewaltherrschaft Erdoğans gerichtet sind. Im Artikel auf Wikipedia findet ihr mehr Informationen und Hintergründe, er ist wirklich lesenswert. Auf Zeit.de gibt es ein neues Video zur Thematik.

Quelle: Wikipedia

Bilder von Polizeigewalt kommen aber nicht nur aus der Ferne. Auch in Frankfurt ist einzig aufgrund von Polizeiaktionen eine Demonstration der Blockupy eskaliert. Die Menschen waren auch hier friedlich, doch wurden von der Polizei mit Gewalt behandelt. Demonstranten wurden eingekesselt, weggezerrt, niedergeknüppelt, besprayt. Obwohl sie friedlich waren! Innenminister Rhein hat dieses Vorgehen als angemessen bezeichnet. Für mich klingt das nach purem Hohn.
Lest euch unbedingt mal den Bericht auf Ziegenhodensuppe dazu durch. Und nicht vom Namen abschrecken lassen 😉

Quelle: Wikipedia

Bedrückend ist aber auch das Hochwasser, das sich derzeit noch immer durch Deutschland mäandert. Halb Deutschland ist betroffen. Am schlimmsten hat es Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Baden-Württemberg getroffen, aber auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz blieben nicht verschont. Jena ist verhältnismäßig glimpflich davon gekommen. Hier gab es zwar Einschränkungen im Verkehr und auch einige Keller sind vollgelaufen (und unsere Ernte im Volksgarten ist hinüber), doch ansonsten sind wir echt mit einem blauen Auge davongekommen. In den Dörfern ringsum war es um einiges schlimmer. Der Ernst-Abbe-Sportplatz ist aber auch abgesoffen. Hierzu gibt es nun einen Spendenaufruf meiner Uni, denn das Universitätssportfeld ist genauso betroffen und man rechnet mit Kosten von etwa 100.000€, die sich nunmal nicht so schnell auftreiben lassen. Schon gar nicht aus den ohnehin viel zu knappen Mitteln der Universität. Aber das ist ein anderes Thema.

Vermutlich aber -und hier schwenke ich direkt wieder in die Politik über- wird man ohnehin sehr viel in Deutschland nur über Spenden finanzieren können. Schließlich wurden uns gerade einmal 100 Millionen Euro zugesichert. Das mag im ersten Moment nach viel klingen, doch wenn man bedenkt, wie viele Gebiete betroffen sind, wie viele Häuser mitsamt Hab und Gut zerstört wurden, wie viele Firmen große Verluste verzeichnen, wenn man all das bedenkt, ist das doch herzlich wenig. Nach Spanien oder Griechenland flossen Milliarden! Das heißt nicht, dass ich es diesen Ländern, sprich den Menschen dort, nicht gönne. Ich will damit nur sagen, dass die Relationen völlig pervers sind.
Und es ist enttäuschend, ja gar erzürnend, wenn man weiterhin bedenkt, dass es keine Gelder aus der EU geben wird. Na klar, wirtschaftliche Interessen kann man finanzieren, obgleich man doch von vornherein weiß, dass das meiste davon in private, „privilegierte“ Hände gelangt. Aber wenn mal wirklich geholfen werden soll – nicht für Banken, nicht für U-Boote, nicht für Wirtschaftsbosse – sondern für Menschen, die alles verloren haben, was sie je besaßen, dann ist kein Cent verfügbar. Ich meine, stellt euch das doch mal vor! Die Schicksale der Menschen sind einen Dreck wert!

Ihr seht, es regt mich auf. Und eben deswegen habe ich mich bisher zurückgehalten. Doch furchtbarerweise sind wir keineswegs am Ende angelangt, was Hochwasser oder politische Kapriolen angeht. Es ist ein furchtbar chaotisches Jahr und das wird es auch bleiben.
Und auch das Wetter wird uns noch eine Weile quälen, denn es soll erneut starken Regen geben. Es ist nicht überstanden. Aber ich wünsche euch allen das Beste!