Unsere kleine Lockdown-Hölle

Disclaimer: Ich bin für einen harten Lockdown, von Anfang an. Es ist notwendig. Wir als Gesellschaft müssen alles tun, um die Zahlen der Infizierten und Toten runter zu bekommen.

Achja, der Lockdown. Wie ich ihn hasse. Von ganzem Herzen und jeden Tag etwas mehr. Wobei, stimmt nicht ganz. Manche Tage macht er mir so gar nichts aus, ich genieße und bin froh um ihn. So viel Zeit mit dem Kind, wann habe ich die im Leben denn noch einmal?

Aber es ist eben erzwungene Zeit, ohne Pausen, ohne Urlaub, ohne Wochenende und Nachtruhe. Ja, Elternsein ist ohnehin ein Rund-um-die-Uhr-Job. Das ist vermutlich allen klar, die Eltern werden oder werden möchten. Doch ich behaupte einfach einmal, dass niemand etwas wie diese Situation eingeplant hat. Ja, es gibt wohl auch Menschen, die sich dafür entscheiden, mehrere Jahre Hausmensch und Elter zu sein, aber da gibt es i.d.R. einen zweiten Elter mit geregelten Arbeitszeiten und Einkommen und vor allem ist es eben das: eine Entscheidung.

Die Maus war glücklich im Kindergarten, endlich angekommen. Sie hatte Freunde und Freundinnen gefunden und jeden Tag Spaß, war ausgelastet und gut drauf. Die Abwechslung, Gruppendynamiken, all das können wir ihr nicht bieten. Sie ist seit Mitte November zu Hause und müsste eigentlich DRINGEND mal wieder unter Kinder. Generell einfach andere Menschen, denn selbst zu meiner Mutter können wir nun ja auch nicht mehr, da sie mehr als 15km weg wohnt.

Ich finde diese 15km übrigens blöd. So, jetzt ist es raus. Klar, für manche Leute ist die Bestimmung dringend notwendig, weil die ihre Ärsche nicht zuhause lassen können. Aber die stehen eben jetzt in Gruppen weniger als 15km von zuhause und geben nach wie vor einen Scheiß auf Infektionsschutz, während Menschen wie wir, die wir uns von Anfang an an alle Beschränkungen und noch mehr gehalten haben, sich verarscht fühlen. Also ich tu das zumindest. Wofür war ich die letzten Monate denn brav zuhause, wenn ich jetzt nicht einmal mehr meine Mutter, meine einzige Kontaktperson außerhalb des Haushalts, sehen kann? Während andere Leute munter durch die Weltgeschichte reisten? Sogar im fucking Flugzeug! Ich empfinde das als sehr unfair.

Besonders traurig stimmt mich, dass das Baby kein „normales“ Leben wie vor Corona kennenlernen wird. Keine Babytreffen, kein Babyturnen oder ähnliches, keine Babymassage, keine Kurse. Immerhin, es hat eine große Schwester, das ist wohl besser als nichts. Aber ich hätte diesmal eben gerne ein paar Kurse mitgemacht, wofür ich bei der Maus damals nicht die Muße hatte. Ebenso wird es auch keine Exklusivzeit mit mir haben, da die Maus dann erst einmal nicht in den Kindergarten gehen sollte (denke ich zumindest aktuell) – das wird auch noch einmal interessant.

Impfen lassen kann ich mich dank der Schwangerschaft auch nicht, ebenso nicht die Kids. Das heißt, dass wir nach wie vor einem großen Risiko ausgesetzt sind und je weiter die Impfraten voran schreiten (was ich begrüße), desto mehr habe ich Angst, weil sich Menschen in Sicherheit wiegen werden, Beschränkungen, Masken, all das herunterfahren werden. Ich bin aber nach wie vor Risikoperson. Es macht mir Angst.

Von der Politik fühle ich mich verlassen und verarscht. AG werden lediglich „gebeten“ Menschen ins Homeoffice zu schicken, wo das möglich ist, aber Bitten bringt nichts. Dank der miserablen 90er-Jahre-Digitalisierung Deutschlands geht auch Homeschooling nicht, also bleiben die größten Seuchenherde geöffnet. So werden sich die Zahlen niemals nach unten verändern. Und das nur, weil man a) keine klaren Entscheidungen treffen möchte, um ja keiner Lobby ans Bein zu pissen und b) DiE WiRtScHaFt… Dabei hätte es der Wirtschaft sehr geholfen, gleich von Anfang an einen harten Lockdown zu fahren, statt über ein Jahr lang wochenweise mal hier, mal da zu schließen, statt einmal richtig.

Auch gegen Schwurbler, SARSlöcher und Blödsinns-Demonstrant:innen wurde nicht vorgegangen. Demos konnten monatelang trotz fehlender Masken und Abstand normal abgehalten werden, Maskenverweigerer wurden lediglich einmal gebeten doch Masken aufzusetzen, Dummschwätzer konnten sich Phantasieatteste ausstellen lassen….die Liste ist so lang.

Fakt ist: Nach der Pandemie müssen wir als Gesellschaft wirklich überlegen, wie wir mit diesen unsolidarischen Menschen in einer auf Solidarität aufgebauten Gesellschaft umgehen wollen und müssen. Ich schätze aber: da passiert nichts, business as usual.

Tja, nun sitzen wir also hier, unausgelastetes Kind, frustrierte Eltern und ich haue meinen Frust in die Tasten, weil mir sonst schließlich nichts mehr bleibt. Keine Gespräche mit Freunden und Familie, kein Entkommen. Vielleicht findet sich ja jemand wieder in meinen Gedanken oder kann zumindest dem Chaos eine gewisse Ordnung verleihen.

Ich hoffe euch geht es gut, ihr seid gesund un dreht nicht gar so sehr am Rad.

Das Bild zeigt ein Kunstwerk, bei dem verschiedene Farben wie rot, blau, pink und türkis verlaufen. Es soll Chaos symbolisieren.
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Was ich wählen würde

Es ist nicht mehr gar so lange hin zu den nächsten größeren Wahlen. Da es aktuell keine Partei gibt, hinter der ich voller Überzeugung stehen könnte, und da außerdem scheinbar die existenten Parteien die Berührung zu ihren Wählern und Wählerinnen verloren haben, möchte ich einmal ein paar Stickpunkte aufführen, was wichtig wäre, um meine Stimme zu bekommen. Das kann man sich gerne an den Kühlschrank hängen, ins Parteiprogramm aufnehmen oder einfach ignorieren. Aber sagt dann nicht, ich habe ja nichts gesagt. Weiterlesen „Was ich wählen würde“

Nachgehakt: Panama Papers

Wie ich gestern bereits erwähnte, wurden 2,6 Terabyte an sensiblem Datenmaterial geleakt, das die Sueddeutsche und andere große Zeitungen unter dem Namen Panama Papers nun stückweise veröffentlichen. Mittlerweile gibt es unzählige Artikel zu dem Thema, die ich hier in einer ersten Liste teile.

Die Mobilegeeks fassen zusammen: Panama Papers – Alles, was ihr wissen müsst

Im Bayrischen Rundfunk wird gefragt: Welchen Zweck könnte das haben? Was ist juristisch heikel? Was zumindest moralisch fragwürdig? (offenes Tagesgespräch)

Erste Reaktionen machen die Entrüstung der Menschen deutlich. Der Guardian hat zu dem Thema einen Livestream.

Thomas Eigenthaler vermutet, dass sich die Ermittlungen um Panama Papers in den nächsten Monaten aufgrund mangelhafter Zusammenarbeit der Staatengemeinschaft im Sande verlaufen wird. Auch sei Panama nur ein kleiner Mosaik-Stein, das Problem um Briefkastenfirmen dagegen global.

Im März gab es ein Interview mit dem Isländischen Premier, das nun -im Hinblick auf Panama Papers- mindestens ein Geschmäckle hat. Er leugnet das Vorhandensein von Offshore-Konten von Politikern, redet von der Wiederherstellung des Vertrauens der Bürger in die Regierung und bricht schließlich das Interview ab, als er nach eigenen Verbindungen zu einer Offshore-Firma befragt wird.

Doch es gibt auch Kritik an der Vorgehensweise zu den Panama Papers: Craig Murray kritisiert die Konzentration der westlichen Medien auf Russland, die Finanzierung des Programms und einiges anderes. Auf den Nachdenkseiten findet sich eine Übersetzung des Artikels.

Und es gibt ein Interview mit den beiden Journalisten hinter den Panama Papers.

Positionen der AfD

Mit Entsetzen schaue ich auf die Zahlen der gestrigen Wahlen. AfD zweistellig, in Sachsen-Anhalt sogar 24%. Da kann man nur kotzen.

Vor allem wenn man weiß, womit sich diese Partei brüstet und was tatsächlich dahinter steckt. Schauen wir uns doch mal ein paar ihrer Positionen an:

Familie

Die AfD-Chefin Frauke Petry will das „Schrumpfen als deutsches Volk“ verhindern, indem Eltern drei Kinder bekommen. Um dieses Wunschbild einer deutschen Familie zu etablieren, will die AfD “[…] auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.” (Wahlprogramm BaWü, S.29

Im Klartext: Brainwash-Radio (=Enthebelung der Pressefreiheit) und Sollfamilien-Vorgaben, die zudem schon in der Schule eingetrichtert werden sollen. Jetzt überlegen wir mal kurz, wer im Freundes- und Familienkreis doch gleich dem Idealbild Petrys zur „deutschen Familie“ entspricht und 3 Kinder hat. Keine Geschiedenen, keine Patchworkfamilien, keine sonstigen Lebensentwürfe. Merkste? Und wer bezahlt die drei Kinder? Schonmal keine berufstätigen Mütter, denn:

Frauen

Die AfD stellt klar: “[…] Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte und staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten lehnt die AfD rigoros ab.” (Wahlprogramm BaWü,S.6). Zudem befürwortet die AfD eine Volkabstimmung zum Verbot von Abtreibungen, denn: “Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen”, so Frauke Petry im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Dass wir noch immer Frauenquoten nötig haben, um die Diskriminierung der Frau zu unterbinden oder wenigstens zu verringern, ist an sich schon ziemlich traurig und beschämend. Dass sie manchmal genau das Gegenteil erzielt ebenso. Zum Thema Frauenquote könnte man sich ja noch streiten.

Aber tatsächlich das Selbstbestimmungsrecht über den Körper absprechen? Das geht zu weit! Was wäre die Konsequenz? Sicher nicht „Oh, na dann bekomme ich das Kind und bin glückliche Mutti“, sondern wie vor Einführung des §218 (StGB): illegale Abtreibungen nach fragwürdigen und lebensgefährlichen Methoden, Aussetzen des ungewollten Kindes oder gar Kindsmord. Super Idee.

Nicht zu überlesen: Gleichstellungsbeauftragte, die auch dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen, chronischen Krankheiten etc vernünftig integriert werden, mag die AfD ebensowenig wie „staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten“…bitte was? Staatliche Propaganda für sexuelle Minderheiten. LGBT-Bashing wird also wieder Mode? Müssen wir uns denn tatsächlich zurück entwickeln?

Übrigens ist die AfD auch gegen kostenfreie Kita-Plätze. Im Klartext also: Frauen als Heimchen an den Herd. Und brav gebären!

Sexuelle Selbstbestimmung

“Schulbücher, welche die Familie relativieren und zugleich gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen (LSBTTIQ) überhöhen, sollen für den Gebrauch an öffentlichen Schulen nicht zugelassen werden.” (Wahlprogramm AfD BaWü 2016, S. 30). Sex-Darstellungen und Informationen zu Sex-Praktiken sollen komplett aus dem Unterricht gestrichen werden. Die Thüringer Landtagsfraktion forderte gar eine Zählung aller Homosexuellen im Land.

Die Schulbücher, die andere Lebensentwürfe als Heterosexualität überhöhen, möchte ich erst einmal sehen. Was ich bisher gesehen habe klärt lediglich auf. Dass keine Sex-Praktiken gezeigt und erklärt werden sollen halte ich für prüde, denn mal ehrlich: im TV wird ab dem frühen Abend Sex gezeigt, im Internet sowieso; aufgeklärter Sex ist gesünder als unaufgeklärter. Da ist es besser aufzuklären statt zu tabuisieren. Wozu ein striktes Tabu führt, sehen wir in den fundamentalreligiösen Ländern: Unwissenheit führt zu Krankheiten und Schwangerschaften, im Extremfall zu psychischen Traumata, zu sexuellem Frust und dessen Folgen, die auch in Vergewaltigungen gipfeln.

Was im übrigen „gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen“ sind, hat ein Wahlprogramm verdammte Axt nochmal nicht zu bestimmen! Ich will nicht gesellschaftlich relevant leben (und bei Nichtbeachtung dieser engstirnigen Lebensregeln ausgestoßen werden), sondern so, wie ich das für richtig halte. Ob das nun mit 3 Kindern und Ehepartner oder in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft (und adoptiertem Kind) oder mit meinen 12 hypothetischen Katzen ist, hat niemanden zu interessieren.

Mindestlohn

Wir sind gegen einen gesetzlich festgelegten allgemeinen Mindestlohn, so AfD-Chefin Petry im Interview mit der Thüringischen Landeszeitung. Nach Ansicht der AfD könne der Mindestlohn keine verlässliche soziale Absicherung für Geringverdiener leisten “[…] da viele Menschen in prekären Arbeitsmarktsituationen nur wenige Stunden Arbeit haben. Zudem sind diese Arbeitsplätze gerade durch den Mindestlohn gefährdet.” (Europawahlprogramm der AfD 2014, S.14)

Na, wer von den 24% in Sachsen-Anhalt profitiert vom Mindestlohn? Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: mindestens die Hälfte. Passt aber sehr gut zu den Positionen zu Steuersätzen.

Hartz IV und Bürgerarbeit

Die AfD in Baden-Württemberg möchte Hartz IV durch so genannte “Bürgerarbeit” ersetzen: “[…] Bürgerarbeit soll ca. 30 Wochenstunden umfassen und mit ca. 1.000 EUR monatlich sozialversicherungspflichtig entlohnt werden.“ (AfD BaWü, Wahlprogramm S.27)

Langzeitarbeitslose bei Minimallohn (hier 7,69€ brutto) zur Arbeit zwingen. Hat es sogar schon gegeben (2010 bis 2014 unter U.von der Leyen) und wurde nicht grundlos wieder abgeschafft. Zwar fallen die Menschen dadurch aus der Statistik -und schöne Statistiken sind ja so befriedigend- doch außer zu Neid, Geiz, Stigmatisierung und einer Verschärfung der ohnehin komplizierten Lebenswelt Langzeitarbeitsloser führt das zu nichts. Das hat auch der genannte Zeitraum gezeigt: nur ein kleiner Bruchteil hat danach tatsächlich in Arbeit gefunden. Kein Hartz IV, aber seine Sanktionen.

Steuermodel

Die AfD plant eine Steuerreform – eine so genannte „Flat Tax“. „Unser Konzept ist angelehnt an die Ideen von Paul Kirchhof“, so Frauke Petry (siehe auch AfD-Bundestagswahlprogramm 2013, S.2). In dem Kirchhoff-Modell sollen alle die gleiche Einkommensteuer von ca. 25 Prozent bezahlen. Ganz egal ob einfache Krankenschwester oder schwerreicher Millionär.

Ist doch super, da fällt das Rechnen leichter! Laut Kirchhof-Idee fallen auch Vergünstigungen wie die Pendlerpauschale oder steuerfreie Sonn- und Feiertagszuschläge weg. Damit sind alle mit geringem Einkommen, pardon, gefickt. Die Mittelschicht gleich mit. Angst vor sozialem Abstieg?

Geschichtsunterricht

Die AfD in Sachsen-Anhalt will die „Lehrpläne überarbeiten“ und dass im Schulunterricht weniger über die Nazi-Zeit geredet wird: „Eine einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte verstellt den Blick auf Jahrhunderte, in denen eine einzigartige Substanz an Kultur und staatlicher Ordnung aufgebaut wurde.“ (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S.1). Auch soll wieder mehr preußische Disziplin in die Schulen einziehen: “Neben grundlegenden Kulturtechniken müssen deshalb ebenso die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden. Um solche Tugenden zu vermitteln, bedarf es Autorität, weshalb die Stellung des Lehrers auch und gerade schulrechtlich zu stärken ist.” (Wahlprogramm Sachsen-Anhalt, S.14).

Ja, sogar pädagogisch will die AfD voll reinhauen. „Unglücksjahre“ nennt die AfD die Nazi-Zeit. Das ist an sich schon ein deftiges rhetorisches Mittel. Die preußischen Tugenden fand man in den letzten beiden Diktaturen übrigens schon klasse. Und Autorität erst!

Edit: Einen hab ich noch gefunden:

„Das klassische Rollenverständnis von Mann und Frau soll durch staatlich geförderte Umerziehungsprogramme in Kindergärten und Schulen systematisch „korrigiert“ werden.“

Kunst und Kultur

“Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen.” (Wahlprogramm AfD Sachsen-Anhalt, S. 24)

Selbst hier will die AfD mitreden. Ich finde die Vielfalt viel schöner. Theater, Museen, Orchester, Musicals etc sollen selbst wählen können, was sie wie aufführen und nicht gezwungen werden, einen „positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern.“ Denn das ist Propaganda.

Klimawandel und Energiepolitik

Die AfD Rheinland-Pfalz fordert ein sofortiges Ende des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kurz EEG (Wahlprogramm AfD Rheinland-Pfalz, S. 9). “In Deutschland geschürte Ängste vor Treibhausgasen und vor der Kernenergie führten und führen zur einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien”, behauptet die AfD Baden-Württemberg (Wahlprogramm BaWü, S. 47). Im Wahlprogramm heißt es weiter: “Aufgrund der deutschen Ausstiegsbeschlüsse befindet sich die gesamte Kernkraft-Branche hierzulande in Selbstauflösung. Baden-Württemberg braucht Kompetenz in Kerntechnik, denn Kerntechnik wird von der Medizin über die Energieerzeugung bis hin in die Industrie vielfältig genutzt. Durch die gesetzlich vorgesehenen Abschalttermine wurden den Betreibern und Zulieferern alle Zukunftsoptionen genommen. […] Mit den Abschaltungen werden das Wissen und die Infrastruktur der Kerntechnik in Deutschland zerschlagen. Bei einer sich ab 2018 abzeichnenden Stromlücke kann dann nicht mehr auf die Kernkraftwerke zurückgegriffen werden.” (Wahlprogramm BaWü, S. 48)

Kurz: Klimawandel gibt es nicht, wir wollen Atom- und Kohlekraft. Was das mit unserem Planeten macht, ist uns egal. Dass wir unseren mit Propaganda angefüllten drei Kindern pro Familie unsagbar viel Atommüll und kaputte Gewässer und Wälder hinterlassen, muss uns nicht kümmern. Fukushima und Tschnobyl waren ganz weit weg, UNS passiert sowas nie!

Asylpolitik und Umgang mit Flüchtlingen

Bevor ich die menschenverachtenden Positionen der AfD in Form von Zitaten seiner Schergen wiedergebe, möchte ich anmerken: Etwa jeder fünfte Deutsche, rund 20% also, hat in den letzten Generationen Flüchtlinge unter seinen Vorfahren. Deutschland ist ein Flüchtlingsland. Und das im doppelten Sinne: nicht nur war es zuletzt im 20. Jahrhundert gleich zweimal (Mit-)Verursacher großer Flüchtlingsströme. Auch hat es sich in seiner Geschichte immer wieder auf, mit und durch Flüchtlinge aufgebaut und entwickelt. Es gibt also gar nicht erst „das deutsche Volk“ und auch unsere Kultur ist nicht rein deutsch.

Die AfD Baden-Württemberg behauptet Bundeskanzlerin Angela Merkel locke „Hunderte Millionen Armutsflüchtlinge nach Deutschland.“ (AfD-Wahlprogramm BaWü, S. 19). AFD-Vizechef Alexander Gauland fordert im Zeitmagazin: „Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. Danach vergleicht er Schutzsuchende mit einem Wasserrohrbruch. Den würde man auch abdichten. Doch es geht schlimmer: Nachdem Frauke Petry vorgeschlagen hat, deutsche Grenzen notfalls mit „Schusswaffengebrauch“ gegen Flüchtlinge zu schützen hatte, legt AfD-Vizin Beatrix von Storch zunächst nach: auch auf Frauen mit Kindern dürfe geschossen werden. Dann ruderte sie zurück – nicht auf Kinder aber auf Frauen und Männer.

Statt also zukunftsweisend zu ergründen, wie die Problematik gelöst werden kann, sodass allen Beteiligten zumindest kein größerer Schaden, vielleicht sogar ein Nutzen entsteht, lenkt die AfD den Diskurs auf den Urschleim und beantwortet die Frage, ob überhaupt irgend etwas getan werden soll, um an der Lösung mitzuwirken, mit nein.

Schießbefehl auf Familien. Sowas hätte ich von der NPD erwartet. Das ist erschütternd, beschämend und macht mich wütend.

Zudem man sagen muss, dass die Flüchtlinge uns auch den Arsch retten können, da unser Sozialsystem ohne Zuwanderung nicht mehr funktioniert. Wir haben zu hohe Ausgaben bei zu niedrigen Einnahmen. Diese Einnahmen erhöhen sich entweder durch extreme Steuern, was rückwirkend jedoch Armut und somit Bedarf erhöht oder eben durch stete Zuwanderung. Beide Parteien, Flüchtlinge wie Deutschland, könnten profitieren.

Aber Arm gegen Arm auszuspielen ist natürlich leichter.

Und zu den Hunderten Millionen: Im Januar und Februar gab es in Deutschland laut BAMF ca. 117.400 neue Asylanträge.

 

Fazit

Die AfD nutzt die Ängste der Menschen aus und schürt Hass. Sie predigen Wasser und trinken Wein: sie behaupten, sich um „das Volk“ zu sorgen und dass „besorgte Bürger“ bei ihnen gut aufgehoben seien. In Wahrheit jedoch wollen sie deren Situationen noch verschärfen, indem sie

Steuern erhöhren,
Löhne senken,
Erbschaftssteuern streichen,
keine Mietpreisbremse einführen,
keine beitragsfreien KiTas etablieren,
Lohnzuschläge an Sonn- und Feiertagen sowie Pauschalen wie die Pendlerpauschale streichen,
Propaganda verbreiten,
Selbstbestimmung einschränken,
Krankenhäuser privatisieren,
Grundrechte aushebeln,
HartzIV-Sanktionen beibehalten und
die Grenzen dicht machen und bewaffnen wollen.

Wer das alles weiß und die AfD dennoch wählt, ist in meinen Augen, sorry, ein menschenverachtendes Arschloch.

Spenden wird in Frankreich Pflicht

In Frankreich wurde durch den Senat beschlossen, dass Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen. Dadurch soll bis 2025 die Abfallmenge halbiert werden.

UnserDing fragte auf Facebook:

Brauchen wir das Gesetz auch?

Weiterlesen „Spenden wird in Frankreich Pflicht“

Paris

Dieser Artikel ist auf dem Stand von etwa 17:00 Uhr am 15.11.2015.

Es ist furchtbar, was sich am späten Abend des 13.11.2015 in Paris abspielte. Ich will versuchen es zusammenzufassen.

An verschiedenen Orten der Pariser Innenstadt gab es ab etwa 22 Uhr Anschläge:

  • Vor dem Stade de France, wo ein Fußballspiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand, gab es mehrere Explosionen, die einige Opfer forderten. Mindestens zwei der Explosionen sollen durch Selbstmordattentäter begangen worden sein. Präsident Hollande, der dem Spiel beiwohnte, wurde sofort evakuiert. Die Evakuierung der anderen Zuschauer lief den Umständen entsprechend ruhig ab. Die Deutsche Nationalmannschaft blieb im Stadion, verließ Frankreich schließlich per Bus. mehr Info dazu in den Ergänzungen.
  • In zwei Restaurants, La Belle Equipe und Le Petit Cambodge, gab es Schüsse; in einem wurden dabei 11 Menschen getötet.
  • Im Einkaufscenter Les Halles gab es ebenfalls Tote durch Schüsse.
  • Auch vor dem Hotel Le Carillon wurde geschossen.
  • In der Bataclan Konzerthalle, wo die Eagles of Death Metal spielten, drangen mehrere junge, nicht maskierte Bewaffnete ein und schossen etwa 10 bis 15 Minuten lang in die Menge. Sie hielten die übrigen Menschen gefangen und erschossen die Geiseln einzeln, bis Sondereinsatzkräfte die Halle stürmten und dabei drei Täter eliminierten. Mindestens 100 Menschen wurden getötet. Einige konnten sich auf den Emporen und flach liegend zwischen Sitzen verstecken. Ein Crewmitglied wurde getötet.

129 Menschen wurden getötet, über 350 verletzt; 99 befinden sich noch in kritischem Zustand. Hollande rief den Notstand aus und schloss die Grenzen. Das Militär ist in Paris aktiv. Belgien verstärkte die Grenzen zu Frankreich. Auch in anderen Staaten Europas sowie in Washington wurde die Sicherheit erhöht.

Einige Schlechtmenschen -und man kann es in diesem Fall nur so nennen- instrumentalisierten die Anschläge noch währenddessen für Parteiwerbung und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge. Bitte bietet ihnen die Stirn, aber keine Bühne.

Ergänzungen

Die deutsche Nationalmannschaft verließ nicht wie vorher geschrieben das Stadion, sondern verharrte die ganze Nacht dort und wurde schließlich gegen 9.30 Uhr mit einer Sondermaschine nach Deutschland geflogen, wo sie 9.55 Uhr sicher landete. Die Spieler gingen nicht zurück in ihr Hotel, da es dort vorher am Tag Bombendrohungen gab, weshalb sie sich nicht sicher fühlten, um zurück zu kehren.

Der IS hat sich zu den Anschlägen bekannt und sie mit dem Eingreifen Frankreichs in Syrien begründet. Frankreich fliegt seit Ende September Luftangriffe auf IS-Einrichtungen.

Vergangenen Donnerstag wurde ein vermutlich zugehöriger Mann auf einer Bayrischen Autobahn festgenommen. Er bestätigte, auf dem Weg nach Paris gewesen zu sein, um „den Eiffelturm zu besichtigen“ und leugnet, von den Waffen in seinem Auto gewusst zu haben. In seinem Kofferraum befanden sich Kalaschnikow, die auch die Täter in Paris benutzten, sowie Sprengsätze.

Es wurde bestätigt, dass der Attentäter am Stade de France versuchte, das Stadion zu betreten. Am Eingang entdeckte man seine Sprengstoffweste, woraufhin er sich noch vor dem Stadion selbst sprengte.

Besorgte Bürger

Das sind keine besorgten Bürger, das sind Bürger, die uns Sorgen machen müssen.

Norbert Frei, Historiker der Uni Jena in der Tagesschau

Eintopf

Die Posts der vergangenen Wochen waren -zugegeben- alle nicht sehr gehaltvoll. Das liegt daran, dass ich aktuell irgendwie keine richtige Lust zu bloggen habe. Wenn ich mich umsehe, scheint es aber einigen so zu gehen. Vielleicht liegt es ja am Wetter?

Dabei fiele mir ja doch einiges ein, über das ich schreiben könnte. Daher hier ein kleiner Eintopf aus allem möglichen.

Die Pille danach rezeptfrei in deutschen Apotheken.
Ein schwieriges Thema. Und kontrovers. Aber wenn wir ehrlich sind doch ein alter Hut. Die Diskussionen laufen schon seit Jahren und immer waren genug Leute dagegen, als dass man die Rezeptpflicht abgeschafft hätte. Ging ja jetzt doch. Und irgendwie plötzlich. Und überhaupt muss das jeder selber wissen. Warum also noch diskutieren?

Monat der Frauengeschichte
Ein ganzer Monat von 12 für die Frau, woohoo! *räusper*
Ich mache es einfach, kurz und schmerzlos: Menschen haben manchmal revolutionäre Ideen und dabei ist es bums, ob sie XX oder XY in ihrer Genetik herumspazieren.

Feminismus
Es scheint gerade wieder en vogue über Feminismus zu schreiben und zu reden. Dabei finde ich persönlich einiges davon Unfug, anderes wieder ganz in Ordnung. Wie das halt so ist. Eigentlich kann ich mich mit dem Begriff „Feminismus” an sich nicht ganz anfreunden, aber hey, das ist Ringelpietz mit Anfassen und hilft niemandem weiter, nicht wahr? Zähes Thema, keine Motivation. Sorry.

Minecraftverbot in der Türkei
Yoah, nech. Minecraft ist schon unfassbar brutal und blutrünstig. Da kann man Bäume mit dem Holz aus anderen toten Bäumen auf brutalste Weise fällen, Schafe für Nahrung und Wolle erlegen (was ja mal ultra unnatürlich ist!) und in hochauflösender Grafik (!) gegen Zombies und Creeper kämpfen, die sich dann einfach in Luft auflösen! Außerdem kann man Häuser, Paläste, Städte bauen, Minen schürfen und Blümchen pflanzen. Die Leute sollen doch nicht auf schlechte Gedanken kommen, wenn sie Minecraft spielen!
Wenn wir schon dabei sind: Vor Jahren haben mal ein paar Kids Steine von der Autobahnbrücke geworfen. Verbieten wir Tetris gleich mit!
Keine halben Sachen!

Freeletics
Durch meinen persönlichen Coach und Master („Wenn du einfach immer das tust, was ich dir sage, wird immer alles gut sein.”) bin ich auf Freeletics aufmerksam geworden. Ich habe jetzt meine erste Woche tapfer durchgehalten und nur an einem Tag mal gar nix gemacht. Echt hart, so als unsportlicher, fauler Mensch, aber man fühlt sich doch irgendwie besser. Und das, obwohl einem verdammt nochmal alles weh tut. („Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt.”) Probiert es ruhig auch mal aus und sagt mir, was ihr davon haltet.

Trollololol
Meinen Troll habt ihr sicher schon mitbekommen? Finde es ja immer wieder erstaunlich, wie sich manche Leute völlig daneben benehmen (nicht nur hier, sondern auch auf anderen Blogs und das schon seit geraumer Zeit), einen Niveautiefpunkt nach dem anderen erreichen und dann gar nicht verstehen, warum man ihnen kein Gehör und keine Bühne verschafft. Ich böse, garstige Frau aber auch!

Serien
Leftovers: Weltweit verschwinden Menschen einfach so, niemand weiß wohin. Die Angehörigen müssen damit jetzt irgendwie klarkommen. Teilweise ein bisschen zäh, aber wenn man auf psychologische Phänomene und Verarbeitungsmuster steht, bleibt es dennoch spannend.
The 100: 97 Jahre, nachdem die Menschen ins All flohen, da eine Atombombe die Erde verseuchte, werden 100 Teenager in einer Kapsel zur Erde zurück geschickt, um mal zu sehen, ob man denn dort wieder überleben könnte. Ein bisschen wie Mad Max vs. Lost vs. Hunger Games vs. Herr der Fliegen. Bisher nur auf Englisch, aber ich habe die beiden bisher erschienenen Staffeln in kürzester Zeit durch gesuchtet.

Und sonst so?
Beruflich ist Ebbe. Als Nichtstudent ist es gar nicht so einfach, selbst an einen Halbtagsjob zu kommen. Für Aushilfen werden lieber Studenten genommen, weil man sich dann Steuer und Versicherung sparen kann. Andere haben selbst für Pipijobs überhöhte Anforderungen und unterirdische Bezahlungen. Oder sind ohne Auto nicht erreichbar. Es kommt zwar hier und da immermal ein wenig Geld rein, aber es nervt.

Privat habe ich einiges, auf das ich mich freuen kann. Eine Freundin, die in den nächsten Tagen Mama wird. Eine andere Freundin, die ich nach langer Zeit mal wieder sehe. Der 50. Geburtstag meines Onkels und die damit verbundene Familienfeier. Schön, wenn wir mal wieder zusammenkommen und ausgelassen feiern.

Und dann natürlich noch Hamburg, auf das ich mich freue wie ein Schnitzel. Wenn ich schlechte Laune habe, denke ich an das Treffen mit lauter spannenden Menschen und alles ist wieder gut. Ach ich bin ja so aufgeregt!

Ihr seht, theoretisch hätte ich ja schon Themen. Dennoch fehlt mir der Antrieb. Und statt weiter sinnfrei Youtubevideos zu posten, bleibt es demnächst einfach mal etwas ruhiger hier. Nehmt es nicht zu schwer. Der nächste Beitrag kommt bestimmt! 😉

Morgendliche Übelkeit

Ich ahnte nichts Böses, als ich wie jeden Morgen vor dem Aufstehen ein paar meiner Nachbarblogs besuchte – und feststellen musste, dass sich da ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt wurde. Ziemlich weit rechts, um genauer zu sein.

„Wie denn?“ mögt ihr jetzt fragen. Durch unreflektiertes und unkommentiertes Posten der Forderungen einer rechten Organisation: PEGIDA. Mal abgesehen davon, dass diese Abkürzung wie eine Geschlechtskrankheit klingt, ist sie auch mindestens genauso reizend.*

*Ziemlicher Scheiß, den ich da fabriziert habe. Entschuldigung dafür. Ich habe es nicht ansatzweise so aggressiv empfunden, wie ich es nachher schrieb.

Bevor ich es weiter erläutere, was mir da so aufstößt, erst einmal die „Forderungen“, gefunden bei Wikipedia:

Das am 10. Dezember 2014 veröffentlichte Positionspapier der Initiative spricht sich aus für:

  1. „die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten“ als Menschenpflicht
  2. „die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland“, ergänzend zum Recht auf Asyl
  3. „dezentrale Unterbringung für Kriegsflüchtlinge und Verfolgte anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen“
  4. einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und deren gerechte Verteilung in allen EU-Staaten durch eine zentrale Erfassungsbehörde
  5. bessere Betreuung von Flüchtlingen durch Sozialarbeiter
  6. ein Asylverfahren analog zur Schweiz und den Niederlanden und die Mittel für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu erhöhen, um das Verfahren zu verkürzen und die Integration früher zu beginnen
  7. mehr Mittel für die Polizei und gegen Personalabbau bei selbiger
  8. „die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung“
  9. „eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten“
  10. „Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie, aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime“
  11. „Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas“
  12. „sexuelle Selbstbestimmung“
  13. „die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur“
  14. „die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz“

Abgelehnt werden:

  1. „das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichten in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.“
  2. „Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z. B. PKK
  3. „dieses wahnwitzige ‚Gender Mainstreaming‚, auch oft ‚Genderisierung‘ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache“
  4. „Radikalismus, egal ob religiös oder politisch motiviert“
  5. „Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig“

Manche Punkte klingen an sich ja ganz harmlos, fast schon nett und richtig. Ich beschränke mich auf ein paar wenige Punkte, da ansonsten der Rahmen gesprengt würde (und manche der Punkte zu offensichtlich sind, siehe 8.)

Aber fangen wir doch gleich einmal bei Punkt 1 an:

  • „die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten“ als Menschenpflicht

Die Aufnahme von Flüchtlingen sollte in der Tat ein Menschenrecht sein – nicht nur europaweit, sondern global. Diese Menschen brauchen Schutz und Hilfe, denn sie sind in Not. Die Beschränkung indes ist schlecht. Zum einen ist die Einstufung als Kriegsflüchtling selten, da es nur wenige anerkannte Kriege gibt. Ein Kriegsflüchtling muss per Definition jedoch aus einem Kriegsgebiet kommen. Da die Anerkennung von Kriegen jedoch selbst dann selten ist, wenn im allgemeinen Sprachgebrauch bereits von Krieg gesprochen wird, entfallen viele Flüchtlinge aus sogenannten Krisengebieten. Auch religiöse und politische Verfolgung werden nur selten anerkannt und müssen vom Antragsteller belegt werden, was voraussetzt, dass der Antragsteller den bürokratischen Jargon beherrscht und die richtigen Worte bei Begründung und Belegung findet.

Die gleichzeitige Forderung nach Adaption des Schweizer Asylmodells (Punkt 6) zeigt dann, dass man zwar bereit wäre, Flüchtlinge aufzunehmen, aber bitte nur auserlesene. Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren nur rund 2% bis 5% der Asylanträge angenommen – und das bei einer Antragsrate von nur einem Zehntel der Anträge in Deutschland. Grund dafür sind die knappen Bemessungen derer, die als asylwürdig gelten. (Weibliche Genitalverstümmelung oder Herkunft aus einer Bürgerkriegsregion etwa zählen NICHT als Grund. Die darunter fallenden Antragsteller werden zwar vorübergehend nicht abgeschoben, gelten aber als abgelehnt und erhalten keine Sozialhilfe, keine Arbeitsgenehmigung etc.)
Im Übrigen ist das Schweizer Asylrecht gar nicht SO verschieden zum deutschen – mit dem brisanten Unterschied, dass es fehleranfälliger durch Fehlentscheid ist. Heißt: wenn jemand einen anerkannten Grund hat, Asyl zu suchen, kann er trotzdem abgewiesen werden. Der Fall des Stanley Van Tha ist dafür ein Beispiel.

Auch der Punkt der besseren Betreuung (5) ist brisant. Klingt er im ersten Zug doch vernünftig, so zeigt sich bei genauerer Betrachtung etwas ganz Anderes. Bessere Betreuung ist dann gegeben, wenn sich der Schlüssel reduziert, sprich wenn 1 Betreuer nicht für 200, sondern für 20 Flüchtlinge sorgt. Da eine Beschaffung qualifizierter Sozialarbeiter in diesem Maß nicht zu verwirklichen ist, wird im Umkehrschluss indirekt eine limitierte Aufnahme von Flüchtlingen gefordert.

Punkt 2: Aufnahme von Recht auf und Pflicht zu Integration ins GG; ergänzend zum Recht auf Asyl.

Die Forderung ist nicht durchführbar. Zum einen ist der Begriff der Integration zu weit gefasst und müsste näher definiert werden. Zum anderen wird die ewige Debatte über nicht integrationswillige Migranten auf subtile Weise weiter geführt. Integration ist etwas Subjektives. Sie wird gern an einigen Punkten wie Sprachkenntnisse, Nachgehen einer Arbeit und Einbringung in die Gemeinde festgemacht. Doch diese Punkte können schnell falsch interpretiert werden. Jemand, der schlecht deutsch spricht und keiner Arbeit nachgeht, kann sich gut integriert fühlen, von außen aber als schlecht integriert angenommen werden. Währenddessen kann jemand, der gut Deutsch spricht und einer Arbeit nachgeht, sich schlecht integriert fühlen, etwa weil er auf Arbeit und von seinen Nachbarn ausgegrenzt wird, gilt dann aber für Außenstehende als gut integriert. Womit ein weiterer Punkt angesprochen sein soll: Integration obliegt nicht immer dem Willen des Einzelnen.

Auch der 9. Punkt, die Null-Toleranz gegen Straftaten, ist harsch. Er impliziert und verschärft das Vorurteil, dass die Kriminalitätsrate bei Asylsuchenden und Migranten höher sei als bei Deutschen. In der Tat wurde mehrfach bewiesen, dass Migranten nicht generell mehr Straftaten als deutsche Jugendliche begehen. Ein Gutachten, das sich mehrerer Kriminalitätsstudien annahm und sie auswertete, zeigt: Allgemeingültige Aussagen über die Verbrechensbereitschaft von Jugendlichen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, sind kaum zu treffen. Es gibt keinen statistisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Religion und Kriminalität. Dafür werden Jugendliche aus Einwanderungsfamilien in Streitfällen häufiger angezeigt als deutsche Jugendliche; das heißt: sie werden häufiger kriminalisiert – aufgrund von Vorurteilen.
(Richtig interessant finde ich übrigens, dass derartiges oft diejenigen fordern, die selbst bereits straffällig wurden und ihre zweite, dritte, vierte Chance erhielten.
Lutz Bachmann etwa, der Gründer von PEGIDA, ist mehrfach vorbestraft wegen Körperverletzung, Einbruch und Diebstahl, floh nach der Verurteilung nach Südafrika, lebte dort 2 Jahre lang unter falschem Namen (als Söldner) und saß nach seiner Entdeckung und Abschiebung nach Deutschland seine verkürzte Gefängnisstrafe ab, später ging er für nicht kleine Mengen Kokain erneut ins Gefängnis. Außerdem ist PEGIDA mit HoGeSa in Verbindung zu bringen, das sicher auch nicht von Unschuldslämmern unterstützt wurde.)

Wenn PEGIDA in Punkt 15 von Parallelgesellschaften und Parallelgerichten schreibt, will es vor allem eins: Angst machen vor etwas, das es in dieser Art nicht gibt. Zwar wurde in den Medien etwa von Shariapolizei berichtet, jedoch handelt es sich hierbei um Einzelfälle, die medienwirksam aufgebauscht wurden, um verkaufswirksame Schlagzeilen produzieren zu können.
Der Begriff der Parallelgesellschaft ist auch wieder trügerisch. „DIE Gesellschaft“ gibt es nicht; es gibt verschiedene Gemeinschaften, die sich unter Einhaltung übereinstimmender Normen und Werte vorübergehend als eine Gesellschaft ansehen. Dies können auch Interessen- oder religiöse Gruppen sein (Fischerverein, Bibelkreis etc). Eine der angedeuteten Parallelgesellschaft übergeordnete, allgemeine Gesellschaft gibt es indes nur im Sprachgebrauch, um den Gesellschaftsbegriff und die Diskurse darum zu vereinfachen und nicht bei jeder Erwähnung neu aushandeln zu müssen. Was dann im Umkehrschluss heißt, dass es keine zu verhindernde Parallelgesellschaft gibt.
(Man könnte in der gängigen Gesellschaftstheorie auch so weit gehen zu sagen, dass es ausschließlich zahlreiche Parallelgesellschaften gibt statt einer großen „Ganzen“, was hierbei wieder die Ausgrenzung von Minderheiten in der Forderung offenbart.)

Punkt 13:

  • „die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur“

Ein christlich-jüdisches Abendland hat es nie gegeben. Es wird suggeriert, dass es einen religiösen Zusammenschluss gäbe, der sich gegen die angebliche Bedrohung durch den Islam stellt. Tatsächlich hat sich das christliche Abendland tausend Jahre lang darum bemüht, Juden auszugrenzen und zu diskriminieren, ihnen Schuld zuzuweisen und sie zu hetzen und zu verfolgen. Ein christlich-jüdisches Abendland ist eine Erfindung von Muslimfeinden, die versucht, mit der Verbindung zweier Religionen zu einem phantasierten Zusammenschluss, ihr rechtes Gedankengut zu verschleiern und eine gedankliche Schutzwand gegen eine von ihnen stigmatisierte und zu Sündenböcken gemachte Glaubensgemeinschaft hervorzuheben. Dies wiederum sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl, das auch latent fremdenfeindliche Menschen dazu bringen soll, ihre Meinung, die sie sonst eher für sich behalten, vorzutragen. Darum gibt es bei dieser rechten Bewegung auch so viele Mitläufer: sie trauen sich, da sich die Organisation -anders als etwa NPD-Aufmärsche- in der Mitte zeigt und sich als „Gutbürgerbewegung“ tarnt.

Und zu Punkt 17:

  • [Wir sind gegen] „dieses wahnwitzige ‚Gender Mainstreaming‚, auch oft ‚Genderisierung‘ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache“Die Genderisierung ist ein wichtiger Punkt in der Gleichberechtigung der Geschlechter und somit nicht abzulehnen. Sie muss und soll in öffentlichen und wichtigen Texten erhalten bleiben, um der Geschlechterdiskriminierung vorzubeugen. Dies ist auch durch einen Einschub einer Geschlechterklausel oder einer Anmerkung möglich, dass die verwendete Schreibweise für alle Geschlechter gleichbedeutend verwendet wird. Wie dieser Punkt privat gehandhabt wird ist jedem selbst überlassen und steht (hier) nicht zur Debatte. Daneben ist fraglich, was Genderisierung in Texten mit angeblicher Islamisierung Europas zu tun hat.

 


 

PEGIDA schürt Hass. PEGIDA arbeitet mit ähnlicher Gehirnwäsche, wie das früher schon NPD und Konsorten machten und bedient sich einfachster rhetorischer Stilmittel. PEGIDA und folgende Phänomene könnten, wenn wir nicht aufpassen, zu einer Wiederholung der Geschichte sorgen.
(Finde nicht nur ich: Auch ausländische Medien sehen ein nationalpopulistisches Problem.)

„Irgendwie haben sie ja schon Recht“ zu sagen ist der erste Schritt, um seinen Geist für das zu öffnen, was den Außenstehenden Kopfschmerzen macht.

Zu sagen, die Forderungen seien nicht menschenverachtend, ist in etwa so, wie das Kleingedruckte nicht zu lesen. Klingt in der Werbung super, ist aber eine riesen Mogelpackung.