Über den Tod sprechen: Teil 4

Teil 1

Teil 2

Teil 3

 

31. Was denkst du über Hospize?

Sie sind wichtig, weil nicht jede Familie die Betreuung sterbender Angehöriger bewerkstelligen kann oder will. Es ist aber auch ein bisschen traurig, dass Hospize so ein ganz eigener, verschlossener Kosmos sind. Wie in einem vorherigen Teil geschrieben sollte der Tod mehr Bestandteil unserer Gesellschaft sein. Er gehört dazu. Sterben gehört dazu. Sterbende sollen nicht ausgeschlossen werden. Sie sind weg, wenn sie tot sind, aber solange sie leben, sollen sie auch da und bei uns sein dürfen.

32. Könntest du dir vorstellen, Menschen in einem Hospiz ehrenamtlich zu begleiten? Wenn ja: Was interessiert dich hier besonders? Wenn nein: Was schreckt dich ab?

Nein: Emotional bin ich dazu (noch?) nicht in der Lage. Tod ist für mich etwas kaum Begreifliches; ich kann ihn nur schwer verarbeiten. Vielleicht wäre es aber gerade dann eine wertvolle Erfahrung für mich?

33. Welcher Promi-Todesfall hat dich besonders betroffen?

Als Jugendliche war ich schwer erschüttert über Aaliyahs Tod. Sie war so jung und schien zumindest für mich so liebenswert.

Im vergangenen Jahr war ich sehr traurig über den Tod Claire Winelands. Ich habe mitgefiebert, als sie bekanntgab, dass sie neue Lungen bekommen würde. Ihr letzter Beitrag hat mich sehr berührt. Sie war so voller Hoffnung und Freude über die Lungen. Und dann starb sie doch. Das war schlimm.

34. Gab es in Filmen mal Szenen, wo du dachtest: Das ist ein schöner Tod?

Da fällt mir nichts ein.

35. Wenn du nach dem Tod ein Geist wärst: Wen würdest du heimsuchen? Jemanden den du magst, um ihm noch einmal nahe zu sein oder eher jemandem, an dem du dich rächen möchtest?

Eher jemanden, den ich mag. Dann würde ich versuchen, ihnen noch mal ein kleines Hallo zu senden. Allerdings glaube ich an Geister und dergleichen nicht.

36. Was soll auf deinem Grabstein stehen?

Name, Geburts- und Todestag. Liebende Mutter, oder irgend sowas.

37. Wärst du gerne unsterblich?

Nein, bitte nicht!

38. Welche drei Gegenstände würdest du gerne mit ins Grab nehmen wollen?

Gar keine. Ich möchte eingeäschert werden. Mein Hab und Gut sollen meine Hinterbliebenen als Erinnerung behalten oder zu Geld machen, um sich was Schönes zu kaufen.

39. Wobei fühlst du dich besonders lebendig?

Wenn ich etwas Neues ausprobiere. Wenn ich etwas mit Püppi unternehme.

40. Und was macht dich glücklich?

Ganz klar: meine Tochter. Wenn sie strahlt und mich zum Lachen bringt ist aller Kummer vergessen. Wenigstens für einen Augenblick.

 

Danke an Jasmin Schreiber für diese tollen, interessanten, anregenden Fragen!

Über den Tod sprechen: Teil 3

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Teil 2

 

21. Wie fühlst du dich, wenn in Büchern oder Filmen jemand stirbt?

Das kommt ganz darauf an, wie ich selber gerade drauf bin, wie es im Film/ in der Geschichte verarbeitet ist und wie wichtig die Person für die Handlung war.

Es gab Zeiten, da hat mich das zu sehr mitgenommen, sodass ich solche Szenen nicht geschaut/ gelesen habe oder gleich gestoppt -oder gar nicht erst angefangen- habe. Das waren Zeiten, in denen ich selbst noch trauerte.

Kinder und Hunde nehmen mich immer mit. Bei allen anderen ist es mal so, mal so.

22. Hast du das Gefühl, noch viel Zeit vor dir zu haben, um dein Leben zu gestalten?

Ja und nein.

Ein einziger Tag kann viel verändern.

Aber das Leben ist kurz und so viele Tage haben wir gar nicht.

23. Gibt es Dinge, die du rückblickend in deinem Leben anders machen würdest?

Ja.

Andererseits bin ich durch jede einzige meiner Entscheidungen da angelangt, wo ich jetzt bin. Ob es besser gewesen wäre, das oder jenes anders zu machen? Das weiß niemand.

24. Wie oft sagst du den wichtigen Menschen in deinem Leben (Partnerschaft, Familie, Freunde) anlasslos, was sie dir bedeuten?

Meiner Tochter sage ich jeden Tag, dass ich sie liebe.

Dem Engländer ein paar Mal die Woche.

Der Herzfreundin hin und wieder.

Anderen versuche ich es zu zeigen.

25. Findest du, du könntest das öfter machen? Wenn ja, was hat dich bisher davon abgehalten?

Ja, Freunden und Freundinnen könnte ich das öfter sagen. Mich hält ab, dass ich es nicht so gelernt habe und es (auf deutsch) doch manchmal schwer über die Lippen kommt. Dafür sage ich, wie viel mir ein Tag oder eine Geste bedeutet hat, wie sehr ich mich freue, sie wiederzusehen oder ein paar schöne Stunden miteinander verbracht zu haben.

26. Was denkst du über Sterbehilfe?

Ich denke, das sollte jede/r selbst entscheiden dürfen. Wenn nichts mehr geht und nichts mehr hilft und jemand nur noch leidet, soll er/sie gehen dürfen. In freiem Willen. Haustieren sprechen wir diesen würdevolleren Abschied auch zu.

27. Gäbe es Szenarien, bei denen du dir so etwas für dich vorstellen könntest?

Ja, wenn ich nur noch künstlich am Leben erhalten werden könnte und nicht mehr bei Bewusstsein wäre.

28. Wenn sich ein dir nahestehender Mensch für Sterbehilfe entscheiden würde, könntest du das verstehen? Und verzeihen?

Ich könnte das verstehen und ich könnte es verzeihen. Je nachdem wie nah die Person ist, wäre ich wohl auch gerne dabei, falls das für denjenigen/ diejenige okay ist.

Über den Verlust selber hinweg zu kommen ist eine andere Sache.

29. Gab es schon einmal eine Situation in deinem Leben, in der du dachtest “jetzt sterbe ich”? Hat dich das verändert?

Als ich 14 Jahre alt war und eine allergische Reaktion auf Penicillin hatte, mein Hals immer dicker zuschwoll und das zuerst angefahrene Krankenhaus uns wieder wegschickte. Das zweite Krankenhaus hat die Lage auch nicht erkannt. Eine Bereitschaftsärztin hat mich dann gerettet.

Komischerweise mit einem Präparat mit einer Minidosis Penicillin.

Ob mich das verändert hat? Ich bin jedenfalls vorsichtiger mit Medikamenten.

30. Was für eine Art Sterben wünschst du dir?

Schmerzlos. Zu Hause. Wenn ich mit allem abgeschlossen habe und Abschied nehmen konnte. Das wäre ideal. Ist aber wohl eher selten.