Hallo Eeechoooo!

Hoppla, *Spinnweben entferne*, hier war ich aber lange nicht *Staub wische*, meine Güte.

Tut mir sehr leid, dass ich so sang- und klanglos verschollen bin. Ich bin zwar auf Twitter aktiv, aber nicht alle von hier folgen mir dort, denke ich. Zu sagen es war viel los seit September wäre eine Untertreibung.

Mir geht es soweit gut, keine Sorge. Aber ich will euch mal auf den neuesten Stand bringen und mich versuchen kurz zu halten.

  1. Ich bin schwanger
    Tadaaa! Oder so. Ja, auch für mich war das eine Überraschung. Ich habe es Mitte September erfahren, hatte absolut null damit gerechnet und ging von einer Magen-Darm-Grippe aus… Tja. Der Ex war erst dagegen, dann dafür, hat sich jetzt für dagegen entschieden und zieht deswegen im Januar wieder nach England. Fragt mich nicht, in seinem Kopf ergibt es Sinn, das eine Kind, das man vorgibt zu lieben zu verlassen, um dem zweiten Kind, das man nicht will, aus dem Weg zu gehen. Es wird hart, aber wir schaffen das, die Maus, das Baby und ich.

2. Ich bin jetzt eine von „denen“
Nämlich von „denen“, die in der Psychiatrie waren. Aufgrund der Situation zuhause, dem dauerstreitenden Ex, der anfing mich psychisch fertig zu machen, dem Verlauf der Schwangerschaft (es drohte ein Abort aufgrund Stress) und meiner zunehmend schlechteren mentalen Verfassung habe ich mich freiwillig einweisen lassen. Ginge es nur um mich, wäre ich länger geblieben als die zwei Wochen, die ich schlussendlich dort war. Aber ich vermisste die Maus und sie mich, sodass ich entschieden habe nach Hause zu gehen und mich um ambulante Hilfe zu kümmern. Gekümmert habe ich mich leider nach wie vor nicht. Depression is a bitch und das Bett so warm und weich.

3. Mein Stiefvater ist gestorben
Mit Corona hatte es nichts zu tun. Er hatte ein Gerät in der Brust, das seinem Herz half zu schlagen (keinen Herzschrittmacher), welches versagte. Also musste er operiert werden. Dumm aber, dass er einen Infekt hatte. Nach 5 Wochen im Koma und ständigem auf und ab laut sich widersprechenden Ärzten wurden die Geräte schließlich abgestellt und er ist gestorben. Er weiß nichts vom zweiten Kind. Für mich persönlich, so schlimm es klingt, hält sich der Verlust in Grenzen. Er war einer dieser „Hitler war ein klasse Typ und hat Deutschland nach vorne gebracht“ Typ, stets rassistisch und antisemitisch. Schrecklich unempathischer Mensch. Hat mich, als ich noch dort wohnte, ständig gestänkert, hat meine Mutter oft angeschrien und sie ausgenutzt, war gemein zu den Tieren. Aufgrund der Herzmaschine entwickelte er ähnliche Symptome wie Alzheimer, seine cholerische Art wurde immer schlimmer. Er hat aber auch einiges am Haus gemacht, die „Männerarbeiten“ erledigt, Feuer gemacht und Holz gehackt. Solche Dinge eben. Und die Maus hat ihn sehr geliebt. Meine Mutter trauert, aber ich denke ehrlich gesagt eher, weil sie jetzt allein mit allem ist. Die Maus fragt öfter mal nach ihm und ich erkläre ihr, dass Opa jetzt bei den Sternen ist und er auf sie aufpasst. Sie ist traurig, aber es scheint okay zu sein. Ich kann dafür jetzt endlich wieder meine Mutter besuchen gehen, ohne dieses unwohle Gefühl durch seine Anwesenheit zu haben. Wenn Menschen mit ihr Beileid aussprechen ist das sehr schwierig für mich, denn ja es ist schon komisch, aber andererseits war unser Verhältnis kein Gutes.

Ich denke das reicht wohl für’s Erste. Macht euch keine Sorgen um mich. Ich habe meine Höhen und Tiefen, aber alles in allem kämpfe ich mich durch, wir drei Mädels halten zusammen und wir freuen uns auf das Baby. Wie es dann weiter geht werden wir schon noch sehen. Ein Schritt nach dem anderen.

Ich wünsche euch eine wundervolle Adventszeit, von Herzen schöne Weihnachten, egal ob alleine oder im kleinen Kreis und ein gesundes, munteres Jahr 2021. Bleibt gesund!

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25 Fragen

Das Herzkind hat vor mittlerweile drei Jahren eine Liste mit 25 Fragen gepostet, die von Max Frisch stammen. Den Schriftsteller und Architekten kennen einige vielleicht aus der Schule. Jedenfalls fand ich diese Fragen sehr interessant und möchte mich ihnen hier einmal stellen. Sie sind nicht ganz einfach und fangen schon mit einem scharfen Handkantenschlag in den Nacken an, deswegen genug der Vorrede und rein ins Getümmel:

1.) Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Nein, ich bin mir nicht sicher.

2.) Warum? Stichworte genügen.

Natürlich will ich nicht, dass die Kindeskinder meiner Kindeskinder leiden müssen, oder überhaupt ein Mensch. Aber nachdem wir in den paar Tausend Jahren, in denen wir die Welt bevölkerten sie schließlich auch verwüstet haben, bin ich mir nicht so sicher, ob der Fortbestand einer einzigen Spezies es Wert ist, alle anderen Lebewesen zu gefährden. Schaffen wir es, diese Entwicklung umzukehren und tatsächlich einen Mehrwert für diesen Planeten zu schaffen, wäre ich anderer Meinung. Jedoch, ich bin Pessimistin.

3.) Wie viele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?

Einige durch Benutzung von Verhütungsmitteln, keine durch Abbruch.

4.) Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Einer Handvoll Menschen, alle von ihnen sind Männer.

5.) Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?

Nein. Bisher habe ich Unrecht immer zugegeben und versucht zu beseitigen oder zu lindern.

6.) Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Um Himmels Willen, bitte nicht! Niemals vergessen? Es hat schon seinen Grund, dass wir vergessen. Selbstschutz.

7.) Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

Beantwortete ich diese Frage ehrlich, befürchtete ich moralische wie auch rechtliche Konsequenzen. Daher hülle ich mich in Schweigen. Wer mich kennt, hat jedoch vielleicht die eine oder andere Idee.

8.) Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Meinen Opa. Diesen Monat werden es 10 Jahre, die ich ohne seinen Zuspruch und seine Unterstützung lebe. Er fehlt mir sehr.

9.) Wen hingegen nicht?

Die Person ist bisher nicht gestorben.

10.) Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?

Der britischen. Das Leben dort erscheint mir so viel einfacher und freier.

11.) Wie alt möchten Sie werden?

Alt genug, um etwaige Enkelkinder kennen zu lernen. Nicht so alt, dass ich nur noch existiere ohne zu sein.

12.) Wenn Sie Macht hätten, zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder nein?

Brexit war ja ein „mehrheitlicher“ Beschluss, auch wenn ich das bestreiten würde. In dem Falle ja, wohl schon. Andererseits möchte ich keine Tyrannin sein, die sich gegen eine tatsächliche Mehrheit stellen würde.

13.) Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

Ich sehe ein, dass ich falsch liegen kann und möchte keine Schuld an Leid tragen, das ich nicht habe kommen sehen.

14.) Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?

Ich möchte am liebsten gar nicht hassen. Es ist ein hässliches Gefühl und macht unzufrieden.

15.) Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass sie klüger werden oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.

Das kommt auf die Definition von Klugheit an. Mit meinen 31 Jahren bin ich durchaus der Meinung, noch mehr lernen zu können und zu wollen. Intelligenter werde ich aber wohl nicht.

16.) Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

Ist das nicht der Fallstrick an der Selbstkritik, dass sie uns überzeugender erscheint als alle Gegenstimmen, die uns Freunde und Wohlgesonnene geben?

17.) Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel und wenn es nicht dieselbe Sache ist: Wofür bitten Sie eher um Verzeihung?

Die Sache möchte ich hier gerne für mich behalten, aber es ist die selbe Sache. Ich bitte die andere Person um Verzeihung und wir müssen gleichzeitig lernen, mir zu verzeihen.

18.) Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Es war haarscharf damals, als mein Erzeuger meine Mutter dazu bringen wollte, mich abzutreiben. Den Termin hatte sie bereits. Mein Opa hat sie heraus geredet. Tatsächlich macht mich das ein wenig nervös, denn ohne Püppi in dieser Welt wären alle, die sie kennen, ein bisschen weniger glücklich.

19.) Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Manchmal vermisse ich den Rat meines Großvaters. Er hatte immer eine gute Sicht auf die Dinge. Das eine oder andere Mal habe ich mich schon gefragt, was er mir raten würde oder was er für mich wollen würde. Das hat mir die eine oder andere Wahl sehr erleichtert.

20.) Lieben Sie jemand?

Zwei Menschen.

21.) Und woraus schließen Sie das?

Ich denke ständig an sie, möchte sie bei mir haben und bin traurig, wenn sie es nicht sind. Ich fühle mit ihnen und für sie.

22.) Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wie erklären Sie es sich, dass es nie dazu gekommen ist?

Im Scherz würde ich jetzt sagen: pures Glück. Im Ernst gab es zwar bisher Menschen, die an dieser moralischen Grenze gerüttelt haben aber doch niemanden, der sie überschritten hat. Das würde schon extremer Umstände bedürfen und würde wohl erst dann eintreffen, wenn es um Leben und Tod meiner Tochter ging.

23.) Was fehlt Ihnen zum Glück?

Selbstliebe.

24.) Wofür sind Sie dankbar?

Meine Tochter. Ja, buhu, langweiligste Antwort ever und völlig absehbar. Doch sie war und ist das größte Geschenk meines Lebens. Nicht geplant und doch gewollt kam sie in mein Leben und hat mich gerettet und tut es bisher.

25.) Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches?

Als Hund im Zuhause meiner erwachsenen Tochter, um noch ein bisschen auf sie aufzupassen, auch wenn meine Zeit schon gekommen war.

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Bild: Max Frisch in der Galerie Erker, St. Gallen 1967; Photograf: Jack Metzger; Quelle

Über den Tod sprechen: Teil 4

Teil 1

Teil 2

Teil 3

 

31. Was denkst du über Hospize?

Sie sind wichtig, weil nicht jede Familie die Betreuung sterbender Angehöriger bewerkstelligen kann oder will. Es ist aber auch ein bisschen traurig, dass Hospize so ein ganz eigener, verschlossener Kosmos sind. Wie in einem vorherigen Teil geschrieben sollte der Tod mehr Bestandteil unserer Gesellschaft sein. Er gehört dazu. Sterben gehört dazu. Sterbende sollen nicht ausgeschlossen werden. Sie sind weg, wenn sie tot sind, aber solange sie leben, sollen sie auch da und bei uns sein dürfen.

32. Könntest du dir vorstellen, Menschen in einem Hospiz ehrenamtlich zu begleiten? Wenn ja: Was interessiert dich hier besonders? Wenn nein: Was schreckt dich ab?

Nein: Emotional bin ich dazu (noch?) nicht in der Lage. Tod ist für mich etwas kaum Begreifliches; ich kann ihn nur schwer verarbeiten. Vielleicht wäre es aber gerade dann eine wertvolle Erfahrung für mich?

33. Welcher Promi-Todesfall hat dich besonders betroffen?

Als Jugendliche war ich schwer erschüttert über Aaliyahs Tod. Sie war so jung und schien zumindest für mich so liebenswert.

Im vergangenen Jahr war ich sehr traurig über den Tod Claire Winelands. Ich habe mitgefiebert, als sie bekanntgab, dass sie neue Lungen bekommen würde. Ihr letzter Beitrag hat mich sehr berührt. Sie war so voller Hoffnung und Freude über die Lungen. Und dann starb sie doch. Das war schlimm.

34. Gab es in Filmen mal Szenen, wo du dachtest: Das ist ein schöner Tod?

Da fällt mir nichts ein.

35. Wenn du nach dem Tod ein Geist wärst: Wen würdest du heimsuchen? Jemanden den du magst, um ihm noch einmal nahe zu sein oder eher jemandem, an dem du dich rächen möchtest?

Eher jemanden, den ich mag. Dann würde ich versuchen, ihnen noch mal ein kleines Hallo zu senden. Allerdings glaube ich an Geister und dergleichen nicht.

36. Was soll auf deinem Grabstein stehen?

Name, Geburts- und Todestag. Liebende Mutter, oder irgend sowas.

37. Wärst du gerne unsterblich?

Nein, bitte nicht!

38. Welche drei Gegenstände würdest du gerne mit ins Grab nehmen wollen?

Gar keine. Ich möchte eingeäschert werden. Mein Hab und Gut sollen meine Hinterbliebenen als Erinnerung behalten oder zu Geld machen, um sich was Schönes zu kaufen.

39. Wobei fühlst du dich besonders lebendig?

Wenn ich etwas Neues ausprobiere. Wenn ich etwas mit Püppi unternehme.

40. Und was macht dich glücklich?

Ganz klar: meine Tochter. Wenn sie strahlt und mich zum Lachen bringt ist aller Kummer vergessen. Wenigstens für einen Augenblick.

 

Danke an Jasmin Schreiber für diese tollen, interessanten, anregenden Fragen!

Über den Tod sprechen: Teil 3

Teil 1

Teil 2

 

21. Wie fühlst du dich, wenn in Büchern oder Filmen jemand stirbt?

Das kommt ganz darauf an, wie ich selber gerade drauf bin, wie es im Film/ in der Geschichte verarbeitet ist und wie wichtig die Person für die Handlung war.

Es gab Zeiten, da hat mich das zu sehr mitgenommen, sodass ich solche Szenen nicht geschaut/ gelesen habe oder gleich gestoppt -oder gar nicht erst angefangen- habe. Das waren Zeiten, in denen ich selbst noch trauerte.

Kinder und Hunde nehmen mich immer mit. Bei allen anderen ist es mal so, mal so.

22. Hast du das Gefühl, noch viel Zeit vor dir zu haben, um dein Leben zu gestalten?

Ja und nein.

Ein einziger Tag kann viel verändern.

Aber das Leben ist kurz und so viele Tage haben wir gar nicht.

23. Gibt es Dinge, die du rückblickend in deinem Leben anders machen würdest?

Ja.

Andererseits bin ich durch jede einzige meiner Entscheidungen da angelangt, wo ich jetzt bin. Ob es besser gewesen wäre, das oder jenes anders zu machen? Das weiß niemand.

24. Wie oft sagst du den wichtigen Menschen in deinem Leben (Partnerschaft, Familie, Freunde) anlasslos, was sie dir bedeuten?

Meiner Tochter sage ich jeden Tag, dass ich sie liebe.

Dem Engländer ein paar Mal die Woche.

Der Herzfreundin hin und wieder.

Anderen versuche ich es zu zeigen.

25. Findest du, du könntest das öfter machen? Wenn ja, was hat dich bisher davon abgehalten?

Ja, Freunden und Freundinnen könnte ich das öfter sagen. Mich hält ab, dass ich es nicht so gelernt habe und es (auf deutsch) doch manchmal schwer über die Lippen kommt. Dafür sage ich, wie viel mir ein Tag oder eine Geste bedeutet hat, wie sehr ich mich freue, sie wiederzusehen oder ein paar schöne Stunden miteinander verbracht zu haben.

26. Was denkst du über Sterbehilfe?

Ich denke, das sollte jede/r selbst entscheiden dürfen. Wenn nichts mehr geht und nichts mehr hilft und jemand nur noch leidet, soll er/sie gehen dürfen. In freiem Willen. Haustieren sprechen wir diesen würdevolleren Abschied auch zu.

27. Gäbe es Szenarien, bei denen du dir so etwas für dich vorstellen könntest?

Ja, wenn ich nur noch künstlich am Leben erhalten werden könnte und nicht mehr bei Bewusstsein wäre.

28. Wenn sich ein dir nahestehender Mensch für Sterbehilfe entscheiden würde, könntest du das verstehen? Und verzeihen?

Ich könnte das verstehen und ich könnte es verzeihen. Je nachdem wie nah die Person ist, wäre ich wohl auch gerne dabei, falls das für denjenigen/ diejenige okay ist.

Über den Verlust selber hinweg zu kommen ist eine andere Sache.

29. Gab es schon einmal eine Situation in deinem Leben, in der du dachtest “jetzt sterbe ich”? Hat dich das verändert?

Als ich 14 Jahre alt war und eine allergische Reaktion auf Penicillin hatte, mein Hals immer dicker zuschwoll und das zuerst angefahrene Krankenhaus uns wieder wegschickte. Das zweite Krankenhaus hat die Lage auch nicht erkannt. Eine Bereitschaftsärztin hat mich dann gerettet.

Komischerweise mit einem Präparat mit einer Minidosis Penicillin.

Ob mich das verändert hat? Ich bin jedenfalls vorsichtiger mit Medikamenten.

30. Was für eine Art Sterben wünschst du dir?

Schmerzlos. Zu Hause. Wenn ich mit allem abgeschlossen habe und Abschied nehmen konnte. Das wäre ideal. Ist aber wohl eher selten.

Tod und Social Media Fragebogen

Ein weiterer bei Dr. Schwein gefundener Fragebogen, diesmal mit ernsterem Inhalt.

  1. Hast Du schon mal auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerk öffentlich den Tod von Prominenten betrauert? In welcher Weise?

Ja. Ich habe ein Bild gepostet und dazu eine persönliche Verbindung aufgezeigt.

  1. Hast Du schon mal auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerk den Tod von Freunden, Haustieren oder Familienmitgliedern betrauert?
    In welcher Weise?

Ja, Bild und Dankesagung.

  1. Wann warst Du das letzte Mal auf einem Friedhof?

Ist lange her.

  1.  Wann hast Du das letzte Mal ein Social Media-Profil einer verstorbenen Person aufgerufen?

Keine Ahnung, ob ich das überhaupt mal gemacht habe.

  1. Sollten Beerdigungen/Trauerfeiern auf Video aufgezeichnet und bei Youtube hochgeladen werden? Warum (nicht)?

Nein.
Es ist zu intim.

  1. Wie viele Profile in sozialen Medien & Netzwerken existieren von Dir?

Vier.

  1. Wie viele Fotos hast Du selbst im Netz veröffentlicht?

Einige.

  1. Wie viele Videos hast Du selbst im Netz veröffentlicht?

Eins. Vom Vogelzwitschern an der Saale.

  1.  Würden Deine Familie in Deinem digitalen Nachlass “Überraschungen” finden?

Mit großer Sicherheit.

  1.  Benutzt Du Apps oder Verknüpfungen, mit denen Du einige Deiner Tweets oder Facebook-Posts automatisch veröffentlichst?

Ja, das WordPress- Plugin.

  1. Nutzt Du einen Passwort-Manager?

Nein.

  1. Wie viele Menschen wären (wenn sie wollten) in der Lage auf Dein Emailpostfach zuzugreifen?

Einer.

  1. Würden andere Menschen im Fall der Fälle in der Lage Zugriff auf Deine Passwörter zu erhalten?

Ja, einer.

  1. Weiß Deine Familie, dass sie als Hinterbliebene ggf. rechtlich verantwortlich für Deine Online-Inhalte werden?

Vermutlich nicht.

  1. Sollen alle von Dir im Netz verfassten Inhalte (Fotos, Texte, Videos…) verschwinden? Warum (nicht)?

Nein. Ich schreibe so wie ich bin, daher denke ich, dass meine Hinterbliebenen ein schönes Andenken hätten.

  1. Hast Du ein Testament verfasst?

Nein.

  1. Hast Du Deinen digitalen Nachlass im Testament geregelt?

Nein.

  1.  Nutzt du einen Anbieter, um deinen digitalen Nachlass zu regeln? Warum (nicht)?

Nein, weil ich davon noch nichts gehört habe.

  1. Ist dieser Fragebogen der erste Anlass, Dir Gedanken um
    den Digitalen Nachlass zu machen?

Nein. Das Nuf hat vor einiger Zeit schon einmal dazu geschrieben. Das war für mich der erste Anlass, darüber nachzudenken.

It builds character

Ich weiß nicht, ob ihr die 365 Days of Writing Prompts kennt, die es von WordPress gibt. Für jeden Tag des Jahres gibt es eine Idee für einen Blogeintrag, eine Frage oder Anregung, ein Thema zum Schreiben.

Heute heißt die Aufgabe

„Tell us about a favorite character from film, theater, or literature, with whom you’d like to have a heart-to-heart. What would you talk about?“

Zu Deutsch soll man einen Charakter aus Film, Theater oder Literatur benennen, mit dem man gerne ein persönliches Gespräch führen würde – und worum es ginge.

Mir ist sofort Lorelai Gilmore eingefallen. Mit ihrer spritzigen, schlagfertigen und unbekümmerten aber herzigen Art war sie (zusammen mit ihrer Tochter Rory) immer eine meiner Lieblingsfiguren. Man könnte sagen, ein bisschen war sie auch Vorbild, wollte ich auch so spritzig und schlagfertig sein und so wie sie durch jede Schwierigkeit erhobenen Hauptes gehen.

Vor zwei Jahren noch hätte ich vermutlich Rory erwählt, doch jetzt sind mir einfach andere Dinge wichtig, die mir eher Lorelai beantworten könnte.

Zum einen ist das -ihr wisst was jetzt kommt- Mutterschaft. Es ist ein schönes aber auch schwieriges Thema. Lorelai rannte damals, schwanger mit 16 Jahren, von zu Hause fort, verließ ihren Freund und Rorys Vater und baute sich ein eigenes, unabhängiges Leben im beschaulichen, zauberhaften Stars Hollow auf. Als ich anfing die Serie zu schauen fand ich das vor allem mutig, heute denke ich, war es auch ein bisschen dumm, nichtsdestotrotz aber beachtenswert, da sie das tat, um sich selbst treu zu sein, um unabhängig zu sein und nicht mit allem, vor allem der Erziehung ihrer Tochter, unter der Fuchtel ihrer spießigen, konservativen Eltern zu stehen.

Das ist mir insoweit wichtig, als es mir zur Zeit schwer fällt, mich als eigene Person nicht zu verlieren. Ich bin vor allem Mutter und Hausfrau, ich bin Partnerin, aber wer bin ich eigentlich? Was macht mich neben all dem aus? Wie habe ich mich verändert? Und wie schaffe ich mir Raum und Zeit für mich und mich ganz allein?

In dem Gespräch mit Lorelai ginge es auch um Mutter einer Tochter sein im Speziellen, denn das ist nunmal anders als Jungsmama, denke ich. Ich würde wissen wollen was in etwa auf mich zukommt, denn wenn mein Mäusekind in etwa so wird wie ich, dann wird das nicht einfach werden. Wie schafft man es dann, nicht an sich selbst zu zweifeln oder sich vom Kind verlassen zu fühlen, wenn es schreit „Ich hasse dich, Mama! Du bist die blödeste Mama der Welt!“ Und wie wird man nicht eifersüchtig, wenn sie Papa in Beschlag nimmt? Das klang für mich immer merkwürdig, aber mittlerweile kann ich es nachvollziehen. Nicht dass ich nicht wollen würde, dass die beiden eine gute Beziehung haben. Im Gegenteil, ich schmelze dahin, wenn Daddy das kleine Mädchen zum Lachen bringt und die beiden sich anstrahlen. Aber manchmal, wenn ich gerade außerhalb des Geschehens bin, fühle ich mich ein bisschen zurück gesetzt. Wenn ich gerade nicht gut genug bin, sondern Papa her soll, dann sticht das schon ein bisschen im Mutterherz.

Ein sehr schwieriges Thema hätte ich aber auch mit Lorelai zu besprechen: den Tod. Wer die neuere Miniserie noch nicht gesehen hat, sollte jetzt wegschauen.

Als ihr Vater Richard stirbt, bricht für Lorelai eine Welt zusammen. Dennoch schafft sie es, nicht zusammenzubrechen, sondern weiter zu gehen. Wie geht das? Wie ist man stark für die trauernde Mutter und die trauernde Tochter gleichermaßen? Wie geht man dann mit der eigenen Trauer um? Kann man das überhaupt oder wird es irgendwann nur weniger scheiße?

Zu guter Letzt wäre mir das Dragonfly Inn noch wichtig. Sie hat es zusammen mit ihrer besten Freundin Sookie aufgebaut und managt es 365 Tage im Jahr, zu jedem Wetter und ohne zu murren. Das finde ich bewundernswert! Sie hat Spaß an ihrer Arbeit und ist stressresistent. Wie ist sie dahin gekommen? Und wie hat sie das alles auf die Beine gestellt? Was wären ihre Tipps für Neuunternehmer und Firmengründer?

Jetzt lasst mal hören: Welchen Charakter würdet ihr euch für ein persönliches Gespräch wünschen und warum?


Beitragsbild von http://de.gilmoregirls.wikia.com/wiki/Lorelai_Gilmore

Dead Stars

Erneut macht der Selbstmord eines Stars Schlagzeilen und erneut bringen mich die Reaktionen empathieloser Wichtigtuer zum Kotzen.

Chris Cornell und Chester Bennington sind die neuesten traurigen Namen auf der langen Liste berühmter freiwillig aus dem Leben Geschiedener. Es macht mich und viele andere Menschen betroffen, mancher schreibt es sich von der Seele, andere bleiben lieber stumm.

Dann gibt es noch eine Gruppe von Motzern und Nörglern, die Trauer und Anteilnahme am Tod von Menschen außerhalb des Familien- und Freundeskreises scheinbar nicht dulden und sich darüber auslassen. Dies geschieht meist durch Infragestellen der Aufrichtigkeit und des „Rechts“ der Betroffenheit.

Zugegeben, dass es Menschen gibt, die sich nur aus Gier nach Aufmerksamkeit bestürzt zeigen, ist nicht ausgeschlossen. Jedoch -haltet mich für verrückt- gehe ich davon aus, dass das ein zu vernachlässigender winzig kleiner Bruchteil ist.

Ich darf betroffen sein, verdammt!

Die Kommentare reichen von „Den habe ich eh nicht gekannt“ über „Den hast Du nicht wirklich gekannt“ bis hin zu „Aber in der Sahara verhungern Wale!!1einself“

Nein, die wenigsten Menschen auf diesem Erdball haben den jeweiligen Star wirklich nicht gekannt. Das heißt jedoch nicht, dass man zu dem Menschen oder dem, was er verkörpert hat, keine Verbindung hatte. Chester Bennington und Chris Cornell beziehungsweise Linkin Park und Audioslave / Soundgarden waren viele Jahre Begleiter meiner Jugend. Ihre Lieder haben mich durch diese holprige Zeit getragen und mich aufgefangen. Ich habe mich verstanden gefühlt. Die Traurigkeit, die Wut, Schmerz, Angst, aber auch Durchhalten, Kraft, Verständnis aus ihren Liedern waren auch meine Gefühle und die vieler anderer meiner Generation.

Gerade wenn diese Menschen Selbstmord begehen trifft mich das. Sie haben uns, ihren Fans, Trost und Halt gespendet und es doch selbst wohl nicht (ausreichend) erfahren. Sie waren sogar so verzweifelt, dass Suizid der einzige Ausweg für sie zu sein schien. Ja, auch trotz Familien. Wer sich darüber auslässt, dass sie dafür Arschlöcher sind, dass sie ihre Familien so zurück lassen, dem sei gesagt: ich verstehe diesen Gedankengang. Es ist aber scheiße das zu sagen. Es ist nämlich eben nicht so einfach. Eigentlich macht es das Ganze nur noch schlimmer und umso mehr betroffen. Ihr habt das Thema Depression nicht verstanden. Das ist vollkommen okay, es ist kaum oder gar nicht zu verstehen. Man muss aber auch einfach mal die Klappe halten können.

Zudem war ich selbst mittel bis schwer depressiv und stand mehr als einmal an dem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter wusste und mir das Leben nehmen wollte. Es hat also auch einen ganz persönlichen Bezug, eine Tragik für mich inne. Ich weiß wie beschissen man leidet, auch wenn ich den finalen Schritt nicht ging.

Darüber hinaus sind gar viele meiner Freunde seelisch gebeutelt. Auch gab es Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die sich von der Krake verschlingen ließen. Eine Person explizit durch Erhängen.

Ich bin bei weitem nicht die Einzige, die selbst betroffen ist oder war oder Freunde, Bekannte, Familie auf diese Weise verloren hat. Es gibt da draußen unzählige Betroffene.

Und es gibt viele, die eine gewisse Verbindung, wie und warum auch immer, zu der einen oder anderen Berühmtheit oder deren Werken spürt. Das ist normal. So wie es auch normal ist, diese Verbindung nicht zu haben.

Ich habe verdammt nochmal das Recht zur Betroffenheit. Das geht keinen was an. Das hat mir niemand abzuschreiben. Wen Mitgefühlsbekundungen und Betroffenheitsstatements nerven, der scrollt eben weiter und hält die Klappe. Ganz einfach.

Danke.