Tod und Social Media Fragebogen

Ein weiterer bei Dr. Schwein gefundener Fragebogen, diesmal mit ernsterem Inhalt.

  1. Hast Du schon mal auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerk öffentlich den Tod von Prominenten betrauert? In welcher Weise?

Ja. Ich habe ein Bild gepostet und dazu eine persönliche Verbindung aufgezeigt.

  1. Hast Du schon mal auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerk den Tod von Freunden, Haustieren oder Familienmitgliedern betrauert?
    In welcher Weise?

Ja, Bild und Dankesagung.

  1. Wann warst Du das letzte Mal auf einem Friedhof?

Ist lange her.

  1.  Wann hast Du das letzte Mal ein Social Media-Profil einer verstorbenen Person aufgerufen?

Keine Ahnung, ob ich das überhaupt mal gemacht habe.

  1. Sollten Beerdigungen/Trauerfeiern auf Video aufgezeichnet und bei Youtube hochgeladen werden? Warum (nicht)?

Nein.
Es ist zu intim.

  1. Wie viele Profile in sozialen Medien & Netzwerken existieren von Dir?

Vier.

  1. Wie viele Fotos hast Du selbst im Netz veröffentlicht?

Einige.

  1. Wie viele Videos hast Du selbst im Netz veröffentlicht?

Eins. Vom Vogelzwitschern an der Saale.

  1.  Würden Deine Familie in Deinem digitalen Nachlass “Überraschungen” finden?

Mit großer Sicherheit.

  1.  Benutzt Du Apps oder Verknüpfungen, mit denen Du einige Deiner Tweets oder Facebook-Posts automatisch veröffentlichst?

Ja, das WordPress- Plugin.

  1. Nutzt Du einen Passwort-Manager?

Nein.

  1. Wie viele Menschen wären (wenn sie wollten) in der Lage auf Dein Emailpostfach zuzugreifen?

Einer.

  1. Würden andere Menschen im Fall der Fälle in der Lage Zugriff auf Deine Passwörter zu erhalten?

Ja, einer.

  1. Weiß Deine Familie, dass sie als Hinterbliebene ggf. rechtlich verantwortlich für Deine Online-Inhalte werden?

Vermutlich nicht.

  1. Sollen alle von Dir im Netz verfassten Inhalte (Fotos, Texte, Videos…) verschwinden? Warum (nicht)?

Nein. Ich schreibe so wie ich bin, daher denke ich, dass meine Hinterbliebenen ein schönes Andenken hätten.

  1. Hast Du ein Testament verfasst?

Nein.

  1. Hast Du Deinen digitalen Nachlass im Testament geregelt?

Nein.

  1.  Nutzt du einen Anbieter, um deinen digitalen Nachlass zu regeln? Warum (nicht)?

Nein, weil ich davon noch nichts gehört habe.

  1. Ist dieser Fragebogen der erste Anlass, Dir Gedanken um
    den Digitalen Nachlass zu machen?

Nein. Das Nuf hat vor einiger Zeit schon einmal dazu geschrieben. Das war für mich der erste Anlass, darüber nachzudenken.

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It builds character

Ich weiß nicht, ob ihr die 365 Days of Writing Prompts kennt, die es von WordPress gibt. Für jeden Tag des Jahres gibt es eine Idee für einen Blogeintrag, eine Frage oder Anregung, ein Thema zum Schreiben.

Heute heißt die Aufgabe

„Tell us about a favorite character from film, theater, or literature, with whom you’d like to have a heart-to-heart. What would you talk about?“

Zu Deutsch soll man einen Charakter aus Film, Theater oder Literatur benennen, mit dem man gerne ein persönliches Gespräch führen würde – und worum es ginge.

Mir ist sofort Lorelai Gilmore eingefallen. Mit ihrer spritzigen, schlagfertigen und unbekümmerten aber herzigen Art war sie (zusammen mit ihrer Tochter Rory) immer eine meiner Lieblingsfiguren. Man könnte sagen, ein bisschen war sie auch Vorbild, wollte ich auch so spritzig und schlagfertig sein und so wie sie durch jede Schwierigkeit erhobenen Hauptes gehen.

Vor zwei Jahren noch hätte ich vermutlich Rory erwählt, doch jetzt sind mir einfach andere Dinge wichtig, die mir eher Lorelai beantworten könnte.

Zum einen ist das -ihr wisst was jetzt kommt- Mutterschaft. Es ist ein schönes aber auch schwieriges Thema. Lorelai rannte damals, schwanger mit 16 Jahren, von zu Hause fort, verließ ihren Freund und Rorys Vater und baute sich ein eigenes, unabhängiges Leben im beschaulichen, zauberhaften Stars Hollow auf. Als ich anfing die Serie zu schauen fand ich das vor allem mutig, heute denke ich, war es auch ein bisschen dumm, nichtsdestotrotz aber beachtenswert, da sie das tat, um sich selbst treu zu sein, um unabhängig zu sein und nicht mit allem, vor allem der Erziehung ihrer Tochter, unter der Fuchtel ihrer spießigen, konservativen Eltern zu stehen.

Das ist mir insoweit wichtig, als es mir zur Zeit schwer fällt, mich als eigene Person nicht zu verlieren. Ich bin vor allem Mutter und Hausfrau, ich bin Partnerin, aber wer bin ich eigentlich? Was macht mich neben all dem aus? Wie habe ich mich verändert? Und wie schaffe ich mir Raum und Zeit für mich und mich ganz allein?

In dem Gespräch mit Lorelai ginge es auch um Mutter einer Tochter sein im Speziellen, denn das ist nunmal anders als Jungsmama, denke ich. Ich würde wissen wollen was in etwa auf mich zukommt, denn wenn mein Mäusekind in etwa so wird wie ich, dann wird das nicht einfach werden. Wie schafft man es dann, nicht an sich selbst zu zweifeln oder sich vom Kind verlassen zu fühlen, wenn es schreit „Ich hasse dich, Mama! Du bist die blödeste Mama der Welt!“ Und wie wird man nicht eifersüchtig, wenn sie Papa in Beschlag nimmt? Das klang für mich immer merkwürdig, aber mittlerweile kann ich es nachvollziehen. Nicht dass ich nicht wollen würde, dass die beiden eine gute Beziehung haben. Im Gegenteil, ich schmelze dahin, wenn Daddy das kleine Mädchen zum Lachen bringt und die beiden sich anstrahlen. Aber manchmal, wenn ich gerade außerhalb des Geschehens bin, fühle ich mich ein bisschen zurück gesetzt. Wenn ich gerade nicht gut genug bin, sondern Papa her soll, dann sticht das schon ein bisschen im Mutterherz.

Ein sehr schwieriges Thema hätte ich aber auch mit Lorelai zu besprechen: den Tod. Wer die neuere Miniserie noch nicht gesehen hat, sollte jetzt wegschauen.

Als ihr Vater Richard stirbt, bricht für Lorelai eine Welt zusammen. Dennoch schafft sie es, nicht zusammenzubrechen, sondern weiter zu gehen. Wie geht das? Wie ist man stark für die trauernde Mutter und die trauernde Tochter gleichermaßen? Wie geht man dann mit der eigenen Trauer um? Kann man das überhaupt oder wird es irgendwann nur weniger scheiße?

Zu guter Letzt wäre mir das Dragonfly Inn noch wichtig. Sie hat es zusammen mit ihrer besten Freundin Sookie aufgebaut und managt es 365 Tage im Jahr, zu jedem Wetter und ohne zu murren. Das finde ich bewundernswert! Sie hat Spaß an ihrer Arbeit und ist stressresistent. Wie ist sie dahin gekommen? Und wie hat sie das alles auf die Beine gestellt? Was wären ihre Tipps für Neuunternehmer und Firmengründer?

Jetzt lasst mal hören: Welchen Charakter würdet ihr euch für ein persönliches Gespräch wünschen und warum?


Beitragsbild von http://de.gilmoregirls.wikia.com/wiki/Lorelai_Gilmore

Dead Stars

Erneut macht der Selbstmord eines Stars Schlagzeilen und erneut bringen mich die Reaktionen empathieloser Wichtigtuer zum Kotzen.

Chris Cornell und Chester Bennington sind die neuesten traurigen Namen auf der langen Liste berühmter freiwillig aus dem Leben Geschiedener. Es macht mich und viele andere Menschen betroffen, mancher schreibt es sich von der Seele, andere bleiben lieber stumm.

Dann gibt es noch eine Gruppe von Motzern und Nörglern, die Trauer und Anteilnahme am Tod von Menschen außerhalb des Familien- und Freundeskreises scheinbar nicht dulden und sich darüber auslassen. Dies geschieht meist durch Infragestellen der Aufrichtigkeit und des „Rechts“ der Betroffenheit.

Zugegeben, dass es Menschen gibt, die sich nur aus Gier nach Aufmerksamkeit bestürzt zeigen, ist nicht ausgeschlossen. Jedoch -haltet mich für verrückt- gehe ich davon aus, dass das ein zu vernachlässigender winzig kleiner Bruchteil ist.

Ich darf betroffen sein, verdammt!

Die Kommentare reichen von „Den habe ich eh nicht gekannt“ über „Den hast Du nicht wirklich gekannt“ bis hin zu „Aber in der Sahara verhungern Wale!!1einself“

Nein, die wenigsten Menschen auf diesem Erdball haben den jeweiligen Star wirklich nicht gekannt. Das heißt jedoch nicht, dass man zu dem Menschen oder dem, was er verkörpert hat, keine Verbindung hatte. Chester Bennington und Chris Cornell beziehungsweise Linkin Park und Audioslave / Soundgarden waren viele Jahre Begleiter meiner Jugend. Ihre Lieder haben mich durch diese holprige Zeit getragen und mich aufgefangen. Ich habe mich verstanden gefühlt. Die Traurigkeit, die Wut, Schmerz, Angst, aber auch Durchhalten, Kraft, Verständnis aus ihren Liedern waren auch meine Gefühle und die vieler anderer meiner Generation.

Gerade wenn diese Menschen Selbstmord begehen trifft mich das. Sie haben uns, ihren Fans, Trost und Halt gespendet und es doch selbst wohl nicht (ausreichend) erfahren. Sie waren sogar so verzweifelt, dass Suizid der einzige Ausweg für sie zu sein schien. Ja, auch trotz Familien. Wer sich darüber auslässt, dass sie dafür Arschlöcher sind, dass sie ihre Familien so zurück lassen, dem sei gesagt: ich verstehe diesen Gedankengang. Es ist aber scheiße das zu sagen. Es ist nämlich eben nicht so einfach. Eigentlich macht es das Ganze nur noch schlimmer und umso mehr betroffen. Ihr habt das Thema Depression nicht verstanden. Das ist vollkommen okay, es ist kaum oder gar nicht zu verstehen. Man muss aber auch einfach mal die Klappe halten können.

Zudem war ich selbst mittel bis schwer depressiv und stand mehr als einmal an dem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter wusste und mir das Leben nehmen wollte. Es hat also auch einen ganz persönlichen Bezug, eine Tragik für mich inne. Ich weiß wie beschissen man leidet, auch wenn ich den finalen Schritt nicht ging.

Darüber hinaus sind gar viele meiner Freunde seelisch gebeutelt. Auch gab es Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die sich von der Krake verschlingen ließen. Eine Person explizit durch Erhängen.

Ich bin bei weitem nicht die Einzige, die selbst betroffen ist oder war oder Freunde, Bekannte, Familie auf diese Weise verloren hat. Es gibt da draußen unzählige Betroffene.

Und es gibt viele, die eine gewisse Verbindung, wie und warum auch immer, zu der einen oder anderen Berühmtheit oder deren Werken spürt. Das ist normal. So wie es auch normal ist, diese Verbindung nicht zu haben.

Ich habe verdammt nochmal das Recht zur Betroffenheit. Das geht keinen was an. Das hat mir niemand abzuschreiben. Wen Mitgefühlsbekundungen und Betroffenheitsstatements nerven, der scrollt eben weiter und hält die Klappe. Ganz einfach.

Danke.